Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 20 (20.5.1898)
- Date
- 1898-05-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 382 De. Vloch's Wochenschrift Nr. 20 Es darf daher als ein besonderes Verdienst des Judenthnms reclannrt ivcrden, auf diesem Gebiete zuerst etwas Lebensfähiges geschaffen zu haben. Das amtliche Werk spricht sich darüber in folgender Weise ans (Z. 155): „Der älteste unter den obgenannten Vereinen ist der 1840 gegründete „Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" in Wien. Dieser Verein nimmt unter gewiffen Voraussetzungen junge Leute als sogenannte Vereinszöglinge auf, bringt sie bei geeigneten Meistern unter, vertritt sie sowohl beiAbschließuug des Lehrcoutractes, als auch während der Dauer der Lehrzeit, sorgt für ihre Fortbildung und Ueberwachung, läßt ihnen eine materielle Unterstützung behuis Erlegung von genossenschaftlichen Gebühren beim Aufdingen und Freisprechen angedeihen und gewährt ihnen schließlich Bekleidung während der Lehrzeit, sowie Beiträge und Darlehen für die selbstständige Etablirung im Jnlande. Zur Vervollständigung dieser fürsorglichen Maßnahmen hat der Verein im Jahre 1862 ein Lehrlingsheim errichtet, in welchen! Zöglinge im Bedarfsfälle sowohl in der Zeit von der Aufnahme in den Verein bis zur Unterbringung in einer Lehre Unterkunft, eventuell auch Verpflegung finden, als auch besonders begabten Knaben, die höher qnalificirte Handwerker, wie: Mechaniker, Elektrotechniker, Lithographen, Graveure, werden sollen, während der Lehrzeit Quartier, in besonderen Fällen auch Kost unentgeltlich gewährt wird. 1895 hat der Verein, dessen Bermittlungsbereich das Gemeindegebiet Wien umfaßt, 368 (1896:378) Zöglinge in Lehrstellen untergebracht und von mehreren israelitischen Cultusgemeiuden Subventionen von zusammen 257 fl. bezogen. Die vermittelten Stellen vertheilen sich vorwiegend auf die Gewerbe der Goldarbeiter, Hutmacher, Ledergalanteriearbeiter, Schlosser, Schuhmacher, Spengler, Tapezierer und Tischler. Für genossenschaftliche Gebühren wurden 1895 rund 2500, für Wäsche und Bekleidung rund 18.000, für Lehrgelder, Schulrequisiten, Werkzeuge und Lehrlingsunterstützungen rund 1200, für die Erhaltung des Lehrlingsheims endlich rund 35OO fl. verausgabt, während sich die analogen Ausgaben im Jahre 1896 auf 2800, 22.000, 1200 und 2700 fl. beliefen." Mit der Unbefangenheit des wirklich hervorragenden Gelehrten hat der verdienstvolle Vorstand des handelsstatistischen Departements die Leistungen der Juden auf diesem Gebiete gewürdigt, und sofort ist diese Stelle der amtlichen Publication zu einem Ehrenblatte für das Wiener Judenthum geworden, allerdings für das Judenthum von — 1840. Damals haben denkende Männer ein allerdings eng und bescheiden umschriebenes Bedürfniß nach Arbeitsvermittlung innerhalb des Judenthums so wirksam befriedigt, daß ihre Leistung auch für Nichtjuden mustergiltig geworden ist. Wie steht es denn gegenwärtig in dieser Sache? Es wimmelt in Wien von braven arbeitslustigen Glaubensgenossen, die sich vergebens nach Brod und Erwerb umsehen, weil ihre Nase den rectilinearen Idealen der christlichen Liebe nicht entspricht. Was geschieht für sie, was könnte für sie geschehen? Dieser Frage wollen wir nächstens ein Bischen auf den Grund gehen. Introduktion;um zweiten Baseler Congretz. II. Ein zionistisches Familieuereignist. Die „Extrapost" vom 16. d. M. meldet, daß der Präsident des Baseler Eongreffes, Dr. Max N o r d a u, vor Kurzem sich trotz feiner weißen Haare verheiratet hat. Herr Max N o r d a u, der gerade in diesen Tagen auf allen Placaten-Säulen der Commune Wien im Styl einer modernen raffinirten Reclame vor den Vorüberziehenden der Großstadt gleichsam mit weithinfchallender Stimme als Erlöser Israels über „die Gegner des Zionismus" Gericht hält, der seit zwei Jahren in Wort und Schrift die „assimilatorischen Protest-Rabbinen" mit zornflammender Beredsamkeit geißelt und die nationale Wiedergeburt des Judenthums predigt, hat die Witwe eines ch r i st l i ch e n Schriftstellers Dänemarks, die einer alten katholischen F am i l j entstammt, zu seiner Lebensgefährtin gemacht. Der verdienstvolle Dr. Vierer in Sophia hat dem traurigen Capitel der Mischehe, insbesondere der Zersetzung ud Verwüstung, welche die unselige Mischehe in das ehemals lautere und keusche Familienleben des jüdischen Volkes hineinträgt, eine treffliche, leider zu wenig