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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-29 · 17 (29.4.1898) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
17 (29.4.1898)
Date
1898-04-29
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 17 Vr. Viwtz'» MvchrnkchrM Seite 337 dafür Sorge trug, die Seelsorge der spaniolischen Gemeinde in Zukunft den Anforderungen des Zeitgeistes und den religiösen Bedürfnissen anzupassen. Ein talentirter junger Mann, welcher die hiesige Rabbinerschule absolvirte, bereitet sich über seine Beranlassung darauf vor, die Universität zu beziehen, um nach Jahren die geistliche Leitung der Gemeinde zu übernehmen, o Berlin. (Der Israelitische Bersorgungsverein von 1827) hielt seine diesjährige Generalversammlungim „Hotel Continental" unter Vorsitz des Herrn M. Gradenwitz ab. Aus dem vom Vorsitzenden erstatteten Jahresbericht ist zu entnehmen: Die Einnahmen des Vereins betrugen im verflossenen Jahre an Mitgliedsbeiträgen Mark 1774 und an Zinsen Mark 479‘20. Verausgabt wurden an Krankengeld Mark 1008°80. Für Medikamente Mark 796'63. Die Gehalte für Arzt und Boten betrugen Mark 700. Das Vereinsvermögen beträgt zur Zeit Mark 6545 51. Der Verein, welcher auch im verflossenen Jahre eine Zunahme seiner Mitglieder constatiren kann, gewährt denselben bei eintretender Krankheit ein wöchentliches Krankengeld von Mark 7°20, freie ärztliche Behandlung und unentgeltliche Verabfolgung der vom Arzt verschriebenen Medikamente, wohingegen die Mitglieder einen Quartalsbeitrag von Mark 2 zu entrichten haben. Bei dem nächsten Punkt der Tagesordnung „Wahlen" wird der ausscheidende Vorstande per Akklamation wiedergewählt. Zum ersten Vorsitzenden für das Jahr 1898 ist Herr L. M. Gradenwitz, zum Cassierer Herr S. Gowa erwählt. Bereinsarzt ist Herr Dr. Sg. Meyer, Gerhofstraße. Paris. Hier ist der als Arzt und Hygieniker berühmte Jules Worms gestorben. 1830 im Elsaß geboren, machte Worms seine Studien an der medicinischen Schule zu Straßburg. In den Jahren 1850 bis 1853 war er Hilfsarzt am Straßburger Krankenhause. Er promovirte in Straßburg zum Doktor. Dann wandte sich Worms nach Paris und erlangte hier eine Stelle im militärärztlichen Corps.- Er war zuerst anatomischer Gehilfe im Militärhospital im Bal de Grace in Paris. 1854 wurde er Arzt bei der Truppe. Als solcher machte er den Krimkrieg mit. 1858 erhielt er Anstellung als Hospitalarzt am Militär-Hospital-Gros Caillon. 1865 schied er aus dem militärärztlichen Dienste aus, um die Leitung des Hospital Rothschild zu übernehmen. Dann wurde er Chefarzt der Nord-Eisenbahn. Während der Belagerung von Paris war Worms Arzt der Seine-Präfectur. Später wurde er mit der Bearbeitung der Parisei Medicinalstatistik betraut. Worms entfaltete eine sehr ausgiebige literarische Thätigkeit. Brussel. Am 17. April fand hier die Generalversammlung des jüdischen Consistoriums in Brüssel statt. Diese sonst so ruhig und glatt verlaufende Versammlung konnte diesmal nicht in einer Sitzung zu Ende geführt werden, denn man sieht sich auch hier schon genöthigt, die Mittel und Wege zu erwägen, um der auch in unser friedliches Belgien übergreifenden antisemitischen Bewegung bei Zeiten zu steuern. Während von einer Seite die Errichtung confesiioneller Schulen vorgeschlagen wurde, um den so häufigen Conflicten auf der Schulbank zu