Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 18 (6.5.1898)
- Date
- 1898-05-06
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 18 Vr. Vwch's WochrnZchrM Teile 361 gebenen gesichert. So ist es denn auch begreiflich, daß an dem gestrigen Feste nicht nur die gesammte jüdische Bevölkerung unserer Stadt und Umgebung, sondern auch weite Kreise .er christlichen Mitbürger herzlichen Antheil nahmen. Möge es dem Jubilar gegönnt sein, sich nach weiteren 25 Jahren derselben ehrenvollen Kundgebungen zu erfreuen, möge er wie bisher das Kidusch haschem anstreben zu, Ehren des jüdischen Kaufmaunsstandes und des gesummten Judenthums. Sch. Bielitz. (Neuwahl des C u l t u s v o r st a n d e s.) In der Borwoche fanden die Neuwahlen in den Cultusvorstand statt. Als Vorstandsmitglieder erhielten von 139 abgegebenen Stimmen die Herren Samuel Tugendhat 131, Salomon P o l l a k 130, Abraham Groß 127, H. H e i l p e r n 123, Josef Perl 122, I. S. H a l b e r st a m m 122, Ludwig Langselder 120, Ignatz N e u m a n n 120, Victor S ch ä f f e r 120, D. H. Robinsohn 118, Moritz Braunberg 117, Osias Schmelz 116, Rudolf Kestel 115, Dr. Siegmund Markusfeld 114, Dr. Jacob G r o ß m a n n 112, Julius A l t m a n n 111. Hermann Borger 110, Oscar Schaffer 110, Dr. Ludwig Reich 109, Karl Korn 109, Leopold G o l d st e i n 108, Hermann L i n d n e r 100, Julius Goldschmied 97, Dr. Moritz A r o n s o h n 96, Marcus G l a a s 95, Leopold Freund 95, Hermann Klein 94 Hugo S ch ä f f e r 93, Heinrich Schwitzer 91, Josef Groß 85 Stimmen. Zn Ersatzmännern wurden gewählt die Herren : Albert N e u in a n n, Eduard F e u e r st e i n, Josef Koch, Wilhelm L ö w e nb e r g, Siegmund Polatschek und Erich Riesenfeld. Skole, 1. Mai. Heute fand hier eine würdige Trauerandacht für das Seelenheil des Baron Moritz Hirsch statt, bei der der orthodoxe Rabbiner Herr Rothenberg, der Arzt Dr. Emil Friedländer, der Leiter der Baron Hirsch-Schule Emmer, der hebräische Schullehrer Ratz den Verblichenen und seine wahrhaft imposanten Verdienste um unsere armen, unglücklichen jüdischen Kinder in Galizien, wie um die Judenheit überhaupt in warmen, zum Herzen gehenden Worten feierten. Mit Ausnahme des Cultusvorstandes erschien ein distingnirtes Publicum. Ung.-Brod. Bei der am 24. v. M. stattgehabten constituirenden Generalversammlung des hiesigen Franenvereines und in der hierauf am 25. v. stattgefundenen Ausschußsitzung wurden gewählt; Frau Rab. Dr. Jung als Präsidentin, Frau Bezirksschulrath Leopold Singer als Präsidentin-Stellvertreterin, Frau Dr. med. Neufeld als Cassierin und Frau Sophie Klein als Schriftführerin. § 2 der Statuten lauter: Der Verein verfolgt nur humane Zwecke, indem er sich zur Aufgabe stellt, armen Kranken, insbesondere Wöchnerinnen thatkräftig beizusteheu, die Fortbildung armer Mädchen, deren Eltern Mitglieder der hiesigen Cultusgemeinde sind, unbescholtene, mittellose Bräute nach Thunlichkeit zu unterstützen. Drohobycz, 27. April. (G r u n d st e i n l e g u u g.) Heute fand in feierlicher Weise die Grundsteinlegung zu dem israelitischen Krankenhause statt, welches der Großindustrielle und Berg- Nierksbesitzer Herr Moses Gartenberg aus Anlaß des K a i s e r j u b i l ä u m s für unsere Gemeinde stiftete. In der Stadt hat diese Stiftung allgemeine freudige Erregung hervorgerufen, zumal ein Spital seit Jahren zu den dringendsten Bedürfnissen unserer Gemeinde zählt. Herr Gartenberg hatte bekanntlich auch aus Anlaß des vierzigjährigen Regierungsjubiläums hunderttausend Gulden für ein Altersversorgungshaus gespendet, welches nunmehr einen der vornehmsten Plätze unserer Stadt ziert. Sarajewo. (Bon der ö st e r r e i ch i s ch-u n g a risch e n i s r a e l i t i s ch e n Cultusgemeinde.) In der ordentlichen Generalversammlung der Sarajewoer österreichisch-ungarischen israelitischen Cultusgemeinde führte Präses Klein den Vorsitz, die Behörde vertrat Official M a n d i c. Die Versammlung ertheilte dem Vorstand das Absolutorium für das abgelaufeue Geschäftsjahr und schritt sodann an die Neuwahl des Vorstandes. Der Präsident und der Vicepräsident wurden unter großer Begeisterung mit Acclamation