Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 21 (27.5.1898)
- Date
- 1898-05-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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MWMMWWWWWWMWWWWW, Seite 414 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 21 waren. Zuerst wurden die jüngst zur Selbstständigkeit gelangten Meister, und zwar ein Bildhauer, ein Koffermacher und ein Schlosser der Generalversammlung vorgestellt, an die das Ausschußmitglied Paul T e n c e r herzliche Worte der Begrüßung und Ermahnung richtete. Sodann erschienen die letzthin freigesprochenen Handwerksgesellen — 41 an der Zahl —, um von dem Verein Abschied zu nehmen, die Präsident Dr. Armin N e u m a n n zu Fleiß und Arbeitsamkeit, zur Liebe des Vaterlandes und ihren Glaubens ermahnte, worauf der Uhrmachergeselle Arthur H a r t m a n n dem Vereine Dank sprach. Schließlich wurden die Handwerkslehrlinge vorgeführt, an die aus der Stiftung weil. Dr. Armin Schoenberg und Samuel Kramer Prämien vertheilt wurden. Budapest, 8. Mai. Im Laufe der Debatte über die Ergänzung der Seel so rgerbezüge haben es die Abgeordneten Saghy und Polonyi für gut befunden, heftige Angriffe gegen die Judenschast vorzubringen. Der Abgeordnete Moriz Mezei, welcher in einem vom ganzen Hause mit verdienter Aufmerksamkeit angehörieu Vortrag seine Ansichten über diese Neuerung würdig und objectiv darlegte, ohne aber vom Standpunkte der besonderen Interessen der jüdischen Confession zu sprechen, ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, jenen intoleranten Gesetzgebern gegenüber, welche sich darüber entrüsteten, daß in den Rahmen der Vorlage auch die Rabbiner einbezogeu wurden, in überzeugender Weise nachzuweisen, wie ungerecht es wäre, diese grundsätzlich von den Wohlthaten des Gesetzes auszuschließen, und wie nichtig die Vorwände sind, welche für diese Ausschließung ins Treffen geführt wurden. Denn ebenso wenig wie der Patriotismus der Juden angezweifelt werden kann, ebenso unrichtig ist die Behauptung, als besäßen sie keine Organisation und als ständen sie den Culturbestrebungen der ungarischen Nation indifferent gegenüber. Die vaterländische Judenheit nimmt sich imnier und überall ihr Antheil an der Förderung des nationalen Staates heraus, und in gewiffen Theilen sind die Juden die kräftigsten Stützen der culturellen Entwickelung. Ihr uneigennütziges Wirken charakterisirt ja auch der Umstand, daß sie von der Vorlage keinerlei Vortheile zu erwarten haben. Die Ziffer, welche in der Motivirung des Gesetzentwurfes bezüglich der Juden angegeben ist, irrt vielleicht um eine ganze Million. Die finanziellen Vortheile sind minimal. Wenn von allen Seiten über die hohen kirchlichen Abgaben geklagt wird, hätte wohl die israelitische Confession, bei welcher die Cultussteuer die höchste ist, gleichfalls in das allgemeine Klagelied einstimmen können. Der Gesetzentwurf habe für die Juden nur darum große Bedeutung, weil er ihnen die gleiche Behandlung angedeihen läßt wie den anderen recipirten Consessionen. Die Rede Mezei's wurde mit großem Beifall ausgenommen. — In Kirchdrauf starb Rabbiner Peter Siuger im Alter von 83 Jahren. Seine Gelehrsamkeit wurde in allen Kreisen hoch geschätzt. — Derisraelitische Stipendiumverein bewilligte 43 Hörern der hiesigen Universität und des Landes- Rabbinersemiuars Stipendien im Gesammtbetrage von 4300 fl. — In Makü wurde Dr. Armin Kecskemsti zunr Rabbiner gewählt. Prag. Unserer Cultusgemeinde droht ein empfindlicher Verlust. Herr Oberrabbiner Dr. N. Ebreufeld, der sich der größten Hochachtung und allgemeiner Sympathien erfreut, hat einen ehrenvollen Ruf nach Berlin erhalten. Die Prager Gemeinde wird gewiß Alles aufbieten, um Herrn Dr. Ehrenfeld aus ihrer Mitte nicht scheiden zu laffen. — Es dürfte bekannt fein, daß die Prager israelitische Gemeinde im Vereine mit den Cultusgemeinden Böhmens aus Anlaß des Allerhöchsten 50jährigen Regierungsjubiläums ein israelitisches Siechenhaus ins Leben zu rufen beabsichtigt; die Gründung dieses Wohlthätigkeitsinstitutes, welches für Prag und Böhmen als ein dringendes Bedürfniß erscheint, erfordert ein bedeutendes Capital, welches zum großen Theil durch Spenden angesannnelt wird; jüngst widmete zu diesem Zwecke ein unbekannt sein wollender Wohlthäter. der in Wien domicilirl (ein geborener Prager), den namhaften Betrag von 25.000 fl. — In einer der letzten Sitzungen wählte die Prager Cultusgemeinderepräsentanz Herrn Dr. Friedrich D u s ch e n e s in den Prager k. k. Bezirksschulrath für die deutschen Volks- und Bürgerschulen als Vertreter des jüdischen Cultus; Herr