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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-06-03 · 22 (3.6.1898) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
22 (3.6.1898)
Date
1898-06-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 432 Br. Vloch's Wockenftirist Nr. 22 Drucke der öffentlichen Meinung zur Ehrenbeleidigungsklage seine Zuflucht nehmen mußte. Daraufhin bot Dr. Bloch den Wahrheitsbeweis an und bereitete denselben mit einem riesigen Aufwande geistiger Arbeit vor. Die ganz unparteiische deutsche morgenländische Gesellschaft ernannte auf Ersuchen des Gerichtes mehrere protestantische und katholische Professoren zu Sachverständigen, und als deren umfangreiches Gutachten eintraf, in welchem Rohling als erbärmlicher Ignorant, Fälscher und Verleumder gebrandmarkt wurde, blieb dem dunklen Ehrenmanne nichts anderes übrig, als seine Klage gegen Dr. Bloch zurückzuziehen. Beispiellos dürfte nach alldem die Thatmche dastehen, daß ein solches Individuum, wie Rohling, noch bis zum httitigen Tage als öffentlicher Lehrer der Theologie geduldet wird und wirft dies nur ein zu bezeichnendes Streiflicht auf unsere gesellschaftlichen Verhältnisse. Es scheint eben eine besondere Moral zu bestehen, wenn es sich um das Recht und die Ehre der jüdischen Staatsbürger handelt, und muß es dem ewigen Walten der göttlichen Gerechtigkeit überlassen bleiben, dem solcherart gebeugten Rechte Genugthuung zu verschaffen. Ws Anzeichen hiefür dürfen die in der Gegenwart sich wiederholenden Blütbeschuldigungen gegen die Christen in Madagaskar und China gelten, in welchen Ländern die abergläubische Menge den Christen Ritualmorde in die Schuhe schiebt und die haarsträubendsten Metzeleien veranstaltet. Aus dem Proceffe Rohling- Bloch ist aber noch ein Umstand bemerkenswerth, und zwar die hiebei zu Tage getretene Gleichgiltigkeit der Juden gegen die Angriffe des Meineidcanonicus Rohling auf ihre Ehre, welche zurückzuweisen lediglich dem damals noch wenig bekannten Dr. Bloch überlaffen blieb. Wohl ist seither eine Wandlung zum Besseren eingetreten, doch gibt es noch gerade unter den Gebildeten unseres Volkes Viele, welche sich der heiligen Pflicht der Selbstvertheidigung nicht erinnern wollen. Dies muß anders werden. Solange wir Juden einer Centralstelle entbehren, welche berufen ist, im Namen der Gesammtheit aufzutreten, solange ist jeder Einzelne verpflichtet, in die Bresche zu treten und in dem uns äufgedrungenen Kampfe seinen Mann zu stellen. Wir dürft« bicfeu Kampf umso zuversichtlicher aufnehmen, als das Recht und die Wahrheit auf unserer Seite sind und wir des schließlichen Sieges sicher sein können. Und wenn Dir oft auch bangt und graut. Als sei die Höll' auf Erden; Nur unverzagt auf Gott vertraut, Es muß doch Frühling werden! S.r. Budapest. Die ungarische Akademie der Wissenschaften wählte I. K o n t in Paris und den Rechtsanwalt Dr. Moritz Staub in Berlin zu auswärtigen Mitgliedern. — In einem hauptstädtischen Bezirke wurde der schüchterne Versuch gewagt, die Wahl eines Abgeordneten mit einer antisemitischen Hetze zu verquicken. Nach der Abdankung des bisherigen Abgeordneten hielt nämlich ein Theil der Altofener Bürger eine Conferenz, in welcher der Generaldirector Heinrich v. Jelliuek candidirt wurde. Der Bezirksvorsteher Bencze sprach sich jedoch dahin aus, in einem katholischen Bezirke dürfe kein Jude candidirt werden. Er hatte wohl keinen nennenswerthen Anhang, aber einige antisemitische Schreier wagten sich dennoch hervor, um gegen die Juden zu Hetzen. Oberbürgermeister Markus ertheilte nun dem Bezirksvorsteher eine amtliche Rüge, weil es — ohne daß der Oberbürgermeister Jemanden in seiner politischen Ueberzeugung beeinfluffen wolle — seitens des ersten Beamten eines Bezirks unpassend und incorrect sei, confeffionelle Fragen aufzuwersen und confeffionellen Zwist M schüren. Bom Bester israelitischen Spital. Der uns vorliegende, soeben erschienene ärztliche und Wirthschaftsbericht überdie Wirksamkeit des Spitals der Pester israelitischen Religionsgemeinde vom Jahre 1897 zeigt abermals von der musterhaften Leitung und dem segensreichen Wirken dieser vorzüglichen Anstalt. Dem mit großer Sorgfalt zusammengestellten Berichte entnehmen wir folgende Daten: Es wurden im Jahre 1897, dem achten Jahre feit dem Bestände des jetzigen Spitals, in demselben 1530 bettlägerige Kranke, darunter 432 unentgeltlich, verpflegt. Unter den Kranken befanden sich 241 Nichtigen. Die Zahl der ambulanten Kranken betrug 15.040. Die mit