Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 19 (13.5.1898)
- Date
- 1898-05-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 372 Vr. Sloch's WoetzrnschrM Nr 19 Unglückliches Hauswesen, das in den Händen einer verständnißlosen, unwirthschastlichen „Hausftau" liegt! Der Mann kann nicht mit Scheffeln verdienen, was die Frau in der Schürze aus dem Hause trägt. Das^ Familienleben muß ja dadurch zerstört werden; der Mann wird seine Zerstreuung im Wirthshaus suchen, die Kinder, sich selbst oder ungeschickten Dienstboten überlassen, verkommen an Geist und Körper. Bcdauernswerth kurzsichtige Hausfrau, die sich auf Köchin und Dienstmädchen verläßt! Sie wird bald genug bemerken, daß sie wirklich verlassen ist. Wir müssen bei der Erwähnung aller dieser unerquicklichen Dinge an eine kleine, sehr charakteristische Anekdote denken. In einer Gesellschaft stritt man sich über die Möglichkeit des bekannten Traumgesichts des Pharao, die fetten und die mageren Kühe betreffend Da bemerfte ein durch die Unwirthschastlichkeit seiner Frau zu Grunde gegangener Kaufmann: „Meine Herrschaften, früher habe ich an solche Dinge auch nicht geglaubt, aber meine Frau hat mir diesen Glauben wiedergegeben. Ich hatte in meinem Geschäft sieben große und schwere Bücher, und meine Frau nur ein ganz kleines Haushaltungsbuch. Und in ganz kurzer Zeü hatte dies kleine Büchlein die sieben großen Bücher vollständig verschlungen." Eine Hausftau, die die Gabe besitzt, mit bescheidenen Mitteln gut und rationell zu wirthschasten, in deren Hand alle Fäden des Haushalts Wohl geborgen sind, besitzt damtt Eigenschaften, die unter Umständen eine Mitgift aufwiegen. Eine solche Frau ist ein Segen für ihr ganzes Haus, sie allein vermag in guten wie in bösen Tagen dem Manne eine getreue Gefährtin, den Kindern eine gute Mutter, der Umgebung ein lehrreiches Vorbild, dem ganzen Hause eine Stütze zu sein. Und um unseren Heranwachsenden Töchtern Gelegenheit zu geben, gerade nach dieser Richtung hin sich zu vervollkommnen, ist die israelitische Haushaltungs- und Kochschule, als Zweiginstitut des israelitischen Heiniatshauses gegründet worden. In einem drei-, beziehungsweise scchsmonatlichen Cursus, unter bewährter pädagogischer wie technischer Leitung, theoretisch und prattisch, sollen sowohl die edle Kochkunst, wie alle sonstigen häuslichen Arbeiten, Waschen, Plätten, Ausbeffern u. s. w. gründlich erlernt werden. Nicht einzig und allein um dienende Kräfte heranzubilden, ist jenes Institut ins Leben gerufen worden. Zn erster und vornehmster Reihe ist eine Ausbildung ins Auge gefaßt worden, die dem späteren eigenen Haushalt zu Gute kommen soll. . Noch eine Anregung zum Schluß. Es ist ja selbstverständlich, daß die in der Anstalt angeferttgten Speisen in irgend einer Weise zur Verwendung gelangen müssen. Wie wäre es mit einer Art Mittagstisch für Studenten, junge Kaufleute u. s. w., die für.des Leibes Nothdurst nicht allzuviel ausgeben können? Wenn es möglich wäre, diese Leute für einen billigen Preis in der neugegründeten Anstalt zu speisen, in der Art, wie wir vorhin vorschlugen, wäre beiden Theilen geholfen. Vielen Würdigen, aber Unbemittelten würde ein großer Dienst geleistet werden. Deshalb möchten wir der Verwaltung, deren neues Werk wir im Uebrigen mit unsere» besten Wünschen begleiten, diese Anregung zur Erfüllung emdringlichst anheimstellen. Lehrplan für die Israelitische Koch- und Haushaltungsschule Berlin C., Weinmeisterstraße la begründet als Zweiganstalt des Israelitischen Heimatshauses. Vorsteherin: Frau Johanna Abraham. Gelehrt wird: A. Kochen — Braten — Backen. Bereitung einfacher Hausmannskost, sowie feinere Küche. ' 1. Decken des Tisches und Legen der Servietten. 2. Das Tranchiren des Fleisches und Decoriren der Speisen. 3. Die Reinigung des Geschirres. 4. Die Berechnung des zur Zurichtung der Speisen erforderlichen Materials. 5. Herstellung von Fricasses, Majonnaisen, Ragouts rc. 6. Einlegen von Früchten und Gemüsen rc. Die Schülerinnen beginnen ihre Thätigkeit mit den einfachsten Arbeiten, und zwar Kartoffelschälen, Gemüseputzen, Semmelreiben, Mehleinbrennen, Eierklären, Sahneschlagen rc. rc. Die Speisen werden Mütags von 12-3 Uhr und Abends von 6—9 Uhr zu mäßigen Preisen abgegeben. Theoretischer Unterricht. Nahrungsmittel-Unterricht, Kenntnisse des Nährwerthes der Nahrungs- und Genußmittel. Einrichtung der Buchführung für den Hausstand. Anleitung zum Einkauf der Fleischwaaren, Gemüse und aller sonstigen Materialien. 8. Waschen — Plätten — Zimmerreinigen. C. Handarbeitslehre. 