Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 21 (27.5.1898)
- Date
- 1898-05-27
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 416 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 21 Wien. (Trauung.) Sonntag den 29. Mai, halb 3 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel, Stadt, Seitenstcttengasie 4, die Trauung von Fräulein Julie R o t t e r, Tochter des Herrn Adolf Rotter, Ortsschulraths und Religionslehrers des dritten Bezirks, mit Herrn Rudolf Kreilsheim statt. Wie«. (T r a u u n g.) Sonntag den 29. Mai d. I., 2 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel, UI., Untere Biaduetgasse, die Trauung von Frl. Rosalia Glanz, Tochter des Herrn Josef Glanz, mit Herrn Emil Sachs statt. Wien. (Berlobun g.) Fräulein Mimi R e it l i n g e r, Tochter des Herrn Julius Reitlinger, hat sich mit Herrn Gustav Stern, Affociä der Firma Girardelli und Stern, verlobt. Wien. (Neue U n iversitätsprofessoren.) Der Kaiser hat den Privatdocenten an der medicinischen Facultät der Universität in Wien Dr. Moriz H e i t l e r, Dr. Anton Felsenreich und Dr. Lothar Frankl Ritter von Hochwart den Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors verliehen. Wien. Einem 21jährigen Mädchen, welches in New-Aork bei der Arbeit verunglückte und sich, arbeitsunfähig, wieder hilfesuchend ihrer österreichischen Heimat zuwendete, wird von den Aerzten dringend eine Cur in Hall verordnet. Die Unterzeichnete, an welche sitz die arme Verkrüppelte hilfesuchend wendete, leitete eine Sammlung ein, die 115 fl. ergab und zwar: Löbl. Verein Ferienheim 25 fl., Löbl. Verein Frauenhort 25 fl., Frauen-Wohlthätigkeits-Verein des II. Bezirkes - 10 fl. Frau Baronin CH. Königswarter 25 fl., Frau Josefine Schiff 15 fl., Löbl. Frauen-Verein des VIII. Bezirkes 5 fl., Frau Auguste Jordan 10 fl. Von diesem Gelde wird die Cur in Hall bestritten und der Rest für den späteren Unterhalt des armen Mädchens aufbewahrt. Den Spendern drückt hiermit den herzlichsten Dank aus Sofie Grünfeld I., Schottenring Nr. 2. Wie«. (Sehr geehrter Herr Redacteur!) Im „Deutschen Volksblatt" erscheint heute unter der Spitzmarke „Jüdische Frechheit" ein Artikel, in welchem ein Ereigniß erzählt wird, das in der Pfandleih-Anstalt S. Friedländer, I., Wollzeile 27 dieser Tage sich zugetragen; zugegeben — jedoch nicht zugestanden, daß es sich wirklich so verhält, wie es dem Artikelschreiber beliebte, zu erzählen, mit welchem Rechte beschimpft er mich, meine Glaubensgenossen, überhaupt die ganze (wie er sich ausdrückt) Race. Wenn ein Arier raubt und mordet, werden wir deshalb sagen, alle Arier sind Räuber und Mörder? Ich kenne zufällig den betreffenden Schätzmeister, den er als „rohes Judenjüngel" betitelt, ein ehrenhafter Familienvater, der ungezählte Wohlthaten im Jahre ausübt, der ungezählte Gulden bei den Armen, namentlich des III. Bezirkes ausstehen hat. Dieser lll. Bezirk stellt nämlich das größte Contingent der armen Verpfänder in der obgenannten Pfandleihanstalt; nun bringen Viele Pfandstücke, die wegen ihrer Minderwerthigkeit oder aus einem anderen Grunde nicht geeignet sind zum Einschätzen; der Arme braucht aber dringend Geld, so borgt oder schenkt der Schätzmeister dem Armen 1 oder 2 fl. — natürlich ist hier Schenken und Borgen identisch. Als charakteristisch will ich noch einen Fall erzählen, der in jüngster Zeit in derselben Anstalt sich zugetragen. Da kommt ein kleines Mädchen etwas auslösen, findet aber, als es zahlen will, daß es einen Gulden verloren hat; natürlich, großes, bitteres Gewein, es wird also überall gesucht, jedoch der Gulden findet sich nicht; da geht der Schätzmeister, nimmt einen Gulden aus seinem Sack. „Da hast Du mein Kind, weine nicht, und löse Deine Sachen aus." — Ich will schließen mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung I. Weißberger II., Czerningasse Nr. 7. Wien. Anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers haben die Barone Gustav und Alfred Springer für Zwecke des Max Freiherr von Springer'schen Waisenhauses eine Stiftung im Betrage von fünfzigtausend Gulden errichtet. — Zur Ehre des verblichenen Herrn Moses Feßler veranstaltete der Vorstand des israel. Tempel-Vereines für Mariahilf und Neubau, an dessen Spitze der Cultus-Vorsteher Herr Architekt Mar Fleischer steht, Montag, den 16. Mai a. c, um 5Y, Uhr Abends eine solenne Trauerfeier. Nebst dem genannten Obmann, den leidtragenden