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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-05-13 · 19 (13.5.1898) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
19 (13.5.1898)
Date
1898-05-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19 Vr. Bloch » WochrnschrM Seire 369 geschlagen. Herr Dr. Weinstein hat dann das Kind bis zu seinem am Samstag erfolgten Tode behandelt. Ich bemerke noch, daß der Armenarzt zur selben Zeit in der Wohnung nebenan ein anderes Kind zu behandeln hatte, und erst nach viele»! Bemühungen der Mutter gelang es, den Arzt zu bewegen, einen Besuch zu machen. Die Kritik über dieses Vorgehen überlasse ich dem Leser. Achtungsvoll I. F., II.,- Wallensteinstraße. (Der volle Name und die Adresse des Einsenders sind uns bekannt.) Wir sehen - einer Gegenäußerung des Herrn Dr. Drechsler entgegen und enthalten uns bis dahin der Kritik dieses Vorgehens. Antisemitische Häuptlinge. Ein interessanter Beitrag zur Charakteristik der antisemitischen Partei ist soeben in Zürich unter dem Titel: „Herunter mit der Maske"! von Hans Arndt, einem geschworenen Antisemiten erschienen, der die Führer seiner Partei im Lichte der Wahrheit zeigen will. Die Herren Liebermann von Sonnenberg, Adolf Stöcker, Leuß, Hammerstein, Pickenbach, Böckel, Zimmermann, v. Langen, Ahlwardt und die Kleinen, die wie der Sterne Chor sich um diese Sonnen lagern, werden in dieser Schrift in sehr drastischer Weise geschildert. Neues Material bringt der Verfasser eigentlich nicht vor, aber es ist wohl auch kaum nöthig, da die Fülle des vorhandenen Materials wohl ansreicht, um die.Schlußfolgerung des Verfassers - begreiflich zu machen : „Die jetzige antisemitische Parteileitung muß von ihrem Platz!" Ob dieser Mahnruf etwas nützen tvird? Wir glauben kaum. Denn es ist dafür gesorgt, daß die — Antisemiten nicht alle werden. Meier Amschel Rothschild. Der alte Meier Rothschild wurde im Februar 1743 geboren und starb den 19. September 1812. Er war ein Muster der Ordnungsliebe, Einfachheit, Rechtlichkeit und Wohlthätigkeit, welche herrliche Eigenschaften auch auf seine Söhne sich vererbten. Seine Rechtschaffenheit zeigte sich in der bekannten Geschichte mit dem ihm von dem Kurfürsten von Hessen-Cassel anvertrauten großen Vermögen, welches er demselben nach erlittenem Verluste seines eigenen Vermögens durch Plündernng wieder ganz zurückstellte, was ihm nachher das unbegrenzte Zutrauen aller Machthaber erwarb. Er vermied in seinem Hauswesen wie in seiner Kleidung alles Gepränge und allen Aufwand. Selbst das schöne Haus, welches er an der Ecke der Bornheimerstraße hatte erbauen lassen, bezog er nicht selbst, sondern behalf sich bis an sein Ende mit seiner alten, engen Wohnung in der Judengasse. Er machte von seinem Vermögen den edelsten Gebrauch und benutzte auch seinen Einfluß bei den Großen zum Wohle der Menschheit. Obgleich im höchsten Grade strenggläubig, sah mau ihn doch den Menschen ohne Unterschied ihrer Denkungsart wohlthun. Einmal erfuhr er, daß ein ehrbarer Familienvater sehr heruntergekominen sei. Ihm Almosen anzubieten, durfte er nicht wagen. Aber er wußte, daß jener Mann ein Kenner der edlen Metalle war, und packte nun einen Beutel mit Bruchgold und Silber zusammen, gab ihn dem Manne mit der Frage, ob er nicht den Verkauf dieser Dinge, die er von einer Herrschaft in Commission bekommen zu haben vorgab. übernehmen wolle? Den Preis bestimmte er absichtlich um 800 fl. weniger, als der wirkliche Werth war, uud verlangte die Hälfte vom Gewinn, unter der Bedingung, daß er ehrlich mit ihm umgehe. Wer war froher als dieser Mann? Er nahm die Sachen und verkaufte sie mit 800 fl. Gewinn, brachte das Geld Rothschild und sie theilteu den (scheinbaren) Gelvinn, ohne daß der Erfreute es wußte, daß ihm Rothschild eigentlich die 400 fl. geschenkt hatte. Auf seiner Durchreise durch eine kleine Stadt bemerkte er einen Zulauf von vielen Menschen und hörte das Wehklagen einer weiblichen Stimme. Auf seine Erkundigung theilte man ihm mit, daß das Haus einer christlichen Frau Schulden halber verkauft werde und daß diese Frau darüber verzweifeln wolle. Sogleich ließ er die Schuldnerin zu sich in den Gasthof rufen und gab ihr die schuldige Summe, ohne daß sie den Namen ihres Retters erfahren konnte. Eine Erbschaft der Stadt Paris. Am 23. October v. I. starb in Kaltenleutgeben ein reicher Privatier Namens Julius Kallir. Derselbe hatte in seinem vor Jahresfrist abgefaßten Testament die Stadt Paris zur Universalerbin seines bedeutenden Vermögens