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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-06-10 · 23 (10.6.1898) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
23 (10.6.1898)
Date
1898-06-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 442 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 23 straße 2, als Wiederverkäufe!: eines sogenannten „Schusterlabels", dessen Dimensionen wir hiehersetzen wollen. Um aber zu zeigen, wie kraß dieser Wucher ist, haben wir bei einem Bäckermeister, der das in der Inneren Stadt übliche Gebäck führt, ein solches Laibchen gekauft und nach demselben System gemessen. Diese vergleichenden Ziffern setzen wir in Klammern bei. Wir haben also bei dem Gebäck aus dem zehnten, also aus einem Armen bezirk, folgende Maße gesunden: Seitenumfang 270 Millimeter (beim Gebäck aus der Innern Stadt, also dem reichsten Bezirke, 320 Millimeter); Längsumfang 260 Millimeter (283); Breitenumfang 180 Millimeter (230); Länge 91 Millimeter (103); Breite 54 Millimeter (75); Durchmesser 45 Millimeter (52); Gewicht im X. Bezirk 57, Dekagramm, in der Inneren Stadt 8V, Dekagramm. Aus diesen Ziffern geht also hervor, daß das Brod der Armen um 3 Dekagramm leichter ist, als das in der Innern Stadt, oder daß es nicht einmal ganze zwei Drittel von dem Brot aus dem theuersten Wiener Bezirk ausmacht. Es liegt also hier unzweifelhaft eine Begaunerung des Arbeiters vor, der dieses Gebäck für zwei Kreuzer kaufen soll. Wer in dem Falle der Gauner ist, der Bäckermeister oder der Gastwirth, der sich dieses mindergewichtige Gebäck möglicherweise extra so anschafft, um einen größeren Profit zu haben, diese Frage können wir nicht entscheiden. Unsere Gewährsmänner — ein Geschäftsmann und drei bei ihm beschäftigte Arbeiter — konnten in dieser Richtung nichts erfahren. Das ist schließlich auch gleichgiltig. Der Bäckermeister, der sich zur Ausbackung solchen nur auf Bewucherung des Consumenten berechneten Brotes hergibt, ist geradeso zu verurtheilen, wie der, der den Wucher in eigener Regie treibt, und es ist auch bei dem Arbeiterwirth Brosch gleichgiltig, ob er sich das Brot so angeschafft hat, oder ob er es auf getheilten Profit hin einfach nur verkauft. Wer solches Brot ausbackt und wer es verkauft, der macht sich einer Bewucherung der arbeitenden Bevölkerung schuldig." Zionismus und Mischehe. Hochgeehrter Herr Redacteur! Im Jntereffe des Zionismus und als wahrer Zionist ersuche ich Sie, diesen meinen wenigen Zeilen eine Spalte in Ihrem geschätzten Blatte zu öffnen: Die in der „Oesterreichischeu Wochenschrift" Nr. 22 erschienene, mit.gezeichnete Defensiv n für Dr. Max Nordau hat mich sehr unangenehm berührt. Ich würde glauben, daß Defensor einer der größten Assimilanten sei, hätte er sich nicht gleich beim Eingänge seiner Zuschrift freimüthig als Zionist bekannt, und muß es jetzt noch leider constatiren, daß Schreiber ein zu heißer Zionist oder zu kalter Jude sein muß. Als heißer Zionist glaubt er jedwede Handlung, wird sie nur von eiuem Zionisten verübt, gut finden zu müssen, oder als kalter Jude ist ihm die Mischehe etwas ganz Natürliches. „Ihre scharfe Stellungnahme," sagt er, „gegen den berühmten Schriftsteller Dr. Max Nordau aus Anlaß seiner Eheschließung mit einer Christin ist vollständig unmotivirt und ungerecht." Vollkommen recht! Die scharfe Stellungnahme gegen den „berühmten Schriftsteller Dr. Max Nordau" wäre wirklich höchst unmotivirt und ungerecht — haben ja viele hervorragende jüdische Schriftsteller und Dichter christliche Frauen geheiratet — aber die scharfe Stellungnahme gegen den Zionisten, gegen den jüdischen Parteiführer Dr. Max Nordau, sehe ich mich als aufrichtiger Zionist gezwungen, für „vollständig motivirt und gerecht" zu bezeichnen, denn es ist dem zionistischen Progranun widersprechend, sich mit Christenblut zu amalgamiren. Daß „Heinrich Heine eine ftanzösische Katholikin geheiratet hat", will Schreiber jener Zuschrift als Vertheidigung für Nordau nehmen? Hat ja Heinrich Heine auch die Taufe angenommen! — Und „der hervorragende. Wiener Schriftsteller, den er persönlich kennt, der ebenfalls eine arische Frau hat, seit Jahren getauft, und dermalen ein eifriger Zionist ist," weiß ich nicht, was er mit der Eheschließung Nordau's gemein hat. Es scheint, als ob Defensor sagen möchte: Man kann ein ausgezeichneter Assimilant wie Herr N. sein, zum Protestantismus übergehen wie Heine, sich taufen lassen, wie jener „hervorragende Wiener Schriftsteller", und dabei ein vortrefflicher Zionist sein. „Das Bekenntniß der Rabbiner, die Dogmen der Mischnah und die Vorschriften der Propheten beeinflußen durchaus nicht unser Verhalten im Leben. Nicht als Bekenner des