1. Erlernung der Schneiderei für den Hausbedarf. 2. Wäschezuschneiden, Maschinnähen, Handnähen, Stopfen Ausbeffern, Namensticken, Stricken rc. Dauer der Curse 6, eventuell 3 Monate. Gelehrt wird: bei 6monatlichem Cursus alle vorerwähnten Fächer; bei 3monatlicher Dauer: Kochen, Waschen, Plätten, Zim< merreinigen. Ausbessern, Stopfen, Stricken. Der Unterricht beginnt in der Zeit vom 1. April bis l. Oktober Morgens 7 Uhr, und vom 1. Oktober bis 1. April Morgens 8 Uhr. Nach jedem Cursus werden Prüfungen veranstaltet, und erhalten Schülerinnen Zeugnisse ausgestellt. Das Honorar beträgt wöchentlich 3 Mark und ist pränumerando zu entrichten. Als Einschreibegeld werden 3 Mark erhoben. Schülerinnen entnehmen ihre Mahlzeiten der Anstalt, und ist für Mittagessen 20 Pfennig und Abendessen 10 Pfennig zu vergüten. Auswärtige erhalten eine fürsorgliche volle Pension in dem im Nachbarhause befindlichen Mädchenheim, Gormannstraße Nr. 3 für den Preis von 32 Mark, und fällt alsdann die Vergütung der Mahlzeiten in der Küche fort. Anmeldungen sind zu richten an die Leiterin der Israelitischen HauHaltungs- und Kochschule Frau Paula Saling er, Berlin, Weinmeisterstraße 1a, welche auch zu jeder sonstigen Auskunft bereit ift.j ' („Berliner Vereinsbote".) Jüdische Künstler auf der Jubiläums- Nusstellun g. ii. Meister Horovitz. — David Mose. Leoppld Horovitz nimmt nicht blos unter den Porträtmalern Wiens einen ersten, ehrenvollen Rang ein. sondern steht auch, wenn man die Grenzen der künstlerischen Concurrenz viel weiter zieht, neben den größten Bildnißmalern Englands und Frankreichs als ein ihnen in jedem Hinblicke ebenbürtiger Künstler. Und in Frankreich leben heute Bonnat, Carolus Duran, in England Herkomer, Owleß, Orchardson, vieler Kleinerer, noch immer Großer, nicht zu denken! Man verlangt heute viel vom Porträtmaler. Er soll nicht blos den äußeren, sondern auch den inneren Menschen bringen. Noch vor dreißig Jahre» gab man sich mit einer ungefähren Aehnlichkeit, schönlinig und rosenroth, lieblich, angenehm süß und glatt, schon zufrieden. Man zeigte die Leute ist bengalischer Beleuchtung, aber transparent, von innen heraus. ,, Wie Sie aber gut aussehen. Prächtig! Herrlich!! Beinah' nicht zum Erkennen V Jede Frau und jedes Fräulein stellte ihre Venus und jeder Mann seinen Adonis, wenn er auch sonst zu diesen mythologischen Berufen geringe Anlagen hatte. Heut' ist das ganz anders geworden. Man will vor Allem interessant sein. Und interessant ist eigentlich jedes Menschenantlitz, wenn man nur darin zu lesen versteht. Jedes sagt etwas. Und Horovitz ist groß, wie er den Leuten auf den Grund ihrer Seelen schauen kann und ihr Wesen aufrollt. Vor ihm gilt kein Versteckspiel. Er ist ein Menschenkenner erster Güte. Nervöse Damen ün de siede, blasirte Männer, wie sie der Tag zeitigt, behäbige gedankenarme Philister mit dicken Brieftaschen und enganliegenden Salonröcken, versonnene Gelehrte, verschwiegene Staatsmänner, besternte Militärs — alle werden mit der gleichen, ruhigen, gebändigten Kraft auf die Leinwand gezaubert und es wäre schwer zu sagen, was Horovitz besser und was er am Allerbesten macht, denn jedes Bild, das aus seinem Atelier hervorgeht, zeigt von der gleichen Vollreife, von demselben liebevollen Sichversenken in das tiefinnerste Wesen des Dargestellten. Dabei ist er ein Meister der Farbe und die koloristischen Probleme, die er sich aufgibt, erscheinen immer auf die subtilste und doch klarste Weise gelöst. Das ist Kunst für die feinsten Nerven. Bedenkt man die nimmer rastende Arbeits- und Umarbeitslust des Meisters, der sich selten voll und ganz genügt, so hat man ungefähr einen Umriß seines künstlerischen Wesens. Diesmal hat er drei Porträts in der Kaiser-Jubiläumsausstellung des Künstlerhauses, zwei Männerbildnisse und eines, das ein junges Mägdlein in Roth am Fenster darstellt. Welchem der drei Prachtstücke der Vorrang zuzuerkennen wäre? Der ältere verdrießliche Herr ist ein Meisterwerk intimster Charakteristik. Man kann sich gar nicht wohlerzogener ärgern. „Er ist gewiß aus einem edlen Haus, denn er sieht stolz und unzufrieden aus." Der elegante jüngere Mann mit dem röthlichen Vollbart, der den Cylinder und die Handschuhe und den Stock mit dem Silbergriff trägt, der schreitet geradewegs aus dem Rahmen heraus und auf den Beschauer zu. Man kann nicht lebendiger, nicht natürlicher, ungezwungener und doch dabei weltmännischer sich zum Ausgehen rüsten. Die Hände mit einer Freiheit und Lebendigkeit und Ursprünglichkeit der Fleischwirkung behandelt,