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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-05-06 · 18 (6.5.1898) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
18 (6.5.1898)
Date
1898-05-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18 Vr. VUrrtz's MmtzrnUtzrif! Seite 351 hygienisch gut sind, so ist das in unseren Augen eine Bestätigung ihrer Wissenschaft, worüber sie sich mit uns sreuen können; eine Bestätigung unserer Vorschriften aber haben wir nicht uöthig und muß namentlich der Orthodoxe unbedingt zurückweisen. Hebräische Alterthüurer in der Krim. Am Fuße des Berges Mithradat, in der Nähe von Feodossia, bestndet sich eine bereits 13 Jahrhunderte alte hebräische Synagoge. In den letzten Jahren der Herrschaft der Chane wurde sie zerstört uud mit Sand und Schutt verschüttet. Nach der Vereinigung der Krim mit Rußland befahl die Kaiserin Katharina, die Synagoge zu restauriren, und im August 1788 wurde in derselben nach langer Zeit wieder ein hebräischer Gottesdienst abgehalten. Das Gewölbe der Synagoge wird durch vier Säulen gestützt, deren zwei aus Marmor und zwei aus Granit bestehen. Früher waren alle vier Säulen marmorn, doch in den Bierziger-Jahren brachte der Karaim Abraham Firkowitsch zwei Marmorsäulen, alte Handschriften der Thora und eine Anzahl anderer alter Pergamente nach St.' Petersburg, wo dieselben der öffentlichen Bibliothek übergeben wurden. An einer der Säulen der Synagoge ist eine viereckige Tafel mit einer auf das Alter der Synagoge hinweisenden Inschrift angebracht. Diese Inschrift lautet: „Durch Menschenweisheit ist dieses Haus errichtet worden. Der Messias wird kommen und dein Volk sammeln, Israel, im Jahre 673" (d. h. im Jahre 918 der christlichen Zeitrechnung), lieber dem Altäre befindet sich eine Inschrift, welche darauf hinweist, daß die Thür zum Allerheiligsten vor 602 Jahren hergestellt worden ist. Im Hofe der Synagoge ist ein zu den heiligen Waschungen bestimmter Brunnen vorhanden, auf dessen Wänden folgende Inschrift zu lesen ist: „Der erleuchtete, allgemein geachtete und weise Rabbi Meir Aschkenas, die Zier und der Stolz Israels, ist im Jahre 389 (d. h. 628) im Herrn verschieden. Die Thränen der Nachkommen Abrahams. Isaaks und Jakobs benetzen seine Asche." Die Synagoge ist so klein, daß sie kaum für 50 Beter Platz bietet. Die Einwohner von Feodossia wollen sie durch einen Anbau vergrößern. Antisemitische Ausschreitungen. In der letzten Nummer des „Mir" lesen wir Folgendes: „Es ist bekannt, daß, wie in vielen anderen Ländern, sich auch bei uns unter der Menge die durch Ueberlieferungen hergebrachte; Sage über gewisse barbarische religiöse Gebräuche der Juden au ihrem Osterfeste erhalten hat. Natürlich finden sich noch immer Leute, die, diesen Aberglauben benützend, zumeist aus geldgierigen Zwecken die fanatischen Mengen zu Gewaltthaten gegen die Inden aushetzen, was gewöhnlich sehr traurige Resultate ergibt. Gleich dem, was sich in anderen christlichen Staaten ereignet, wo die antisemitische Bewegung stark entwickelt ist, wollten sich auch einige unserer Ausbeuter mit dem Nahen der Osterfeiertage durch ihre Verfolgungen gegen die Juden auszeichnen und versuchten, die Leute zu Gewaltthaten gegen dieselben auszuhetzen, was ihnen jedoch glücklicherweise nicht gelang, nachdem die Behörden noch rechtzeitig die nöthigen Maßnahmen getroffen hatten. So verbreitete sich am 24. März in Janibol das Gerücht, ein Jude hätte auf der Gasse ein Mädchen an der Hand fassen wollen, und dies war für einige Persönlichkeiten Anlaß genug, um einige Schüler zu versammeln und die Synagoge zu überfallen, wo sie mehrere Fenster einwarfen. Dank der rasch von Seite der Polizei getroffenen Maßnahmen hatte dieser Vorfall keine weiteren Folgen, als die Verhaftung einiger Aufwiegler, die den Gerichtsbehörden übergeben wurden. Das Ereigniß in Jambol fand einen Wiederhall in dem in Sliven erscheinenden Oppositionsblatte „Trakia". In dieser Stadt kam ein Knabe, der nicht gerne die Schule besuchte und deshalb öfter bestraft wurde, auf den Gedanken, seine Abwesenheit am Nachmittag des 30. März dadurch zu rechtfertigen, daß er feinen Kameraden erzählte, die Ursache derselben sei die, daß ihn die Juden gefangen, in einen; > Keller eingesperrt und in eine mit Nägel ausgeschlagene Kiste gesteckt hätten, doch fei es ihm während der Nacht gelungen, zu entkommen, und sich so vor den barbarischen Mißhandlungen zu retten u. s. w. Dies gab einer anderen Menge Anlaß, drei jüdische Geschäfte zu überfallen, wo sie die Fenster eiuschlug, und einen Theil der Maare hernmwarf, während einige gute Christen raubten und