Mosaismus, sondern als Angehörige einer jüdischen Nation, stehen wir den andern Völkern gegenüber." Schreiber scheint das Judenthum wie den Zionismus sehr mißzuverstehen. Esra und Nechemia haben bei der Restauration des jüdischen Reiches auch die Restauration der jüdischen Religion, des Mos aismus, angestrebt, denn sie wußten als große Politiker sehr gut, daß das Judenthum ohne jüdische Religion, ohne Mosaismus, keinen dauernden Bestand haben kann, daß die Religion die Nationalität der Juden ausmacht. Wer im Judenthum Nationalität und Religion als geschieden ansieht, weiß vom Judenthum soviel wie Nichts. Nationalität und Religion ist bei den Juden Eins. Wir Zionisten wollen nicht nur einen Judenstaat Herstellen, sondern auch den jüdischen Geist, den Mosaismus im Volke wieder beleben. Wie der wahre Jude Zionist sein muß, (??) sonst ist er kein wahrer Jude, so muß der aufrichtige Zionist Jude sein, sonst ist er kein Zionist. Und der die Mischnah verwirft, von den Vorschriften der Propheten sich nicht beeinflußen läßt, dem Mosaismus den Gehorsam kündigt, wird schwerlich Jude heißen. Schreiber jener Zuschrift kommt mir gerade so vor, wie jener Fabrikant, der seine Arbeiter ausbentet und dabei den Socialdemokraten spielt. Daß deutsche Politiker ungarische und slavische Frauen geheiratet haben, kann die Mischehe Nordau's nicht rechtfertigen. Dort heiratet der Christ doch die Christin, hier der Jude die Christin. Das Parteiorgan macht es daher weit gescheidter, daß es in dieser Angelegenheit schweigt; es weiß selbst nicht Worte zu Nordau's Vertheidigung zu finden. Der Zionismus verwirft jede Vermischung mit den Völkern, die Mischehe insbesondere, und als Parteiführer dürfte Nordau das zionistische Programm zu währen wissen. Wenn er antwortet, der Zionismus sei blos eine politische Bewegung, bei welcher Religion nichts zu schaffen hat, so werde ich nicht scheuen, ihm zu sagen, daß es falsch sei. Das Actionscomitä in Wien macht den Zionismus nicht aus, der Kern des Zionismus sind vielmehr jene Millionen,von russischen, rumänischen und galizischen Juden. Aber bei ihnen ist der Zionismus nicht nur politischer, sondern auch religiöser Natur. Dr. Max Nordau ist der Verfasser der „conventionellen Lügen" der Schreiber der „Ehelüge", vielleicht schreibt er noch eine „zionistische Lüge" hinzu. Dr. Nordau hat in Berlin vortrefflich und unwiderlegbar gegen die Assimilation gesprochen und hat selbst den größten Assimilationsact begangen. Aber wir wahre Zionisten „richten uns nach seinen Worten, nicht nach seinen Thaten". Hochachtungsvoll S. Meisels. Przemysl, am 5. Juni 1898. Ein Rabbiner als Ornithologe. Se. Ehrwürden Herr Dr. B. Placzek in Brünn, der Landesrabbiner von Mähren, ist nicht blos ein gediegener Kanzelredner vornehmen Styles, nicht allein ein hervorragender Bibe^- und Talmudkenner, sondern cultivirt auch das Gebiet moderner Naturwissenschaft als selbstständiger Forscher, dessen Stimme im Rathe der engeren Fachgenossen mit Achtung angehört wird. Herr Dr. Placzek veröffentlichte in der Nummer vom 13. Mai 1898 der „Oesterreichischen Forst- und Jagdzeitnug" einen bedeutsamen, von eingehenden Studien zeugenden Aufsatz: „Zur Vogelschutzfrage" überschrieben. Die darin zum Theil in polemischer Form geäußerten Anschauungen beweisen dem tiefer Blickenden zur Evidenz, daß die Gesichtspunkte unserer heiligen Bücher mit moderner Denkweise nicht nur zu vereinigen sind, sondern daß die letztere schon längst darin vorgebildet erscheint. „Vogelschutz der Jnsectenschutz" betitelt sich eine Broschüre des Herrn Verfassers, welche seine originellen, wissenschaftlich begründeten Gedanken enthält und auf die er zurückkommt. Er meint, daß -zu weit gehender, sich der Specialisirung enthoben fühlender Vogelschutz, — „denkfauler Vogelschutz" möchten wir sagen — einen großen Uebelstand an sich bedeutet, der lästige Consequeuzen im Gefolge hat. Ein ebenso klarer als scharfsinniger Denker, Dr. Friedr. Graf Schö nborn, erster Präsident des Verwaltungsgerichtshofes in Wien, hat in einigen sehr belangreichen Briefen an Dr. Placzek zur Vogelschutzfrage vor Kurzem Stellung genommen: „ „Allerdings bekenne ich, daß ich in einer Ausführung Ew. H. gegenüber einen etwas oppositionellen Standpunkt einnehme; ich bin nämlich ein beinahe leidenschaftlicher Vogelfrcund und wenigemale, wo ich über die einschlägigen Fragen für den Druck geschrieben habe, bin ich als entschiedener Vogelfchützer aufgetreten. Es stehen mir wohl bei weitem n ich t d a s M a t e r i a l u n d d i e F ü l l e der Kenntnisse zu G ebote wi e Ihnen, und in Sachen desJnsectenschutzesinsbesondere bin ich deshalb

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