Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 22 (3.6.1898)
- Date
- 1898-06-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 22 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 433 Rom. Bei den Unruhen, die jetzt Italien bedrängten, hat eine ganze Anzahl jüdischer Osficiere und Beamte in Action zu treten Gelegenheit gehabt, z. B. die Lieutenants Racah und Basevi in Leghorn, David Samaja in Mailand rr. Der Letztere, der in Afrika mit Auszeichnung gegen die Derwische gejochten hat und deßhalb vom König Humbert öffentlich belobt wurde, ist bei den Tumulten durch mehrere Revolverschüffe schwer verletzt worden. Dagegen gelang es Commandant Felice Legre, dem einzigen jüdischen Präfecten, in Novara die Unruhen im Keime zu unterdrücken. Athen. Kaum daß die Griechen wieder in Thessalien einrücken, das jetzt von den Türken geräumt wird, so beginnen schon wieder Hetzereien gegen die Juden in diesem Lande. Man macht ihnen zum Vorwurf, daß sie nach den Niederlagen der Griechen nicht mit diesen geflohen sind, sondern die siegreichen Türken erwartet haben. Thatsächlich haben sich die Juden in den Türken nicht getäuscht, denn sie sind von ihnen durchaus gerecht und gut behandelt worden und hatten keinen Grund, unzufrieden zu sein. Die größten griechischen Zeitungen, z. B. „Akropolis", treten übrigens den Hetzern scharf entgegen. London. Das englische Oberhaus hat nun doch am 23. v. M. mit 81 gegen 19 Stimmen die zweite Lesung der von Lord Hardwicke beantragten Bill angenommen, welche die Einwanderung fremder Personen verbietet, die dem Staate zur Last fallen könnten. Lord Salisbury selbst sprach für die Vorlage und erklärte, die steigende Zahl von Ausländern, die dem Staate zur Last fielen, mache gesetzgeberische Maßnahmen nothwendig. Daß sich diese Maßnahmen zunächst gegen die armen russischen Juden wenden, die doch eigentlich dem Staate wenig oder gar nicht zur Last fallen, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. Seit 1893. seit dem Antrag Mr. Lowthers, steht diese Fremden-Bill auf der Tagesordnung, und selbst Gladstone trat für dieselbe ein. Aber er vermied es sorgfältig, die fremden Einwanderer als Juden zu bezeichnen. Die Frage war für ihn eine politische und ökonomische, keine religiöse. Daß sie nun aber jetzt gerade in diesem Sinn ausgebeutet werden wird, erscheint ziemlich selbstverständlich. VenniWes. Rabbinerversammlung in Berlin. Am 1. und 2. Juni fand in Berlin eine außerordentliche Rabbinerversammlung statt. Aus allen Gauen Deutschlands sind die hervorragendsten Vertreter des Ju d e n t h u m s, Männer der verschiedensten Parteien, zur gemeinsamen Berathung dringlicher jüdischer Angelegenheiten zusammengetreten. An hundert Rabbi neu waren anwesend. EinTelegramm, das nach Schluß der Redaction eintraf, theilt uns mit, daß die Rabbiner Versammlung nach einem Referat der Rabbinen Dr. Horowitz in Frankfurt a. M. und Dr. Vogel st ein in Stettin e inst i m m i g eine scharfe Verwahrung gegen die unjüdische zionistische Agitation beschlossen hat. Ferner wurde beschloffen, das Colonisationswerk, welches durch jene Agitationen schädlich beeinflußt wird, eifrig zu unterstützen, insbesondere den Verein „Esra" zu fördern. Einen ausführlichen Bericht über die Berathungen bringen wir in der nächsten Nummer dieses Blattes. Zur Wahl des Wiener Gemeinderabbiners sür den Bezirk Ottakring-Hernals. Nachdem das in der ersten Vertrauensmänner-Versammlung zum Studium der Competenzgesuche, sowie zur Berichterstattung und Antragstellung gewählte Neuner-Comits seine Arbeiten beendigt hatte, wurde für Mittwoch den 1. Juni vom Cultusvorstande die zweite Versammlung der Vertrauensmänner einberusen, welche unter Vorsitz des Cultuspräfidenten kaiserlichen Rathes Herrn Heinrich Klinger im Sitzungssaale der Gemeinde abgehalten wurde. Der Obmannn des Comitös, Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Fialla erstattete über das umfangreiche Material der eingelaufenen 48 Bewerbungen ein überaus gründliches und ebenso faßliches Referat, für dessen lichtvolle und erschöpfende Darstellung dem Redner vonl Vorsitzenden sowohl, wie von mehreren Rednern und von der Versammlung der lebhabfte Dank ausgesprochen wurde. Das Referat gipfelte in den vom Counts beschlossenen Anträge, dem Cultusvorstande zu empfehlen, die Rabbiner Herren Dr. David Herzog in Ung.