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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-05-20 · 20 (20.5.1898) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
20 (20.5.1898)
Date
1898-05-20
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 396 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 20 Wien. Bei dem Sonntag den 8. Mai stattgchabten literarischen Nachmittag des literarischen Geselligkeits-Vereines jüdischer Mädchen „Moria" hielt Herr Professor Anscherl einen Vortrag über „jüdische Speisegesetze". Der Vortrag gestattete sich umso lehrreicher und fand desto lebhafteren Beifall, als der Vortragende Bekanntes über jüdische Küche erst in das richtige Licht setzte und so das eigentliche Interesse an der Sache weckte. Nach Herrn Anscherl sprach Schauspieler Herr Josef Halpern. Er recitirte in seiner bereits bekannten vortrefflichen Weise einige Gedichte von Jehuda Ben Halevi, Gabirol rc. Die nächsten Zusammenkünfte sollen von nun ab jeden zweiten Samstag Abends von '7 bis 9 Uhr stattfinden und ist die nächste Zusammenkunft für den 21. Mai bestimmt. Gäste (Damen) herzlich willkommen. Stadt, Schottenring Nr. 23. Wien. (Au s w e i s.) Herr Dr. H. Blumenfeld 100 fl., Moritz Roubitschek 15 fl., Josef Bauer 5 fl., N. N. 5 fl., I. Gingold 2 fl., Moriz Deicher 1 fl., Emanuel Taussig 1 fl., Marie Redlich 10 fl., Jacob Mensch 5 fl., Carl Blumenstein 1 fl., 9!. N., Müllncrgaffe 1 fl., bereits ausgewiesene 16.053 fl., Gesammteingaug 16.199 fl. Wie». Montag den 16. d. M. ist hier nach längerem Leiden Frau Charlotte Cohn geb. Schacher, eine wegen ihrer Herzensgute und ihres Wohlthätigkcitssinnes bekannte und hochverehrte Dame, im 77. Lebensjahre gestorben. Die Heimgegangene, eine Mutter des Cultusvorstehers Herrn S a l o C o h n, entstammt einer hochangescheuen Familie in Breslau, und das Leichenbegängnis;, welches Mittwoch Vormittag vom Trancrhause aus stattfaud, gab Zcngniß von der hohen Verehrung, die sie in den besten Kreisen der Wiener Gesellschaft mit Recht genossen hat. Wien. Am 15. d. M. beging Herr Moriz S ch c i b e r, gewesener Oberlehrer und derzeitiger Buchhalter, mit seiner Gattin Clara im engsten Familienkreise das Fest seiner silbernen Hochzeit. Zn derselben hatte sich deren einziger Sohn Herr Rudolf S ch e i b c r, Jngenieur-Adjunct der k. k. Staatsbahnen' aus Bodcnbach, nach Wien begeben. Herr Moriz S ch e i b e r, welcher seinerzeit an der vierclassigen Hauptschule zu Eisenstadt unter der Dircction Sr. Ehrwürden des Herrn Dr. Israel Hildesheimer wirtte, zählte zu seinen gewesenen Schülern Levy Hildesheimer, Dr. Hirsch Hildesheimer und war auch später Hofmeister des jetzigen kais. Rathcs Md k. k. Hofliefera teil Herrn Wilh. Pollak. Trotz der in aller Stille begangenen Feier kamen den Hochzeitern seitens ihrer Freunde und Bekannten zahlreiche Glückwünsche und Zeichen der Theilnahmc zu. Wien. Behufs Gründung eines Wohlthätigkcitsvereincs „Die Szcniczer", haben sich viele Szeniczer welche in Wien domicilire», in Robitschek's Nestauration eingefunden. Zum Obmann der Versammlung wurde einstimmig Ober-Cantor I. Bauer gewählt, welcher mit einer dem Zwecke entsprechenden Ansprache seine Landsleute begrüßte. Nach längerer Debatte über einzelne Punkte der Statuten wurden die Herren Dr. Sinnreich, Ober- Cantor Bauer, Isidor Bellak, I. Friedmann. Josef Sonueuseld, S. Kohn, I. Mandler und N. Erber in das Comitä, bis zur constituirenden Versammlung, gewählt. Wien. Mtttwoch den 