gewürdigte Streitschrift gewidmet. Das Vorbild des Zionistenführers wird indeß auf die begeisterte Schaar seiner jugendlichen Anhänger, welche in Bewunderung des sascinirenden Poseurs und genialen Wortkünstlers ersterben, nicht ohne verheerende Folgen sein. Dem Dogmatiker der neuen Secte verbleibt die neidenswerthe Aufgabe, in der Mischehe den nachhaltigsten und wirksamsten Triumph des jüdisch-nationalen Gedankens mit überlegener Dialectik zu deduciren und zu verherrlichen. * * * Die Absage des Herrn Dr. Kaminka, Oberrabbiners von Essegg, ist nicht vereinzelt geblieben. Auch andere hervorragende Theiluehmer des ersten Baseler Eongreffes gedenken, wie wir vernehmen, dem zweiten fernzubleiben, und zwar aus denselben Motiven, die Herr Dr. Kaminka in seinen beiden Zuschriften der Oeffentlichkeit vorgelegt hat. Dagegen hatte man in diesen Tagen Gelegenheit, auch ein eindringliches Mahnwort zu Gunsten des Zionismus zu vernehmen: Das ordinärste, antisemitische Hetzblatt Wiens, die „Deutsche Zeitung" vom 15. Mai 1898 publicirt „Ein Wort für den Z i o n i s m n s." Gemeine Geschichtsverdrehung und Racenwuth bringen den Autor zu der horrenden Idee, daß der Niedergang Spaniens und sein gänzlicher Verfall einer angeblichen Judenwirthschaft früherer Jahrhunderte zuzuschreiben wäre. Selbst der Clericalismus fei dort nur infolge des „jüdischen Fanatismus" zur Herrschaft gelangt. Als Kronzeuge wird angerufen der „christliche Zionist" C. F. Heman in Basel, dem vom officiellen Organ der Wiener zionistischen Parteileitung wiederholt die Anerkennung ausgesprochen wurde. „Die eigentliche Gefahr für den einzelnen christlichen Staat von Seiten des Judenthums bestand überall, wo Juden in größerer Zahl beieinander wohnten, und besteht heute, wo sie den engen Zusammenschluß ihres Volkes über die ganze Erde hergestellt und mit so großen Machtmitteln ausgestattet haben, für die gesammte christliche Welt darin, daß sie durch ihren Religionsglaubeu verpflichtet sind, ihr eigenes Gesetz über das des nichtjüdischen Wirthsstaates zu stellen, daher sie Jeden der Ihrigen auf das Strengste bestrafen, der im Falle einer Streitsache mit anderen Juden vor das nichtjüdische Gericht geht. Ueber solche Angeber kann das rabbinische Gericht, wenn der Fall wichtig genug scheint, das Todesurtheil verhängen. (Vergl. I. Ecker, der Judenspiegel, Gesetz 45, 46, 50.) Hier ist die Geschichte des spanischen Juden Don Josef Pichon sehr belehrend." „Die Ausrottung des Götzendienstes ist für das Judenthum die oberste Pflicht. Der Christ erscheint dem Juden als Götzendiener und soll, wenn dies möglich ist, als solcher behandelt werden." „Die umfassendsten dieser Anschläge waren gegen den christlichen Staat als solchen gerichtet. Unsere Gegenwart erlebt nun gerade eben einen solchen Anschlag von Seite unserer jüdischen Semiten, und zwar den großartigsten und räumlich umfassendsten, der wohl jemals von ihnen ansgegangen ist, wie dies ja der heutigen, nie dageweseneu Geldmacht der Jndenschaft und den neuen Verkehrs¬ und Mittheilungsbehclfcn, die sie in so hohem Grade beherrscht, auch entspricht, nämlich in der sogenannten Trehfns-Affairc."- „Den Bestrebungen des sogenannten Zionismus, soweit sie ernstlich gemeint sind, mußman daher jede Art von Förderung a n g e d e i h e n lassen, damit nicht ganz Mitteleuropa, insbesondere Oesterreich, das Schicksal Spaniens erleide, welches unter den Wirkungen einer achthundertjährigen Semitenherrschaft, gleichviel, ob diese von Ungetansten oder Getauften ausgeübt wurde, seine politische und wirthschaftliche Lebenskraft eingebüßt hat." Eine alte Geschichte in neuer Beleuchtung. Am 17. März 1897, vor Ostern, erschien im „Deutschen Volksblatt" eine angebliche Zuschrift des Dechaut von DeZtna in Böhmen, wonach fünf in Destna in Böhmen gebürtige Frauenspersonen, die in Wien als Dienstmädchen beschäftigt gewesen, auf unerklärliche, verbrecherische Weise verschwunden sein sollen, ohne daß es ihren Angehörigen gelungen wäre, den Verbleib der Mädchen zu eruiren. Die Namen der Vermißten lauteten: Marie Nowak, Johanna T e s s i n s k y, Maria P a n, Marie Vojta und Julie Elias. Wir haben damals über die Angaben des .Dechants von DeZtna.die ausfälligerweise vom 11. October 1896 datirt warenvom „Deutschen Volksblatt" also erst fünf Monate später publicirt wurden, genaue Erhebungen angestellt, deren Resultat in unserer Nummer 13 vom 26. März 1897 mit-