Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 17 (29.4.1898)
- Date
- 1898-04-29
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Nr. 17 Dr. Vlmtz'M Wochrnlchrtst. Sette 341 von ihrem einheitlichen Zusammenwirken für die Gemeinde gewiß nur Ersprießliches erwartet werden. Essegg, 21. April. Heute Vormittags fand unter überaus großer Betheiligung sämmtlicher Kreise unserer Bevölkerung die Beerdigung des 23jährigen Herrn Hugo K ästciibau m, eines Sohnes des Herrn Samuel K ä st e n b a u m, des gewesenen langjährigen und verdienstvollen Eultusvorstehers, statt. Der zu den schönsten Hoffnungen berechtigende früh dahingeschiedene junge Mann wurde in Nizza vom Tode überrascht. Seit Jahren suchte er Genesung in nördlichen wie in südlichen Ländern, doch trotz der größten Opfer, die seine zärtlichen Eltern für ihn brachten, trotz der zartesten und umsichtigsten Pflege konnte er dein tragischen Geschicke nicht entgehen. Das Leichenbegängniß gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der allgemeinen Sympathieu, denen hier die Familie Kästenbaum begegnet. Der Gesammtvorstand der Eultusgemeinde unter Führung des Gemeindcpräses Dr. Hugo Spitzer, der Chewravorstand unter Führung des Präses Ad. K r a n s 3en , der israelitische Frauenverein geführt von der Präsidentin Frau Friederike Bane r condolirten im Trauerhanse. Oberrabbiner Dr. K a m i n k a hielt eine entsprechende Trauerrede. Der von vier Pferden gezogene Leichenwagen wurde von 20 jungen Leuten unter Führung des Advocaten Dr. Mosin K l e i n und Hugo Weiß flankirr. Während des Leichenbegängnisses waren die Geschäfte geschlossen, vor dem Tempel brannten die schwarzumflorten Candelaber. Im liebevollen Gedenken an den allseitig beliebten Verewigten, der auch ein medicinisches Werk hinterließ, welches demnächst im Verlage Branmüller's erscheinen wird, wurden bisher namhafte Kranzablösungsspenden gemacht, deren Ausweis in Folge der großen Betheiligung noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden kann. Bisher liefen für die verschiedenen Wohlthätigkeits-Jnstitutionen der Eultusgemeinde 340 fl. ein. Mögen die betrübten Eltern und Brüder des Friihdahingeschiedenen in der allgemeinen herzlichen Theilnahm?,.einen schwachen Trost in ihrem schweren Leide finden. N^Sch.?,^- Essegg. (K r a n z a b l ö s u n g.) Anstatt eines Kranzes auf den Sarg des verewigten Herrn Hugo K ä st e n b a u m haben für die verschiedenen Wohlthätigkeitsanstalten der israelitischen Eultusgemeinde in Essegg-Oberstadt gespendet: Herr Vorstand Dr. Hugo Spitzer und Frau 20 fl.; Moritz Büchler und Frau 20 fl.; Otto Fellner und Frau 20 fl.; I. s)i Schulhof und Frau 20 fl.; Leop. Kästenbaum, Sarajewo 10 fl.; Kammerpräsident Julius Miskolczy und Frau 20 fl.; Jonas Berger und Frau 20 fl.; Bela Springer und Frau 20 fl.; Max Krauß 10 fl.; Leopold Schwarz 10 fl.; Frau Babette Sorger 10 fl.; Julius Sorger und Frau 10 fl.; Oscar Weißmayer und Frau 20 fl.; Julius Pfeiffer und Frau 10 fl.; Dr. Bela Fischer 10 fl.; Frau Bettina Krauß 10 fl.; Alex. Justus und Frau 5 fl.; Louis Schleien und Frau 5 fl.; Israelitischer Frauen- Wohlthätigkeitsverein 10 fl.; Jacob Bauer und Frau 5 fl.; Beamten der Unionmühle 25 fl.; Secretär N. Schwarz 5 fl.; Ladislaus Berger und Frau 5 fl.; Sigmund Wolf und Frau 10 fl.; Franz Weiß und Frau 10 fl.: Ignatz Strauß und Frau (Siklos) 20 fl.; bisher Zugekommen 340 fl. Csakathurn, April 1898. Am 19. d. M. fand hier die Vermählung des Günser Rabbiners, Herrn Dr. M. Wieners, mit der Tochter des hiesigen Rabbiners, Ehrwürden I. Schwarz, statt. In dem in allen Räumen dichtgefüllten Gotteshaufe vollzog der Bruder der Braut, Herr Dr. Moritz Schwarz, Rabbiner in Turocz-Szt. Marion, die Trauung, dann richteie der Vater an das Brautpaar eine tiefergreifende Ansprache, die alle Ainvesenden zu Thränen rührte. Das gemüthliche Hochzeitsmahl. welches durch eine Reihe ebenso launiger als geistreicher Toaste gewürzt wurde, fand erst nach Mitternacht seinen Abschluß. Aus Nah und Fern langten circa 150 Glückwunsch- Telegramme ein. Unter den Hochzeitsgästen war auch Herr Dr. Neumann, Rabbiner aus Groß-Kanizsa. L. Csakathurn, 24. April. Der als Gast bei seinen Eltern hier weilende Rabbiner aus Turocz-Szt. Marion, > Herr Dr. Moritz Schwarz, hielt letzten Samstag auf Ansuchen des Cultusvorstandes im hiesigen Tempel eine Predigt über die beiden Themata: „Die Wahrheit als Ausgangspunkt und Endziel alles menschlichen Strebens" und „die sittliche und moralische Kindererziehung als unabweisliche Ausgabe der jüdischen Mütter". Die sehr zahlreichen Zuhörer lauschten mit gespannter Aufmerksamkeit auf die mit meisterhafter Eloquenz