1l. Mai fand im Deutschen Volkstheatcr die alljährlich von Herrn Professor Gustav G e i r i u g e r vcraiistaltete Vorführung seiner besten Schüler in mehreren Öpern-Fragmenten statt. Der Vorstellung wohnte ein zahlreiches Publicum bei, welches das Theater bis an das letzte Plätzchen füllte; unter demselben bcmertte man viele Direktoren, Künstler und Schriftsteller. Herr Professor Geiringer, der längst den Ruf eines eminenten Fachmannes besitzt, führte mis auch diesmal einige sehr schöne Talente vor. Von den Damen müssen wir an erster Stelle Frl. F a r n i o k nennen, die einen mächtigen Mezzo-Sopran und schon ziemliche Routine besitzt; sehr angenehm fielen ein Frl. Braun auf, die Alles für eine gute Soubrette mitbringt, Frl. Dietrich für die komischen Alten und Frl. S o m m c r für die jugendlich dramatischen Partien. Von den Herren können wir nur Herrn Stricks und Herrn D a u n e r mit Auszeichnung nennen. Ersterer besitzt einen leichten schönen Tenor und Gesangsverständniß und Herr D a u n e r sang eine Scene aus Rigoletto mit ungemein sympathischem Bariton "und ebenso viel Intelligenz. Herr Pohl vom Theater a. d. Wien leitete als Regisseur die Opern und Herr Professor G e i r i n g e r begleitete selbst in vollendeter Weise am Clavier. S. Wie«, 16. Mai. Sehr geehrter Herr Redacteur! In der Nummer 18 der „Oesterrcichischen Wochenschrift" vom 6. Mai l. I. findet sich unter „Correspoudenzen" — Sitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde vom 1. Mai 1898 — folgender unrichtiger Passus: „Bon Herrn Bernhard Stern 500 fl. aus Anlaß des Ablebens seiner Gattin Elise geborene Pacifico." Wollen Sie dies freuudlichst in der nächsten Nummer Ihres Blattes dahin richtigstellen, daß besagte 500 fl. (fünfhundert) u i ch t v o u mir zur Bertheilung an Arme eingelaufen sind, sondern von meiner seligen Frau Elise Pacifico- Stern testamentarisch den Armen Wiens israelitischer Confessiou vermacht wurden. Mit dem Ansdrucke der vorzüglichsten Hochachtung zeichnet Bernhard Stern. Wien. (Humanitärer Geselligkeitsverein „R u d o l f s b u n d".) Mittwoch den 4. Mai hielt dieser Verein seine neunte ordentliche Generalversammlung ab. Dem abtretenden Ausschüsse, welcher von drei zu drei Jahren neugewählt wird, wurde für seine bisherige Thätigkeit das Absolutorium ertheilt und hierauf in den Ausschuß ueugewählt: Znm Obmann Herr Josef Pollak, Obmann-Stellvertreter Herr Dr. Brady, Schriftführer Tobias Pöck, zum zweiten Schriftführer Emil Schneider, Cassier Emanuel Taub, Revisoren Morjz Bondi und Jakob Löwinger, artistischer Leiter Gustav Weiß; als Ausschüsse die Herren Sigmund Beck, Leopold Blumenthal, Rudolf Fischer, Heinrich Friedmann, Heinrich Goldschmidt, Samuel Goldfarb, Theodor Lustig, Johann Nawratil, Dr. Max Schönfeld, Ignaz Schuster, Alois Stiaßny. Anläßlich des 50jährigen Negierungsjubiläums wurde der Beschluß gefaßt, im heurigen Jahre dahin zu streben, 200 arme Schulkinder vollständig zu bekleiden; außerdem wird dem Verein seitens der Mitglieder ein prachtvolles Banner gespendet, welche das Regierungsjubilämn unseres erhabenen Monarchen im Verein verewigen soll. Spenden zur Kinderbekleidung werden seitens des Obmannes Herrn Josef Pollak, Armenräth, 2. Bezirk, Ferdinandstraße 30, dankend entgegengenommen und im Jahresberichte ausgcwiesen. Baden. Anläßlich des schweren 'Verlustes, der unsern ehrwürdigen Rabbiner W. Reich durch das unerwartete Ableben seiner frommen Gattin betroffen hat, sind demselben im Laufe der