Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 20 (20.5.1898)
- Date
- 1898-05-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 20 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 393 richteten an ihn die Bitte, für diese Humanitätsanstalt eine Spende entgegennehmen zu wollen, was selbstredend mit Freude erfolgte. Die Herren legitimirten sich als jüdische Bürger aus den Vereinigten Staaten und wiesen ein Handwerkerbuch ans dem Jahre 1842 vor, auf dessen letzter Seite der Vermerk erscheiut, daß der zu damaliger Zeit als armer Handwerksbursche durch Wien gereiste Vater oberwähnter Herren von dem Vorstande des Vereines eine kleine Unterstützung erhielt, zumal er sagte, nach Amerika auswandern zu wollen. Die Söhne dieses nach Jahren zu Vermögen gelangten Mannes wollten nun die Schuld tilgen und übergaben dem Vorstandsmitglied einen Betrag in österreichischer Währung, der die Gabe vom Jahre 1842 um 100 Percent übersteigt. Es ist dies ein Pietätsact sondergleichen, der wohl verdient, allenthalben die Runde zu machen. E. I. Ein seltenes Geschenk wurde der israelitischen Gemeinde zu Altena von dem geheimen Commercienrath Gustav Selve dem Vorsitzenden des Kreis-Synagogenvorstandes Herrn Adolf Feidelberg mit folgendem Begleitschreiben übersandt : „Auf Ihre gefl. Zuschrift vom 24. v. M. kann ich erst heute zurückkommen, da ich einige Tage vom Hanse abwesend war und ich mich auch vorher einigermaßen informiren mußte. Ich bin nun gerne bereit, zu einer neuen Synagoge in Altena, zu welcher äußerem Vernehmen nach 20.000 Mark aufgebracht werden sollen, 500 Mark beizusteuern, indenr ich es anerkenne, daß auch die wohlhabenden Mitglieder Ihrer Gemeinde bisher nicht auf den Unterschied in der Confession gesehen haben, wenn es galt, die Noth unter den Alteuaer Mitbürgern zu lindern. Ich hoffe und wünsche, daß besonders Ihre vielen reichen auswärtigen Glaubensgenossen reichlich beisteuern werden, damit Ihnen ein würdiges Gotteshaus ersteht, dessen Bau auch der Stadt Altena zur Zierde gereichen möge. Mit achtungsvoller Begrüßung Gllstav Selve. Wien, 11. Mai 1898. Sehr geehrter Herr Nedacteur! In der letzten Nummer ihrer Wochenschrift vom 6. d. M. ist im Berichte über die Generalversammlung des Politischen Bolksvereines ein Satz in der Rede des Abgeordneten S t r a u ch e r nthalten, dessen Bedeutung gar nicht genug gewürdigt werden kann. Er lautet: „Unsere Jugend kennt die Geschichte des jüdischen Volkes nicht." In diesen wenigen Worten ist der Grund der antisemitischen Strömung ausgedrückt worden. Daß die Jugend anderer Religionsgenossenschaften die Geschichte der Inden, ihrer Cultur und Mission, ihrer Kriege und Helden nicht kennt, ist nicht zu verwundern, wenn auch diese Unwissenheit die feindliche Gesinnung erklärlich macht. Daß aber die jüdische Jugend in Unwissenheit darüber aufwächst, was ihr Volk geleistet, daß diese Jugend nicht im Stande ist, historische Unwahrheiten, die über ihr Volk verbreitet werden, mit geschichtlichen Daten zu widerlegen, ist eine Schande, die keinem anderen Cultnrvolke nachgesagt werden kann. Eine kritische Geschichte, besonders aber eine unparteiische Schilderung der Zustände nach der Theilung des Reiches, eine Culturgeschichte beider Königreiche, die Beschreibung der Kämp'e mit den Römern, die ruhmreiche Epoche der Makkabäer, die Aufstände unter Bar Kochba, das blieb uns ein Buch mit 7 Siegeln. Wie soll sich nun der Knabe für sein Volk begeistern, von welchem er immer hört, daß es feige ist; er kann nicht auf die Heroen seines Volkes Hinweisen, da er kaum ihre Namen kennt, er hat keine Ahnung, daß sein Volk bedeutende Philosophen aufzuweisen hat, er kennt wohl Plato, Aristoteles, Empedokles und ihre Systeme, aber daß auch Juden als bedeutende Gelehrte, Mediciuer, Astronomen, Naturforscher und Diplomaten sich hervorthaten, ist ihm fremd. Und leider existirt bis heute kein allgemein zugängliches Werk, das den jungen Mann über die rühmliche Vergangenheit seines Volkes belehren könnte (nicht jeder ist in der Lage, sich Grätz anschaffen zu können". Die Schulbücher, die man uns als Geschichte der Juden in die Hand gab und die noch heute in Geltung sind, sind gewiß nicht im Stande, die Begeisterung eines jungen Mannes für sein Volk zu wecken. Es ist also Schuld der Religionslehrer und Rabbiner, daß die jüdische Jugend die Historie ihres eigenen Volkes nicht kennt, und au ihnen ist es in erster Reihe, dieses Uebel zu beheben. