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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-05-20 · 20 (20.5.1898) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
20 (20.5.1898)
Date
1898-05-20
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 20 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 395 einer.Lungenentzündung. Schapira's Bildungsgang war etwas ungewöhnlich. 1840 zu Erswilkeu bei Tauroggen als der Sohn jüdischer Eltern geboren, erhielt Schapira zunächst die theologischrabbinische Bildung, die bei deu russischen Juden zum Theile noch jetzt üblich ist. Er brachte es als Kenner des rabbinischen Schriftthums in Litthauen zu Ansehen. Mit 28 Jahren wandte sich Schapira nach Berlin und besuchte hier bis 1871 die Gewerbeakademie. Dann wurde er Kaufmann in Odessa. Erst 1878 nahm er das wisienschaftliche Studium wieder auf. Er beschäftigte sich hauptsächlich in Heidelberg, wo damals Lazarus Fuchs, Kantor und Eisenlohr Mathematik lehrten, bis 1882 mit Physikalischen Studien. Jndeß promovirte er 1880 bei der Rnprechts- Karl-Universität zum Doctor der Philosophie. 1883 wurde Schapira in die Heidelberger mathematisch-naturwissenschaftliche Facultät als Privatdocent für Mathematik ausgenommen. 1887 erhielt er eine außerordentliche Professur. Die wissenschaftliche Arbeit Schapira's galt vornehmlich der Functionentheorie. Seine Kenntniß der orientalischen Sprachen verwerthete Schapira zur Herausgabe und Uebersetzung des Buches „Mischnath Hamidoth", Lehre von den Maßen, nach der hebräischen Handschrift der Münchener Bibliothek. Hervorzuheben ist noch Schapira's deutsche Ausgabe von Tschebytschefs „Theorie der Congruenten". Im letzten Jahre ist Schapira häufiger als einer der Führer der zionistischen Bewegung in Deutschland genannt worden. Auf dem ersten Zionistencongreß hat er sich als einer der eifrigsten Anhänger dieser Bewegung hervorgethan; noch vor wenigen Monaten trat er in einer Frankfurter Versammlung der Zionisten, ebenso in Berlin, als Redner auf. Paris. In Frankreich haben die Wahle n stattgefunden; sie bringen keine Ueberraschung; die nächste Kammer wird wiederum von einer opportunistischen Mehrheit beherrscht sein, die aber noch stärker mit reactionäreu und ültramontanen Elementen als bisher durchsetzt ist. Mit einem Worte, die Gefahren einer boulangistisch-antisemitisch-ultramontanen Reaction sind gewachsen, und das Complement dieser Erscheinung ist ein sehr starkes Anwachsen der Socialisten im Lande; ihre Zahl in der Kammer wird zwar keine große sein, im Gegentheil, vielleicht werden die Socialisten im Parlament etwas zurückgedrängt werden; hingegen ist die Masse der für sie abgegebenen Stimmen außerordentlich in die Höhe gegangen. Die Gegensätze spitzen sich also in Frankreich zu; die Masse opportunistischer Republikaner ist unter den Einfluß reactionärer Elemente gekommen, und im Lande regt sich ein extremer socialistischer Radicalismus; auf ruhige Zeiten deutet diese Entwicklung nicht. Trotz der ungünstigen Stimmung wurde noch eine Anzahl von Glaubensgenossen als Candidaten aufgestellt. Es sind 7, nämlich Raphael Bischoffsheim, der gewählt ist, M. Cremieux, Josef Reinach, der mit 1205 gegen 3778 Stimmen durchgefallen ist, M. Klotz, Leon Cohn, Jean Javal und Elie May. Die antisemitische Presse Algiers charakterisirt die „Köln. Ztg." (10. Mai) wie folgt: „Drumont verfügt über fünf Blätter, den „Antijuif", das „Telegramme", den „Radical Algerien", die „Depöche Algerienne" und das gezwungen komische Wochenblatt „Le Tnrco"; sie holen sich meist den Most aus der „Libre Parole" und den antijiidischen Büchern Drumont's und fügen dazu noch eine Menge von Ausfällen, die vielfach in das Gebiet der schlimmsten Unsauberkeiten gehören. Den algerischen Juden wird dabei, wenn sie sprechend aufgeführt werden, der elsässisch-französische Dialect angedichtet; „le bedit gommerce (le petit commerce), das Geschäft", ist ihr beliebtester Ausdruck. Ursprünglich hat ihn Balzac in die Lehrämter eingeführt in seinem Cousin Pons; der ehrliche Schmücke läßt sich dort in dieser Mundart los. Seitdem aber dient sie den französischen Journalisten als Muster für die Aussprache aller Juden; selbst eine sonst so kenntnißreiche Dame wie Gyp (die Gräfin Märtel) legt sie in ihren von der „Libre Parole" veröffentlichten Gesprächen dem jüdischen Grafen Cayenne in den Mund. Von den antisemitischen Liedern, die zu 15 Centimes ausgeboten werden, sollte man eigentlich kaum reden, so dumm und hervorragend witzlos sind sie; vom Talent der Algerier legen sie ein sehr mageres Zeugniß ab. Ihre Richtung kennzeichnet sich durch folgendes