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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-05-13 · 19 (13.5.1898) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
19 (13.5.1898)
Date
1898-05-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 370 Vlmh * WoMLNlMM 9h. 19 die Verwaltungskosten circa 40 Percent der Jahresbeiträge ausmacheu., Der Fehler liege gewiß nicht in den Ausgaben, denn die „Allianz" könnte mit diesem Aufwande gewiß das Drei- und Vierfache ausgeben, sondern in den Einnahmen, oder vielmehr in dem, was nicht eingenommen werde. Es sei beschämend für die Wiener Judenschaft, daß die Jahresbeiträge eines so segensreich wirkenden Vereines angesichts der vielen vermögenden Leute, welche die Wiener Cultusgemeinde zähle, nur 11.000 fl. betragen. Redner erblickt hierin ein Zeichen geistiger Decadence. Das Solidacitätsgefühl sei bei uns weniger lebendig als in Paris, London, Berlin und Budapest. Der Bericht des Vorstandes betone selbst, daß die Mitgliederzahl stetig im Sinken sei, in Wien betrage sie nur 900 von 13.000 steuerzahlenden Mitgliedern der Cultusgemeinde. Woher kommt dies? Offenbar sei nun für die „Allianz"' nach einer Zeit des Aufstieges eine Periode der Stagnation angebrochen. Die „Allianz" verfolge statutenmäßig eine zweiseitige Tendenz: Sie hat einerseits actuellen Vorgängen zu begegnen, dort, wo Juden als solche zu leiden haben, ihnen eine wirksame Stütze zu bieten, und sie habe anderseits die Volkserziehung durch Errichtung von Schulen und durch andere geeignete Mittel zu fördern. Unter Volkserziehung sei aber nicht die Kenntniß der vier Species zu verstehen, sondern auch die Stärkung des Gemeingefühles, die Hebung des sittlichen und socialen Bewußtseins unter den Juden. Die erste Aufgabe, die Unterstützung leidender Glaubensgenossen, habe die „Allianz" mit großem Erfolge erfüllt, und solange für diese Seite ihrer Wirksamkeit Anlaß vorhanden war, sei sie im Aufsteigen begriffen gewesen. Nicht mit dem gleichen Erfolge habe sie ihre zweite Aufgabe gelöst. Sie habe gut angefaugen durch Errichtung von Schulen in Galizien. Seit aber die Baron Hirsch-Stiftung dieselbe übernommen, sei nach dieser Richtung nichts weiter geschehen. Von statistischen Studien insbesondere finde sich im Berichte gar nichts vor und doch seien diese überaus wichtig für den Existenzkampf, den das Judenthum heute zu führen habe. Redner verweist auf den Antrag Schlesinger im Abgeordnetenhause und auf die - diesbezügliche Petition der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union". Eine der wichtigsten Aufgaben der „Allianz" wäre die Schaffung eines geistigen Mittelpunktes und er denke sich dieselbe o, daß die Bibliothek der Cultusgemeinde ausgeweitet, mit seine jüdischen Bereinshause verbunden werde. Redner empfiehlt dem Vorstände, diese Anregung in Erwägung zu ziehen. Dr. R a b e l spricht sein Bedauern darüber aus, daß viele Herren, die durch ihre hervorragende Stellung in der Gemeinde hiezu verpflichtet wären, zu dieser 25. Festversammlung nicht erschienen seien. Die geringe Mitgliederzahl steht im Mißverhältnisse zu der Bedeutung und Wirksamkeit der „Allianz". Redner empfiehlt die Gründung von Filialvereinen in der Provinz und die Anregung einer eigenen Vereinsgründung in Budapest. Herr Dr. B l o ch bemerkt, im Grunde seien alle Klagen ungerecht angesichts der Thatsache, daß heute eine Jubiläums- Versammlung der „Allianz" stattfinde und bei derselben von sämmtlichen Beiräthen nicht ein einziger anwesend sei. Wenn diese selbst die Thätigkeit der „Allianz" nicht für so wichtig halten, um zu ihrem 25jährigen Jubiläum hier zu erscheinen, mit welchem Rechte erhebe man gegen die große Maffe der Juden die Anklage, daß sie zu wenig Interesse für die Zwecke und Ziele des Vereines bekunde? Der § 2 der Statuten spreche von der Volkserziehung durch Schulen und andere geeignete Mittel. Welche Mittel sind angewendet worden? Solange der Vorstand nichts unternimmt, was sichtbar in den Augen der ganzen Bevölkerung die Vereinsthätigkeit verkörpert, werde es schwer sein, in weiten Kreisen ein tieferes und nachhaltiges Interesse zu wecken. In diesem Sinne unterstützt Redner die Anregung Mayer's, einen Mittelpunkt zu schaffen, in welchem unsere Glaubensgenossen zusämmengeführt werden zu regem geistigen Verkehre. Herr Cultusvorsteher Dr. Marcus Spitzer führt aus, die „Allianz" könne nicht populär sein, da ein großer Theil ihrer Wirksamkeit sich