Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 18 (6.5.1898)
- Date
- 1898-05-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 18 Seite 349 Vr Bloch » WochrnlchrM des Bereinszweckes zu widmen. Den Stammsond zn kräftigen \ mit» dem Vereine eine feste Basis zu schaffen, um unabhängig! von den Wechselfällen des Tages seiner Aufgabe dauernd gerecht zn werden, kann und soll nur durch außerordentliche Einnahmen erreicht werden. Es haben sich denn auch Menschenfreunde bei freudigen Anlässen des „Ferien h e i m" erinnert und diesem Legate und Spenden zugelvendet. Möge ihr Beispiel recht oft Nachahmung finden! Die Akademie, die alljährlich abgehalten wird, fand am 5. Jänner 1897 statt und ergab ein Erträgniß, welches hinreichte, 180 Kindern die Wohlthat des Landaufenthaltes angedeihen zu lassen. Das Mädchen-Co mitö des „F e r i e u h e i m" sammelt fleißig Geld für den löblichen Zweck, erweist sich überaus nützlich für das gemeinnützige Unternehmen, ist dem Verein mit dem Betrage von 300 fl. als Stifter beigetreten und hat 600 fl. zum Baufond zur Herstellung eines eigenen Heims beigesteuert. Der Namenstag unseres Kaisers wurde von sünuntlichen 388 Colonisten mit einem Kinderfeste begangen. Die erschienenen Gäste, unter welchen sich auch Stadtcommandant FML. Freiherr v. Engel befand, sprachen sich über die Leistungen und Productionen der Kinder sehr lobend ans. Der Bericht gedenkt mit Wehmuth der Wohlthäter, die dem Verein durch den Tod entrissen wurden. Um das Andenken der verstorbenen Vorstandsdame P e ch k r a n z zu ehren, wurde auf Anregung der Bräsidentin Frau Dr. G r ü n f e! d beschlossen, für das zu ereirende „F e r i e n h e i m" eine Bettstiftung unter dem Namen „Eleonore Pechkranz- Stiftung" zu errichten und es wurden anstatt der Kränze, „die am Morgen blühen und duften, aber schon am Abend welk und dürr sind", die von einigen Vorstandsdamen gewidmeten Beträge jener Stiftung zugeführt. Schließlich sei noch erwähnt, daß in Folge eines Aufrufes in der „O e st e r r e i ch i s ch e n Wo ch e n s ch r i f t" im verflossenen Sommer drei Familien auf dem Lande sich bereit erklärt haben, einzelnen Kindern mährend der Ferien Aufnahme und Pflege zu gewähren; es sind dies: Herr Moriz Deutsch in Mödling, Frau Henriette Fried und Frau Jeanette Reich, Beide in Mähr.-Budwitz, und die Kinder konnten nicht genug erzählen von der liebevollen Behandlung, die ihnen bei diesen ehrenhaften und biederen Leuten zu Theil wurde.- Montag den 2. Mai fand im Sitzungssaale der israelitischen Cnltnsgemeinde die III. ordentliche Generalversammlung des Vereines „F e r i e n h e i in" unter zahlreicher Betheilignng von Stiftern, Gründern und Mitgliedern statt. Man bemerkte unter den Anwesenden den Präsidenten der Eultusgemeinde kaiserlichen Rath Heinrich K l i n g e r, Banrath Theodor Ritter von Goldschmidt, kaiserlichen Rath N. Schesftel, Torent Tr. Josef G r ü n f e l d, den ehemaligen Reichsrathsabgeordncten Tr. I. S. Bloch, den Präsidenten des „Politischen Volksvereines" Herrn Tr. Hermann F i a l l a, die Präsidentin und Vicepräsidentin des ,jFrauenhort" Frau Z i f f e r e r und Frau K o p st e i n, die Präsidentin des „Kinderhort" Frau Dr. F r i s ch a u e r, die Schriftführerin der „Providentia" Frau Leo Brandt und viele Andere. Den Vorsitz führte die Präsidentin Frau Sofie G r ü n f e l d, welche die Versammlung begrüßte und