Trauerwoche von Nah und Fern einige hundert Beilcidskundgebnngcn schriftlich und telegraphisch zugekommen, von denen besonders hervorznheben sind: der k« k. Bezirkshauptmann Graf Lippe, Ministerialrath Graf Auersperg, das Presbyterium der evangelischen Pfarrgemeinde, Carl v. R u p p r e ch t, das P r o f e s s o r e n c olle g i u m des Gymnasium, Bürgermeister Ritter v. P ö t s ch n e r, I s r a e l i t i s ch e A l l i a n z, I e s f o d e T h o r a in Mattersdorf, die Cnltusvorstände und Vorstände der Chewra-Kadischa Wien, Wr. Neustadt, Mödling, Floridsdorf, St. Pölten, Neunkirchen, Baronin Charlotte Kö'nigswarte r, D. Ritter v. Gut m a n n, Dr. L. Ritter v. G u t m a n n, kais. Rath Heinrich K I i n g e r, Präsident der israelitischen Cultusgemeinde Wien, Gemeinderath Dr. Alfred Ster n, Oberrabbiner Dr. ©ubentann und fast sämmtliche Rabbiner der Wiener Cultusgemeinde, der Rector des theologischen Seminars Prof. Schwarz, Lcctor Friedmann, Landesrabbiner Dr. B. Placzek, die Rabbiner von Linz, Graz, Jglan, Nikolsburg, Nechnitz, Trencsin-Baan, Wr.-Neustadt, Mödling, Batorkäsz, Csusz, Novak, D. St. Marton, der I. Sekretär Dr. Lieben der Wiener Cultusgemeinde und eine große Zahl von Beamten derselben, die Obcrcantoren I. Goldstein, Al. Schorr, Stern u. A., der Präsident der Chewra-Kadischa Hernals B. Trnka, die Vorsteher von Wien B. Rosner und Albert Hohenberg, die Tempelvorsteher Jacob Moor, S. A. Wasservogel, die Redacteure Siegfried Löwy von der „Oesterreichischen Volkszeitnng" und Julius Stern vom „Fremden-Blatt", Schriftsteller Emanuel Baumgarten, .der hebräische Literat I. Fischer, L. Hildesheimer, kais. Rath N. Schefftel, kais. Rath I. Deutsch, kais. Rath Friedrich Pollak, Direktor L. Schwarz der Moskauer Handelsbank in Rotterdam, Eduard Reit, Präsident der Fruchtbörse, Börsenrath Theodor Kantor, Stationschef G. Knepler, Hauptinann Wagner, Director Stein, Fabriksdircctor Leon Bloch, Dr Ed. Bloch, Heinrich Berger, die Familien S. und L. Geiringer, L. und B. Landau, Sigmund Kassel, Jacob Kann, Wilh. Freyberg, Stadtarzt Dr. Petschek, Fabrikant Jos. Pollak, k. k. Hoflieferant Hermann Beck, die Weingroßindustriellen Wolf und eine besonders große Anzahl von Honoratioren aus der Residenz und Umgebung. Nzeszow. Während diesen Montag Nachmittags ein jüdischer Leichenzug die Nosengasse passirte, bewarfen Gymasialschüler der dritten und fünften Classe den Sarg mit Koth und Steinen. Die Verunglimpfung eines Leichnams galt selbst den barbarischen Heiden als verabscheuungswürdig, den antisemitischen Jüngelchen aber schien die Befolgung der Heilslehren eines geistlich-antisemitischenVerfassers von „DieGeheimnisse der Inden", die unter der Schuljugend allgemeine Verbreitung fanden, für verlockender, und mit cynischer Bestialität übten sie ihre Schandthat aus. Prag, 10. Mai. M. Joch und Löwenstein, Besitzern der hiesigen Wäschefabrik, wurde der Titel k. u. k. Hoflieferanten verliehen. Prag. Henriette B e n d i n e r, Gattin des Dr. Ludwig B e n d i n e r, Landesadvocaten, Vicepräses der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, Ritter des Franz Josef-Ordens, Director des Nächstenliebevereines, emeritirten Landesschul- und Stadtrath, wurde am 11. d. M. zu Grabe getragen. Die starke Betheiligung bewies die hohe Achtung, deren sich die Verstorbene, welche Vorsteherin mehrerer wohlthätiger und gemeinnütziger Vereine war, erfreute. Unter den Anwesenden be-

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