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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-06-10 · 23 (10.6.1898) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
23 (10.6.1898)
Date
1898-06-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 444 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 23 werden zur Thora gerufen und der Dritte liest die Haftarah. Sämmtliche Anwesende nehmen nach verrichtetem Gebete ihr Mittagmahl ein und gehen ihren Verrichtungen nach. Suchen wir aber in den Quellen nach, wie es sich damit verhält, so ergibt sich nachstehendes Resultat. Im Talmud, Tractat Taanith Fol. 122, heißt es: Ein Fasten, das nicht bis Sonnenuntergang dauert, heißt nicht fasten. Der erste Compilator der talmudischen Halachah, Raio Alfas, hat diese Lehre als feststehend reeipirt. In gleicher Weise der seinen Fußtapfen folgende Rosch (Ascheri), welcher bemerkt: Ein Fasttag schlechtweg ist ein solcher, der bis nach Sonnenuntergang, das ist bis zum Sichtbarwerden der Sterne beobachtet werden muß. Desgleichen Tur orach chajim 562 und dessen nachfolgender Schulchan-Aruch und chaje adam. Da nun somit ein Fasten bis Mittag gar nicht als Fasttag anzusehen ist, so entfällt consequenter Weise jede Berechtigung, die nur für einen wirklichen Fasttag festgestellte Liturgie in der Synagoge anzuwenden. Man lese hierüber Tur orach chajim 566 : Mögen. auch zehn fastende Personen im Orte sein, so genügt dies nicht, um in der Synagoge eine Berachah zu sprechen, die auf den Fasttag Bezug hat, sondern es müssen in der Synagoge zehn fastende Personen anwesend sein. In gleichem Sinne lautet diese Stelle 8chll1chan aruch orach chajim Abschnitt 566 und Chaje adam Aschnitt 132, § 33, wo es Heißt: Dieses Alles, nämlich das Lesen wajchal und das Reeitiren von aaeim darf nur dann geschehen, wenn zehn fastende Personen in der Synagoge anwesend sind. Diesem klaren Wortlaute der Halachah gegenüber bleibt es jedenfalls räthselhast, daß sowohl Gemeinden, wie Rabbiner sich so leichten Herzens über ein derartiges Verbot der Schrift hinwegsetzen und eine Liturgie bestehen lassen, die den religiösen Verhältnissen der Gegenwart nicht entspricht. Ich laste in meiner Gemeinde am 9. Ab das Minchagebet in der Synagoge nicht zu MUtag beten, sondern um halb 8 Uhr Abends, und nur in dem Falle, als es mir gelingt, zehn Personen für das ganztägige Fasten zu gewinnen, wird auch anenu gebetet und wajchal gelesen. Ph. Lederer Rabbiner in Liebeschitz bei Saaz. Ei« Rechtsirrthum unter Ludw'g XIV. Schwihau bei Klattau, 5. Juni 1898. Löbliche Redaction! Ich erlaube mir zu dem Schlußpaflus in dem Artikel „Ein Rechtsirrthum unter Ludwig XIV." von Dr. Heinrich Bloch in Budapest: „Der König hätte zu seinen Ruhmestiteln noch einen weiteren hinzufügen können, wenn er in consequenter Verfolgung seiner Bestimmung das geschmähte Andenken eines ungerecht Verurteilten wiederhergestellt hätte rc." zu bemerken, daß Grätz in seiner „Geschichte der Inden", Band 10, Seite 273, schreibt: In Folge dessen (nämlich der Schutzschrift des Pater Richard Simon) ließ sich der königliche hohe Rath die Proceßacten vom Metzer Parlament zuschicken und gab das Urtheil, daß an dem armen Raphael Lewi ein Justizmord begangen worden war. (Ende 1671.) Ludwig XIV. verordnete in Folge dessen, daß fortan peinliche Anklagen gegen Juden stets dem hohen Rath des Königs vorgelegt werden sollten. Hoachtungsvoll Dr. Benjamin Neumann, Rabbiner. Generalversammlung des Rabbiner- Verbandes in Deutschland. Erster Berhandlungstag. Eine außergewöhnlich gut besuchte Versammlung, circa 100 Rabbiner sind anwesend, darunter sind alle Richtungen vertreten mit Ausnahme der äußersten Rechten, nämlich der süddeutschen Rabbinergruppe Bamberger-Breuer, die sich ferngehalteu hat. Von den Erschienenen nennen wir die Vorstandsmitglieder Dr. M a y b a u m-Berlin, Dr. Auerbach- Halberstadt, Dr. G u t m a n n-Breslau, Doctor Werne r-München, H o r o w i tz-München, ferner