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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-05-27 · 21 (27.5.1898) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
21 (27.5.1898)
Date
1898-05-27
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 21 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 415 Am 15. d. M. erschien eine Depntation der Boryslawer Schacht-Inhaber unter Anführung des Herrn Arthur Kornhaber beim hiesigen Statthalter, Sr. Excellenz Grafen Pininski, um Abhilfe vor der wegen des neuen Berggesetzes bevorstehenden Katastrophe, wodurch 3000 jüdische Arbeiter dem Hungertode ausgeliefert würden, zu erbitten. Se. Excellenz nahm die Deputation, so wie immer jeden Menschen, sehr freundlich auf und versprach, höheren Ortes Fürsprache zu geben. Dobronnl. Für die Stelle des verstorbenen Reichsraths- Candidaten der fünften Curie candidiren: Dr. Iwan Franko (radicaler Ruthene), Dr. Lewicki (Stojalowski-Partei) und Stapinski (polnische Volkspartei). — Am vorigen Sonntag hielt hier im Gemeinderathssaale Pater Stojalowski eine dreistündige Rede, in der er die Bauern gegen die „Geisel Gottes", die „blutsaugenden Juden", aufreizte und ihnen bewies, daß nur die Inden an Allem schuld seien und daß nur seine Partei, die eine ausgesprochen antisemitische ist, dem Volke Heil und Segen bringen kann. Ungeachtet der Wuth der begeisterten Bauern bestieg Dr. Löwenthal die Tribüne und widerlegte sachlich sämmtliche vorgebrachten Beweise des Pater Stojalowski. Die Bauern, die ihn im Reden hindern wollten, mit Stentorstimme niederschreiend, hat er unerschrocken den Stojalowski demaskirt und ihn vor alle Welt als einen ehrlosen Verleumder hingestellt. Zn.r hat er bei den aufgereizten Bauern keinen Beifall geerni.t, die gebildeten Kreise unserer Stadt wissen ihm Dank, daß er der Frechheit Stojalowski's Schranken gesetzt hat. Zu bemerken ist noch, daß die Juden die Majorität unserer Stadt bilden. Im Gemeinderathe sind wir durch zehn jüdische Gemeinderäthe vertreten. Auf eine energische Intervention ihrerseits hätte sicherlich der Bürgermeister dem Pater Stojalowski den Gemeinderathssaal nicht zur Verfügung gestellt. Und noch bemerkenswerther, daß zwei Inden der Rede des Stojalowski lebhaften Beifall und Händeklatschen zollten. Warschau, 13. Mai. Daß die Mildthätigkeit eine der hervorragendsten Eigenschaften des jüdischen Stammes ist, leugnen selbst unsere grimmigsten Feinde nicht, und ist die dadurch bedingte Erzeugung edler Thaten vielleicht das Einzige, was uns mit dem „Elend, das mit uns zur Welt gekommen", zu versöhnen im Stande ist. Auch heute haben wir auf diesem Gebiet eine glänzende Leistung zu verzeichnen. Der rühmlichst bekannte Philanthrop Wawel berg hat sich wieder durch eine großartige Stiftung die Dankbarkeit und Anerkennung der weitesten Kreise erworben. Anläßlich des fünfzigjährigen Bestrhens seines Haudlungshausts spendete er die Summe von dreimal hundert tausend Rubeln behufs Errichtung billiger Arbeiterwohnungen. Wer das unsägliche Elend der arbeitenden Classen überall, und speciell hier zu Lande kennt, der kann die immense Wohlthat einer solchen Stiftung ermessen. Die feierliche Grundsteinlegung fand am 9. Mai in Gegenwart der Behörden und höchsten Spitzen der Gesellschaft statt. Die Wohnungen bestehen aus drei Typen: 1. Ein Zimmer, das gleichzeitig Küche ist; 2. ein Zimmer mit besonderer Küche; 3. zwei Zimmer mit Küche. Diese dritte Gattung ist selbstverständlich am spärlichsten vertreten. Der Ort ist in gesundheitlicher Beziehung sehr gut gewählt, da es die höchst gelegene Stelle der Stadt ist. Die Zimmer sind geräumig, hell und luftig, und ist auch sonst allen Erfordernissen der zeitgenössischen Hygiene Rechnung getragen. Die Stiftung trägt den Namen: „Hippolit und Lndwika Wawelberg'sche Stiftung billiger Arbeiterwohnungen", und ist interconfeffionell. Die Verwaltung der Handwerkerschule für Knaben jüdischer Consession hatte seit Längerem schon die Nothwendigkeit der Erweiterung der Anstalt eingesehen. Indessen konnte der Entschluß nicht ausgeführt werden, da es an Geld zum Ankauf neuer Maschinen und sonstiger Werkzeuge mangelte. Dem ist jetzt theilweise abgeholfeu worden, indem einige Mitglieder des Comitös zu besagtem Zwecke größere Beträge spendeten. Aus Obigem ersehen wir, daß die hiesigen Juden, im Vollbewußtsein ihrer Pflichten, den Bedürftigen aller Confessionen auf allen Gebieten zu helfen , bemüht sind. Sollte nicht, als Reflex davon, ihren ärmeren Stammesgenossen eine bessere