steuern, empfahl ein Herr Lippmann Borträge vor Juden und Christen über das Wesen des Judenthums. Zu einem Resultat kam man nicht, die^ Berathung wurde vielmehr vertagt, das Wesentlichste und leider sehr Traurige ist, daß man nun auch hier schon zu derartigen Berathuugen genöthigt ist. — Im Moniteur wird jetzt die Liste der Ordensverleihungen publicirt, die aus Anlaß der Brüsseler Ausstellung von 1897 erfolgt sind. Die folgenden fünf Herren, die das Ritterkreuz des Leopoldordens erhalten haben, sind Juden: Ad. Bloch, Ryziger, David Samuel, Schlesinger, Philippe Wolfers. Rom. Abermals ist einer der jüdischen Helden aus dem afrikanischen Krieg vom König ausgezeichnet worden. Capitän Supino vom 16. Regiment war in der Schlacht von Adua verwundet und als Verwundeter und schwer Kranker nach Italien zurückgebracht worden. Bei seiner Genesung hat er jetzt die silberne Medaille für vor dem Feind bewiesene Tapferkeit erhalten. — Ritter Marco Alatri. eines der Vorstandsmitglieder der jüdischen Gemeinde in Rom, ist zum Direktor der Bank von Italien ernannt worden. — Wie eifrigen Antheil die Juden an Entwicklung der Kunst in Italien nehmen, kann man auch aus der Thatsache ersehen, daß in den letzten Wochen mehrere Opern von jüdischen Componisten aufgeführt worden sind. So wurde kürzlich in Rom „Gladiatore" von Orefio, welches Stück auch in Madrid zur Darstellung gelangte, und in Florenz „Max" von Frau Morzim-Roselli gegeben. — Großer Mangel herrscht hier an geeigneten Kräften für den Rabbinerstand, trotz aller Mühe und trotz ziemlich guter Gehälter, die hier gezahlt werden, fehlt es an Bewerbern für die frei werdenden Rabbinate, übrigens auch für die Cantorenposteu. Die Gemeinden haben große Noch ihre Stelle zu besetzen. Bukarest. Die rumänische Jndenheit hat ein schweres Geschick getroffen, das Schulgesetz, dessen Bestimmung nach der Erklärung seiner Urheber der Ausschluß der Juden aus den Gymnasien, Lyceen 2c. sein soll; dieses Gesetz ist von der Kammer mit 107 gegen 7 Stimmen, von dem Senat einstimmig angenommen, von dem König sofort unterzeichnet und von der Regierung promulgirt worden. Große Festlichkeiten begleiten die Annahme des Gesetzes, der Premierminister fetirt die Abgeordneten, der Unterrichts minister die Senatoren, die Beamten des Unterrichtsministeriums die sämmtlichen Minister. Und der Premier Stourdza versichert, seit 25 Jahren erstrebe er die Annahme dieses Gesetzes, das die Fremden aus den Schulen weist, und seine Durchführung erscheint dem Premier als die glorreichste That seines politischen Lebens. Auch die Juden müssen die Bedeutung dieses Gesetzes anerkennen, aber für sie ist es eine tief traurige. Bestimmt doch diese Lex, daß auf den sämmtlichen Secundärschulen, Gymnasien, Lyceen, höheren Töchterschulen und auf den Universitäten nur Einheimische, rumänische Staatsbürger, zugelassen werden, daß dagegen Fremde, das heißt Juden, nur soweit die Unterrichtsanstalten besuchen dürfen, als noch Plätze frei sind, nachdem alle einheimischen Anmeldungen angenommen sind. Nun sind diese Anstalten jetzt sämmtlich überfüllt, in den einzelnen Elassen 80—100 Schüler, nach dem neuen Gesetz dürfen jedoch in keiner Elasse mehr als 50 Schüler sein. Man hat unerhörter Weise \ dem Gesetze sogar rückwirkende Kraft gegeben, um so am 1. September, an dem die Lex in Kraft tritt, alle oder fast alle