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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-05-06 · 18 (6.5.1898) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
18 (6.5.1898)
Date
1898-05-06
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 18 Br. Bwch's WortzrnMrM Seite 359 Subvention von vorläufig 2000 Mark einsetzte, was die Repräsentanten genehmigten, delegirte in den Vorstand des Arbeitsnachweises die Herren Julius Cohn und Siegfried Löweuwald, welche in der letzten Vorstandssitzung eingesührt wurden und nun sich an den Arbeiten dauernd betheiligen werden. Der Vorsitzende. Herr Eugen Rotenstiel, gab in seiner Begrüßungsrede der Freude Ausdruck, daß der Vorstand der jüdischen Gemeinde die Ueberzengung gewonnen von dem segensreichen Wirken des Arbeitsnachweises und der prophylaktischen Wirkung desselben, und daß er zu werkthätiger Unterstützung zwei Deputirte in dessen Vorstand entsandt habe. Drr von dem zweiten Vorsitzenden, Herrn Oberamtmann Cohn, erstattete Bericht der Thätigkeit des Vereins über das erste Quartal 1898 ergab die Unterbringung von 441 Personen in dauernde Stellen, und zwar im Jänner 140, Februar 149, März 152 Personen, die sich auf folgende Fächer vertheilen: Geschäftsführer 1, Repräsentanten 1, Buchhalter 13. Comptoristen 9, Reisende 28, Correspondenten 3, Commis 64, Schreiber 26. Cassnerl, Sammler 26, Handwerksgesellen 16, Volontäre 3, Lehrlinge 7, Arbeiter 35, Hausdiener 25, Laufburschen 58. Arbeitsburschen 11, Zuschneider 1, Decorateure 5, Stenographinnen und Maschinenschreiberinnen 2, Buchhalterinnen 12, Comptoristinnen 15, Cassirerinnen 3, Lageristinnen 9, Verkäuferinnen 23, Gesellschafterinnen 3, Stützen 1, Wirthschafterinnen 10, Lehrfräuleins 13, Arbeiterinnen 10. Directricen 2, Malerin 1, Zuschneiderinnen 2. Filialistin 1, Putzmacherin 1, zusammen 441. Auch über die Thätigkeit des seit Anfang Jänner d. I. functionirenden Dainencomites konnte Herr Öberamtmann Cohn erfreuliche Mittheilungen machen. Da die Mitglieder dieses Comites zugleich Vorstands-Damen der verschiedensten jüdischen Frauenvereine sind, so konnte bereits eine wohlthätig wirkende Wechselbeziehung in diversen Fällen erzielt werden, und wird diese vorzüglich functionirende Institution, wenn sie sich erst weiter entwickelt hat, eine kräftige Fördererin werden. Der Arbeitsnachweis, welcher ein Humanitätsvercin im strengsten Sinne ist und bekanntlich weder von Arbeitgebern noch Arbeitnehmern für Besetzung der Stellen irgend welche Entschädigung aunimmt, bestreitet seine Unkosten lediglich aus Mitgliederbeiträgen und Subventionen der jüdischen Gemeinde und der drei Berliner Logen. Doch sind die Einnahmen immer noch nicht genügend, um damit auszukommen. und die Weiteren!Wickelung desselben erheischt, daß sich die edelsinnigen Glaubensgenossen bei diesem so praktischen Werke der Wohlthätigkeit, „Arbeit zu geben, nicht Almosen", betheiligen. Wir hoffen, daß auch dieser Appell Beachtung finden wird. Berlin. Bor einiger Zeit ging durch alle antisemitischen Zeitungen ein Citat aus dem Buch „Reiseeindrücke und Skizzen aus Rußland" von Th. von Bayer. In diesem Citat spricht sich der Verfasser, oder vielmehr die Verfasserin, denn unter diesem Pseudonym verbürgt sich niemand anderer als die P r i n z e s s i n T h eres ev o n B a y e r n, allerdings sehr schroff, gegen die Juden aus. Wir haben uns dies Buch verschafft, um wieder einmal eine antisemitische Behauptung auf ihre Wahrheit zu prüfen, und wir haben bei dieser Gelegenheit wieder einmal die Gesellschaft bei einem kleinen Schwindel abgefaßt. Zunächst haben die Herrschaften vergessen, hinzufügen, daß die scharfen Ausdrücke der Prinzessin nur den Juden von Winnitza, einem kleinen Ort in Podolien, gelten. Dann findet sich aber in demselben Buche Seite 557 folgende Stelle, die sich auf die Juden in Süd- und West-Rußland bezieht: Aber nicht alle südwest-russischen Juden sind wie die soeben geschilderten; es gibt unter ihnen auch gebildete und achtenswerthe Persönlichkeiten. Zudem bringt die Anwesenheit der Juden Handel und Wandel in die entlegensten Orte, die sonst ans Mangel an Verkehr gänzlich verkümmern würden, und gestaltet sich das Leben durch die Concurrenz der Juden untereinander zu einem billigeren als in den Landstrichen, in denen sie fehlen, die Juden sind alle fleißig,. diejenigen unter ihnen, welche ein Handwerk treiben, arbeiten besser als ihre christlichen Standesgc.. offen. Die Sprache, in der sie miteinander verkehren, ist wie in Polen ein gebrochenes Deutsch." Brüssel. Am 17. April fand hier die Generalversammlung des jüdischen Consistorinms in Brüssel statt. Diese sonst so ruhig und glatt verlaufende Versammlung konnte diesmal nicht in einer Sitzung zu