Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 19 (13.5.1898)
- Date
- 1898-05-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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öit. 19 Vr. Lloch's Wsrtzrn-MrM 377 Prag geboren und wurde schon zu Ende der Sechziger-Jahre Mitarbeiter der „Presse", der er viele Jahre angehörte. Später war er Chefredacteur und Mitherausgeber des „Fremdenblatt", aus welchem er vor drei Jahren schied. Der Verblichene wurde von dem Kaiser durch den Orden der Eisernen Krone dritter Classe ausgezeichnet und in den Ritterstand erhoben. Er war serner Ritter der französischen Ehrenlegion und Verwaltungsrath der Rohrbacher Zucker-Raffinerie-Actien-Gesellschaft. Das Haus Klarwill war ehemals, als noch nicht Krankheit die eifrige Berufsthätigkeit des begabten Mannes gelähmt und ihn zur Zurückgezogenheit gezwungen hatte, der Sammelpunkt vieler Schriftsteller und Künstler, wo sowohl der Verblichene wie auch seine Gattin, eine geistreiche Dame von vornehmster Bildung, in auserlesener Weise Gastfreundschaft zu üben bemüht waren. Außer der Witwe trauern um den Verstorbenen seine drei Söhne, von welchen der älteste sich in amtlicher Stellung befindet, die beiden anderen auf industriellem Gebiete thätig sind. Wien—Ottakring. Samstag den 7. Mai l. I. fand im israelitischen Tempel XVI. Bezirk. Hubergasse 8, die Confirmation des Sohnes unseres Tempelvorstandes, des Herrn Eduard Pollitzer, statt. Aus diesem Anlasse spendete Herr Eduard Pollitzer ein wunderschönes Perauches. Der Confirmant sagte in ausgezeichneter Weise das Maphtir. Dienstag den 10. Mai l. I. feierte der Cultusvorsteher/ Herr Salomon Rosner, im engsten Familienkreise seine silberne Hochzeit. Aus diesem Anlasse wurden dem Jubilar vielfache Ovationen bereitet. Am Vorabende überbrachten die Diener der ehemaligen Gemeinde „Ottakring" und nunmehrigen Wiener Gemeinde die herzlichsten Glückwünsche. Am Jubeltage selbst kamen Deputationen sämmtlicher Vereine des XVI. und XVII. Bezirkes, deren Ehrenmitglied der Jubilar ist; Vormittags die Deputationen des Vereines der Kinderfreunde im XVI. Bezirke, des Geniiles Chesed-Bereines und des Bethausvorstaudes des XVI. Bezirkes; Abends die Deputation der Chewra-Kadischa des XVI. Bezirkes. Zu dieser Zeit erschienen auch die beiden Cantoren mit dem Männer-Chor und brachten dem Jubilar ein Ständchen dar. Sowohl von dem Vertreter-Collegium und Cultnsvorstande als auch vom Beamtenkörper der israelitischen Cultusgemeinde erhielt der Jubilar Glückwünsche. Wien —Hernals. Vor zehn Jahren, anläßlich des 40jährigen Regierungsjnbiläüms unseres Kaisers, hat hier eine kleine Anzahl wackerer Glaubensgenossen einen Verein unter dem Namen „Gemiloth Chessed" gegründet. Infolge seiner geringen Mittel hatte derselbe bis jetzt mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen. Sein Bet- und Schullocal mußte er in privaten! Hause unterbringen. Nur dem aufopferungsvollen Wirken der Vereinsleitung gelang es, deren Obmann Herr Heinrich Kornmehl, die Zwecke des Vereines zu fördern. In der am 2. Mai l. I. abgehaltenen Ausschußsitzung ist von dem Ausschußmitgliede Herrn Sigmund Weiler, der Antrag gestellt worden, das 50jährige Regierungsjubiläum Seiner Majestät durch die Gründung eines eigenen Heims, eines Vereinshauses, zu feiern, und wurde auch sogleich unter den Ausschußmitgliedern eine Subscription zu diesem Zwecke eingeleitet, die ein namhaftes Ergebnis; erzielte. Gleichzeitig constitnirte sich aus der Mitte des Ausschusses ein Baucomitä, als dessen Obmann Herr Heinrich K o r n m e h l, Obmannstellvertreter Herr Sigmund Weiler und Schriftführer Herr Religionslehrer Samuel Epstein fungirt. Baden. Unser ehrwürdiger Rabbiner ist von einem schweren Schicksalsschlage heimgesucht worden. Seine edle Gattin Frau Sidouie Reich ist Samstag den 7. d. M. Plötzlich verschieden und hat ihren Gatten und ihre vier Kinder, drei Söhne und eine Tochter, in tiefster Trauer zurückgelassen. Diese unvermuthete Trauerkunde erweckte bei Allen Theilnahme und Mitleid. War doch die Verblichene ausgezeichnet durch edlen, milden und sanften Charakter und nach dem Ausspruche des Psalmisten eine Tochter Israels, deren Tugend und Würdigkeit nur in ihrem häuslichen Leben zu erkennen war. Ganz anspruchslos für ihre eigene Person, war ihr einziger Lebenszweck, ihren ehrwürdigen Gatten und ihren Kindern das Leben angenetmr zu machen und glaubte sie in dieser ihrer zärtlichen Thätigkeit nie genug geleistet zu haben. Aber auch gegen fremdes Leid und Weh, das in unserem Curorte nur allzuhäufig in Erscheinung tritt,. hatte sie ein offenes Herz und eine empfindsame Seele und ging kein Bittender unbefriedigt aus ihrer