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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-05-20 · 20 (20.5.1898) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
20 (20.5.1898)
Date
1898-05-20
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 20 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 397 merkten wir sämmtliche Rabbiuen Prags und der Borortc, sämmtliche in Prag anwesenden Cultusgemeinde-Repräsentanten, den Vicepräsidenten des Landesschulrathes Hofrath Zabusch, den Polizeidirector Hofrath Dörfler, Hof-, Oberlandes- und Landesgrichtsräthe, Advocaten, Doctoren, Großindustrielle, Großkaufleute, Bankdirectoren rc. Am Friedhof hielt Oberrabbiuer Ehreufeld der Verblichenen einen ebenso ehrenals wirkurrgsvollen Nachruf. Krakau. Im hiesigen Zionsvereine „Lüorvewe Erez Israel" fand am 15. d. eine Generalversammlung mit Neuwahl statt. Es wurden zum fünftenmal die Herren Mendl Frankel zum Präses, Julius Schönwetter zum Vicepräses per Acclanlatiou gewählt, ferner in den Vorstand die Herren: Aron Markus, I. Krasucki, B. Spira, M. Blankstein, Jos. Landau, B. Kurzmann, B. Horowitz berufen. Vom Finanzministerium wurde unter nenn ernannten Mitgliedern der einzige Jude Gustav Gerson Bazes, Inhaber der bekannten Firma W. Bazes hier, zum Mitglieds der Personensteuer-Schätzungscommission creirt. Brody. Ein herber Schicksalsschlag traf den hier allverehrten Herrn Dr. Leopold H e r z e l. Des Todes eisige Hand raffte schonungslos ihm seinen einzigen Schwiegersohn in der schönsten Blüthe der Jahre dahin. Herr Jaqnes Popper, k. u. k. Rechnungs-Oberlieutenant des hiesigen Jäger-Bataillons, starb nach kurzem, schweren Leiden im 39. Lebensjahre im Wiener Garnisonsspitale, wohin er in der vorigen Woche in Begleitung seiner edlen Gattin eckte, um Hilfe seines Leidens zu suchen; aber schon nach wenigen Stunden entschlief der muthige Dulder ohne Murren selig dem Herrn. Um ihn trauert mit Gram erfüllt eine junge, liebevolle Witwe, die einzige Tochter des Herrn Dr. Herzel, seine alte Mutter, eine Lehrerswitwe ans Reichenau in Böhmen, alle seine Angehörigen, denen er ein treues, aufopferndes Familienmitglied war. Der Verblichene stand im 39. Lebensjahre und war der Sohn des Prager Stiftungsrabbiners und Talmudgelehrten Popper, welcher sich durch Herausgabe eines Werkes über den alten Prager Friedhof bekannt gemacht hat; er verband außerordentliche Berufstreue mit einem heiteren, liebenswürdigen Wesen und besaß ein großes Wissen, sowohl auf dem Gebiete der militärischen Fächer, als auch politischer und nationalökonomischer Disciplinen. Fast tragisch ist sein früher Tod zu nennen. Begleitet von seiner jugendlichen Gattin, der Tochter des k. k. Gymnasialprofeffors und Volksschuldirectors Herrn Dr. Leopold Herzel in Brody, mit der er noch nicht volle drei Jahre vermählt war, kam er am Dienstag den 10. d. M. aus seinem Standorte in Brody an, um Herrn Professor Schrötter wegen in den letzten Monaten zu Tage getretener Athembeschwerden zu consultiren. Am Mittwoch trat er in die Behandlung des Professors und starb noch in derselben Nacht infolge Platzens der Brustschlagader an innerer Verblutung. Unter den zahlreichen Leidtragenden und Trauergästen befand sich auch eine Deputation des Officie^corps des 30. Jägerbataillous in Brody. Die Wiener Cultusgemeinde war durch Herrn Cultusvorstand S. Heit vertreten. Im Garnisonsspitale hielt Herr Rabbiner Breier dem Verewigten einen ergreifenden Nachruf. Herzzerreißend aber war es, als der Schwiegervater des Verblichenen Herr Dr. Leopold Herzel am offenen Grabe seinem gramgebeugten Herzen in erschütternden Worten Luft machte. Zum Schluffe rief Herr k. u. k. Oberlieutenant Drimps dem todten Kameraden namens des Bataillons einen letzten Abschiedsgruß nach _ Feuilleton. Der neue Obersmlmann. Erzählung aus dem dritten Viertel des XVIII. Jahrhunderts von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) Zweites C a P i 1 e l. Einige Minuten später stand Veit Weritsch, tief gebückt in demüthiger Haltung, vor dem Baron. Es war dies ein Mann in den beginnenden Fünfzig mit ergrauendem Kopjhaare und Vollbarte, lang, blaß, mager, er trug einen Vollbart, uub obwohl ihn dieser vollkommen als Juden kel'.ntlich machte, trug er doch am Rockärmel den gelben Flecken der Schmach, das sinnlose