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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-06-03 · 22 (3.6.1898) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
22 (3.6.1898)
Date
1898-06-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 434 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 22 Lemberg. Aus Anlaß des 50jährigen Regierungsjubilännis und den Intentionen Sr. Majestät unseres allergnädigsten Kaisers gemäß hat der hiesige Hauseigenthümer, das orthodoxe Gemeindemitglied Herr Aron Pilipp eine Realität im Werthe von fünfzigtausend Gulden, deren Zinsen jedes Jahr eine arnie jüdische Braut als Ausstattung und Mitgift erhält, gespendet. Der Industrielle, Mühlen- und Gutsbesitzer Herr Jacob G a l l, kaiserlicher Rath, Handelskammerrath in Brody, der von Tarnopol hieher transportirt wurde, ist nach langem Leiden am 25. v. M. gestorben. Im Trauerhause hielt Herr Rabbiner Dr. Caro einen warmen Nachruf. Für das hiesige Waisenhaus hat der Verstorbene 10.000 fl., für den Tempel 500 fl., für das Spital 4000 fl. testirt; für eine neu zu erbauende Synagoge in Lemberg den Namen „Gall Eid" führend, 28.000 fl.; für wohlthätige Vereine in Tarnopol 15.000 fl.; für den hiesigen Tempel 500 fl.; für Arme ohne Unterschied der Confession vor und nach dem Leichenzug 400 fl.; für das Personal 15.000 fl. Möge der einzige Sohn in den Fußtapfeu seines verstorbenen Vaters wandeln. — Wie verlautet, soll Edler v. Horowitz für ein Asylhaus 50.000, Herr Dr. Schaff für das Waisenhaus 50.000 fl. spenden. Budapest, 29. Mai. Das soeben vergangene Schwuos- Fest bot den Besuchern des großen Tempels eine herrliche Ueberraschung. Bis jetzt wurden in dem prachtvollen Tempel für Hagba-Gelila-Function ganz gewöhnliche Sessel verwendet; nun hat der hiesige Großhändler Herr Lazar Eppinger, der in diesem Jahre das 40jährige Jubiläum seiner Verehelichung feiert, als Andenken an dasselbe 2 prachtvolle, durch den hiesigen Kunsttischler Mano Lindner kunstvoll ausgestattete Fauteuils dem Tempel gespendet, auf denen außer 2 passenden Bibelversen auch dei Namen des Jubelpaares auf rothem Sammt in herrlicher Goldstickerei ausgeführt siud. Diese Thora-Fauteuils bilden nunmehr eine sehenswürdige Zierde dieses Pracht-Tempels. Der Vorstand ließ es auch an Anerkennung nicht fehlen, Herr Eppinger erhielt nicht nur ein kalligraphsch ausgeführtes Dankschreiben, sondern wurde auch am ersten Feiertag zur Thora gerufen, wo ihm vom Vorstand auch mündlich Dank und Anerkennung zu Theil wurde. E. S. Agram, 29. Mai. (Iu b i l ä'u m.) Am 26. d. M. feierte unsere Cultusgemeinde ein Jubiläumsfest, welches von der munificenten Gesinnung der Juden Andersgläubigen gegenüber zeugt. Der vortreffliche Agramer Musiker Herr Karl Gauby wirkt nämlich fett 25 Jahren als Organist an der hiesigen Synagoge und mit Freuden ergriff die Gemeinde die Gelegenheit, ihn in würdiger Weise zu ehren. Am Erew'Schowuos erschien beim Jubilar eine Deputatton der Gemeindemitglieder, deren Sprecher, Herr Oberrabbiner Dr. Jacobi, dem verdienstvollen Organisten den Dank der Gemeinde ausdrückte und ihm den Segen ertheilte, indem er betonte, daß das Judenthum eine Religion der Liebe sei, welche ihren Bekennern Liebe für alle Menschen, ohne Unterschied der Confession, vorschreibe. Hierauf überreichte Herr Chor-Jnspector Arthur Betlheinl unter herzlichen Worten dem Jubilar das werthvolle Ehrengeschenk der Gemeindemttglieder. Baan. Am ersten Swuoth-Tage fand hier die feierliche Einweihung des Sefer-Thora statt, welches der seit 3 Jahren bestehende Schomreh-Thora-Verein von dem bestbekannten Sofer Herrn Schwalb aus Zenta, schreiben ließ. Dasselbe war mit schöner Krone, gleichfalls gespendet von den Mitgliedern des Schomreh-Thora-Vereines, schwerem Schild, von Frau Betty Munk, Präsidenttn des Frauenvereines und einer schweren Jad von dem Herrn Juwelier Diamant, Budapest, geschnlückt. Dasselbe wurde von Sr. Ehrwürden unserem Herrn Rabbiner, aus dem Beth-Hämidrafch, in welchem Herr Jgn. Donath ständig, mtt Aufopferung vorträgt, unter Baldachin, vor den Tempel getragen, wo Herr Jgn. Donath in bewegten Worten den Dank allen Mitwirkenden aussprach. Dann wurde das Sefer-Thora in den Tempel getragen, wo Se. Ehrwürden