in großen Zügen ein Bild von der Thätigkeit des Vereines entwarf. Aller bemerkenswertben Vorgänge seit der vor zwei Jahren stattgehabten zweiten ordentlichen Generalversammlung wurde gedacht, die Thätigkeit des rührigen Mädchen-Comitss anerkennend hervorgehoben und Allen der Tank abgestattet, welche in dieser Berichtsepoche dem Vereine durch Stiftung»- und Gründungsbeiträge ihre Sympathie bewiesen. Ganz besonders hervorgehoben wurde die edle That der Frau Baronin Clara Hirsch de Gereuth, welche dem Vereine nun schon durch zwei Jahre die Räume des Schlosses Rossitz für seine Schützlinge überließ und ihm überdies einen Beitrag von fl. 500 im letzten Jahre zugewendet hatte. Hieran schloß sich der Dank an den Cultusvorstand für die Aufnahme des Vereines unter jelie Wohlthätigkeitsanstalten, welche auf den Spendentafeln in den Bethäusern siguriren, an das Ehepaar S. He.it für die von demselben aus eigene Kosten organisirte Sammelkörbchen-Action, an das Comitö des Industriellen Halles, an die Chewra-Kadischa für die Jahressubvention von fl. 100 und an alle sonstigen Spender und Förderer, an das Präsidium des Akademie-Comitäs, an die Presse ec. Die Präsidentin informirte die Versammlung weiters von der Betheilignng des Vereines an der Wohlfahrtsausstellung, woselbst die plastische Darstellung einer Feriencolonie zu sehen sein wird, und hielt zum Schluß der dahingeschiedenen Vorstandsdame Frau Eleonore Pechkranz einen warmen Nachruf. t Der Präsident der C u l t u s g e in e i n d c Herr kaiserlicher Rath Heinrich K l i n g e r meldete sich darauf zum Worte; er constatirte das segensvolle Wirken des „Ferienheim", das sich zu einer Ergänzung der dem Cultusvorstande obliegenden humanitären Aufgaben herausgebildet habe, indem dieser sich mit den Wohlfahrtseinrichtungen für das AZ t e r, mit Versorgung»- und Siechenhäuseru befasse, während das „Ferienheim" seine unermüdliche Sorgfalt der Fugen b. der Heranwachsenden Generation widme und somit eine schöne Zukunft vorbereite. Er sprach dem Vereinsvorstande und ganz besonders dem Präsidiuni seine wärmste "Anerkennung aus und versprach mit herzlichen Worten demselben seine vollste Unterstützung. (Lebhafter Beifall.) Nach einem Dank der Vorsitzenden an den Präsidenten des Cnltnsvorsrandes für diese anerkennenden Worte wird der Jahresbericht einstimmig genehmigt. In Verhindernng der Eassierin Frau Emma Frankl, verliest die Vicepräsidentin Frau Julie F i a l l a den Cassabericht, Herr Wilhelm Freyherg den Revisionsbericht, worauf dem Vereins- Vorstände das Absolntorinm ertheilt wird. Tie Generalversammlung genehmigt mit Acclamation die Ernennung der um den Verein hochverdienten Frau Baronin H i r s ch zum ersten Ehrenmitglied des „Ferienheim", worauf zur Ergänzungswahl für den Vorstand geschritten wird. Auf Antrag des Herrn Dr. I. S. Bloch wird der abtretende Vorstand einhellig wiedergewählt und die Eooptirnng der Damen Emma F r a n k l, Rosa Hildesheimer und Lift War ndorf e r, sowie des ärztlichen Beirathes Herrn Dr. Julius Z a p p e r t genehmigt. Die Revisoren werden gleichfalls wiedergewählt. Sodann verliest die Schriftführerin Frau Antonie Graf den Colonienbericht, welcher viele interessante Taten über die Organisation enthält, und knüpft hieran einen Bericht über den Banfond für das geplante eigene Heim Nachdem die Präsidentin noch einen warmen Dank an den Obmann des