Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 20 (20.5.1898)
- Date
- 1898-05-20
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 394 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 20 gebiet mindestens IO Meter entfernt sein, nach dem neuen Gesetze muß der Zwischenraum zwischen den einzelnen Schachten 60 Meter und die Entfernung vom Grenzgebiet mindestens 30 Meter betragen. Die Folge wäre, daß die meisten Schachte, da die Unternehmer in ihrer Mehrzahl nur kleinere Grundstücke ihr Eigen nennen, verschüttet werden. Die großen Unternehmungen in Boryslaw (Wiener Länderbank und Lemberger Creditbank) haben selbstverständlich gar kein Interesse, die kleinen Gebiete anzukaufen, da durch die Verschüttung derselben der Preis ihrer Produtte in die Höhe gehen würde. Als Übergangszeit hat der cittrte Erlaß zwei Jahre bewilligt, allein trotzdem beginnen die Bergbehörden schon jetzt, die Schachte einzustellen. Diese 38 Unternehmer besitzen 87 Schachte, von denen jeder 30 bis 34 jüdische Arbeiter beschäftigt. 3000 jüdische Arbeiter werden somit dem Hungertode ausgeliefert. Eine Deputatton der Unternehmer unter Führung des Bicebürgermeisters Pomeranz ist vor einigen Tagen beim Ackerbauminister und beim Minister für Galizien in Wien erschienen, um eine Aenderung der Vorschriften zu erbitten. Berlin. Herr Fabriksbesitzer Gustav Hirsch, Seniorchef -der Firma Aron Hirsch-Sohn, zu Meffingwerk bei Eberswalde, ist im Alter von 76 Jahren sanft entschlafen. Der Dahingeschiedene war ein Sproß der durch Gelehrsamkeit. Frömmigkeit und regen Wohlthätigkeitssinn ausgezeichneten Familie Hirsch in Halberstadt und ein Schwager des ehrwürdigen Rabbiners und Seminardirectors Dr. Hildesheimer in Berlin. Getreu den Tradittonen seines Hauses hat der Verewigte gelebt. Sein ganzes Wirken und Schaffen ging auf im Dienste des Judenthums, in rühriger Bethätigung lauterster Frömmigkeit und edelster Menschenliebe. Zeugniß deffen ist seine leitende Antheilnahme auch an zahlreichen hiesigen Wohlthätigkeitsvereinen. seine Mitlvirkung an der Leitung der von Herrn Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer begründeten „Armen- und Pilgerwohnungen in Jerusalem", deren Verwaltung er bis an sein Lebensende angehörte, vor Allem sein Antheil an der Errichtung des Rabbiner-Seminars zu Berlin. Bon der Beerdigungsfeierlichkeit wird gemeldct: In Meffiugwerk, nach den Abschiedsworten, welche Herr Benjamin Hirsch und Herr Professor B a r t b aus Berlin dem Heimgegangenen widmeten, nahm, wie er hervorhob, von innerem Drange getrieben, nicht nur um einer Ehrenpflicht zu genügen, der Ortspfarrer von Heegermühle, Herr Pastor W i l k e, das Wort, um dem hilfsfteudigen, liebevollen Patron der Schule, der „niemals auf eine Bitte habe Nein sagen können", für sein Wirken für die Kleinen und auf die Großen zu danken. Nicht nur wozu die staatsgesetzliche Pflicht ihn anhielt, sondern Allem, was geeignet schien, das hehre Werk der Jugendbildung zu fördern, habe er seinen thatkräftigen Beistand geliehen; und wie er aus diese Weise bestrebt war, die Kleinen zu wackeren Menschen erziehen zu helfen, so habe das charakterfeste Beispiel seiner Lebensauffaffung und -Bethätigung erziehlich auf die Erwachsenen jeden Bekenntnisses gewirkt. „Was er an den Kindern gethan, möge Gott ihm in seinen Kindern entgelten; was er den Großen gewesen, sichert ihm ein tteues Andenken in unseren Herzen." Zum Schluß sprach für die Gemeinde Eberswalde Herr Prediger Rawitscher dem wohlwollenden Gönner den Dank aus. Auf dem Friedhof in Berlin sprach zunächst für die Adas Jsroel-Gemeinde Herr Prediger Dr. Meier Hildesheimer und im Aufträge der Gemeinde Halberstadt in beredtem, schmerzerfüllten Nachruf deren Rabbiner, Herr Dr. Sg. Auerbach, wodaun noch der Schwiegersohn des Dahingegangenen, Herr Aron B o n d i aus Wien, in wenigen, innigen Worten sein Gelöbniß und das der anderen Hinterbliebenen, stets in den Spuren des ihnen zu früh entriffenen Oberhauptes fortwandeln zu wollen, an der Bahre aussprach. Frankfurt a. M. (Jüdische K u n st d e n k m ä l e r.) Im Auftrag des hier bestehenden Comit«s zur Erforschung ^jüdischer Kunstdenkmäler sprach heute Abend Director Frauberg-Düffeldorf über die Ergebnisse der settherigeu Forschungen. Director Baerwaldt schickte dem Bottrag einige orienttrende Worte voraus. Ueber das äußere Leben des jüdischen Volkes gibt die vorhandene Geschichte und Ltteratur erschöpfende Mittheilungen. Anders ist es auf dem (Gebiete