Wohnung. Die Theilnahme an ihrem Leichenbegängnisse war eine, erstaunlich große und waren bei demselben die G e samm tv o r st än d e der israelitischen Cultusgemeinde und der Chewra-Kadischa Baden, die Präsidentin und B i c e p r ä s i d e n t i n des hiesigen i s r. Wohlthätigkeits-Vereines, besten Mitglied die Verblichene war, anwesend. Die Stadtgemeinde war durch ihren Vieebürger meist er Carl Reich und mehrere Gemeinderäthe, das Gymnasium durch den Director Dr. W i t t e k und mehrere Professoren, die Volks- und Bürgerschule durch die beiden Directoren. die Herren Emanuel Fitzka und Johann Walter, vertreten. Die gesammte jüdische Schuljugend folgte dem Conducte. Am Sarge sprachen int Hause der t i e fgebeugte Gatte und auf dem Friedhofe Se. Ehrwürden Dr. U n g e r l e i d e r, emeritirter Rabbiner aus Berlin, ein naher Verwandter der Verblichenen, und Se. Ehrw. H. L. Reich alls Wien, der Bruder unseres ehrwürdigen Rabbiners. Gr. Meseritsch. Am Donnerstag den 28. April l. I., als dem Vorabende des Jahrzeittages des verewigten Baron Hirsch wurde unter Betheiligung der ganzen Gemeinde, der Vorstände, der Schuljugend, der Lehrer und vieler Honoratioren in deni festlich beleuchteten und mit schwarzem Tuch drapirten Tempel ein solenner Trauergottesdienst abgehalten. Nachdem das Minchagebet unter Choralbegleitung vorgetragen und ein Seelenlicht entzündet worden war, hielt Herr Rabbiner Dr. Weiner eine das Leben und Wirken des großen Philanthropen kennzeichnende ergreifende Rede nebst Seelenheilgebet, worauf vom Obercantor Steiner „Menucha Nechona" recitirt und ein Trauerpsalm unter Harmoniumbegleitung abgesungen wurde. Mit dem Vortrage des Kadischgebets durch zwei Waisenknaben endete diese Trauerfeier, welche auf alle Anwesenden einen erhebenden Eindruck machte. Gr.-Meseritsch. In den letzten Tagen des Pessachfestes waren 40 Jahre abgelaufen, seit dem Zeitpunkte, als Herr Ignatz Grotte seinen Dienst als Functionär bei der hiesigen Gemeinde und Chewra-Kadischa antrat. Der beliebte Jubilar wurde aus diesem Anlasse durch viele Ovationen ausgezeichnet und am letzten Pessachtage in einer öffentlichen Vorstandssitzung überreichten ihm die Cultusvorsteher I. G. Müller und der Obmann der Chewra-Kadischa Jacob Fuchs ein Ehrengeschenk Mii herzlichen Ansprachen. Mtftelbach. Bei der am 26. v. M. in Mistelbach stattgesundenen Cultusvorstandswahl wurden gewählt: Dr. Jonas Schläfrig aus Mistelbach zum Vorstand, K. Fürst aus Hohenau zunl Vorstandstellvertreter und H. Brünner aus Mistelbach zum Beirath. Brünn. (Legate.) Laut letztwilliger Verfügung des jüngst verstorbenen Großindustriellen Herrn Isidor S t r a k o s ch wurden folgende Vereine und Wohlthätigkeitsanstalten mit Legaten bedacht: zur Bertheilung an christliche Arme 500 fl., zur Vertheilung an israelitische Arme 500 fl., die Barmherzigen Schwestern des Krankenpflegerinnenheim der Gesellschaft vom Rothen Kreuze mit 500 fl., der israelitische Frauenverein mit 300 fl., der israelitische Freitisch-Verein mit 500 fl., die außerordentliche Unterstützungscasse der Schafwollwaarenfadriken und Lohn etablissements mit 1000 fl., der Unterstützungsfond der Penfionscasse des Vereins der Jndustriebecunten, die Krankenunterstützungscasse des Vereins der Jndustriebeamteu, der mährischjüdische Waisenhilfsverein, der Verein für die Erhaltung des Kiuderspitals zu St. Cyrill und Methud und die freiwillige Rettungsabtheilung des Brünner Turnvereins mit je 200 fl., die Chewra-Kadischa mit 300 fl., der Verein Bikur Cholim mit 100 fl., der Blindenwohlfahrtsverein der Frauen und Mädchen für Mähren und Schlesien mit 200 fl. und das Brünner Ferienheim in Groß-Ullersdorf mit 100 fl. Roznau. Die Cursaison hat noch kaum begonnen und schon macht sich der Mangel eines Asylhanses für arme, der Cur bedürftige Glaubensgenossen recht fühlbar. Der hiesige verdienstvolle Badearzt, Herr Dr. S. L. S k r e n i k a, ist wohl bestrebt, durch unentgeltliche Behandlung und Zuweisung von Spenden die Lage der jüdischen Brust- und Lungenkranken nach Thunlichkeit zu erleichtern, allein für fortgeschrittene Kranke erweist sich eine Zufluchtsstätte unbedingt erforderlich. Der alljährlich hier zur Cur weilende Herr Markus Neumann aus Proßuitz strebt wohl schon seit Langem die Errichtung eines Asylhauses an, die Realisirung ist aber bisher au Mangel materieller Mittel gescheitert. Es ergeht daher an alle Glaubensgenossen der warme Appell, zur Errichtung einer Zufluchtsstätte für arme, lungenkranke Glaubensgenossen nach Kräften beizutragen Franzensbad. Baronm Hirsch-Gereuth hat dem nenerbauten Kaiser Franz Josef-Jubiläums-Badehospital, dessen Einweihung und Uebergabe am 15. d. M. erfolgen soll und