nothwendiger Weise der Öeffentlichkeit entziehe. Der vorliegende Thätigkeitsbericht könne nicht der volle Ausdruck der Thättgkeit der „Allianz" sein. Als Beweis führt Redner die in dem Berichte nicht erwähnte Förderung der Bestrebungen der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" an. Herr Sigmund Mayer erklärt, den Hinweis auf das Reich des Unbekannten könne er in diesem Kreise nicht acceptiren, auch die „Union" verfolge gleicharttge Ziele, mache aber, wie der jüngste Rechenschaftsbericht beweise, kein Geheimniß aus denselben. Redner tadelt es mit scharfen Worten, daß die Vorsteher der Cultusgemeinde mit Ausnahme der Herren Dr. Stern und Dr. Spitzer durch ihre Abwesenheit glänzen. Herr Pappen heim erwidert, die „Union" sei ein politischer Verein und habe als solcher das Recht, offen vorzugehen. Die „Allianz" ist keine politische Körperschaft, aber daß sie die Wirksamkeit der von der „Union" verfolgten Bestrebungen zu würdigen wisse, beweise die Unterstützung, die sie derselben gewähre. Ein jüdisches Vereinshaus sei nur ein locales Interesse der Wiener Juden, für welche die Beiträge aus der Provinz nicht gut in Anspruch genommen werden könnten. Präsident Ritter v. Gutmann erklärt gegenüber der Kritik, welche an dem Berichte geübt wurde, daß der Vorstand Alles gethan habe, was für eine wirksame Propaganda geschehen konnte. Es kommen noch täglich noch Fälle activer Hilfeleistung für nothleidende Juden, namentlich für die in Rußland zurückgebliebenen Frauen von Ausgewanderten, vor, aber mit einer Jahreseinnahme von 17.000 fl. könne man nichts Außergewöhnliches leisten. Die jüdische Solidarität habe sich in glänzender Weise ber der Ausweisung unserer Glaubensgenossen ans anderen Ländern manifestirt. Der Vorstand sei nicht in der Lage, Alles zu publiciren, Vieles erfordere eine discrete Behandlung. Der Präsident widmet der Thätigkeit und dem Erfolg des von der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" errichteten Rechtsbureaus, welchem die „Allianz" ihre volle Sympathien entgegenbringe, Worte rückhaltloser Anerkennung. Die „Allianz" habe Perioden der seltensten und segensreichsten Wirksamkeit gehabt und da müsse insbesondere des Gründers der „Allianz", Josef R. v. Wertheimer's, gedacht werden, der im Greisenalter bei den Judenverfolgungen in Rußland Tag und Nacht gearbeitet habe. Die Verwaltungskosten seien allerdings bedeutende, aber mit diesem Apparat könnte auch das Dreifache geleistet werden, der Verein müsse für alle Fälle gerüstet dastehen, denn jeder Tag könne ihn zur Hilfeleistung aufrufen. Der Präsident erinnert an die Prager Excesse, an den bedeutenden Betrag, den der Verein aufgebracht habe. Ein anderes Beispiel: Tißa-Eßlar wiederhole sich auch in anderen Ländern, ohne daß die'große Öeffentlichkeit davon wiffe. Was die Anregung bezüglich der Errichtung eines Vereinshauses betreffe, so wäre dies eine Aufgabe der Cultusgemeinde. Die Abwesenheit der Beiräthe wolle er gewiß nicht entschuldigen, er müsse aber bemerken, daß dieselben ihren Rath stets bereitwillig ertheilen, so oft derselbe in Anspruch genommen werde. Nachdem der Vorsitzende noch eine Anfrage über die Hilfeleistung bei den Judenexcessen in Chodorow, Schodnica und Przemislany dahin beantwortet hatte, daß hier die Baron Hirsch-Stiftung in Paris eingegriffen habe, wurde der Thätigkeitsbericht und der Bericht über die finanzielle Gebahrung genehmigt und sodann die Herren Dr. Felix Katz au, Dr. Alfred Stern, Heinrich N i r e n st e i n, Dr. Sigmund Wahrmann und Sigmund Ritter v. Baue r aus Antrag Dr. Bloch's per acclamationem in den Vorstand wiedergewählt. Namens der Versammlung sprach zum Schluffe noch Herr Dr. Bloch unter lebhaftem Beifalle dem Präsidenten David R. v. G u t m a n n für beffcit eifrige und hingebende Thätigkeit den wärmsten Dank aus, worauf der Vorsitzende die Generalversammlung für geschlossen erklärte. Intrvdurtion pm zweiten Baseler Congretz. In den letzten Tagen haben in -Wien vertrauliche Vorconferenzen stattgefunden, die Tagesordnung des zweiten Congreffes festzustellen. Sie hat folgende Hauptpunkte: 1. Eröffnung des Congreffes durch den Vorsitzenden des Comitss. Vorlage der neuen Geschäftsordnung. 2. Wahl des Bureaus. 3. Rechenschaftsbericht. 4. Die allgemeine Lage der Juden im abgelaufenen Jahre. 5. Programm der Bewegung. 6. Die jüdische Colonialbank. 7. Colonisation. 8. Jüdische Culturfragen.

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