der Kunst. Zur Beschaffung der nöthigen Mittel, die bis jetzt das Comite aufbrachte, soll nun eine Gesellschaft gebildet werden, deren Mitglieder bestimmte und beliebig größere Beiträge zahlen. Die Bestrebungen der Gesellschaft sind rein wissenschaftlicher Art, ihr Zweck ist, die vorhandene Lücke in der jüdischen Geschichte anszusüllen. Der Redner knüpft hieran die Bitte um Beitritt als Mitglied, zu welchem Zwecke Karten znr Unterschrift vertheilt wurden. Director F r a u b e r g, von dem der Gedanke der Forschungen auf dem Gebiete der Mischen Kunst ausgegangen ist, macht dann Mittheilungen über die Ursachen, die ihn darauf gebracht haben. Es war der Mangel an symbolischen Ausschmückungen eines Grabgitters. Der Katalog einer Ausstellung von Gegenständen aus Synagogen und seine Illustrationen gaben ihm die ersten Grundlage seiner Forschungen. Die ersten Mittel spendeten ihm in bekannter Bereitwilligkeit Frankfurter Gönner der Sache. Der Vorttagende theilt die Geschichte der Juden für seine Zwecke in zwei große Perioden: von Moses bis zur Zerstörung Jerusalems und von dieser Zeit bis auf die Gegenwart. Die erste Periode werde wenig Ausbeute bieten und die zweite Periode zeige große Lücken. Aus der ersten Periode berichtet der Vortragende über die Stiftshütte und die Salomonischen und Herodias'schen Tempelbauten. Aus der zweiten Periode gedenkt der Vortragende der Kariathydensynagoge in Jerusalem aus dem 8. Jahrhundert. Die älteste Synagoge in Deutschland sei die im romanischen Stil erbaute in Worms aus dem 11. Jahrhundert. Im 16. Jahrhundert mehren sich dann die Bauten. In Spanien ist es die Synagoge von Toledo aus dem 14. Jahrhundert, in Rom aus dem 16. Jahrhundert. Nach einer Besprechung des Grundrisses und der Ansichten der Synagogen in den verschiedenen Ländern schilderte dann Director Frauberg eingehend die i n n e r e A u s st a tt u n g und richtete dabei an die Frauen die Mahnung, sich z. B. an den Vorhängen der italienischen Synagogen ein Vorbild zu nehmen für Anfertigung stylvoller Vorhänge in den deutschen Synagogen. Durch eine Anzahl photographischer Aufnahmen wurde der interessante Vortrag in wirksamer Weise ergänzt. Hildesheim, 8. Mai. Sehr geehrter Herr Doctor! Gestatten Sie mir, Ihnen folgende Notiz zu der in den jüngsten Nummern Ihrer geschätzten Zeitung „Oesterreichische Wochenschrift" enthaltenen Artikelreihe „Die hervorragendsten Rabbiner Prags" zu übersenden, mit dem ergebeneil Ersuchen um eventuell gefällige Veröffentlichung. In Nr. 18, S. 357, benlerkt Dr. Friedländer in dem David Oppenheim betreffenden Artikel, daß derselbe „zwei Söhne Hirsch Jsaac und Josef hatte. Ersterer war Rabbiner in Hildesheim". Diese Angabe, daß Hirsch Jsaac, der Hildesheimer Rabbiner, ein Sohn von David Oppenheim gewesen, beruht auf einem Jrrthum. Schon Wiener hat irr seiner Abhandlung „Zur Geschichte der Juden in Mähren, insbesondere in Kremsier"') darauf hingewiesen, daß „jener Hildesheimer Rabbiner, von welchem Zunz^) und nach ihm Grätz°) spricht, nicht der Sohn, sondern ein Verwandter des R. David Oppenheim" war. Der Vater des Hirsch O. war vielmehr Jsak Nathan Oppenh. in Wien, der Stiefsohn des Samson Wertheimer?) David Oppenh. besaß nur einen Sohn, Josef, der als Rabbiner in Holleschau fungirte, später in Hannover als kaiserlicher Factor lebte und daselbst am 21. Juli 1739 starb.-'') Josef Oppenh., der Samson Wertheimer's Tochter, Tolza, als Gattin heimführte, wurde der Schwiegervater von Hirsch Oppenh. in Hildesheim. Ich erlaube mir zugleich, Ihnen, sehr geehrter Herr Doctor, einen vor wenigen Tagen in der Beilage einer hiesigen Tageszeitung unter dem Titel „Ein Hildesheimer Miethscontract aus deni Jahre 1732" veröffentlichten Artikel, der ebenfalls auf Hirsch Oppenh. Bezug hat, zu übermitteln, indem ich Ihrem Ermessen den Abdruck in Ihrem werthen Blatte überlasse. Hochachtend Dr. Lewinsky. Heidelberg. Dr. Hermann Schapira, Professor der Mathematik au der Universität Heidelberg, starb am Montag in Köln, wo er sich zu Besuch aufhielt, nach kurzer Krankheit an ') Berliners Magazin, I., S. 27. -) Zur Gesch. S. 937. 3) Gesch. X., 347, Anmkg. 1. Vgl. auch Jost, Gesch. d. Judenth. u. s. Secten, 3. Abth.. Buch 7, S« 281. 4) Kaufmann, Samson Wertheimer u. s. w. S. 78 f. &) Wiener in s. Aufsatze „Zur Gesch. der Familie Oppenh.", in Berliners Magazin, I., S. 81 ff., Kaufmann a. a. O., S. 95 ff. Michael's Or hachajim S. 314, Nr. 696, s. v. R. David Oppenh. v ppv mo 2-!.n rrrr 122