Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 21 (27.5.1898)
- Date
- 1898-05-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 21 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 413 vention von 500 fl. und dem Bethansverein Chassidim eine Subvention von 250 fl. zugesprochen. Dem Tempelbaucomits im Xl. Bezirk wird über den Dringlichkeitsantrag des Herrn Dr. Berger und Genossen nach eingehender Debatte der in einer früheren Plenarsitzung bewilligte Beitrag zur Erbauung eines Tempels im XI. Bezirk von 10.000 fl. auf 15.000 fl. erhöht unter Aufrechthaltung der seinerzeit bestimmten Modalitäten und unter der Voraussetzung, daß für den nunmehr in Aussicht genommenen Bauplatz der Bauconsens ertheilt wird. Die Anträge der IV. Section über Cultussteuerangelegenheiten (Referent Herr Obmann kais. Rath Hirsch) werden genehmigt. Nach Erledigung mehrerer Personalien wird die Sitzung um IV« Uhr Nachmittags geschlossen. Wien, 23. Mai (Verband der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittels ch u l e n.) Eine Deputation dieses Verbandes, bestehend aus dem Obmann Dr. Adolf Weiß, Jnspector Kanitz und Dr. H. Pollak, hat am 21. d. M. ein Promemoria über die Rechtsstellung der israelitischen Religionslehrer dem Herrn Minister für Cultus und Unterricht überreicht und mit dem Herrn Sectionschef Geheimen Rath Ritter v. Härtel, sowie mit dem Herrn Referenten Landesschulinspector Dr. Huemer eingehende Rücksprache gepflogen. Die Deputation hat allseitig das wohlwollendste Entgegenkommen gefunden. Die Deputation gedenkt demnächst ähnliche Schritte auch bei dem Herrn Ministerpräsidenten und dem H'rrn Finanzminister zu machen. Wien. (Das Oberlandesgericht über die S a b b a t h - H e i l i g u n g.) Bor einem fünfgliederigen Appellsenate des Oberlandesgerichtes fand vorigen S a m st a g eine Verhandlung statt, bei welcher Dr. G. Morgenstern namens des in erster Instanz fach fällig gewordenen Bernfungswerbers die Vertagung beantragte, weil sein Client als Jude den Sabbath heilige und daher nicht erschienen sei, seine Vernehmung aber nothwendig wäre. Der Klagevertreter Dr. L 0 s ch i tz war gegen eine Vertagung, denn der Geklagte habe die Vorladung schon vor vierzehn Tagen erhalten, ohne bisher um die Vertagung geworben zu haben, ferner besuche er auch au jedem Samstage die Fruchtbörse, was der Sabbath-Heiligung weit weniger entspreche, als das Erscheinen bei Gericht. Der Gerichtshof unter Vorsitz des Oberlandesgerichtsrathes Dr. v. Tan neu Hain entschied, der Vertagungsantrag werde ab ge lehnt. Wohl sei der Sabbath für Parteien israelitischer Confession gerade so heilig, wie der Sonntag für Katholiken, allein weder der Sonntag, noch der Sabbath haben die Bedeutung der Normatage oder der hohen Feiertage der Juden, vielmehr seien Sonntage und Sabbathe nach der Proceßordnung nicht ausdrücklich gerichtliche Ruhetage, und sowie am Sonntag, so können auch am Samstag Verhandlungen durchgeführt werden. In der Sache selbst wurde unter Verwerfung der Berufung das erstrichterliche Urtheil b e st ä t i g t. Wien. (Eine jüdische Volksversammlung.) Unter Mitwirkung des Vereins zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender hat der „jüdische Volksverein" für den 11. Mai in das Gasthaus „zum goldenen Widder" eine jüdische Volksversammlung eiuberufen, welche von nahezu 2000 Personen besucht war. Die Einberufer der Versammlung legten eine Resolution vor, die drei Hauptforderungen enthielt: Die unbedingte Berücksichtigung der jüdischen Production seitens der jüdischen Consumenten, die Errichtung einer jüdischen Creditgenossenschaft für jüdische Handwerker, und die Creirung einer unentgeltlichen jüdischen Stellenvermittlung. Wie verhielt sich nun die Versammlung zu diesen Forderungen? Wie nicht anders zu erwarten, wurde in der Versammlung vor Allem — politisirt. Der erste und oberste Programmpunkt des „Jüdischen Volksverein": Juden, organisirt Euch! wurde von allen Rednern in den verschiedensten Variationen beleuchtet. Man konnte in der Versammlung genau drei Parteiungen unterscheiden. Der überwiegend größte Theil stellte sich von allem Anbeginn vollständig auf Seite des Vereins. Ein anderer, minimaler Theil, Zionisten in der Stärke von 10 bis 12 Mann, machte unbedingte Opposition. Allerdings in solch kindischer Weise, daß mehrfach Scandale ausbrachen und nicht früher Ruhe eintrat, als bis die Herren von der Versammlung selbst entfernt wurden. Ein dritter Theil, Socialdemokraten, schloß sich dem erwähnten Programmpunkt