Dr. Vogel st ei n-Stettin, Dr. K o p f st e i n-Beuthen, Dr. Rahme r-Magdeburg, Dr. A p p e l-Karlsruhe, Doctor E o h n-Kattowitz, Dr. Präge r-Eaffel, Dr. Salfeld- Maiuz, Dr. G r o u e m a n n-Hannover, Dr. B a ch-Lissa, Dr. P l a u t-Frankfurt, Dr. Fra n k-Cöln, Dr. David- Düsseldorf. Alle anderen Herren zu nennen, verbietet leider Raum. Der Vorsitzende Dr. M a y b a u m eröffnet die Versammlung mit einer kurzen Begrüßung, an die sich auf seinen Vorschlag die Wahl der Schriftführer Dr. K o hn- Ansbach, Dr. Blumentha l-Danzig, Dr. Hochfeld- Frankfurt anschließt. Der Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Berlin, Herr Justizrath Meyer richtet an die Versammlung warme Worte der Begrüßung. Immer habe der Vorstand der Berliner Gemeinde gegen den Jndifferentismus und für die Ausbreitung der Religiosität gekämpft, und er hoffe auf die Unterstützung der Rabbiner in diesem Kampfe. Es ist begreiflicherweise oftmals angezweifelt worden, ob die Rabbiner so verschiedener Richtungen in einem Verband zusammenbleiben könnten. Indessen habe ihn die Erfahrung bei dem Zionistentage belehrt, daß bei einigem guten Willen die Praxis das Zusammenarbeiten der verschiedenen Richtungen sehr erleichtere. Auch hier werde dasselbe sich zeigen, die Conservativen würden begreifen, daß die geistige Entwicklung nie still steht, die Liberalen werden die Bedeutung der traditionellen Anschauungen für die Erhaltung der Religion verstehen lernen. Die Versammlung werde über die Einführung des obligatorischen Religionsunterrichtes berathen, aber sie möge auch in Betracht ziehen, daß sicher auch die Lehrer fehlen für eine derartige Ausdehnung des Unterrichtes. Eine sehr wichtige Frage, die in Berathung steht, ist ferner die Frage der Predigt am Freitag Abend. Er hoffe, daß die Versammlung den Frieden nach Innen und Außen fördern werde. Dr. M a y b a u m betont, daß die Gemeinden sämmtlich die Bestrebungen des Verbandes billigen. Ein Beweis dafür sei die Anwesenheit des Herrn London, des Vorstehers der zweiten Berliner Gemeinde der Adaß Israel. Der Bericht des Vorstandes kann sehr kurz sein. Das verlaufene Jahr ist im Wesentlichen der Arbeit zur Stärkung der inneren Organisation gewidmet gewesen. In der' Frage der rituellen Verköstigung der jüdischen Strafgefangenen ist der Vorstand nacheinander bei dem Minister des Innern, der Justiz, endlich bei dem Staatsministerium vorstellig geworden, leider ohne Erfolg. Ferner hat der Vorstand eine Erklärung gegen den Zionismus abgegeben, um zu vermeiden, daß die Thätigkeit einzelner Utopisten der Gesammtheit zur Last gelegt werde. Der Eile halber konnte sie nur der Vorstand abgebeu, er erbittet dafür die nachträgliche Genehmigung des Verbandes. Unzweifelhaft hat diese Erklärung auch ihre Wirkung ausgeübt und selbst auf die Zionisten mäßigend eingewirkt. Die Versammlung^ sei der beste Beweis, daß man nun nicht mehr befürchtet, durch die andere religiöse Richtung majorisirt zu werden. Auch die Liberalen stehen auf dem Standpunkte, nicht weiter zu reformiren, sondern sich auf den Besitzstand zu beschränken. Dr. Auerbach betont auch seinerseits, daß, nachdem die Streitpunkte ausgefchieden seien, noch so viel übrig sei, daß man gemeinsam verhandeln könne, daß dadurch schon allein der Verband nothweudig geworden sei. Dr. Werner erstattet den Kassenbericht, nach dem 146 Mitglieder im Verbände sind. Mark 1337'45 sind gegenwärtig in der Kasse. Der erste.Punkt der Tagesordnung lautet: Die zio n i st if ch e B e w e g u n g. Referent Dr. H o r o w i tz-Frankfurt a. M. Der Vorstand hat nnch beauftragt, für die von ihm gegen den Zionismus abgegebene Erklärung Indemnität zu verlangen. Wir sind dafür sehr heftig angegriffen worden, theils hat man uns gesagt, daß diese Frage, als eine politische, die Rabbiuen nichts angehe, theils hat ma' uns im heftigsten Ton angegriffen. Auf diese Tonart gehen wir nicht ein, wir

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