Akademie-Eomites Herrn Baurath Ritter v. G o l d s ch m i d t und seinen Stellvertreter Herrn kaiserlichen Rath S ch e f f t e l. sowie an alle eiftigen Mitarbeiter gerichtet und Herr Baurath v. G o l d s ch m i d t allen jenen, welche an der gedeihlichen Entwicklung des zu so großer Blüthe gediehenen Vereines „Ferienheim", dem eifrigen Vorstande, dem Mädchen- und Jungen-Herren-Eomirö und endlich den Präsidentin die verdiente Anerkennung unter dem großen Beisalle der Anwesenden gezollt hatte, schloß die Präsidentin mit Tankesworien die Generalversammlung. Vom Jahrmarkt des Lebens. Zur Reise des deutschen Kaisers nach Palästina. In wenigen Monaten wird der deutsche Kaiser, wie unseren Lesern bereits bekannt, nach Klein-Asien reisen, um die heiligen Zions statten persönlich in Augenschein zn nehmen. Wer die Colonialpolitik Wilhelms II. aufmerksamen Blickes verfolgt, dem war es sofort klar, daß es sich um keine bloße Pietäts- oder Vergnügungsreise handelt. Die russische Presse zeigt sich denn auch seit einiger Zeit beunruhigt über weitreichende Eisenbahn plane der Deutschen in K l e i n a s i e n. Die „Petersburgskija Wjedomosti" haben sich wiederholt mit dem Gegenstände beschäftigt, und nun will die „Nowoje Wremja" aus der „ausländischen Presse" erfahren haben, daß Deutschland einen Hafen an der syrischen Küste von der Türkei pachten wolle, wie es Kiaotschan von China gepachtet habe, um von dort eine Eisenbahn nach dem Persischen Meerbusen zn bauen. Dazu bemerkt das russische Blatt: „Ter Plan ist ganz klar, ebenso klar ist aber auch die Stellung, welche die russische Politik zn ihm einnehmen muß — sie muß sich entschieden weigern, zn etwas Aehnlichem in irgend einer Form ihre Einwilligung zn geben. Schon vor langer Zeit haben die Deutschen begonnen, ihren Weg in den asiatischen Osten zu bauen, und zwar vermittels der Eisenbahnlinie B e r l i n— C o n st a n t l n o p e l Persischer Meerbusen, die Linie Berlin Eonstantinopel ist schon längst verwirklicht. Von der Linie Eonstantinopel-Persischer Meerbusen ist aber erst der westliche Theil, von Eonstantinopel bis A n g o r a, gebaut, und jetzt schicken sich die Deutschen an, den östlichen Theil *— von Alexandrette biszum Persischen Meerbusen — fertigzustellen. Ten mittleren, zwischen Angora und Alerandrette gelegenen Theil, der durch eine schwierige Berggegend führt, wollen sie später bauen, wenn ihnen die Linie Alexandrette-Persischer Meerbusen, welche ungeheuren Gewinn verspricht, die nöthigen Mittel geschafft hat. Ohne Zweifel berührt dieser Pl n die wichtigsten Interessen Rußlands. Ter natürliche Zweck unserer asiatischen Politik, die bereits seit mehr als einem Decennium ungeheure Ausgaben verursacht, ist es, zum Vermittler im Landhandel zwischen Asien und Europa zu werden. England ist der Walfisch, Rußland der Elephant — auf dieser Grundlage können sie ihre Thätigkeitssphären abgrenzen. England hat den S e ew e g durch den Suez-Canal in seinen Händen. Rußland mutz den Landverkehr beherrschen, indem es seine Eisenbahnen besitzt, die zum Stillen und zum Indischen Ocean führen. Zwischen diesen beiden Handelssystemen wollen die Teutschen letzt ihren deutschen Fußpfad anlegen, der durch Gegenden führt, welche für das russische Nationalgefühl die wundesten Punkte sind. Außerdem wird der Plan der Deutschen ausschließlich a conto der türkischen Furcht vor Rußland verwirklicht."