vollständig an, machte jedoch anfänglich den Resolntionspunkten Opposition. Allein auch diese hörte nach der glänzenden Rede eines sehr jungen Mitgliedes des „Jüdischen Volksvereins" auf. Zum Schlüsse wurde die Resolution e i n st i m m i g angenommen. Dies das Resultat der Volksversammlung. Gelingt es dem Verein, das Creditinstitut thatsächlich ins Leben zu rufen, dann wird er zweifellos im Sturmschritt den Boden sich erobern. Wien. (Eine bedeutende Fra u.) Betty B u r y schloß Donnerstag den 19. Mai d. I. die Augen für immer. Unsere noch lebenden Glaubensgenossen aus dem Vormärz werden sich sicherlich dieser ausgezeichneten und talentvollen Frau mit Vergnügen erinnern. Sie war ein Wunderkind; schon mit 12 Jahren gab sie bei Hof ein Concert und entzückte alle Welt mit ihrer herrlichen Altstimme. Auf musikalischem Gebiete hatte sie in unserer in dieser Richtung sehr verwöhnten Stadt die größten Erfolge erzielt. Zu ernst veranlagt, um aus dem Theater zu glänzen, suchte sie vielmehr als Concert- und Oratoriensängerin Gelegenheit, ihr Talent voll zu entfalten. Ihre sonntäglichen Jours haben eine gewisse Berühmtheit erlangt; in ihrem Salon traf man stets eine kunstsinnige Gesellschaft. Es war noch ein Salon der guten alten Zeit, wie er heutzutage kaum mehr existiren dürfte. Mit ganz außerordentlichem Tacte verstand sie es, Jedermanns Sympathie zu gewinnen, dabei war sie einfach und natürlich, nur die Abtrünnigen, die ihren Glauben verließen, kamen schlecht weg, sonst aber hatte sie keine Feinde; Jeder war ihr gut und konnte sich ihrer bestrickenden Liebenswürdigkeit nicht entziehen. Manches Talent, welches heute glänzt, hat sie gefördert. In ihrem musikalischen Urtheile war sie streng, aber gerecht, nichts war ihr verhaßter, als trügerische Hoffnungen zu unterstützen. Schreiber dieser Zeilen wurde von ihr als 12jähriger Knabe im Gesang geprüft und das Urtheil lautete: „ganz talentlos". Wie dankt er ihr es jetzt noch, trotz der damals darüber vergossenen Thränen; ein minder gewissenhafter Examinator hätte ihn vielleicht in eine ganz verfehlte CarriLre gedrängt. Es ist daher nicht zu wundern, wenn Betty Bury noch bis in den allerletzten Tagen ihres Lebens in den vornehmsten Häusern ein höchst willkommener Gast war; ihre Geistesfrische und Lebhaftigkeit gemahnten keineswegs an ihr hohes Alter. Sie fand außer ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen noch immer Zeit genug, eine ziemlich umfangreiche Correspondenz zu unterhalten, die neuesten Bücher zu lesen und die Tagesfragen zu discutiren. So hat Betty Bury ein Leben reich an Arbeit, aber auch voll der Anerkennung durchlebt. Nur Eines war ihr leider nicht beschieden, die engere Familie. Sie blieb unverheiratet. Vielleicht konnte sie das Ideal, welches sie sich von der Ehe machte, nicht erreichen, vielleicht wäre ihre Eigenart dabei verloren gegangen, genug, sie konnte sich trotz der glänzendsten Anträge nicht dazu entschließen. Dafür concentrirte sie alle Liebe und Zärtlichkeit auf die wenigen Verwandten, die ihrer Familie verblieb und mancher Zug gab Zeugniß von ihrem Edelmuth und stark entwickelten Familiensinn. Sonntag den 22. Mai wurde sie unter großer Theilnahme zu Grabe getragen, ihre Freunde werden sie nie vergessen. S. W. Budapest, 23. Mai. Der ungarisch-israelitische Handwerks- und Ackerbau verein hielt gestern unter dem Präsidium des Reichstagsabgeordneten Dr. Armin N e u m a n n seine 55. Generalversammlung. Der Präsident begrüßte die in ansehnlicher Zahl erschienenen Vereins- Mitglieder, unter denen der Präsident der israelitischen Religionsgemeinde Sigmund K 0 h n e r und die Gemeindevorsteher anwesend waren, und constatirte mit Hinweis auf den Jahresbericht die schönen Erfolge, welche der Verein insbesondere bei der Ausbildung von Handwerkern erzielte, hob jedoch hervor, daß auf dem Gebiete des Ackerbaues noch große Aufgaben des Vereins harren, behufs deren Lösung der Verein an die liebevolle und opferwillige Unterstützung der vaterländischen Judenschast appellirt. Der vom Vereinssecretär David K e m 6 n y verfaßte, von uns bereits mitgetheilte Jahresbericht wurde genehmigend zur Kenntniß genommen und auf Antrag des Vereins- Mitgliedes Moriz L ö w y der Vereinsleitung Dank votirt. Hierauf wurden die Ecgänzungswahlen vorgenommen und als neue Mitglieder Moriz Berger, Adolf Sternthal und Dri Lazar Samuel in den Ausschuß gewählt. Den erhebendsten Theil der Generalversammlung bildete die Vorstellung der Bereinszöglinge, von denen drei Generationen vertreten