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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-05-13 · 19 (13.5.1898) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
19 (13.5.1898)
Date
1898-05-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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<6etti 36B Nr 19 Dr. Llvrtz's WochrnschrM. Gregorig und noch viel unkluger vom Vergani, daß sie für das Aushängen von Juden Propaganda machen. Denn sehen Sie, lieber Ernst, unter allen Ihren Zeitgenossen, welche seit Menschengedenken in Wien vorzeitig an Stickfluß sterben mußten, weil sie — wir bedienen uns gerne der Ausdrucksweise Berganischer Wahlaufrufe — ihre sittlichen Grundsätze schlicht und einfach in die That umgesetzt haben, befand sich kein einziger Angehöriger der, wie das „Deutsche Volksblatt" so schön sagt „bärtigen Nation". Herr Gregorig und Herr Vergani, nehmen Sie es doch zur nützlichen Kenntniß, daß der Galgen in Wien sich judenrein erhalten hat. Wollen Sie wirklich, daß diese schöne Institution auch noch verjudet wird? Robert Wolf. Zur letzten Parlamentsfitzung. Der Schlußaccord setzte der Symphonie die Krone auf. Wie traurig wäre das altehrwürtnge Lied von den Sprachenverordnungen verklungen, wenn nicht im letzten Augenblicke der Sodawafserbarde mit Hellem Klang in die Welt gerufen hätte: „Die Spracheuverordnungen sind ein notorischer Judenschwindel." Man kann sich unmöglich bei diesem lapidaren Satze der Heiterkeit erwehren. Wenn aber der Abgeordnete Gregorig über jüdische Richter und Beamten die gemeinsten Verleumdungen vorbringt, ohne auch nur den geringsten Beweis für seine Behauptungen führen zu können, wenn er sie des Amtseidbruches und Verrathes beschuldigt, ohne auf einen einzigen concreten Fall zur Bekräftigung seiner Niederträchtigkeiten Hinweisen zu können, so begreifen wir die Entrüstung, mit der der sonst selten gehörte Abgeordnete Tittinger die Erklärung abgab, daß er den Abgeordneten Gregorig für einen Ehrabschneider, Lügner und Verleumder halte, insolange er seine Ausführungen durch Thatsachen nicht beweise. Daraufhin erbringt Gregorig seinen Beweis, indem er sagt, es sei ihm gleichgiltig, ob Juden reden oder Hunde bellen. Uns ist das Gebell der Hunde nicht gleichgiltig, und deshalb wiederholen wir die Erklärung des Abgeordneten Tittinger. Sie sind ein Ehrabschneider, Lügner und Verleumder Herr Abgeordneter Gregorig, ebenso wie Ihr Gesinnungsgenosse Geßmann, und fügen bei, daß wir nicht unter dem Schutze der Immunität stehen. Aber noch ein Wort an den Präsidenten des Abgeordnetenhauses, den Herrn v. Fuchs: Wenn Sie, verehrter Herr Präsident, alle diese Rohheiten der genannten und ungenannten Antisemitenredner der letzten Sitzung gehört haben, halten Sie es mit der eigenen Würde und der Würde des hohen Hauses für vereinbar, dieselben nicht zurückzuweisen? Louchet. Eine Frage an den Staatsanwalt. Der Herr Justizminister hat vor einigen Tagen eine Interpellation, welche die Abgeordneten Kapferer und Genossen an ihn wegen eines Inserates des „Paprika-Schlesinger" richteten, in welchem ein Sacrament der katholischen Kirche zu Reclamezwecken herabgewürdigt wurde, dahin beantwortet, daß die Staatsanwaltschaft bereits aus eigener Initiative Erhebungen wegen.Bergehens gegen § 303 Str.-G. eingeleitet habe. Der genannte Paragraph erklärt die Verspottung oder Herabwürdigung von Einrichtungen einer gesetzlich anerkannten Religionsgenoffenschaft als strafbar. Am Tage nach dieser Erklärung des Justizministers brachte das „Deutsche Volksblatt" einen Bericht aus Alsü-Kubin, in welcher darüber gespottet wird, daß in den „Knoblauch geschwängerten Hallen" des dortigen Judentempels sich der Obergespan und die Spitzen der Behörden zu einer patriotischen Feier versammelt hatten. Hat der Herr Staatsanwalt diese Notiz gelesen, und ist er nicht der Ansicht, daß auch hier der § 303 St.-G. in frecher Weise verletzt wurde? Wir finden das Vorgehen des Staatsanwaltes gegen die tactlose Reclame des Paprika-Schlesinger vollkommen begründet, wir dürfen aber auch fordern, daß jede Verhöhnung und Herabwürdigung des jüdischen Glaubens mit demselben Eifer verfolgt werde wie jene anderer Religionen. Cine neue Colonie in Palästina. In unserer letzten Nummer haben wir einen Aufruf des Vereines „Ahawath Zion" in Tarnow veröffentlicht, welcher sich zur Aufgabe sttllt, eine größere Anzahl aus Galizien stammender jüdischer Familien in Palästina dem Ackerbaue zuzuführen. Wir können den Appell dieses trefflichen Vereines an alle Glaubensgenossen nur wärmstens unterstützen. Der „Ahawath Zion" ist der einzige jüdische