der Behandlung nicht im Spitale untergebrachter Armen betrauten Aerzte behandelten 5854 Kranke, so daß instzesammt 24.472 Patienten behandelt wurden. Die Gesammtausgaben des Spitals betrugen 69.335 fl., zu welchem Betrage der „Heilige Verein" 20.000 fl. und die Pester israelitische Religionsgemeiude 13.820 fl. beisteuerten. Mit besonderem Lob verdienen die Leiter der Anstalt hervorgehoben zu werden. Es sind das: der Präsident der Spitalscommission Leopold K e pp i ch, der Spitalsdirector Professor Dr. Berthold Stiller, die Wirthschastsausseher Ignaz I. Mandl, Julius Adler und Benedict v. Baronyi, die Primarärzte Docent Dr. Jonas Baron und Professor Dr. Adolf S z i l i und die Ordinarii Dr. Emerich Berczeller, Docent Dr. Adolf O n o d i und Dr. Sigmund S z e n e s, sowie der tüchtige Spitalsverwalter Soma Leichtmann und das gesammte ärztliche und Verwaltungspersonal dieser Anstalt, auf welche die Pester israelitische Religionsgemeinde, die so viele humanitäre Institute unterhält, mit Recht stolz sein kann. Prag, 27. Mai. In Humpoletz wurde vor einigen Tagen über das Vermögen der dortigen Tuchhandlungsfirma Spitzer und Bittner der Concurs verhängt. Wie nun die czechischen Blätter melden, erschien am 25. d. M. der Untersuchungsrichter des Kreisgerichtes in Kuttenberg, Rathssecretär Klosauer, in Humpoletz, welcher die Cridatare einem Verhör unterzog und darauf über beide die Untersuchungshaft verhängte. Dieser Fall scheint nun von antisemitischer Seite zum Anlaß von Aufreizungsversuchen ausgenützt worden zu sein, denn, wie Berichten der czechischen Blätter zu entnehmen ist, wurden in einer der letzten Nächte in Humpoletz Flugschriften antisemitischen Inhaltes verbreitet, welche Aufregung hervorriefen. Daraufhin begaben sich zwei Vertreter der jüdischen Gemeinde zum Bürgermeister und verlangten Schntzmaßnahmen. Der Bürgermeister hat, wie die „Naroduy listy" berichten, erklärt, daß er für die Ordnung nicht bürge und hat ihnen ein Schreiben übergeben, mit welchem sie sich zum B ezirks Hauptmann nach Deutsch-Brod verfügten. Der Bezirkshauptmann sei noch an demselben Tage in Humpoletz erschienen und habe telegraphisch die G e n d a r m e r i e aus der ganzen Umgebung herangezogen, so daß jetzt 32 Mann Gendarmen für die Aufrechthaltuug der Ruhe sorgen. Nichtsdestoweniger sei aber Donnerstag Nachts ein Fenster bei einem jüdischen Kaufmanne eingeschlagen worden. Frankfurt a. M., 20. Mai. Der Baron Wilhelm von Rothschild, Chef der hiesigen Bankfirma M. A. von Rothschild und Söhne, beging am 16. d. M. in voller körperlicher und geistiger Frische das Fest seines siebzigsten Geburtstages. Baron W. von Rothschild, der von früh an das Leben nicht wie so Viele, die über ungemessenen Reichthum verfügen, als eine Reihe von Episoden, sondern als eine Reihe von Pflichten aufzufassen gewöhnt war, hat sich bis auf den heutigen Tag allen Obliegenheiten, welche die Geschäfte des Welthauses mit sich bringen, mit niemals ermattenden Sorgen gewidmet. Wenn je ein Leben, so ist das seinige „Mühe und Arbeit" gewesen. Er, der Repräsentant der größten Geldmacht im XIX. Jahrhundert, hat dem aus der Mode gekommenen Gebote der Alten »ora et labora« zu neuen Ehren verholfen. Seine streng religiöse Gesinnung ist allgemein bekannt. Wir wünschen dem seltenen Manne noch ein langes Leben, erfüllt von jenem inneren Frieden, auf welchen sein Streben und Sehnen gerichtet ist. Berlin, 24. Mai. Herr Dr. Aug. Wassermann, Assistent am Institut für Infektionskrankheiten, ist zum Professor ernannt worden. Frau Dr. Lydia Rabinowitsch, eine Schülerin Robert Koch's, die seit drei Jahren an dem von ihr selbst eingerichteten bakteriologischen Laboratorium des medicinischen Frauencollegs in Philadelphia als Docentin thätig war, ist zum „ordentlichen Professor" an der dortigen Hochschule ernannt worden. Wie bekannt, hat sich Lydia Rabinowitsch kürzlich in Madrid mit Dr. Kemper vom Berliner Institut für Jnfectionskrankheiten vermählt. Dem praktischen Arzt Dr. Med. HermannLewandowski ist der Charakter als Sanitätsrath verliehen worden. Im Alter von 61 Jahren starb unerwartet am 22; v. M. Herr Adolf Ginsberg, Chef der weltberühmten Firma Gebrüder Ginsberg. Ein reich gesegnetes Leben wird mit dem Entschlafenen zu Grabe getragen. Sein unermüdliches Wirken im Dienste des Judenthums, vor allen Dingen aber sein geradezu unerschöpflicher Wohlthätigkeitssinn werden dafür sorgen, daß sein Andenken viele Geschlechter überdauern wird. -

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