Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 17 (29.4.1898)
- Date
- 1898-04-29
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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Nr. 17 Vr. Vlmh's WochenptzrM Seite 343 „In des Teufels Namen" wüthete er gegen seine eigene Ergriffenheit, „warum habt Ihr aber auch unfern Herrn an's Kreuz geschlagen?" „Habt Ihr keinen gekreuzigt, keinen gehängt, verbrannt und gesteinigt, der Eueres Glaubens nicht war?", fragte der Jude, „aber ich bin überzeugt, Herr Bürgermeister, die Juden haben das nicht gethan, dessen Ihr sie beschuldigt. So hat es mir mein Vater versichert, und er hat's von seinem gehört und so fort!" „Er ist ein verdammter Kerl", brauste der Bürgermeister auf, „ich — bei Gott, ich fchwör's ihm zu, Er soll herein in die Gemeind', und ich bin der Mann, der Ihm die Thür aufmacht." Da verschwand das gewaltsame Lächeln von des Juden Angesicht und sich weit vorbeugend, mit zitternd ausgestreckten Händen und bebenden Lippen that er die Frage: „Ist es wahr?" Der Bürgermeister schlug auf den Tisch: „Glaubt Er vielleicht, ich bin ein Unmensch? . . . Hinaus mit Ihm! . . . Verbitt' mir jeden Dank, alles Gewinsel, Geheul und Gegrein — will Ihm zeigen, was ein ordentlicher Christ ist Potz Wetter — ist's wahr? fragt der Jud'! — Hab' ich schon einmal gesagt, es ist was gut, wenn's schlecht war? — Das ist seine Sach' — und dort ist die Thür'." Solomon taumelte hinaus, er schwankte über die Gasse, daß Jeder ihn für betrunken hielt und laut lachte; er aber sang unter Schluchzen, in gebrochenen Jubeltönen: „Hallelujah! Lobet Gott den Herrn! Lobet Gott in seinem Heiligthum, lobet Gott in der Veste seiner Macht! Lobet ihn nach seiner Wunderkraft, lobet ihn nach seiner vollen Größe! Alles, was Odem hat, lobe Gott! Halleluja!" Briefkasten. Humoristische Reminiseenzen eines sraelitischen CulluSbeamten. Ein ehemaliger Secretär der .... r Cultusgemeinde erzählt über ein Vorstandsmitglied der betreffenden Gemeindegenossenschaft folgende Erinnerungen. Als ich noch im Dienste der ... . r Cultusgemeinde war, lebte ein Vorsteher B-, der als Obmann der Gottesdienst-Section dem damaligen Präsidium der Gemeinde durch seine öfteren capriciösen Anordnungen viel zu schaffen und ebenso viel zu lachen gab. An der Synagoge wurden damals zwei Cantore beschäftigt; der eine, mit prachtvoller Tenorstimme und großem hebräischen Wissen, mußte — den Chor dirigiren, der andere, nur musikalisch sehr gebildet — die Thora vorlesen. Von den angestellten Sängern ragte einer durch besonders schöne Stimmmittel hervor; er war glücklich, dieselben für 30 fl. in den Dienst der Gemeinde stelle» zu können; eines schönen Tages wurde er über Anordnung des Vorstehers B. wegen schlechter, dumpf klingender Stimme entlassen; er ging betrübt fort und wurde — einer der hervorragendsten Opernsänger der Gegenwart, zur Zeit in Deutschland engagirt. — Kurz vor den hohen Festtagen bat Vorsteher B. den Präsidenten vor Schluß der Sitzung um's Wort: „Bevor wir schließen, meine Herren! Gestern war der Cantor F. bei mir, er will Urlaub haben, er will in seine Heimat reisen; da habe ich gesagt: „Gehen Sie." Präsident: „Entschuldigen Sie, Herr B., wie können Sie vor den Feiertagen einen unserer Cantoren Urlaub geben, das geht doch nicht?" Vorsteher B.: „Na ja, das Hab ich doch auch gesagt!" (Tableau.) Ein jüdischer Scharfrichter hat in Byzanz im Jahre 1070 gelebt, wie Professor Dr. B. Badt in einer Besprechung des Buches: „Jüdisches Leben im Mittelalter" von Abrahams nachweist. Allerdings wird in der Quelle, aus welcher diese Nachricht stammt, der Jude unerfahren in solchen Dingen genannt, aber das Citat beweist doch, daß man auch für diese Thätigkeit Juden zu verwenden keinen Anstoß genommen hat. Saul findet den Esel. Drei Witzlinge begegneten einem alten Händler. „Guten Morgen, Vater Abraham!" rief der Erste. — „Guten Morgen, Vater Isaak!" rief der Zweite. — „Guten Morgen, Vater Jakob!" rief der Dritte. — „Sie irren sich, meine Herren", versetzte der Händler, „ich bin weder Abraham, noch Isaak, noch Jakob, ich bin Saul, welcher ausgegangen ist, seines Vaters Esel zu suchen und ich Hab' se gesunden, Hab' se gesunden!" L. M.» Landstraße. Der famose Bericht „Ueberfall auf einen Deutschen durch Juden" in der Sonnabend-Nummer der Wähuer'schen „Deutschen Zeitung" ist w übervorsichtig abgefa ßt, damit — es das Blatt nur ja nicht wenden könne. Sowohl die Namen des stillen antisemitischen Lämmchens, so kein Wässerlein trübete, als auch die der grausamen semitischen