Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 19 (13.5.1898)
- Date
- 1898-05-13
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 19 Dr Bloch'» WochrnkchrM Seite 379 Bollwitz las: „Euer hochfreiherrliche Gnaden! Hochgeborener, gnädigster Gönner und Wohlthäter! Mit höchster Wonneseligkeit, erschütternder Rührung und hochstrahlendstenl Glück ward mir durch meinen hohen Gönner, seine hochfreiherrliche Gnaden Herrn Herrn Baron Leopoldus Baldamus, pensionirten kaiserlichen Obristwachtmeister, kaiserlichen Kammerherrn re. re. die hocherfreuliche Kunde, ich unwürdiger Knecht hätte das unverdiente Glück gehabt vor Hochdero gnädigen Augen Gnade zu finden, und daß Hochdieselben in hoch dero unendlicher Huld und Barmherzigkeit geruhten, mir die auf Hochdero Herrschaften erledigte Stelle eines Oberamtmannes und Justiziärs zu verleihen. Indem ich für diese hochedelmüthige Handlung kniefälligst den Segen des Allerhöchsten auf Hochdieselben und Hochdero gnädigen Familie herabflehe, lege ich in pflichtschuldigster Unterthänigkeit hiermit feierlichst das höchste Gelübde ab, daß es mein einziges Bestmben und das einzige Ziel meines Lebens bleiben wird, durch stricte Obedienz, unermüdliche Attention, für Hochdero Befehle mich auszuzeichnen und der unverdienten, gnädigen Huld würdig zu machen, und daß alle meine Actiones nur das Wohl meines hohen Gönners und der hochfreiherrlichen Familie bezwecken werden. Ich werde am 17. diffus, um zehn Uhr Morgens, das Glück haben, mich persönlich zu Hochdero Füßen zu legen. Gleichzeitig mit mir wird auch mein Freund und - ehemaliger Studiencollege Erasmus Rosenberg, meiner gnädigen jungen Herrschaft ganz unterthäniger Erzieher, auf Schloß Brauschitz einzutressen das Glück haben, da wir die Reise von Brünn aus gemeinschaftlich machen. In ungeduldiger Erwartung dieses von mir hochersehnten Augenblickes zeichne ich als Euer hochfreiherrlichen Gnaden in tiefster Ehrfurcht ersterbender allerunterthänigster Knecht und Oberamtmann Franz Graf. Brünn, am 14. Juli." Ein verächtliches Lächeln umspielte Bollwitz' Lippen, als er die Lectüre dieser schwülstigen, aber ganz genau in Form und Styl jener Zeit gehaltenen Epistel beendet hatte, und unwillkürlich sagte er: „Hochverehrter Herr Baron, der Schreiber dieses Briefes scheint nicht zu der Classe jener Männer zu gehören, welche die Schranken zwischen Menschen und Menschen niederreißen wollen; — dieser Mann scheint den Abstand zwischen Ihnen und ihm vollständigst zu erkennen — und hat dieses Gefühl auch deutlich und unverhohlen zum Ausdruck gebracht." „Ja, ja,", stimmte Pellwald ganz befriedigt bei, „das scheint ein ganz braver, seine Stellung richtig erfassender Mensch zu sein; — wenn der hält, was er verspricht, und wenn sein Freund Rosenberg ihm ähnlich ist,.dann, beste Eugenie, haben wir Beide Grund, mit unseren neuen Requisitionen und mit der Empfehlung unseres Freundes, Baron Baldamus, vollkommen zufrieden zu sein!.... Ja, was willst Du denn noch, Lukas!" frug der Baron plötzlich den Diener, der noch immer gebückt vor ihm stand. „Euer hochfreiherrliche Gnaden, der Veit Weritsch, der Jud, ist da und möcht' um eine Audienz bitten." „Was fällt dem Menschen ein, mich nach Tisch zu stören?" fuhr der Baron zornig auf. „Hochfreiherrliche Gnaden!" sagte der Pfarrer, „Veit Weritsch ist ein sehr braver Mensch, schad' daß er ein Jud ist, ich wär' herzlich froh, wenn ich in meiner Gemeinde viele Männer hätte, die ihm an Charakter und Conduite gleichen." Der Baron blickte überrascht auf. „Wieso kennen Sie den Juden so genau?" „Ich liebe es, das Gotteswort, das Alte Testament im Urtexte im Hebräischen zu lesen; — man dringt doch nur auf diese Art so recht in den Geist der heiligen Schrift ein. Nun muß ich offen gestehen, haben wir als Theologen blutwenig Hebräisch gelernt; — nothdürftig lesen und die ersten Anfangsgründe der Grammatik — da pflegt mir der Weritsch bei meinen Studien zuweilen behilflich zu sein." Pellwald blickte den geistlichen Herrn etwas dümmlich und unverstehend ins Gesicht, dieser bemerkte es und