Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 20 (20.5.1898)
- Date
- 1898-05-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 384 Dr. Bioch's Wochrnschrifi Nr. 20 flufj, uitö der Lehrplan muß so festgesetzt und gehandhabt werden, wie in Paris bestimmt wurde. Die von d^r Alliance subventionirten Schulen haben gegenwärtig 20.739 Schüler und Schülerinnen, darunter auch einige Christen und Muhammedaner. Der Stolz der Alliance bleibt, wie früher, die Ackerbauschule in Jaffa, die unter der ebenso fähigen wie energischen Leitung des Directors Niego glänzende Resultate liefert. Sie zählt gegenwärtig eine Bevölkerung von 248 Seelen, worunter 64 jüdische Arbeiter sind, die die großen Erweiterungsbauten ausführen. Schüler sind zur Zeit 147, doch wird diese Ziffer immer noch weiter gesteigert werden. Die Bewirthschaftung des zu der Schule gehörigen Gutes gab einen Ueberschuß von 19.711'4O Francs, der die Kosten der Schule wesentlich vermindert. Durch die neuen Bauten wird die Zahl der aufzunehmenden Schüler allmälig bis auf 250 gesteigert werden. In der zweiten Ackerbauschnle der Alliance, in Djedeida, die ja erst seit wenigen Jahren existirt, sind die Resultate weniger bedeutend, versprechen aber auch für die Zukunft die größten Erfolge. Wir vermissen uur Eines in diesem Bericht, was in vergangenen Jahren einen besonderen Ruhmestitel der Alliance bildete. Während sonst häufig die französischen Diplomaten auf Ansuchen der Alliance zu Gunsten der verfolgten Juden in den wilden Ländern des Orients, Marokko, Persien rc. einschritten, ist dies in den letzten Jahren fast ganz unterblieben. Nur zwei derartige Schritte weist der letzte Jahresbericht auf, obwohl man kaum behaupten wird, daß die Verhältnisse besser geworden seien. Auch sind in London viel mehr derartige Bemühungen gemacht, worden, um die Intervention der englischen Gesandten anzurufen. Rechnungsabschluß der israelitischen Cultusgemeinde Wien für das Jahr 1897. Referat, erstattet vom Obmann der Finanzsection Herrn kaiserlichen Rath M. Hirsch in der Sitzung des Vorstandes vom 15. Mai 1898. Indem ich an die Aufgabe herantrete, Ihnen den Rechnungsabschluß pro 1897 vorzutragen, gestatten Sie mir, vorerst folgende nothwendige Bemerkungen vorauszuschicken: Der Rechnungsabschluß des Jahres 1896 schloß, wie Ihnen erinnerlich, mit einem Gebahrungsdeficit von fl. 30.238*36 und in Folge dessen endigte die Bilanz pro 1896 mit einer Schuldenlast von fl. 13.249*367,. Durch begreifliche und gewiß anerkeunenswerthe Vorsicht des Cultusvorstaudes wurden selbst nothwendige Bedürfnisse der Gemeinde zurückgestellt und in Fällen, wo dies absolut unmöglich war, mußten die Zahlungen dem Jahre 1897 Vorbehalten bleiben. So kam es null, daß in dem Jahre 1897 das Deficit des Jahres 1896 getilgt werden mußte, anderseits kam dazu, daß auch den harrenden Bedürfniffeu culturellen und Humanitären Charakters, deren Erfüllung aus früheren Jahren bis dahin aufgeschoben worden war, Rechnung getragen werden mußte und welche nach Maßgabe der vorhandenen Mittel befriedigt werden konnten. Damit ist die Zahl unserer Verpflichtungen noch lange nicht erfüllt. Angesichts der politischen Lage sind wir auf uns selbst angewiesen und in cultureller Beziehung ergeben sich Nothwendigkeiteu, deren Existenz man nie geahnt hat; es ergeben sich hieraus Erfordernisse, die dringend einer Erledigung bedürfen und denen entsprochen werden muß. In humanitärer Hinsicht entfällt wohl die Nothwendigkeit Ihnen ein Bild hievon zu machen. Sie wiffen, es gibt ernste, wahre Noth zu lindern, wie oft muß man das warme jüdische Herz verleugnen, weil die Mittel, so reichlich sie auch sind, nicht hinreichen, um Allem gerecht zu werden. Unsere Humanitären Anstalten bedürfen angesichts der Inanspruchnahme derselben einer Ausdehnung nach jeder Richtung hin. Wöhllhätige Widmungen und Stiftungen, welche man seinerzeit für hinreichend hielt, stellen sich, wie die Erfahrung zeigt, als den jetzigen Bedürfnissen ungenügend dar und selbst die großen Mittel, welche die