Dr. Duschenes ist geprüfter Bürgerschullehrer und bekleidete diesen Beruf, bevor er sich dem Advocatenstande widmete. Bisher war Herr Dr. Arnold Rosenbuche r, und zwar durch volle 18 Jahre Mitglied des Bezirksschulrates und hat sich durch sein ersprießliches Wirken auch in dieser Stellung große Verdienste erworben. — Samstag den 21. d. M. fand die feierliche Installation des neuen Predigers Herrn Dr. Julius Fischer, bisher Oberrabbiner in Raab, in der hiesigen Tempelgemeinde statt, worauf derselbe seine Antrittspredigt hielt. Nachod. Nach einer segensvollen Thätigkeit von acht Jahren verließ»Rabbiner und Prediger Herr Dr. H. Goitein unsere Cultusgemeinde, um sich nach Kopenhagen, feinem neuen Wirkungsorte zu begeben. Am Sabbath, den 14. d. M., füllten alle hiesigen, viele auswärtige Mitglieder der Cultusgemeinde, sowie zahlreiche unserer christlichen Mitbürger alle Räume des weiten Gotteshauses, um zum letztenmale den Worten des hochverehrten Seeleuhirten zu lauschen. Die Abschiedsrede brachte tiefe wehmutsvolle Wirkung hervor. Nach beendetem Gottesdienste überreichte unser greiser Vorsteher und der Gesammtausschuß Sr. Ehrwürden einen Ehrenpocal zur Erinnerung und richtete Worte des Dankes an ihn. Nachmittags erschien die israelitische Schuljugend geführt vom Lehrkörper in der Wohnung des Rabbiners. Die Schüler sangen einige Lieder und mehrere Mädchen sprachen den Dank. Dienstag den 17. d. M. fand sich der größte Theil der Gemeindemitglieder, aber auch zahlreiche unserer christlichen Mitbürger waren erschienen, deren Liebe und Achtung sich Herr Dr. Goitein gleichfalls erworben hatte, um sich von ihm und seiner hochgeehrten Frau Gemalin zu verabschieden. Herrliche Blumenspenden wurden dem Scheidenden in den Wagen gereicht. In den Bahnstationen Hronov und Pölitz hatten sich die daselbst wohnenden Angehörigen unserer Cultusgemeinden eingefunden, um dem scheidenden Rabbiner Worte des Abschieds zuzurufen. Am Bahnhofe zu Halbstadt waren die jüdischen Schüler des Braunauer Gymnasiums erschienen, um an ihren Religionslehrer Worte des Dankes und des Abschieds zu richten. Möge es dem verehrten Herrn Rabbiner Dr. H. Goitein und seiner Frau Gemalin in seinem neuen Wirkungsorte gelingen, die Freundschaft und Liebe seiner Cultusangehörigen ebenso rasch zu erwerben, wie ihm dies hier gelungen ist. K. Lemberg. In der am 17. d. M. unter dem Vorsitze des Herrn Dr. B y k abgehaltenen Plenarsitzung des Cnltusrathes gelangten mehrere Angelegenheiten von hervorragender Wichtigkeit zur Entscheidung. Anläßlich des Regierungsjubiläums' Sr. Majestät des Kaisers beschloß der Cultusrath den Bau eines neuen Siechenhauses für 50 Frauen (Referent v. Mises). Der Antrag des Vorstandes auf Errichtung eines eigenen Gemeindehauses (Referent Jonaß) fand gleichfalls die Zustimmung der Versammlung. Schließlich wurde nach lebhafter Debatte beschlossen, die Gemeinderabbiner Se. Ehrwürdeu Rabbiner Schmelkes und Dr. Caro dem zur definitiven Ernennung berufenen Vertrauensmännercollegium zur Stabilisirung zu empfehlen. (Referenten Rappaport und Dr. Land es berg er.) Lemberg. Am 15. d. M. ist hier nach längerem Leiden Frau Jetty Sprecher, Gattin des verstorbenen Industriellen Jacob Sprecher, eine wegen ihrer Herzensgüte und ihres Wohlthätigkeitssinnes bekannte und hochverehrte Frau, im 57. Lebensjahre gestorben. Diese achtbare Frau war die Tochter des berühmten Talmudisten und Rabbiners in Zolkiew, Hirsch Chajes. An der Bahre trauern deren wohlerzogene Söhne Moriz und Dr. Max Sprecher, Inhaber der I. galizischen Spiritus- Raffinerie, die in den Fußtapfen der Eltern den Wohlthätigkeitssinn sowohl gegen die Arbeiter wie gegen verschämte Arme üben. Bei ihrer Beerdigung hielt der Oberrabbiner Herr Jsaac Schmelkes einen ergreifenden Nachruf. Ebenso schmerzlich für die hiesige Gemeinde ist das Ableben des in Meran verstorbenen Eisenbahnlieferanten Herrn Bermann Klarfeld, eines von angesehener Familie stammenden und mit seltener Herzensgüte begabten Kaufmannes. Im Trauerhause wurde vom Cantor E. Halpern unter Chorbegleitung ein Trauerpsalm gesungen und Herr Rabbiner Dr. Caro hielt einen ergreifenden Nachruf. In der letzten Plenarversammlung des hiesigen Cultusrathes wurde Herr Oberrabbiner Jsaac Schmelkes sowohl als Herr Dr. Caro lebenslänglich stabilisirt, nur mit dem Unterschiede, daß Herr Dr. Caro die Pension, während Herr Oberrabbiner Schmelkes keine Pension haben wird, obwohl er von den Conservativen, den größten Steuerzahlenden, gewählt ist. Wo bleibt da die Toleranz des hiesigen fortschrittlichen Cultusrathes; warum nicht gleiches Recht für Alle?