gewählt, und zwar zum Präsidenten Dr. Moritz R o t h k o p f, zum Vicepräsidenten Dr. Josef Fischer. Die Wahl der übrigen Vorstandsmitglieder erfolgte mittelst geheimer Abstimmung und wurden gewählt die Herren Jacob Steiner, I. G e r ö, Ed. La ß l a u er, Ignaz Königsberg er, Armin Bir n b aum. Josef Neuer und Bernhard B n ch w a l d. Zn Ersatzmitgliedern wurden die Herreil Moritz Klein uuö Julius Wollak gewählt. Der neue Vorstand wird sich demnächst coustituiren und die Geschäfte der Gemeinde übernehmen. Berlin. Wie wir erfahren, werden von Seiten des hiesigen Cultusvorstandes Anstrengungen gemacht, um beit Oberradbirrer von Prag Herrn Dr. N. E h r e u f e l d für das hiesige Rabbinat zu g e w i n n e n. Seesen, 19. April. Zum heutigen Tage, als dem Tage seiner silbernen Hochzeit, hat der Regent des Herzogthnms Brauuschlveig. Prinz Albrecht von Preußen, dem Director der Jacobsonschnle, Dr. E. P h i l i p p s o n, und dem Director der Samsouschule in Wvlfenbüttel Dr. T a ch a u den Titel P r of e s s o r, dem ordentlichen Lehrer arr der Jacobsonschnle Dr. M ü n z e r und dem ordentlichen Lehrer an der Samsouschule in Wolfenbüttel B l u m e den Titel Oberlehrer verliehen. Paris. Hier ist der als Arzt und Hygieniker berühmte Jules Worms gestorben. 1830 im Elsaß geboren, machte Worms seine Studien an der medicinischen Schule zu Straßburg. In den Jahren 1850 bis 1853 war er Hilfsarzt am Straßburger Krankenhause. Er promovirte in Straßburg zum Doctor. Feuilleton Ser neue Oberämtmann?) Erzählung aus dem dritten Viertel des XVIII. Jahrhunderts von S. Äohn» Verfasser von „Gabriel". Erstes C a p i t e l. Es war ein schöner warmer Julinachmittag. In dem Schloßgarten zu Brauschitz in Mähren saß unter einem Lindenbaum die hochfreiherrliche Familie Pellwald, mit ihrem Gaste, dem Pfarrer. Obenan der Chef derselben, Philipp Pellwald „der gnädige Herr Baron" oder „hvchfreiyerrliche Gnaden", wie er von allen seinen Unterthanen und Beamten angesprochen werden mußte. Philipp Pellwald war das Prototyp eines Hocharistokraten, und zwar eines Hocharistokraten seiner Zeit. Er war einer jener Männer, wie sie zu jener Zeit häufig unter dem Adel Vorkommen, sogar zur Regel gehörten, während jene einzelnen erleuchteten Männer dieser Kaste, welche sich an den Beispielen Friedrich des Großen und Kaiser Josef's, welcher zur Zeit unserer Erzählung 1768 in Oesterreich nur Mitregent war, ein Beispiel nahmen, in der That zu den Ausnahmen gezählt werden mußten. Baron Pellwald hielt sich, ohne die geringste Uebertreibung, wie die meisten seiner Standesgenossen seiner Zeit, für ein Wesen weit höherer Art. als alle anderen Staubgeborenen, eine Mittelsorte zwischen gewöhnlichen Menschen und Engeln; — aber diesen beiweitem näher stehend als jenen. Da die Leibeigenschaft damals in Oesterreich noch in schönster Blüthe stand, so erschienen ihm seine Bauern als eine Art von Nutzvieh, die nach der von ihm geträumten Weltordnung vom gütigen Schöpfer dazu bestimmt waren, ihm und seiner Familie mit allen Kräften zu dienen. Philipp Pellwald war dabei nicht einmal ein ungewöhnlich strenger Grundherr, er war von Natur aus ein guter Mensch, und ivenn er einen braven menschlich fühlenden Oberamrmann gehabt hätte, so wäre er vielleicht sogar ein milder Gebieter — Gebieter war er auf seinen Besitzungen — gewesen, ja es könnte vielleicht behauptet werden, daß, wenn Philipp Pellwald ein Jahrhundert später gelebt hätte, er ein Anderer geworden wäre; allein Philipp Pellwald war ein Kind jener unglückseligen Zeit, welche an der Menschheit so viel verbrochen, und welche in Frankreich jene furchtbare, bluttriefende Revolution vorbereitete, welche doch in ihrer Wirkung und in ihren letzten Ausläufen als eine, die Welt aus den Banden der Verfinsterung erlösende bezeichnet werden muß. Der adelige Grundherr — einen anderen als einen adeligen konnte es ja nicht geben — wollte Niemanden über sich erkennen, nicht einmal die kaiserlichen Behörden, blos den Kaiser, und diesen am liebsten nur als primum intet pares — aber er *) Jeder Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden, Uebersetzungsrechte Vorbehalten.