Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 19 (13.5.1898)
- Date
- 1898-05-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 19 Dr. Bloch's Wochrnschrtst. Seite 373 die Bewunderung erregen muß bei Kennern, wie Laien. Der röthliche schüttere Bart ist in guten coloristischen Gegensatz zu der lichten transparenten Haut gebracht. Angeli und Pochwalski, die doch Beide auch sehr tüchtige, schätzenswerthe Künstler sind, erreichen nicht die hervorragenden Leistungen des Horovitz, dazu ist der Wiener zu glatt und porzellanig, der Pole zu gewaltsam in seinen Mitteln, zu ungestüm, brutal, zu roh. Es erfüllt uns jedesmal mit neuem Stolze, wenn wir vor ein Bild Horovitz' hintreten, daß wir diesen großen Meister voll und ganz zu den Uns'rigen zählen dürfen und daß seine stolze herrliche Kunst auch zum Ruhme des Judenthums schafft, welches so viel geschmäht wird und so ungerecht verdammt . . . Und erst das feine Fräulein an ihrem Guckfenster sitzend, das zarte Backfischlein aus guter Familie. Blauschwarze Flechten und dunkler Teint! Ein Anhauch von Schumann'scher Träumerei — freudvoll, leidvoll! Der Blick ist so verräthselt, so deutungsreich! Diese Kinderseele träumt und träumt und weiß doch nicht recht was. Das Brennroth des Kleides ist von gewaltigem Farbenreiz und äußerst harmonisch hineinempfunden ins Ganze. Gedämpfte Trompeten, die Niemand unsanft erschrecken. Dieses Roth ist eine starke Leistung für sich, die Horovitz den ersten Coloristen würdig anreiht. Ein Van Dyck könnte füglich stolz darauf sein. Horovitz hat auch zwei Kohlezeichnungen zur Ausstellung gebracht, wie er sie anzufertigen liebt, ehe er an ein Porträt in Farben schreitet. Das sind so seine Ballons d’essay. Die eine Zeichnung stellt den Dichter und Hofrath Ludwig Doczy, die andere die kürzlich verstorbene Hofschauspielerin Frau Helene Hartmann dar. Man gewinnt bei näherer Betrachtung einen hübschen und aufschlußreichen Einblick in die Werkstätte des Künstlers. Die Aehnlichkeit, die hat er gleich weg beim ersten Griff, die braucht er nicht erst lang einzufangen. Mit dem raschen Umriß steht er schon mitten drinnen in der Aehnlichkeit. Er schöpft dann nur heraus' aus der Fülle, unterstreicht diesen Zug, mildert jenen, corrigirt sich die Natur, wie er sie braucht und haben will; sonst wär' er ja ein Abschreiber, ein mechanischer Copist, ein lebendiger Apparat und kein großer Künstler! Wie hat er doch so ursicher den Doezy, wie er leibt und lebt herausgestellt mit den allersimpelsten Mitteln und ohne besondere Umstände. Und erst Frau Hartmann, man hört sie, man sieht sie ordentlich, das breite gute, gutmüthige Lachgesicht, ganz Wohlwollen und Mütterlichkeit und so behäbig. Es wird einem warm um's Herz dabei. Horovitz hat mit dieser Zeichnung, die auch nur auf ein Minimum von Strichen sich einläßt und auf besondere Licht- und Schattencontraste von vornherein bereitwillig verzichtet, ein Werk so ganz nebenhin geschaffen, das bleiben und dauern wird zum Ruhme und zur Ehre eines großen, jüdischen Künstlers am Ausgange des neunzehnten Jahrhunderts. Sei's noch verstattet nach dem abgeschlossenen Meister, der die Sonnenhöhen seiner Kunst glücklich erstiegen hat, eines jüngeren, aufstrebenden, doch sehr tüchtigen Künstlers zu erwähnen, welcher zu schönen Erwartungen berechtigt. Wir meinen David M o s s, dessen Abendstimmung eine neue und erfreuliche Talentprobe ist. Voriges Jahr hat der in München gebildete, junge Maler mit seinem Tryptichon einen schönen Erfolg erzielt und sich an der Isar gar eine Medaille geholt, wenn wir nicht irren. Diesmal wandelt er ein wenig die Bahnen, welche der große Josef Israels vorgezeichnet hat. Die Frau, die ihre Kuh stallwärts treibt und die tieftraurigen Abendschatten haben aber zum Glück sich noch Selbstständigkeit genug bewahrt, um als Mos6 ohne Bezug auf Israels gelobt werden zu dürfen. Mose verdiente, von Mäcenen durch etwelche Aufträge gefördert zu werden. Das letzte größere Stipendium für jüdische Maler hat M o s 6 zugesprochen erhalten, der es auch gewiß verdient hat. Eine junge Kraft wie diese braucht aber auch Aufträge, um sich zu bewähren. Herbei ihr kunstliebenden Großen, hier ist ein Talent, das Euch was zu leisten vermag, wenn Ihr nur herzhaft heran wollt. Es wird Euch dabei so sehr geholfen sein, wie Jenem! Ein Appell an jüdische Großherzigkeit ist noch niemals vergeblich verhallt und an jüdischem Talent hat es gleichfalls noch nie gefehlt bis heute. Mose kann viel, wird aber noch mehr können, wenn man