-Ostrau, Dr. Simon Mandl in Koste! und Dr. Max S ch o r n st e i n in Wagstadt, sowie die Rabbinats-Candidaten Herren Dr. Julius Max Bach und Dr. Ludwig Lazarus in Wien zur Abhaltung von Probepredigten einzuladen. Dieser Antrag wurde nach mehrfachen Erörterungen von der sehr zahlreich besuchten Versammlung einhellig angenommen, worauf Herr Präsident Klinger erklärte, die Annahme und thunlichst schleunige Durchführung desselben bei dem Cultusvorstande unterstützen zu wollen. Wien. (Trauun g.) Sonntag den 12. Juni k. I. um 3 V- Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel, L, Seitenstettengaffe, die Trauung von Frl. Melanie Baruch, Tochter des Herrn M. L. Baruch, mit Herrn Sigmund K ö r n e i statt. Wien. Die Akademie der Wissenschaften wählte am 27. Mai zum correspondirenden Mitgliede den Professor Dr. Emil Zuckerkandl in Wien und den Botaniker Prof. Dr. Ferdinand Cohn in Breslau. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien.) E in ladung zu der am Montag den 6. Juni l. I. 3 Uhr Nachmittags stattfindenden Excursion. I. Besichtigung der Elektricitätswerke der internationalen Elektricitäts-Gesellschaft Wien U.; ll. Besichtigung des Kaiser Jubiläums-Bildes der Wiener Rundgemälde-Gesellschaft im Prater (Entree anstatt 50 kr., 30 kr. per Person); UI. Besichtigung der maschinellen Einrichtungen des Riesenrades der Wiener Riesenrad Comp. Lmtd. im Prater; IV. Gemeinsamer, jedoch Jedem sreigestellter Ausstieg mit dem Riesenrade (anstatt 50 kr., blos 20 kr. per Person). Die p. t. Mitglieder werden ersucht mit dem Vereins abzeichen zu erscheinen. Damen und Gäste willkommen Falls ungünstige Witterung, findet diese Excurfion bei gleichem Programme am Montag den 13. Juni statt. Wjen, 17. Mai. Von der am 17. April abgehaltenen XXXI. Generalversammlung des Vereines „Chesed sckel Emes" ist zu berichten, daß diese ihre tiefe Trauer anläßlich des Ablebens ihres hochverdienten Präsidenten Leop. Fried in einem warm empfundenen Nachruf ausdrückte und beschloffen hat, zur bleibenden sichtbaren Erinnerung an diesen treuen Führer und Leiter einen Fond zu gründen, der den Namen Leop. Fried-Stiftung trage, und deffen Zinsen am Jahrestage des Ablebens an arme Mitglieder des Vereines zu vertheilen find. Der Sohn des Verewigten, Herr Ludwig Fried, erklärte hierauf das Nöthige aus eigenen Mitteln zur Recilisirung dieses Beschlusses veranlassen zu wollen. — Bei der am 8. Mai stattgefundenen Wahl wurden Herr Jacob Mittler zum Präses, Herr Siegfried Beer zum Präses-Stellvertreter. Herr Friedr. Reiß zum Schriftführer gewählt. Herr Julius Wottitz nahm die auf ihn getroffene Wiederwahl zum Cassier dankend an. Neugewählt: Ludwig Fried, Hermann Deutsch und Michael Samek, welche Sämmtliche befriedigende Erklärungen gaben. Die Mitglieder des Vereines werden ersucht, Krankenanzeigen, sowie alle sonstigen auf den Verein bezughabenden Mittheilungen von nun ab an Herrn Friedr. Reiß I., Rothenthurmstraße 35 gelangen zu laffen. St. Pölten. Am Schebuothfeste feierte Herr Ignaz Neumann, Cantor und Schächter in St. Pölten sein 25jähriges Dienstjubiläum. Gratulationen von Nah und Fern kamen dem Jubilanten in reichlichstem Mäße zu. Witkowitz, 30. Mai 1898. Am ersten Pfingsttage übergaben die Herren Adolf Adler, B. Adler, Latzi Singer, Ignatz Liebermann, Josef Kulka, Arnold Waldapsek, eine schwere silberne Krone zu dem neuen Sefer-Thora der Cultusgemeinde Mähr.-Ostrau. Im Tempel wurde allen Herrn Spendern bester Dank ausgesprochen mit einem Mischeberach. Die Frauen von den Spendern der Krone rüsten sich, ein Peroches zu spenden. Prera«. Im neuen, elektrisch beleuchteten Tempel wurde am 29. Mai Herr Dr. David Schmidt, Realschul-Profefsor in Göding, mit Fräulein Jda Beer, Tochter des Fabrikanten Herrn Heinrich Beer und der Frau Johanna Beer, Präsidentin des Frauenvereines zu Holleschau, getraut. Die Trauung vollzog Rabbiner Dr. Jacob Tauber. Herr Carl Beer sammelte reiche Gaben für die Armen Palästinas. Auch andere Wohlthatigkeitszwecke wurden freigebig bedacht. Restaurateur Herr Moritz Haas servirte das Hochzeitsmahl in vorzüglicher Weise.