Mordgesellen werden sorglich verschwiegen, der Ort der Schandthat wohlweislich unterdrückt. Unter solch' schützenden Vorsichtsmaßregeln auf die Juden im Allgemeinen rohrspatzhaft loszuschimpfen, entspricht nur der Wohlanständigkeitsempfindung eines Antisemiten-Käsblättchens. Otto K., S—z. Als Alterthumsfrellnd wird es Sie sicherlich auch zu erfahren interessiren, daß nach einer verbürgten Mittheilmig der „Ostdeutschen Rundschau" vom 21. April in. egyptischen Gefängnissen die Sträflinge nicht blos Skarabäen (Käfersteine), sondern auch Bronzen ans Granit anzufertigen haben, welch' letztere interessante Beschäftigung besonders schwierig auszuüben sein dürfte, weshalb auch vermuthlich blos Verbrecher höherer Rangsclasse — antisemitische Schriftleiter n. dgl. — zu derselben herangezogen werden. Dasselbe Blatt verpfistert am 23. April einen deutschen Holzhändler als Verräther an der guten deutschen Sache, weil er — hört! hört! — dem czechischen Turnverein die Umzäunungen geliefert hat! „Ein Neugieriger " Ganz richtig. Das feierliche Hochamt zum dankenden Andenken an die vor einem Jahre erfolgte Bestätigung Dr. Lueger's als Bürgermeister von Wien fand vorigen Sonntag in der Votivkirche statt. Die sonderbare Verquickung von Religion und Politik ist überaus bezeichnend für die Partei. Dr. Al. St—i, Bp. Also, da haben Sie die Bescheerung — der Vergani hat es endlich satt — er will nicht mehr mitthun und schreibt von irgendwo Folgendes ab: „Die am 20. d. M. eingebrachteu Ausgleichsvorlagen sind eine solche Impertinenz seitens Ungarns gegenüber Oesterreich, daß es darauf nur eine Antwort gibt: Die T r e n n u n g! Wir haben es satt, uns von einem Betyarenvolke das Fell über die Ohren ziehen zu lassen im Namen der Machtstellung der Gesammtmonarchie, die in der That für die Magyaren nur der Deckmantel ist, unter dem sie Eisleithanien ausrauben." (Deutsches Volksblatt v. 24. April 1898.) Der hervorragende Pauschalienmann, Obligationenverwahrcr und Ehrenbürger, welcher in Bezug auf über die Ohren gezogene Felle jedenfalls maßgebend ist, hat es satt. Schrecklich! Armes Ungarn! Wertheimer in Neusatz. Der 15. Juni 1848 war der 14. Jjar 5608. „Freund des Humors am Alsergrund." Gern bringen wir noch weitere Proben der ergötzlichen Schreibweise des urdrolligen Pfister-Schwaighusen aus Schönerer's Leiborgan. Hören Sie gefälligst: „Hebräische Sprache besitzt keinen Wesfall, keine Zeugsam (Genetiv), Neudeutsches Schriftthum befindet sich nach starkem Antheile in Händen jüdischer Männer, denen also — ohne hier sittlichen Vorwurf etwa zu erheben — ein raffenhaft eingeimpftes Gefühl für äußere Form der Zeugsam abgehet. Arche Noah, Same Abraham, Kinder Israel, Tochter Jephtha u. s. w. Das ist semitisch gedacht und gesprochen, nicht aber arisch." „Wie tief treten wir sprachlich hinter Slaven zurück! (sehr wahr!) Schämen müssen wir uns (allerdings!) Und das nennet sich gar Volk der Dichter und Denker! (Na, so was!) Jene Sudelei heißeich überhaupt nicht mehr vernünftige Rede, sondern aus dem Troge schlürfen. (Seltene Selbsterkenntnis!!) Fällen (Declinieren) und A b w a n d e l n (Conjugieren) muß Hauptsache des deutschen Unterrichtes sein, und zwar recht altert hü mli ch." Zu guter Letzt ein bischen Klingelbeutel: „Damit ich nun jedoch nicht immer und immer wieder meine Zeit im Rügen wider Verfehlungen an der so arg mißhandelten Muttersprache vergeuden muß, (vergeuden is gut!) sondern mehr völkisch arbeiten kann, bitte ich Euch um Erwerb einer kleinen Schrift für 15 Pfennige. — Mann für Mann. „Auch eine Seite sprachlicher Verwüstung aus meiner Feder. Und wer noch 1 Mark 20 Pfennige anlegen kann und will, dem empfehle ich meine „Sprachlichen Briese." Endlich bringe ich in Erinnerung, stets die am 6. des Julmondes 2009 angenommenen deutschen Monatsnamen zu gebrauchen, und zwar so, daß dieselben nach der Tagesziffer i m m e r i n d e r Z e u g s a m, im Wesfälle folgen. „Mai" muß schwachförmig gefallet werd en: am 5. des Maien." Pilsen, Gustav Grünwald. Recht hübsch, aber doch zum Abdruck ungeeignet, weil es zu Mißdeutungen Anlaß gäbe. M. T. 27. Der 12. Schewat 5599 war am 27. Januar 1839 und nicht im Monate Februar. E. Jekutiel in Prag. Wir bestätigen Ihnen nochmals den Empfang der Spende von 20 fl. für die Armen in Jerusalem. Notizen. Ein I r r t h u m ist es, wenn man, wie vielfach verbreitet, glaubt, es bedürfe zur Einführung des elektrischen Lichtes in Privatwohnungen neuer kostspieliger Luster und Armaturen. Dies ist durchaus nicht der Fall. Die Firma Strobl und E d e l st e i n, IV. Be-