Verein in Oesterreich, welcher thatsächlich colonisirt und daher in hohem Matze segensreich wirkt Er hat in Galiläa, unweit des Meromsee's, einen größeren Gruudcomplex käuflich erworben und steht eben im Begriffe, mit der Bewirthschaftung des Bodens und der Jnstallirung der ersten Ansiedler zu beginnen. Das erfordert selbstverständlich einen sehr bedeutenden Aufwand, und der Aufruf des Vereines an unsere ganze große Glaubensgemeinde, ihr hiebei fördernd zur Seite zu stehen, ist wohl gegerechtsertigt. Möge man sich durch die Ziellosigkeit und Unfruchtbarkeit der pseudo-zionistischen Bewegung nicht abhalten lassen, die Action des „Ahawath Zion" eifrig zu unterstützen. Denn hier handelt es sich nicht um das nebelhafte Project einer zukunftsfernen Gründung, sondern um eine wohlvorbereitete Ansiedlung solcher Glaubensgenossen, die mit dem ehrlichen Willen zur Arbeit das Land unserer Väter aufsuchen. Nicht besser kann der Vorwurf, daß die Juden für den Ackerbau nicht geeignet sind, entkräftet werden, als durch die Vermehrung der jüdischen Colonien im heiligen Lande, deren Bodenproducte sich bereits mit den europäischen Erzeugnissen als concurrenzfähig erweisen. — Beiträge wollen direct an die Vereinsleitung des „Ahawath Zion" (Dr. A. Salz und Sigmund Bromberg in Tarnolv) gesendet werden. Reich oder arm, das ist die Frage! Die „Arbeiter- Zeitung" publicirt nachstehende Zuschrift: Geehrter Herr Redacteur! Als ich am Donnerstag vor 14 Tagen nach Hause kam, fand ich unser acht Monate altes Kind in Krämpfen. Als ich meine Frau fragte, warum sie nicht sofort zum Arzt sendete, erwiderte sie, daß die Krämpfe erst vor wenigen Minuten begonnen haben. Sofort eilte ich zu dem nächstwohnenden Arzte, Herrn Dr. W e i n st e i n, fand ihn aber nicht zu Hause. Nachdem ich noch drei Aerzte nicht autraf, kam ich zum Dr. Drechsl e r, II., Dammstraße. Ich läutete, und das Dienstmädchen öffnete mir die Thür. Nach meinem Begehren gefragt, antwortete ich: „Der Herr Doctor möge sofort kommen, das Kind sei schwer krank." Das Mädchen antwortete: „Ich erwarte den Herrn Doctor jeden Augenblick, ich will mir Ihre Adresse aufnotiren." Plötzlich fragte sie: „Ist es für Geld oder für arm?" Höflicherwiderteich: „Aber Fräulein, es thut ja nichts zur Sache, ich will gern bezahlen,' wenn der Herr Doctor nur kommt." Mit den Worten: „Der Arzt kommt nicht vor 11 oder 12 Uhr Nachts nach Hause!" schlug mir das Dienstmädchen die Thür vor der Nase zu. Ich war in der größten Verzweiflung. Kein Arzt zu bekommen und das Kind schwer krank. Endlich gelang es mir, Herrn Dr. Rosenthal zu treffen, der auch sofort kam. Da meine Verhältnisse es mir aber nicht erlauben, den Arzt zu bezahlen, so ging ich zum Herrn Armeurath und fragte ihn, wie ich den Herrn Dr. Drechsler bewegen könnte, unser krankes Kind zu besuchen. Nach längerer Auseinandersetzung erwiderte er: „Wäre es ein jüdischer Arzt, so könnten wir ihn wohl zwingen, zu kommen; in diesem Falle würde die Beschwerde in den Papierkorb wandern. Leider ist der christliche Armenarzt gegen Alles gefeit." Mit diesem Bescheid war mir nicht geholfen, ich mußte daher am anderen Tage wieder den Herrn Dr. Rosenthal holen. Schon an diesem Tage erklärte Dr. Rosenthal meiner Frau, es wäre besser, wenn ich den Herrn Dr. Drechsler, der doch Armenarzt ist, zu Rathe ziehen würde. Ich ging in aller Früh, um halb 8 Uhr, zum genannten Armenarzt. Wieder öffnete das Dienstmädchen die Thür, und nachdem ich mein Anliegen nochmals vorbrachte,' zögerte sie solange mit der Antwort, bis plötzlich der Herr Doctor mir gegenüberstand. „Was wollen Sie?" schrie er mich au. „Sie waren schon mit dem Mädchen keck, ich komme nicht!" Angenommen, ich wäre keck gewesen, ist das ein Grund, daß der Armenarzt einem unschuldigen Kinde ärztliche Hilfe verweigert? Herr Dr. Rosenthal war noch so freundlich, das Kind nochmals zu besuchen. Ich konnte ihn leider aber nicht bezahlen, und da der Armenarzt verpflichtet ist, zu kommen, unterblieben weitere Visiten. Meine Frau ging nun in der Sprechstunde zu Dr. Drechsler und setzte ihm die Sache auseinander. Jedoch der Doctou erwiderte: „Bringen Sie das Kind zu mir." Meine Frau sagte: „Herr Doctor, das Kind ist schwer krank und fällt bei der kleinsten Berührung in Krämpfe." — „Ich habe keine Zeit." Damit wendete er meiner Frau den Rücken. Nochmals wendete sich meine Frau an den Arzt, wurde aber von dem Dienstmädchen grob abgewiesen: „Für Geld kommt jeder Arzt, da brauchen Sie den Herrn Doctor nicht!" Mit den Worten: „Der Herr Doctor kommt nicht!" wurde die Thür zu-

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