unser Herr Rabbiner M. Reich, der seit seinem Amtsantritte vor 10 Jahren unentwegt für die Gründung eines Beth-Hamidrasch, für limmud-hatorah eintrat, eine glänzende Fest- und Einweihungsrede hielt. Der Werth der Sefer-Thora und Adjustirung beträgt 600 fl. Jassy, 23. Mai. Anläßlich einer ungarnfeindlichen Demonstration fanden hier ernstliche Ausschreitungen gegen unsere Glaubensgenossen statt. Der fanatische Pöbel überfiel die jüdischen Straßen, demolirte eine Schule und zahlreiche Geschäftsläden und schlug in vielen Häusern die Fenster ein. Die, wie stets bei solchen Gelegenheiten, erst spät erschienene Polizei stellte die Ordnung wieder her, doch dauert die Beunruhigung unter den Juden fort. Dortmund» 4. Mai. Herrn Bankier R o f e n b e r g, ehemaligem Handelsrichter, ist der Rothe Adler-Orden IV. C l a s s e verliehen worden. Jerusalem, 26. April. Bei den Wahlen zum Stadtr a t h ist unser Glaubensgenosse Herr I e l l i n, ein Aschkenasi, mit großer Mehrheit gewählt worden. Auch zahlreiche Muhammedaner haben ihm ihre Stimme gegeben. Feuilleton. Der neue Oberamtmann. Erzählung aus dem dritten Viertel des XVIII. Jahrhunderts von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel". Viertes Capitel. Es war Moze Schabbos'), Veit Weritsch hatte eben Hawdolo* 2) gemacht; und es herrschte in seinem Zimmer eine tiefe Stille. Es befanden sich in der niedrigen Stube der ebenerdigen Wohnung vier Personen, Veit Weritsch, den wir schon kennen, seine beiden Kinder und Jakob Leipnik. Mosche Weritsch war im Wüchse seinem Vater uachgerathen und die Züge seines gutgeformten Gesichtes wurden nur durch die Starrheit der lichtlosen Augen entstellt. Hanna war ein schlankgewachsenes schönes Mädchen von vierundzwanzig Jahren, Jakob Leipnik noch um einen halben Kopf seinen Oheim überragend, war eine kräftige, kernige Gestalt mit sonst freundlichen, hellen Zügen, die aber in dem Momente tief verdüstert waren. „Ich habe reiflich über diese Sache nachgedacht "..sprach er, „und bin endlich zu einem unabänderlichen Entschlüsse gekommen, den ihr, wie ich hoffe, Alle billigen werdet. Ich seh' es schon, eine Familie in Mähren, wird für mich nie zu erlangen sein; wird Keinmal eine frei, wie jene Sonnenfels', so fordert man einen Preis, der mein Vermögen um das Vierfache übersteigt — es können wieder zwei, drei Jahre vergehen, bevor wieder eine solche erledigt wird — und ist dann auch wieder eine solche frei, so nützt es mir wieder nichts, — ich werde, wenn ich hier bleibe, auch dann nicht so viel besitzen, mir eine solche zu kaufen, ich, Hanna, Du lieber Ohm und Du, Mosche, wir verzehren uns in Gram und Kummer, denn nichts kann den Menschen mehr niederbeugen, als ein Elend, gegen das man keine Waffe hat, .... so kommen wir nicht zum Ziele, ich muß weg von Mähren, muß auswandern — nach Ungarn hinüber, dort sind wir Juden doch nicht so geknechtet wie in Mähren, dort verkümmert man uns wenigstens nicht das natürlichste Recht belebter Wesen, sich eine Lebensgefährtin wählen zu dürfen. Ich bin stark, gesund, an harte Arbeit und Entbehrungen gewöhnt. Ihr wißt es ja, ich bleibe in der Regel von Montag Früh bis Freitag Abend aus, und oft kommt da kein warmer Bissen in meinen Mund; — ich geh' nach Ungarn, entweder wird es mir dort gelingen, so viel zu ersparen, daß wenn ich wieder heimkehre, ich mir auch irgendwo eine Familie erkaufen kann; — oder daß ich mich dort ansässig machen kann; und mir dann meine liebe, gute, treue Hanna als Weib hole. Müssig zusehen kann ich nicht länger, ich muß etwas thun, mir mein Glück zu erringen. — Seid Ihr mit meinem Plane einverstanden?" Einen Augenblick herrschte in dem kleinen Kreise tiefes Schweigen; das, was Jakost vorschlug, erschien so überraschend, neu, — er hatte früher nie etwas Aehnliches angedeutet; aber der richtige gesunde Sinn der Familie Leipnik erkannte, daß Jakob vollkommen recht habe. Der Vater ergriff zuerst das Wort. „Wenn ich es bedenke, scheinst Du das Richtige getroffen zu haben; ich habe mich lange genug mit eitler Hoffnung hin- ') Ausgang des Sabbaths. 2) Eine Benediction, welche über Wein, Gewürze, eine brennende Wachskerze, beim Scheiden des Sabbaths gesprochen.

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