Söhnen, Herrn Dr. Sigismund Feßler, Hof- und Gerichtsadvocaten mit Frau und Kindern, Herrn Dr. Gustav Feßler, Gerichtsadjuncten, waren anwesend: Cnltusvorsteher Herr Hieldbnrghäuffer, Commercialrath Herr S. Eisenberger, Vorsteher Herr Liebermann, zahlreiche Tempelmitglieder, Rabbiner D. Löwy, die Herren I. S. Straßberg und Rotter vom 10. Bezirk und Andere. Der feierlich beleuchtete Tempel hatte Trauerschmuck angelegt. Der stimmbegabte Cantor Herr Dünmann mit dem wohlgeschulten Chöre executirte den liturgischen Theil stimmungsvoll, worauf dann der Prediger, Herr Dr. Taglicht, einen sehr warmen Nachruf hielt, in dem er die Tugenden und geistigen Vorzüge wie die Verdienste des Betrauerten um die Gemeinde und Wohlthätigkeitsanstalten in lichten Farben ausmalte. Die Rede drang in die Gemüther und ließ den allerbesten Eindruck zurück. Ein verschwindendes altes Haus. Die Modernisirung des alten Stadtviertels zwischen dem Fleischmarkt und der parallelen Qnaipartie, die schon manches alte Haus dahin gerafft hat, wird demnächst auch den mehr als hundertjährigen und recht altersmüden Bau, Hafnersteig Nr.4 verschwinden machen. Das Haus, welches der griechisch-orientalischen Gemeinde gehört, wird niedergerissen und macht einem stattlichen Neubau Platz, dessen Pläne vom Architekten Ludwig Tischler ausgearbeitet wurden. Zum kommenden Herbste soll sich, umgeben von den alten, zum Theile historischen Bauten, den Resten des Hasnersteiges, wie er noch in der Ecinuerung vormärzlicher Wiener lebt, der elegante Luxusbau mit mit allem modernen Comfort erheben. Im Vormärz und zwar vor sechzig Jahren wurde hier das Restaurant K h u n e r gegründet. Wird das neue Haus fertigstehen, dann wird es wieder das Restaurant Khuner beherbergen, für welches die Räume im Parterre und Mezzanin reservirt wurden. Wien. (Bibelschule.) Am 22. d. M. fand im Gemeindetempel zu Währing die Prüfung an der dortigen Bibelschule statt. Derselben wohnten die Herren Rabbiner Dr. I. Wolf, Dr. Brüll, Dr. Gelbhaus, die Schulinspectoren Dr. Langfelder und Dr. Kanitz, mehrere Mitglieder des Vorstandes und ein vornehmes Publicum bei. Die Ergebnisse der Prüfungen, bei welchen die anwesenden Herren Rabbiner und Jnspectoren persönlich mit Fragen Angriffen, überraschten allgemein, und man konnte bei dieser Gelegenheit ermessen, wie Vieles und Schönes von unserer Schuljugend geleistet werden kann, wenn der Unterricht rationell geleitet und die geeigneten Lehrkräfte vorhanden sind. In den Oberclassen zeichneten sich sämmtliche Zöglinge besonders durch ein correctes Lesen aus; die Übersetzungen im Gebetbuche und Pentateuch zeigten, daß hier kein gedankenloses Memoriren getrieben wird; die freien Uebersetzungen von bisher den Kindern unbekannten Stücken bewiesen von eingehendem, grammatikalischem Studium. Nicht minderen Beifall fanden die aufgelegten Schriftproben ihrer gefälligen Formen, wie der correcten Ausführung wegen. Sehr erfreut waren alle Anwesenden von den von Herrn Obercantor Silbermann einstudierten und von den Schülern exact vorgetragenen Chorälen. Wir beglückwünschen den Vorstand dieser segensreichen Schule zu den glänzenden Erfolgen und nicht minder die verdienstvollen Lehrer, die Herren Dr. Rubin (Unterclasse) und Adolf Sternfeld (Oberclassen), für ihre ebenso überraschenden als erfreulichen Leistungen. Sch. Wien. Von der k. k. Statthalterei wurden die Statuten eines Vereines der israelitischen Fleischhauer und Fleischverkäufer in Wien genehmigt, welcher es sich zur Aufgabe macht, gewerblich, gesellig und wohlthätig für seine Mitglieder zu wirken. Bei der am 11. Mai 1898 stattgefundenen constituirenden Generalversammlung wurden gewählt in den Vorstand die Herren: Jacob Mittler, Gottlieb H e r r m a n n, Siegmund Kyrnm e h l, Karl Frommer, Leopold W e i n w u r m, Adolf Re sek, Em. Winkler, Max Kirsch bäum, Berthold Gerstmann, Max Frankl, Josef Klein und Jos. N. Stein. Brünn. (A n e r k e n n u n g.) Der Landesschulrath hat den Bezirksschulrath in Wall.-Meseritsch ermächtigt, dem Großgrundbesitzer in Groß-Karlowitz, Herrn Salomon Reich, für die dauernde Unterstützung des Bolksschulwesens und für die Erhaltung von Suppenanstalten wiederholt den Dank und die Anerkennung des Landesschulrathes auszusprechen. Prohnitz. (Der Brecher S i e ch e» h a u s st i ft u n g) sind nachstehende Spenden zugekommen: Von den Großindustriellen S. Reich und C o m p. in Gr.-Karlowitz 50 fl.;