Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 19 (13.5.1898)
- Date
- 1898-05-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021223-3021243--07836-3032183- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 378 Vr. Swch'» WochrnDchrM Nr. 19 welchem sie bereits früher 3000 fl. zugewendet, nun abermals 2000 fl. gespendet. Rzeszow, 8. Mai. In der am 2. d. M. unter Vorsitz des Präses kaiserl. Rathes I. Holzer stattgefuudenen Sitzung des Cultusrathes wurde auf Antrag des Vorsitzenden beschlossen, anläßlich des bevorstehenden Kaiserjubiläums ein israelitisches Spital für 30—40 Kranke zu gründen, das den Namen „Kaiser Franz-Joseph-Spital" zu führen hätte. Gleichzeitig wird zu Beschluß gebracht, auf Grund des Musterstatutes für Galizien eine neue Wahl für den 1. Juvi 1898 auszuschreiben. In die Reclamationscommission wurden die Herren Cultusräthe Dr. Fechtdegen, Dr. Segel, Marcus Eckstein und Wolf Fröhlich erwählt. Auf Antrag des Cultus- und Gemeinderathes Herrn Marcus Eckstein wurde schließlich dem Präses und kaiserl. Rath Herrn I. Holzer der wärmste Dank für dessen bisherige, ersprießliche Thätigkeit und musterhafte Leitung der hiesigen Gemeinde einstimmig votirt. Kaiserl. Rath Herr I. Holzer hat die Agenden der hiesigen Gemeinde zu einer Zeit übernommen, als die Verhältnisse dermaßen zerrüttet waren, daß die Passiva der Gemeinde die Activa um 13.000 fl. überstiegen hat; heute hat die Gemeinde ein in hiesigen Geldinstituten gut und fruchttragend angelegtes Barcapital von 6000 fl. aufzuweisen. Blatua, 7. Mai. Am 5. d. M. starb hier die Gattin unseres verehrten Vorstandes der Chewra-Kadischa, Frau Fanny Popper, geborene Bermann. Die leider viel zu früh Verschiedene vereinigte mit dev. besten Gaben des Geistes einen ebenso edlen Wohlthätigkeitssinn. Ihr ganzes Leben stand sie im Dienste der Wohlthätigkeit, und überall wo die Noth es forderte, stand sie rathend und helfend zur Seite. R. B. Jassy. Unser Rabbiner Dr. Niemirower hat zu Pessach beim Corpscommandanten General Jarcu die Freilassung der jüdischen Soldaten erwirkt und für deren Verpflegung gesorgt. In den Festpredigten, die Se. Ehrwürden in den Synagogen „Schewes Achem", „Kahane", „Wechsler", „Obermarkt" und „Procurar" gehalten, begeisterte er die Zuhörerschaft für Talmud - Thora - Schulen. Der praktische Erfolg dieser gehaltvollen Reden ist: Errichtung eines Talmud- Thora-Hauses am Procurar und eine Prämienstiftung des Herrn M. Gelber für die fleißigsten und aufmerksamsten Hörer der Geschichtsvorträge des genannten Rabbiners, der in der letzten Zeit Vorträge über: „An der Wiege unseres Stammes" — „Die Egyptische Sclaverei, die Mutter des jüdischen Rachmones" — „Die rechtlose Zeit der Richter" — „Mordechai und Esther im Lichte der Psychologie" — „Jung Israel" — „Samuel und Saul" — „Dichterkönig David", gehalten. London. In dem Unterhause richtete kürzlich ein Abgeordneter, Pichersgill, eine Anftage an den Staatssecretär des Innern, ob in der That in dem Geiängniß von Wormwood Scubbs eine Synagoge eingerichtet worden sei und wie viel Gefangene jüdischen Glaubens sich dort befänden. Der Staatssecretär antwortete darauf, daß in diesem Gefängniß sich gegenwärtig nur 37 jüdische Gefangene befinden, eine sehr kleine Ziffer für die große Zahl von Juden in London. Dennoch sei auch für diese eine Synagoge nöthig und ist dieselbe deshalb errichtet worden, ebenso wie eine katholische Capelle und finden regelmäßige Sabbathgottesdienste statt. Feuilleton. Der neue Oberamtmann?) Erzählung aus dem dritten Viertel des XVIH. Jahrhunderts von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) Der Baron lächelte geschmeichelt. „Ja weißt Du, liebe Eugenie, es handelt sich eigentlich nicht um das allein, — aber es macht sich in neuerer Zeit ein Geist der Unzufriedenheit und des Unmuches unter den Leuten geltend, den ich in meiner Umgebung nicht toleriren will; — dieser König von Preußen da draußen in Deutschland zählt auch zu den Aufgeklärten, und selbst der Mitregent Kaiser Josef soll, wie allgemein erzählt wird, sich durch populäre, unadelige Gesinnung, höchst unpassende Herablassung gegen die unteren Volksschichten in allerunangenehmster Weise bemerkbar machen; ja sogar