Ende geführt werden, denn mark sieht sich auch hier schon genöthigt, die Mittel und Wege zu erwägen, um der auch in unser friedliches Belgien übergreifenden antisemitischen Bewegung bei Zeiten zu steuern. Während von einer Seite die Errichtung confessioneller Schulen vorgeschlagen wurde, um den so häufigen Conflicten auf der Schulbank zu steuern, empfahl ein Herr Lippmann Vorträge vor Juden und Christen über das Wesen des Judenthums. Zu einem Resultat kam man nicht, die Berathung wurde vielmehr vertagt, das Wesentlichste und leider sehr Traurige ist, daß man nun auch hier schon zu derartigen Berathungen genöthigt ist. — Im „Moniteur" wird jetzt die Liste der Ordensverleihnugen publicirt, die aus Anlaß der Brüsseler Ausstellung von 1897 erfolgt sind. Die folgenden fünf Herren, die das Ritterkreuz des Leopoldordens erhalten haben, sind Juden: Ad. Bloch, Ryziger, David Samuel, Schlesinger, Philippe Wolfers. Rom. Abernials ist einer der jüdischen Helden aus dem afrikanischen Krieg vom König ausgezeichnet worden. Capitän Supino vom 16. Regiment war in der Schlacht von Adua verwundet iknd als Verwundeter und schwer Kranker nach Italien zurückgebracht worden. Bei seiner Genesung hat er jetzt die silberne Medaille für vor dem Feind bewiesene Tapferkeit erhalten. — Ritter Marco Alatri, eines der Vorstandsmitglieder der jüdischen Gemeinde in Rom, ist zum Director der Bank von Italien ernannt worden. — Wie eifrigen Antheil die Juden an Entwicklung der Kunst in Italien nehmen, kann man auch aus der Thatsache ersehen, daß in den letzten Wochen mehrere Opern von jüdischen Componisten aufgeführt worden sind. So wurde kürzlich in Rom „Gladiatore" von Oresio, welches Stück auch in Madrid zur Darstellung gelangte, und in Florenz „Max" von Frau Morzim-Roselli gegeben. Paris. Die Zahl der nationalistischen, das heißt antisemitischen Candidaten wächst ständig. Selbst in Paris werden dieselben aufgestellt, neuerdings wieder Henry de France im zweiten, Le Senne im siebzehnten und Pociaton im zwanzigsten Bezirk. Außerdem Foutaines in Fonteuay b. Comti, Royer in Metot, Thresse in Neufchatel, Gaillard in Melun, Bittre in Bordeaux und Elienne Lamp in Maoon. Natürlich benützen alle diese Herren die Dreyfus-Affaire als Vorspann und verketzern Jeden, der nicht an die Schuld des „Juden" glaubt. Eine Zeitung dieser Partei, die „Liberts" in Matzon, fordert gerade heraus, jeder Bewerber müsse sich auf Eid und Ehre verpflichten, die Neuprüfung der Verurtheilung des Juden Dreyfus zu verhindern. Mit Recht fragt die ultramontane „Kölnische Zeitung", ob diesen Politikern der Verstand durchgegangen sei. Wenn so außerordentliche Mittel für erforderlich befunden werden, um diese Verurtheiluug aufrecht zu erhalten, muß es schlimm um dieselbe stehen. Drumont setzt inzwischen seine Campagne in Algier fort, und um sich interessant zu machen, erfindet er Attentate, die gegen ihn unternommen worden sein sollen. Zwei Flintenschüsse sind angeblich gegen den großen Mann abgefeuert worden, natürlich ohne ihn zu treffen. Es ist dies ein alter Trik von Drumont, denlk schon 1893, als er in Amiens candidirte und durchfiel, soll angeblich ein Attentat gegen ihn versucht worden sein. Leider sind diesmal in Algier Drumont's Chancen besser, als 1893 in Amiens. Gegenüber ihren Erfolgen haben übrigens die Herren wenigstens in Rheims einen Mißerfolg zu verzeichnen, wo ihr Redner, der antisemitische Socialist Mirman, gezwungen war, seine Angriffe gegen die Juden abzubrechen. Als Curiosum ist übrigens zu vermerken, daß Rochesort und Drumont scharf an einander gerathen sind, und zwar wegen Cuba, indem Rochesort auf Seilen der Cubaner, Drumont auf Seiten der Spanier sieht. In diesem Streit haben die beiden Judenfresser die schönsten Schmeichelnamen für einander, aber den Vogel in diesem Wettbewerb um den Schimpfrecord schießt entschieden Rochesort ab, denn er nennt Drumont »agent cosmopolite et rothschildien«. Armer Drumont! Auch Du ein Agent Rothschilds! St. Petersburg. Wieder spukt das Blutgespenst! In Testbilkowski, einem Dorfe nicht weit von Kalwarifa im Gouvernement Suwälk, war ein kleines Mädchen verschwunden und sofort fanden sich so und so viele Frauen, die das Kind zu einem der dort wohnenden Juden gehen gesehen hatten. Mit großer Geschwindigkeit erhob sich ein Aufruhr, mau griff einige Inden an, die Polizei legte sich ins Mittel, durchsuchte die jüdischen Häuser, zeigte sich aber nicht judenfeindlich und leistete dem blinden Wahnjkeinen Vorschub. Dennoch verlebten die Juden eine angstvolle Nacht und athmeten erst auf, als sich am anderen Tage das Kind fand, das seinen Eltern ans Furcht vor strenger Züchtigung da vongelaufeu war.

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