Barbarei — nicht den Juden — sich selbst ausgedrückt hatte, und welches erst durch Kaiser- Joses aufgehoben wurde. ' „Was bringt Er Schönes?" frug der Baron so cordial, daß der Jude frcubig bewegt seine schwarzen, glänzenden Augen auf den Grundherrn richtete. „Hochfreiherrliche Gnaden! Ich habe eine gewaltig große Bitte. Ich habe nur zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter; der Sohn ist ein unglücklicher Mensch, er ist blind, und dadurch seines freudelosen Lebens müde; er ist zwar ein Familiant, aber wer wird einen blinden Mann heiraten? Und wie kann der Unglückliche daran denken, Weib und Kinder zu ernähren; — bleibt mir also nur noch die Tochter, ein braves, rechtschaffenes, tugendhaftes Mädchen, die ich weit lieber als ich lebe, glücklich machen möchte. Ich habe meine Tochter mit meinem Neffen Jacob Leipnik verlobt, er ist ein zweitgeborner Sohn, ich war, als ich ihn mit meinem Kinde verlobte, ein reicher Mann; ich hoffte, daß ich irgendwo in Mähren eine erledigte Familienstelle für ihn erlangen würde, — es waren volle zwei Jahre vergangen, bevor eine solche auf den Graf Hoditz'schen Herrschaften frei wurde; — aber ein Anderer bot eine Riesensumme für diejelbe. ich aber — ich war mittlerweile ein armer Mann geworden!" „Wieso ist Er verarmt?" frug der Baron mit verdüsterter Miene. „Ich war, wie hochfreiherrliche Gnaden wissen, Viehhändler und mein Vermögen steckte in meinem Stalle, plötzlich war aus Polen eine Viehseuche nach Mähren eingeschleppt worden, in wenigen Tagen fielen mir achtzig Ochsen — ich war ein armer Mann geworden." „Das ist schlimm für Ihn", meinte der Baron unwirsch. „Seine Hochwürden, der Herr Pfarrer, kennt mich", fuhr der Jude tiefaufathmend fort, „mein Herz hängt nicht an irdischem Gute, obwohl der Jude das Gelb nothwendiger braucht, als irgend ein anderer Mensch auf Gottes weiter Erde, da er ja Alles, das Recht Gottes, freie Luft athmen zu dürfen, bezahlen muß." „Bleib' Er bei der Stange und raisonnir Er nicht, solche Aeußerungen gegen die Gesetze will ich nicht hören — es thät mir leid um Ihn, wenn Er mit meinem Gefängnisse oder dem Halseisen nähere Bekanntschaft machen sollte." „Mein Herz hängt nicht am Gelde, freiherrliche Gnaden! Aber es hängt mit unzerreißbaren Banden an meinen Kindern", fuhr der Jude fort, „meine Hanna ist nun durch volle sechs Jahre Braut, und sie und ihr wackerer Verlobter stehen noch so weit vom Ziele entfernt, als sie je gestanden — hochsreiherrliche Gnaden wissen es, früher wagten es Einzelne, sich vom Rabbiner ohne Einwilligung der Behörden trauen zu lassen — sie waren dann vor Gott und ihrem Gewissen rein, aber man hat die Strafen dafür bis zur Unerträglichkeit verschärft; vor Kurzem ist in Triesch ein Rabbiner, der Eheleute ohne Gubernalbewilligung getraut hat — man nennt solche Ehepaare im Munde unseres Volkes Emigranten — zu acht Jahren Zuchthausstrafe verurtheilt worden, jetzt wagt Niemand mehr, das Staatsgesetz zu übertreten — und ... es ist das hart, sehrhart, gnädigster Herr! Mein Neffe liebt mein Kind, meine Tochter liebt ihn wieder, er ist ein braver, fleißiger Mensch — mein Gott! wie soll das enden?" „Freilich, freilich", meinte der Baron, sich im Sprechen seine Pfeife anbrennend, „da muß er halt trachten, sich eine erledigte Nummer zu verschaffen; gegen das Gesetz kann Niemand was unternehmen, in Mähren dürfen sich halt die Juden nicht vermehren, es darf nur der erstgeborene Sohn heiraten, nur wenn der kinderlos stirbt, kann der jüngere heiraten; jede Gemeinde. jede Herrschaft weiß, wie viel Juden sie hat, und die Zahl bleibt sich halt immer gleich — wenn auch in einer Familie mehrere Kinder geboren werden, es nützt halt nichts; es kann ja nur Einer heiraten, und die anderen müffen absterben, ja freilich es ist so, wie Er's gesagt hat, es haben's Einige versucht, sich ohne behördliche Bewilligung trauen zu lassen, aber es ist ihnen übel bekommen; man geht mit der größten Rigorosität gegen solche Uebertretungen vor — und was wahr ist, ist wahr, — das muß man Euch Juden lassen, ein sittenreines Volk seid Ihr — ich habe von der Geschichte gehört, der Kreishauptmann hat mir's selbst erzählt, hätten die dummen Kerle, die zu mehrjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt wurden,

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