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebenster Wilhelm Schick, VII., Burggasse 53. Wi-n. Dr. S. Steinherz in Wien hat soeben den ersten Band der römischen Nnntiaturberichte aus Deutschland aus den Jahren 1560 bis 1572 im Aufträge der historischen Commission der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften herausgegeben. Wir verweisen bei dieser Gelegenheit auf die ausführliche Besprechung dieses Werkes durch, einen competenten Fachgenossen in der „Wiener-Zeitung" Nr. 95 und 97 d. I., die der außerordentlichen Sorgfalt und Sachkenntniß des Herausgebers alle Anerkennung zu Theil werden läßt und nach ausführlicher Erzählung einiger der interessantesten in den Nuntiaturberichten behandelten Ereignisse mit den Worten schließt: „Es verstehtz sich von selbst, daß auch Angelegenheiten von geringerem Belang zwischen dem Kaiser und den Nuntien (Hosius uitb Delfins) zur Sprache kommen; erwähnt fei Hosius' vergeblicher Versuch, die Ausschließung der protestantisch gesinnten oder kirchlich unzuverlässigen Professoren von der Wiener Universität zu erlangen. Ueberhaupt ist mit dieser Uebersicht der Reichthnm von Nachrichten nicht erschöpft; namentlich bieten die Anmerkungen eine Fülle von Belehrung. Da ist alles fest und sicher gegründet, da zeugt jedes Wort von eindringender Forschung und strenger Sachlichkeit. Die österreichische Abtheilung der Nnntiaturberichte ist durch diesen Band auf eine Weise eröffnet worden, die dem Herausgeber, dem römischen Institute und der kaiserlichen Akademie gleichermaßen zur Ehre gereicht". Königgrätz, 13. Mai. (Berehrliche Redact i o n v o n D r. B l o ch's O e ft e r r e i ch i s ch e r W o ch e lisch ri ft," Wien!) Nachdem mir Herr Samuel Fcankenbusch, Fabrikant ans Miletin, bestätigt hat, daß der in meinem Hotel- Restaurant beim „Goldenen Lamm" in Königgrätz beschäftigt gewesene Speisenträger I. Lotola sich wirklich des ungezogenen und frechen Benehmens schuldig gemacht hat, welches in Ihrer geschätzten Wochenschrift vom 29. April d. I. Nr. 17 gerügt wurde, habe ich den genannten Speisenträger sofort aus meinen Diensten entlassen und Sorge dafür getragen, daß derartige, für mich peinliche Ungezogenheiten nicht mehr Vorkommen. Indem ich um Veröffentlichung dieser meiner ergebenen Zuschrift in Ihrem geschätzten Blatte auf meine Kosten bitte, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung der verehrlichen Redaction ganz ergebener Josef Dudek, Hotelier. Prag, 9. Mai. (Ein antisemitischer R e d a ct eur zu drei Jahren durch F a ste n v er s ch ä r ft e n, Kerker ver urtheilt.) Franz Stregal, ein ehemaliger Advocatenschreiber hatte in seiner czechisch-antisemitischen Zeitung einen Kampf gegen das „betrügerische corrupte Judeuthnm" angekündigt und sein Blatt lvurde in Folge heftiger antisemitischer Angriffe häufig confiscirt. Der Mann, der ein verschwenderisches Leben führte, war gezwungen, sich einen tüchtigen Nebenerwerb zu suchen, und wählte hiefür den allerdings lucrativeu, wenn auch nicht sehr ehrenhaften und gefahrlosen der Unterschlagung fremder Gelder. Er hatte sich nämlich von zahlreichen Personen die er rmter verschiedenen Titeln für sein Journal engagirte, Cautionen im Betrage von 6000 fl. erlegen lassen, die er für sich verwendete. Ueber Anzeige der Geschädigten wurde die Anklage gegen ihn erhoben und der Verbrecher wurde in der heutigen Verhandlung zn der vorangeführten Strafe verurtheilt. Borysiaw. Am 13. September 1897 wurden von der Berghauptmannschaft in Krakau auf Anordnung des Ackerbauministeriums neue bergpolizeiliche Vorschriften erlassen, durch welche alle Ueinen Bergwerksbesitzer in Boryslaw, 38 an der Zahl, durchwegs Juden, mit einem Schlage ihres Eigenthnms beraubt wurden. Nach dem früheren Naphtagesetze vom Jahre 1884 mußte ein Schacht vom andern und vom Grenz-