und nach allen Regeln der Rhetorik vorgetragenen Rede, welche einen tiefen, nachhaltigen Eindruck zurückließ. Hamburg, 22. April. Graf Waldersee, Generaloberst der Cavallerie, hat auch dem hiesigen Prediger der deutsch-israelitischen Gemeinde, Herrn Dr. Leimdörfer, schriftliche Abschiedsgrüße zugeheu lassen. Schon bei Gelegenheit des 100. Geburtstages weiland Kaiser Wilhelms I. wurde der genannte Geistliche in Folge der Herausgabe seiner patriotischen Festrede von dem commandirenden General durch ein besonderes Anerkennungsschreiben ausgezeichnet. * Nordhausen, 18. April. (Alte Grabstein e.) Aus dem hiesigen Schnlbauplatze hat man bei dem Abbruch der aus den Jahren 1220 bis 1234 stammeudeu Mauer einen interessanten Fund gemacht, nämlich einen Grabstein mit hebräischer Inschrift. Der obere Theil ist wohlerhalten. Er stammt von dem vor Jahrhunderten auf dem Rühmen befindlich gewesenen „Joddenkerchhoffe," aus dem Steine mit den Jahreszahlen von 1416—1439 noch vorhanden sind. Bukarest, 17. April. (Jüdische Gewerbeschule.) Ein aus hervorragenden Mitgliedern der hiesigen Judenschaft bestehendes Comite hat einen Aufruf zur Gründung einer jüdischen Gewerbeschule in Bukarest erlassen. Schenkungen werden an die Adressen der Herren Dr. Beck, Prediger der Tempelgemeinde, und Adolf Salomon erbeten. Rom, 15. April. Ein angesehener jüdischer Bürger in Asti hat der Stadt ein Denkmal, das die Einigung Italiens verherrlicht, zum Geschenk gemacht. Bei seiner Enthüllung wird König Humbert in Person anwesend sein. Corsa, 1. April. Herr Nathan Levy, ein Schüler des Rabbinerseminars in Paris, ist zum Großrabbiner von C o r f u gewählt worden. Smyrna, 1. April. Vorgestern fand hier eine würdige T r a u e r f e i e r für den Präsidenten der Alliance israelite universelle Herrn S. H. Goldschmidt statt, bei welcher Herr Schuldirector Gabriel A c i e, Oberrabbiner Isaak Pollako und andere Notablen den Verstorbenen und seine Verdienste um die Alliance wie um die Judenheit überhaupt feierten. Shanghai, 20. März. Am 6. v. M. fand in der Synagoge eine Versammlung der hiesigen Juden zur Begründung eines Zweigvereins der Anglo Jewish Association statt. Es ist sicher erfreulich, daß auch hier im fernen China die Juden daran denken, ihren leidenden Stammesgenossen zu helfen. Melbourne, 23. März. Wie die Juden alle Berufe aufsuchen, die ihnen offen stehen, und überall Auszeichnungen erringen können, beweist wieder einmal folgendes Beispiel: Bert L o e l gewann die große goldene Medaille in der Regierungs- Hochschule für Landwirthschaft und zwar als weitaus Bester aller Mitbewerber. Der weise Salomon.*) Von Hermine Villinger. Im Jahre 1855 umfaßte der Amtsbezirk B. am oberen Schwarzwald 13.978 Einwohner und einen Israeliten. Fast zum alten Mann war er geworden, bis er's erreicht, zur Gemeinde gezählt zu werden. In jungen Jahren hatte Salomon das Hausiren mit seinem Vater betrieben, dessen einziges Sinnen und Trachten dahin ausging, in einem der kleinen Thalorte das Heimatsrecht zu erlangen. Gerade auf die gesegneteste Ortschaft des Bezirks hatte es der alte Hausirer abgesehen, allwo die Bauern nicht nur keine Abgaben zu zahlen hatten, sondern fich jeder sein Holz umsonst aus dem Walde holen durste, ein Stück Wiesenlaudes zum Abmähen erhielt und zu Neujahr zwölf Gulden aus der Gemeindecasse. Allein hier ebensowenig als in den übrigen Dörfern des Bezirks wollte man den Juden haben, welcher, mit zäher Kraft an seinem Ziele festhaltend, nicht aufhörte zu bitten und zu betteln, bis ihn der Tod eines Tages auf seiner Wanderschaft ereilte. Salomon fuhr den Vater in ein entferntes Städtchen, allwo dem Juden eine Ecke in der Mutter Erde angewiesen war, und trieb alsdann das Geschäft allein weiter. Er trug ein Ziegenbärtchen, und wenn er lachte, nahm sein Mund von der ganzen Breite seines Gesichtes Besitz, was ihn durchaus nicht verschönerte; nichtsdestoweniger hörte er nie auf zu lächeln, um die Menschen für sich einzunehmen; denn was der Vater nicht erreicht, wollte er erreichen. Also wanderte er von Ort zu Ort, handelte mit seinen Spitzen, Brachen und Schmucknadeln und kehrte bei den Bürgermeistern ein, um es ihnen mit demüthiger Beredsamkeit plausibel zu machen, daß er doch auch ein Mensch, also lieber in Gemeinschaft mit Menschen, als abseits in einem Hüttlein hause, das weder zum Dorfe rechts, noch zum Dorfe links gehöre. Jndeß mit der Zeit wurde die Zungenfertigkeit des nie von seinem Thema ablassenden Juden den Herren Bürgermeistern zuwider und keiner ließ sich *) Aus dem vortrefflichen Volkskalender „Der gute Kamerad" heräusgegeben von L. Jordan. Verlag von A. W. Kasemann, Danzig,