Couplet: „Der Jude bleibt stets der Bruder des Dreyfus; wenn man ihm die französische Fahne zeigt, rechnet er gleich in seinem Gehirn aus, zu wie viel Franken er sie wohl verkaufen könne." Der Juden selbstnimmtsich eigentlich Niemand an, auch nicht der katholische Clerus, der selbst antisemitisch angehaucht sein soll." Petersburg, 12. Mai. Die in Nr. 17 der „Oesterreichischen Wochenschrift" wiedergegebene, die „Jewish Colonisation Association" betreffende Unterredung enthält Manches, was nicht gesagt worden. Der Wahrheit die Ehre gebend, gestatten Sie daher einem Wohlunterrichteten, ein paar Worte der Berichtigung Ihren Lesern zu unterbreiten. Und zwar: 1. Herr Pobiedonoszew, indem er die guten Eigenschaften der jüdischen Bevölkerung hervorhob. stellte ihnen keineswegs die Schattenseiten des russischen Nationalcharakters entgegen, wie es aus obenbesagter Correspondenz scheinen könnte. 2. Ebenso ist nichts Wahres daran, was der Herr Correspondent — angeblich auch nach Aussage des Herrn Pobiedonoszew — von der Unzulässigkeit der Thätigkeit der Jlet in Rußland selbst in die Oeffentlichkeit bringt. X. Bombay. Der officielle Bericht, der von dem.medicinischen Departement der indischen Regierung veröffentlicht wurde, enthält eine Auseinandersetzung über das Serum von Dr. Haffkine, dessen Erfolge außerordentlich gerühmt werden. In zwei von der Pest befallenen Dörfern Damoaw und Baroda ist die Sterblichkeit um 70, respective 90 Percent nach der Impfung mit Dr. Haffkine's Heilserum gefallen. Vermischtes. Wien. (T r a u u u g.) Sonntag den 22. Mai, 3 Uhr Nachmittags, findet im türkisch-israelitischen Tempel, 1L, Circusgaffe 22, die Trauung von Frl. Bertha Heimann, Tochter des Chordirigenten im Leopoldstädter-Tempel, Herrn Julius Heimann, mit Herrn Architekt Anton Rottenberg statt. Wien. (Trauung.) Am 22. Mai, 3*/. Uhr Nachmittags, findet im Tempel Seitenstettengasse die Trauung von Frl. Bella B o g l h u t, Tochter des Holzgroßindustriellen Herrn Jacob Bo g l h u t, mit Herrn Ferdinand Weil aus Budapest statt. Die Hochzeitsfeier wird Veranlassung bieten, der in weiten Kreisen angesehenen Familie Boglhut Sympathiekundgebungen zuzuführen. Wien. Das österreichische Herrenhausmitglied Freiherr von Oppenheim ist vom Kaiser Wilhelm durch Verleihung des Kronenordens U. Classe mit dem Sterne ausgezeichnet worden. Wien. (Bibelschule Währing.) Die diesjährige Prüfung findet am 22. Mai im Gemeinderempel, XV11I., Schopenhauergasse 39, präcise 10 Uhr statt. Wien. (A u s z e i ch n u n g e n.) Den österreichischen Staatsangehörigen, Functionären des österreichisch-ungarischen Hilfsvereins in Paris, und zwar dem Vicepräsidenten Maximilian Ritter v. Schnapper wurde vom Kaiser das Comthurkreuz des Franz Josef-Ordens, ferner dem Vicepräsidenten Julius M o r p u r g o der Adelsstand mit Nachsicht der Taxe verliehen. Wien. (Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeitsverein.) Wie seinerzeit mitgetheilt, hat dieser Verein die edle Menschenfreundin, Frau Baronin Hirsch, zum Ehrenmitgliede ernannt. Der Bereinsvorstand gelangte nunmehr dazu, diesen Beschluß in Form einer Adresse zu notificiren. Letztere ist ein Kunstwerk bleibenden Werthes. Speciell die Enveloppe aus gepreßtem Leder liefert ein ehrendes Zeugniß dafür, daß trotz aller Meinungsäußerungen der Gegenseite auch im Kreise unserer Glaubensgenossen außerordentlich tüchtige Arbeiter zu finden sind. Wir können für ähnliche Zwecke das Atelier Buchwald, VII., Lindengasse 16, nur wärmstens empfehlen. Wien. Gelegentlich der Eröffnung der Jubiläums-Ausstellung wurden von Sr. Majestät auch viele Juden mit'Ansprachen beehrt. Unter Anderen der Finanzreferent der Ausstellung Herr kaiserlicher Rath Schefftel, Seidenwaarenfabrikant Carl Zweig, Fabrikant Carl L ö w, Fabrikant Q u i t t n e r u. s. w. u. s. w. Aus Budapest hat Herr königlicher Rath Moriz G e l l e r i der Eröffnungsfeier beigewohnt. Wien. Wie wir erfahren, stammen die in dem vorige Woche eingeweihten neuen Tempel im zehnte» Wiener Gemeindebezirke sich allgemeinen Beifalles erfreuenden schriftlichen Arbeiten, als: Berocho-, respective Spenden-Tafeln, ebensolche S i d r a- und Hafthoratafeln, dann die Vorlagen für die in Stein ausgeführten Botivtafeln, insbesondere aber die Ueberschrift oberhalb der Bundeslade von dem bestbekannten Kalligraphen Mayer Brunner, Wien, I., Judengaffe 12, her, der sich auch mit einer prachtvoll ausgestatteten Schiwissitabelle auf der Jubiläumsausstellung in der Rotunde eingestellt, die in der Collectivansstellung der Jndustriemaler zu sehen ist (Nordportal).

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