Gemeinde den Wohlthätigkeitsanstalten zukonunen läßt, reichen nicht aus, itnb es ist dringend geboten, selbe zu erweitern. Ich fühle mich verpflichtet, darauf hinzuweisen, da selbst die erhöhten Steuereingänge für die Folge nicht hinreichen werden, diesen Anforderungen gerecht zu werden, und wir darauf bedacht sein müssen, der Gemeinde noch größere Mittel zuzuführen. Die Cultussteue'reingänge des Jahres 1897 betrugen 343.529 fl. gegen 190.813 fl. im Jahre 1896 und verl heilen sich auf 12.860 Steuerträger; es fallen hievon 7858 Steuerträger in die Kategorie von 10 fl. 4160 u 11 1t „ 15 „ bis 50 fl. 700 11 ,/ 1t „ 60 „ 11 200 „ 120 „ 11 11 „ 250 ., 19 600 „ 22 „ 1t 1t „ 700 „ 3000 „ "" „ „ ff ff ff IUV ff ff OUUV ff zusammen 12.860 Steuerträger, während im Jahre 1896 die Zahl der Steuerträger 12.797 betrug. Der Rechnungsabschluß des Jahres 1897, welcher Ihnen hier voliegt, zeigt ein Activum von 778.600 fl 93'/, kr., und wenn Sie diesem Betrage die Summe derPassiven von 7 7 5.349 fl. 707, kr. entgegenstellen, so ergibt sich das gegenwärtige Reinvermögen von 3251 fl. 28 kr., eine so niedrige Ziffer, geeignet, den Nachweis für die Nothwendigkeit der erfolgten Steuererhöhung zu erbringen. Aus der vorgelegten Bilanz ergibt sich, daß das Eff e cten- Conto aus fl. 500.537'74 und Kronen 1520 50 besteht, welche jedoch Eigenthum von Widmungen und Fonden sind, für die verschiedenen Anstalten der Gemeinde, so daß die Ciiltusgenieinde als solche von diesen Effecten nichts besitzt. Das übrige Vermögen (Capitals - Conto) weist einen Bestand von fl. 778.600 nach, wovon unter Anderem die Tempel und Amtsgebäude, das Altersversorgungshaus mit einem Werthe von fl. 557.700, ferner Gründe, welche für eine Wohlthätigkeitsanstalt und eine Friedhofsanlage bestimmt waren, per fl. 32.300 eingestellt sind; der Rest von circa fl. 118.000 vectheilt sich ans verschiedene Conti, z. B. Guthabnngen an Bethausvereine, Gelder, welche zur Verrechnung bei den Cultusbezirksämtcrn und den verschiedenen Anstalten der Gemeinde dienen. Diesem Activum gegenüber stehen die fundirten Schulden im Gesammtbetrage von fl. 525.000 und Schulden au andere Creditoren, so zwar, daß als sich ergebendes Reinvermögen die Bilanz mit einem Betrage von fl. 3251 28 schließt. Nun möchte ich mir darauf hiuzuweisen erlauben, daß wir pro 1898 ein Mehrerforderniß von fl. 39.574 präliminirt haben und daß dasselbe voraussichtlich überschritten werden wird, weil schon im Laufe der bisherigen nahezu fünfmonatlichen Gebahrungsperiode bedeutende Ansprüche unaufschiebbarer Natur, insbesondere für Subventionen, für Bethausvereine, Wohlthätigkeitsanstalten und Armenpflege an uns herangetrelen sind, denen wir wohl werden Rechnung tragen müssen. Wenn sie dieser Betrachtung nun Raum geben, werden sie wohl auch mit mir zur Ueberzeugung gelangen, daß, wie ich vorhin bemerkte, selbst die erhöhten Steuereingänge nicht hinreichen, unsere Verpflichtungen zu erfüllen, und wir daran denken müssen, der Gemeinde noch größere Mittel zuzuführen. Diese meine Ueberzeugung entspringt nicht etwa einer pessimistischen Auffassung, sondern der unbefangenen, ernsten Würdigung der uns vorliegenden Ziffern, und so wenig erfreulich das Bild ist, welches ich Ihnen von der Finanzlage unserer Gemeinde zu entwerfen vermochte, so glaube ich doch gerade durch eine objective Darstellung derselben die Pflichten eines gewissenhaften Berichterstatters am besten erfüllt zu haben. Vom Jahrmarkt des Lebens. Glossen zur Tagesgeschichte. Die Flagge des Antisemitismus deckt die Contrebande der Ehrlosigkeit im politischen Leben von Wien; er hat das Rechtsgefühl untergraben und das Ehrgefühl gelähmt, die Wiener Bevölkerung duldet es widerspruchslos, daß mit der Verwaltung der städtischen Angelegenheiten, mit einer hervorragenden öffentlichen Vertrauensstellung ein Mann betraut wird, gegen welchen die diffamirendsten Beschuldigungen öffentlich ausgesprochen werde», ohne daß er sich dagegen verwahrt, geschweige denn daß er wegen dieser Anschuldigungen vom Gerichte die Wieder-