jüdischen Schüler aus den Schulen weisen zu können. So wird es vielen Hunderten jüdischen Knaben unmöglich gemacht werden, 'ich höhere Bildung zu erwerben und höheren Berufen zu widmen. Es ist dies der zweite Schlag, der die rumänischen Juden trifft, 1893 wurden sie ebenso brutal aus den Primarschulen verdrängt, und nur das Aufgebot aller Kräfte und die äußerste Anstrengung der geringen vorhandenen Mittel ermöglichte den Betroffenen, sich eigene Schulen zu schaffen und ihren Kindern die Wohlthat einer ordentlichen Elementarbildung zu sichern. Nun kommt der neue Schlag, um die höhere Ausbildung auch nur eines bescheidenen ^heiles der jüdischen Jugend sicher zu stellen, müßte man mindestens ein jüdisches Lyceum in Bukarest, eines in Jassy errichten, von den Mädchenschulen noch ganz abgesehen. Aber diese beiden Jnstimte, die ja den Staatsanstalten mindestens gleichwerthig sein müßten, würden einmalig 1 Million und jährlich 100.000 Francs kosten und woher sollen die armen Juden Rumäniens so viel Geld nehmen? Wenn nicht die ausländischen Juden, besonders die Alliance israelite universelle und die Jewish Colonisation Association helfen, so ist eine schwere Schädigung der Bildung und damit der Zukunft der Juden Rumäniens sicher, ebenso sicher wie der Triumph der antisemitischen Regierung wegen der Erfolge ihres Judenhasses. Petersburg. Drei Vertreter der Jewish Colonisation Association, welche geneigt ist, einen großen Theil der ihr zur Verfügung stehende» Gelder für die Besserung der Lage der russischen Juden in Rußland auszugeben, sind zur Zeit in Petersburg, nämlich die Herren Meyersen, Berl und Oberst Wolfs. Die drei Herren hatten eine Audienz bei dem Minister des Innern Goremghin, der ihnen indessen nichts Positives sagen konnte oder wollte, und ihnen rieth. sich an Pobiedonoszew zu wenden. Diesem Rath kamen die drei Vertrauensmänner der Jewish Colonisation Association nach und hatten Dienstag den 19. Avril eine Audienz bei dem Generalprocurator des heiligen Synods. Derselbe, dessen Einfluß wieder sehr stark sein muß, sagte ihnen Folgendes: „Niemand glaubt, daß die Juden ein schlechtes Volk sind, im Gegentheil, sie find eine sehr fähige Nation. Der jüdische Schüler in der Schule ist fleißig, der Russe ist faul, unaufmerksam, nachlässig. Im großen Leben finden wir dasselbe Bild. Im Amt und im Geschäft ist der Jude fähig, energisch und fleißig, während der Russe leichtferttg und oft untauglich ist. Dieser ist trunksüchtig, der Jude immer nüchtern. Aber gerade dieser guten Eigenschaften halber fürchten wir den Juden. Ließen wir die Juden fortschreitend sich entwickeln, ohne ihnen Hindernisse in den Weg zu legen, so würden sie uns bald aus Allem verdrängen und unsere Herren werden. Bon unserem russischen Standpunkt aus können wir diese Entwicklung nicht gestatten und daher rühren alle unsere Maßregeln gegen die Juden. Wir verfolgen Niemanden (??), wir vertheidigen uns nur selbst und schützen unsere Jntereffen so lange es noch Zeit ist. Darum haben wir der Jewish Colonisation Assottatton die Erlaubniß gegeben, die Juden nach anderen Ländern zu bringen. Aber wir können ihr nicht erlauben, in unserem Lande zu arbeiten, um die wirthschastliche Lage der russischen Juden zu bessern, lieber diesen Punkt können wir weder Wünsche noch Vorschläge

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