der Hofkanzler Fürst Kaunitz soll sich ähnliche Unfuge zu Schulden kommen lassen, wenn auch nicht in so hohem Grade wie dieser junge Schwindelkopf Kaiser Josef — und ich fürcht' halt, weil böses Beispiel ansteckend ist, daß dieser junge Franz Graf auch dieses verderbliche neumodische Gift der Aufklärung eingesogen, in freventlichem Uebermuthe, die von Gott zwischen Menschen aufgerichteten Schranken nicht genügend beachten wird, und mir durch weichherzige Milde meine Bauern und Leibeigenen verdirbt; — mir gegenüber würde ich ihn schon im Zaum zu halten wissen", der Baron streckte seine hagere Gestalt bewußtvoll in die Höhe. „Der Oberamtmann geht mich eigentlich gar nichts an", bemerkte die Baronin affectirt, „ich kümmere mich eigentlich unk solche Leute gar nicht; aber desto mehr sein Studiengenosse, dieser Rosenberg, der uns gleichfalls vom Baron Baldamus, als Hofmeister für unfern lieben Berthold empfohlen wurde, wenn nur der liebe Gott gäbe, daß wir endlich einen braven Mann als Erzieher für unseren Knaben bekämen, schon drei solcher Subjecte mußten wir aus dem Hause jagen!" „Den letzten nicht, der hatte gekündigt," meinte die junge Baronesse, „der hat ja erklärt, daß es ihm bei der fortwährenden Einmischung in sein Verhältniß zu Berthold unmöglich würde, etwas aus dem Knaben zu machen, dieser, so behauptete er, müsse mit Ernst, ja mit Strenge behandelt werden...." „Der nichtswürdige Mensch!" rief die Baronin vor Zorn erglühend, „der glaubte wohl, daß ich es gestatten würde, die tyrannischen Launen dieses elenden Bücherwurmes an meinem Kinde, dem einzigen Sohne und Erben des Freiherrn v. Pellwald, zu kühlen — na — den Menschen in Schutz nehmen kann nur so eine gütige Schwester, wie Du es bist, liebseliger Schatz!" „Gnädige Frau Cousine!" wagte der pensionirte Fähnrich schüchtern einzuwenden, „Gallwitz, der letzte Erzieher, war wahrhaftig kein schlechter Mensch — da thun Sie ihm unrecht; da gehen Sie in der That zu weit." „Hochfreiherrliche Gnaden!" unterstützte der Pfarrer den jungen Officier, „ich muß mich auf die Seite des Herrn Fähnrich von Bollwitz stellen; — ich kann bei den bisherigen Mißerfolgen nicht die ganze Schuld den Hofmeistern und Erziehern des jungen gnädigen Herrn zumessen, zum Theil trägt auch dieser Schuld daran; — bevor Herr Gallwitz die Ehre hatte, zu dieser Stelle berufen zu. werden, hatte ich in Ermanglung einer andern paffenden Kraft, es eine Woche lang versucht, den jungen gnädigen Herrn zu unterrichten; aber" — ein mildes Lächeln überflog die Züge des würdigen Greises, „ich kam auch nicht vom Flecke, es gelang auch mir nicht, die Aufmerksamkeit des lieben jungen Herrn bei dem Lehrgegenstande festzuhalten '...." Das Gespräch wurde unterbrochen, ein Bedienter trat in tief gebückter Haltung näher.... „Was will Er?" frug der Baron ohne darauf zu achten, daß er seinem Gaste und Seelenhirten jäh das Wort abschnitt. „Euer hochfreiherrliche Gnaden, soeben hat der Postbote das Schreiben gebracht" — so sprechend überreichte der alte Diener auf einer silbernen Platte ein breitcouvertirtes Schreiben. Der Baron nahm und erbrach dasselbe. „Ah! gerade von den Leuten, von denen wir soeben gesvrochen, der neue Amtmann zeigt unterthänigst an, daß er Sonntag, zehn Uhr Vormittags, mit seinem Freunde Rosenberg, dem zukünftigen Erzieher unseres Sohnes, hier anlangen wird." „Wenn man den Esel nennt, kommt er gerennt," hatte der kleine Berthold laut lachend einzuschalten, was zur Folge hatte, daß ihm die verblendete Mutter einen leichten Schlag versetzte, der aber einem Ausbruche zärtlicher Liebe weit ähnlicher, als einer wohlverdienten Strafe sah; der Baron schien dieses kleine Intermezzo nicht zu beachten und fuhr fort: „Erscheint ein recht'manierlicher und wohlgeschliffener Mensch zu sein.... Lieber Vetter Bollwitz, wollen Sie 'mal so gut sein, den Brief laut vorzulesen." Der Fähnrich empfing das zusammengelegte Schreiben aus der Hand des Barons; aber da ihm ein Arm fehlte, konnte er jenes nicht rasch genug entfalten, und Anna beeilte sich, dies zu thun und ihm das offene Schreiben in die Hand zu geben, welches menschenfteundliche Benehmen von der Baronin mit einem boshaften verletzenden Lächeln vermerkt wurde.