stahlen. Auch hier gelang es der Polizei, unter Mitwirkung des Militärs, die Ruhe wieder herzustellen und die j Gemüther zu beruhigen, während die Schuldigen dem Gerichte j übergeben wurden. Bei dem in Gegenwart des Divisionscommandanten, des Kceispräfecten und eines Geistlichen vorgenommenen Verhöre gestand der Knabe vor seiner Mutter und seiner Taute, daß er von Niemandem gefangen worden sei, daß er sich am Nachmittag des 30. März im Hanse seiner Taute aufgehallen habe und daß die Erzählung an seine Kameraden nur ein Scherz gewesen sei, mit dem er seine Abwesenheit von der Schule rechtfertigen wollte. Dasselbe bestätigten auch die Mutter und die Tante des Knaben. Die Redacteure des hauptstädtischen Blattes „Otsiw" scheinen ihre christliche Collegia in Sliven um ihre Erfolge vor den Oslerfeiertagen zu beneiden, und melden deshalb in ihrer vorgestrigen Nummer, daß ihren Nachrichten zufolge auch hier irgend ein Jude eine» Knaben aus der Gasse saugen wollte, doch sei ihm dies nicht gelungen, und die Inden hätten der Mutter einige Napoleons gegeben, damit sie Niemandem etwas voll dem Vorgesallenen erzähle. Das genannte Blatt droht auch, über diesen Fall in den nächsten Tagen noch nrehr zu schreiben. Wie unsere Informationen lauten, ist das im „Otsiw" Geschriebene nichts weiter als eine jener Erfindungen, mit welchen die Spalten dieses hauptstädtischen Schmähblattes täglich gefüllt sind. Aus demselben Anlässe schreibt die „Narodni Prava" : „Ein hauptstädtisches Blatt, das sich nicht nur nicht die Mühe gibt, die Richtigkeit der ihm gemachten Mittheilungen zu prüfen, sondern nicht einmal untersucht, inwieweit diese Mittheilungen ans einer gesunden Basis ruhen, bringt aus Janrbol die telegraphische Nachricht, daß unsere jüdischen Mitbürger dort ein Mädchen gestohlen hätten, um einen religiösen Ritus zu erfüllen. Mit großem Widerwillen sind wir gezwungen, das Getratsche über diese thierischen Jnstincte zurückzuweisen, für die die Zeit des Aberglaubens schon lange vorüber ist, damit sie noch jetzt irgendwelchen Werth haben. Wir glauben, daß es bereits an der Zeit wäre, diese veralteten Feindseligkeiten fallen zu lassen, und daß ihr gefährliches Feuer nicht zwischen Bulgaren und Israeliten geworfen wird, was nur immer beklagenswerthe Folgen hatte. Der Fall von Bratza ist noch zu frisch, als daß uns der Wunsch einiger Leute, die solche Mißverständnisse nur aus gewissenlosen uud niedrigen Zwecken Hervorrufen, nicht erregen sollte. Die bulgarischen Bürger, mögen sie sich zu welchem Glauben immer bekennen, bedürfen eines Zusammenlebens. Friedens und Einigkeit, um ihre Pflichten als Bürger in einem constitutionellen Staate gewissenhaft erfüllen zu können. Deshalb finden wir diese Agitation für das Stiften von Feindseligkeiten zwischen Bürger und Bürger für ebenso thöricht als unpatriotisch. Zu den Wahlen in die Einkommensteuer-Commissionen. Ich wurde ohne mein Wissen und Willen von den Antiliberalen des V. Bezirkes in die Stenerschätzungscommifsion gewählt. Mir als schweizerischen Staatsbürger sind die österreichischen Angelegenheiten fremd; ich habe nirgends candidirt und werde niemals irgend eine Wahl annehmen, auch nicht in eine Steuer-Commission. Hochachtungsvoll Hanns Füg li st er Aufzugfabrikant, Wien, V., Embelgasse 17—19. Pfarrer Deckert, der Wiener Compagnon des Paulus Mayer, hat sich jetzt wieder ans das Studium der Ritualmorde geworfen. Triumphirend verkündigt er (H. v. Mosch's „Deutsche Reform" 24. April): „Ich wurde durch historische Studien hierin noch mehr gekraftigt und habe mir über die heuchlerische Blutscheu gewiffer Leute eine ganz besondere Meinung gebildet. Die P- T. Juden thäten wirklich gut, über diese Dinge zu schweigen und „Wissende" nicht fortwährend herauszufordern." Wir sehen den „Kenntnissen" des Pfarrers sehr kaltblütig entgegen. Betrügerische Mönche. Lemberg. 29. April. Dem „Przeglond" wird aus Petersburg gemeldet: Vor einigen Wochen explodirte in der russischen Klosterkapelle bei Kursk eine Dynamit« bombe, wodurch ein großer Schaden angerichtet wurde. Inmitten der Verwüstungen blieb aber das Muttergottesbild am Hauptaltare ganz unversehrt. Die Klostermönche verbreiteten eifrig die Kunde von der wunderbaren Erhaltung des Heiligenbildes. Bei der hierauf durchgeführten Gerichtsuntersuchnng stellte es sich heraus, - daß die Mönche selbst eine Dynamitbombe zur Explosion gebracht, j zuvor aber das Altarbild aus der Capelle entfernt und erst nach der Katastrophe dasselbe auf den früheren Platz zurückgestellt hatten, indem sie dem Volke eiureden wollten, das Bild habe

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