ihm nur ein wenig verstattet — e s z u zeigen! A. K—nn. Correspondenzen. Schlutzfteinlegung des Jubiläumstempels in Favoriten. In feierlicher Weise fand Dienstag Vormittags die Schlußsteinlegung des zum Andenken an das Regierungsjubiläum erbauten Jubiläums - Tempels im zehnten Bezirke, Ecke Kepplergasse und Humboldtplatz, statt. Das im romanischen Style erbaute Gotteshaus wird von einer mächtigen Kuppel gekrönt und gewährt durch seine stylvolle vornehme Ausführung einen stattlichen Eindruck. Der Jnnenraum, der über 800 Personen faßt, überrascht durch seinen reichen ornamentalen Schmuck, der eine Fülle höchst origineller Motive entbält, sowie durch die äußerst wirksame, dem Style angepaßte Malerei. Besonderer Werth wurde auf die Ausführung des in einer kuppelgekrönten Nische untergebrachten Allerheiligsten gelegt. Ausstattung, Architektur stimmen in diesem abgesonderten Tempelchen mit der des großen Gotteshauses überein. Der Schöpfer des schönen Baues ist der auf diesem Gebiete schon vielfach bewährte Architekt I. Gärtner. Ein bemerkenswerthes Detail enthält die Entwicklungsgeschichte des Baues. Die Besitzerin des Bauplatzes, Frau V e n i e r, eine Katholikin, widmete dem Baufond eine Spende von 9OO fl., in besonders ehrender Weise gedenkt der Bericht der Spenderin. Zu der Feier hatten sich eingefunden: Stadtcommandant FML. Ritter von Engel in Vertretung des Eorpscommandanten G. d. C. Grafen Uexküll, Ministerin lrath Dr. Edwin Plazek in Vertretung des Unterrichtsministers, Hofrath Ritter v. Bernd in Vertretung des Statthalters, Regierungsrath Ritter v. Feyerfeil in Vertretung des Polizeipräsidenten Habrda, Gemeinderath Stiaßny in Vertretung des Bürgermeisters Dr. Lueger, der auf die an ihn ergangene Einladung zur Theilnahme ein Entschuldigungsschreiben sandte, in dem er es bedauert, wegen Geschäftsüberbürdung nicht erscheinen zu können und. Baurath Stiaßny mit seiner Stellvertretung betraut. Der Cultuspräsident kais. Rath Heinrich K l i n g e r mit den Vorstehern Salo Cohn, kais. Rath Wilhelm P o l l a k, Carl K o h n, Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, R o s n e r, in Vertretung des Tempclbauvereines des VIII. Bezirkes, der Vereinspräsident Hermann Beck, ferner die Tempelvereinsvorsteher Commercialrath Eisenberger, Ignaz Zolles. Es erschienen außerdem Baronin Charlotte Königswarter, der Präsident des Vereines zur Hebung israelitischer Gewerbetreibender Herr S. Brod, Secretär Emil Horner in Vertretung des Baron Albert Rothschild, Landesgerichtsrath Bloch, Polizeibezirksleiter D. Rybicka, Magistratsrath Wilimek, Bezirksinspector Winkler, Docent Dr. Herz, das Ehrenmitglied des Tempelbauvereins Commercialrath Gottlieb Bettelheim und Deputirte zahlreicher Bethausvereine, welchen der Obmann Karl Seligmanu, der Vorsteher S. Staßberg, der Schriftführer Dr. Berthold Trief ch und die Mitglieder des Tempelbau - Comites die Honneurs machten. Rabbiner L ö w y hielt die Festpredigt, die durch ihre eindringliche und warme Sprache auf die Festversammlung tiefen Eindruck hervorbrachte. Der Redner wies darauf hin, daß der neue Tempel als ein Symbol der unerschütterlichen Treue und Verehrung der Judenschaft für den Kaiser errichtet worden sei. Schon als achtzehnjähriger Jüngling, zur Zeit seiner Thronbesteigung, habe der Kaiser oen Pulsschlag einer neuen Zeit erkannt, er habe der Wissenschaft und Kunst ein augusteisches Zeitalter eröffnet und er habe speciell die Judenschast aus der Nacht der Unterdrückung und Finsterniß gerettet. Mit dem jungen Kaiser sei der Geist der Freiheit, Liebe und Gerechtigkeit in Oesterreich eingezogen. Freiheit, Liebe und Gerechtigkeit habe der Kaiser zu den Stützen seines Thrones erkoren, und er habe an denselben bis zum heutigen Tage festgehalten. Rabbiner Löwy schloß unter lebhafter Bewegung mit einem warmen Segensspruche für den Kaiser, die Kaiserin und das kaiserliche Haus. Baurath Stiaßny begrüßte hierauf die israelitische Gemeinde im Aufträge der Commune Wien. „Geleitet von den Gefühlen der Anhänglichkeit und Verehrung für unseren Kaiser und Herrn — sagte er — in Treue zu unserem altehrwürdigen Glauben und in Liebe zu unserer Vaterstadt Wien haben Sie dieses Gotteshaus inmitten eines schönen und volkreichen Bezirkes erbaut, dessen mächtiges Emporblühen erst vor wenigen Tagen die huldvolle Anerkennung des Kaisers gefunden hat. Möge in diesem Hause stets Friede walten. Möge der Friede einkehren in die Bevölkerung unserer Vaterstadt, damit sie, entsprechend dem Wunsche unseres Mon-