Behandlung zu Theil werden? Doch wird das Geld der reichen Juden mit Dankesbezeugungen entgegengenommen, indeß die Armen nach wie vor die schmählichste Behandlung erfahren. So schreibt man uns aus Tiflis, daß Fürst Wolkonski, Polizeimeister in Baku, den in letztgenannter Stadt zeitweilig wohnenden Juden den Befehl zukommen ließ, den Ort sogleich zu räumen. Bis nun sind ungefähr hundert Personen zwangsweise fortgeschickt worden; daß derartige Befehle ohne Zugrundelegung irgend einer Erklärung ertheilt und — ausgeführt werden, ist selbstverständlich, und gibt man sich nicht im Geringsten Mühe, nach einer Erklärung zu forschen. Wozu denn auch? Sind es doch nur Juden, die gequält, ihres Erwerbs beraubt und wilden Thieren gleich von einem Orte zum anderen gehetzt werden! Halali! Halali! Welch' grandioses Vergnügen ist doch die Menschenjagd!... Auch die heutigen Zeitungen bringen wiederum eine Bestätigung dieser betrübenden Thatsache. Wie bekannt, ist es den Juden im Königreich Polen streng verboten, auf dem den Bauern gehörenden Grund und Boden selbst als Miether zu wohnen. Nun ist den Behörden hinterbracht worden, daß dieses Verbot oft umgangen wird und daß neuerdings in einigen an den Stadtgrenzen gelegenen Dörfern ganze jüdische Ansiedluugen aufgeblüht sind. Eine in Folge dieser Nachrichten auf Befehl des Bezirkshauptmannes verfertigte Namensliste der jüdischen Bevölkerung ergab den Beweis, daß ungefähr dreihundert Familien ihren Wohnsitz in Dörfern anfgeschlagen hatten, wo dies nicht gestattet ist. Lv z. B. 78 in der Gemeinde Mlociny, 36 in Pruszkow n. s. w. Zwar sind es stille, ruhige Bürger, die sich von ihrer Hände Arbeit ernähren und denen nicht das geringste Unrecht vorgeworfen werden kann. Doch „gleichviel, der Jude wird verbrannt!" und wurde daher den dreihundert Familien befohlen, ihre Wohnstätten bis zum 20. d. zu verlassen. Ob diese Leute, die doch selbstverständlich nicht zu den Vermögenden sich zählen, das 51t bewerkstelligen im Stande sind, danach wird nicht gefragt, auch nicht, wovon sie sich dann ernähren sollen. Aber warum diese hartnäckige Verfolgung? Tie Antwort ist dieselbe, die seit dem Beginn unserer Zerstreuung unter die Völker uns eutgegenschallt. und der nur die Zähigkeit unseres Stammes zu widerstehen vermochte. „Harret, meine Kinder, harret". „Rust Messias; näher, näher! „Wanderer finden den Hebräer „Liegen an den Weg erstarret!" singt der Dichter. In seinem mitfühlenden Herzen wußte er, daß Einzelne, nein, Tausende am Wege liegen bleiben werden; wußte er aber auch, daß durch diese Opfer der Willkür und der menschlichen Bosheit der Bestand des Volkes gekräftigt werden, daß die Macht der Idee und die Ueberzeugungstreue ihn erhalten, der Dornenweg, an dem seine Füße sich verbluten, ihn zurück in feine Heimat führen wird? Und doch schimmert er von ferne, der Strand des gelobten Landes, des Landes, in dem die Asche unserer Väter ruht. Sehnsuchtsvoll blickt das Volk gen Osten, es ahnt, es hofft, es weiß, daß es nicht ewig geknechtet sein wird, daß auch ihm noch einst die Sonne des Glückes und der Freiheit erstrahlt! 36 . . . Amsterdam, 13. Mai. Professor Dr. S. S. Rosenstein, der bekannte Pathologe an der Universität Leiden, feierte am vorigen Sonnabend das 25jährige Jubiläum seiner akademischen Thätigkeit an dieser Universität. Der Rector der Universität und die medicinische Facultät überbrachten ihm Glückwünsche, und als der Jubilar am Morgen den Hörsaal betrat, fand er ihn im reichen Blumenschmuck, worauf ihm ein Student ein Geschenk seiner Zuhörer, eine kostbare Radirung von Maris, überreichte. Professor Rosenstein, über dessen wissenschaftliche Bedeutung vor einigen Jahren, als er das 25jährige Jubiläum seiner akademischen Thätigkeit überhaupt feierte, umständlich berichtet wurde, hatte im Jahre 1882 einen Ruf an die Universität Amsterdam erhalten und auch bereits angenommen, aber der damalige Minister des Innern, Phnakker Hordyk, machte von dem der Regierung zustehenden Rechte, nachdem die Ernennungen für die Lehrstühle an der städtischen Universität von ihr bestätigt werden müssen, Gebrauch und verweigerte diese Bestätigung, so daß also Dr. Rosenstein der Universität Leiden erhalten blieb. Vernnlchtes. Wien. (Trauung.) Sonntag den 29. Mai d. I., 1 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel,!!., Leopoldsgasse 27, die Trauung von Frl. Frieda Hammer, Tochter des Herrn M. Hammer, Stampiglienfabrikant, mit Herrn Paul Rubel statt.

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