fuhr fort: „Nun ja, die Juden sind ja die einzigen, die noch recht Hebräisch kennen und sich fortwährend mit dem Studium solcher Bücher befassen, die in ihrer heiligen Sprache geschrieben sind — ich kann mir auch denken, was sich der Veit Weritsch von Euer hochfreiherrlichen Gnaden erbitten will." „Was denn?" frug Pellwald neugierig. „Es mag wohl auf Hochdero Herrschaften eine Judenfamilie erledigt worden sein — diese zu erlangen ist für Viele das höchste Glück, das sie erreichen können." „Ah! Pfarrer, wenn der glückliche Fall eintreten würde; — da wäre ein herrlicher Gewinn dabei zu machen; es ist für den Grundherrn ein wahres Glück, wenn so ein Jud kinderlos stirbt oder zum Christenthum übergeht; eine erledigte Judenstelle repräsentirt für den Herrschaftsbesitzer ein Capital, die wird manchmal enorm hoch bezahlt — Herr Pfarrer, man sollte in den Kirchen darum bitten, daß recht viele Judenfamilianten sterben sollen ...." Der Baron hielt einen Augenblick betreten inne, das was er eben gesprochen, wollte ihm doch nicht „cavalierement" bedünken und er suchte seine Verlegenheit durch ein leichtes Räuspern zu verdecken. Laß er nur den Veit Weritsch in den Garten hereiukommen", wandte er sich an den Diener, „da werden wir ja gleich hören, um was er bittet." „Eigentlich hätte sich der Pfarrer jetzt empfehlen sollen, da es sich doch nur um ein Geschäft seines Kirchenpatrons handelte; aber da er möglicherweise durch seine Anwesenheit dem Bittsteller nützen konnte, entschloß er sich nach kurzem Bedenken, zu bleiben. _ (Fortsetzung folgt.) Literatur. S. M. Dubnow, Die jüdische Geschichte. Ein geschichtsphilosophischer Versuch. Autorisirte Uebersetzung aus dem Russischen von I. F. (Verlag von S. Calvary u. Co., Berlin, NW. 6. — VI, 89 Seiten. Preis M. 1.50.) Der Verfasser, der in der russisch-jüdischen Literatur als istoriker sowohl wie auch als geistreicher und feinsinniger ritiker eine fast dominirende Stellung einnimmt, unternimmt hier zum erstenmale den Versuch, eine psychologische Charakteristik der jüdischen Geschichte zu schreiben. Dubnow will hier den inneren Zusammenhang zwischen den Ereigniffen derselben Nachweisen, die Ideen, die diesen zu Grunde liegen, aufdecken, oder, um seinen eigenen Ausdruck zu gebrauchen, die Seele der jüdischen Geschichte, der die äußeren Thatsachen nur als körperliche Hülle dienen, uns vor Augen führen. Briefkasten. Auf mehrere Fragen. Herr Gustav David, der ohne Wartegebühr beurlaubte Leibjournalist des Grafen Badeni, wird mit Unrecht als „P r e ß h e b r ä e r" bezeichnet. Er ist ein guter Arier und eine Zierde feines Standes. Agram, I. K. Ihre Anregung, die jüdischen Soldaten ani Passah-Feste betreffen', macht Ihrem Herzen alle Ehre. Gewiß werden, wenn Sie nur nächstes Jahr entsprechend vorher die maßgebenden Kreise für Ihre schöne Idee interessiren, die hervorragenden dortigen Familien die Juden in Kaisers Rock zum Familien-Seder einladen. Mariahilfer. Die Buchhandlung Friedrich Schalk, VI., Mariahilferstraße 79, ist eine antisemitische. Wieden. „Jüngster Abonnent. Ehren-Vergani erhielt von dem „Herrn" Kirchen-Räuber folgende Berichtigung, die er sofort brachte: Geehrte Verwaltung! Der in der Abendausgabe vom 5. d. M. des „Deutschen Volksblatt" stehende Einbruch in der Währinger Kirche gebe ich bekannt, daß aus dem Opferstocke gestohlene Geld nicht 10 st., sondern blos 7 fl. 86 kr. sind; und die Monsttanze und der Speisekelch nicht 200 fl., sondern für mich vielleicht nur einen Werth von 100—120 fl. hat. Achtend Der Räuber Währing, Tberesiengasse" Sie schließen, daß der Gauner in nähere Beziehungen zum Blatte steht. Vielleicht gar ein persönlicher Bekannter des einen oder anderen Milschreibers fei. Wir theilen Ihre Ansicht — nicht! Herrn Daniel Bonyhadi in Salzburg. 1893 gelangten wegen Verbrechens zur Bestrafung 28.489 Personen, darunter 1012 Juden —- 3 6 Percent. In Oesterreich wohnen 4-8 Percent Juden somtt hätten nach dem Verhältniß 1349 verurtheilt werden können. Von 1892 auf 1893 sank der Percentsatz jüdischer Verbrecher um 12l/2 Percent, denn