eingesetzt und angeordnet, daß dasselbe zu Gunsten einer Anstalt für arme und verlassene Kinder angelegt werde. Die Pariser Stadtverwaltung, beziehungsweise der Seine- Präfect wurde als Testamentsexecutor eingesetzt und angewiesen, verschiedene Legate, darunter eines an einen gegenwärtig fünfzehnjährigen Knaben Namens Prudhon mit einer Million Francs auszubezahlen und bis zu desien Großjährigkeit zu verwalten. Im Falle des Ablebens dieses Legatars würde auch dessen Legat jenem Humanitären Institute zufallen. Da nun die etwa vorhandenen gesetzlichen Erben des Testators nicht bekannt sind, so werden dieselben aufgefordert, binnen drei Monaten ihre etwaigen Reclamationen bei der Seine-Präfectur in Paris einzubringen. Ein czechischer Haupthetzer und Lump. Prag, den 10. Mai 1898. Die „Politik", das berüchtigste, größtentheils in „daioer" Sprache erscheinende Czechenblatt bringt in ihrem heutigen Abendblatt nachstehende Notiz: „Ein czechischer Haupthetzer und Lump. Das Blatt des bekannten Herrn Vergani bringt heute unter dem Titel „Ein czechischer Haupthetzer und Lump" die folgende Notiz, durch welche wohl ganz iiberflüsiiger Weise dargethan werden soll, daß das ,.D. Vbl." nach wie vor das ordinärste, um nicht zu sagen gemeinste Blatt von Wien ist: „Wie man aus Prag meldet, ist Florjanski. der Tenorist des czechischen Nationaltheaters, mit Hinterlassung von 80.000 fl. Schulden aus Prag verschwunden. Der Durchgebrannte ist Jude und wüthender Dcutschenfeind und Theilnehmer an allen Krawallen gegen die Deutschen in Prag. Er war deshalb ein Liebling der Prager czechischen Damenwelt." — Und dieses Blatt erfreut sich der Gunst eines — Prinzen Liechtenstein!" Warum verschweigt aber die „Politik" in dieser Notiz die Thatsachen, daß Florjanski kein Jude, sondern römischkatholischer Christ und enragirter Antisemit „Bergani'schen Couleurs" ist!? Besagter Herr Florjanski hat nämlich in einer vor nicht langer Z-it abgehaltenen czechischen Wohlthätigkeitsvorstelluug auf der Sofieninsel als polnischer Jude verkleidet das Judenthnm in pöbelhafter Weise verunglimpft, unter lebhaftestem Beifall der hiesigen Busenfreunde von „nä§ Schneider", zu welchem sich die „Politik" jederzeit mannhaft bekannte. „Deutsches Volksblatt" in Wien und „Politik" in Prag! —?ar nobile fratrum! Tev antisemitische Jugendbildner in Czernowitz. Koniginhof a. C., 10. Mai 1898. In Ihrem letztem Blatte bringen Sie aus Czernowitz (Bukowina) eine Correspondenz über den Jugendbildner Professor Ferdinand Saxl, der durch antisemitische Witzeleien das Gefühl der jüdischen Schüler beleidigt. Es wird Sie und Ihre Leser sicher interessiren. zu erfahren, daß Profefior Saxl getaufter Jude ist. Er war vor circa zehn Jahren in Prachatitz. wo er sich taufen ließ. Er stammt aus einer alten Judengemeinde Hone, hat durchgehends jüdische Anverwandte, unter diesen Männer, die auf ihr Judenthum stolz sind, nachdem sie zum Stamme der Priester zählen. (Kohn.) Generalversammlung der „Israelitischen Allianz". Sonntag den 8. d. M. hielt die „Israelitische Allianz in Wien" im Saale der Cultusgemeinde ihre 25. ordentliche Generalversammlung ab. Zugleich mit dem Kaiser-Jubiläum begeht auch diese für die cultnrelle und humanitäre Entwicklung des Judenthums so überaus bedeutsame Vereinigung das Jubiläum ihres 25jährigen Bestandes. Der vorliegende Thätigkeitsbericht trägt diesem Umstande Rechnung, indem er einen Rückblick auf die Wirksamkeit der „Israelitischen Allianz" vom Tage ihrer Begründung bis heute wirft, einen Rückblick, der Zeugniß gibt von der umfassenden und erfolgreichen Arbeit, welche im Dienste der reinsten Menschenliebe, der Erziehung, Bildung und Alkfklärung unserer Glaubensgenossen in diesem Vierteljahr- Hundert geleistet worden ist. Der Präsident, Herr David Ritter v. G u t m a n n, begrüßte mit herzlichen Worten die Versammlung, der unter Anderen auch Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann beiwohnte. Ueber Antrag des ehemaligen Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch wird von der Verlesung des gedruckt vorliegenden Thätigkeitsberichtes Umgang geilvmmen und sofort die Discufsion über denselben eröffnet. Der Vicepräsident der „Oesterreichisch-Jsraelitifchen Union", Herr Sigmund Mayer, spricht zunächst dem Vorstände den innigsten Dank für die kräftige Unterstützung aus, welche derselbe den verwandten Zielen der „Union" habe zutheil werden lassen. Redner bespricht sodann die auffällige Thatsache, daß

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