Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 17 (29.4.1898)
- Date
- 1898-04-29
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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S-ite 336 Nr. 17 Dr. Bloch'» Mochrnlchrifl. Situation übersah, machte er sofort Kehrt und requirirte die Gendarmerie. Diese traf zehn Mann hoch unter Führung eines Wachtmeisters im Eilschritt ein und säuberte unter den lauten Commandorufen ihres Führers die Straße. So erlebte unser Curort das interessante Schauspiel, daß am Tage nach der Saisonerösfnung die Gendarmerie indenStraßen unserer Stadt mitaufgepflanzten Bajonetten interveniren mußte. Das ist für den Herrn Bürgermeister jedenfalls kein angenehmes Ereigniß. Montag den 18. d. M. kam ein Kellnerjunge aus dem bekannten Gasthause „zum Erzherzog Rainer" in der Kaiser Franz Josef-Straße, vor dem Tags vorher der Straßenscandal stattgefunden hatte, in das Geschäftslocal des hiesigen Kaufmannes Herrn Emil Mühlstein, das sich im Hause „San Remo" befindet, und bestellte dem anwesenden Herrn Mühlstein, es feien mehrere Herren in dem oben genannten Gasthause, die ihn zu sprechen wünschten, und er möchte sogleich in das Gasthaus hinüberkommen. Herr Mühlstein erwiderte, wenn ihn die Herren zu sprechen wünschten, mögen sie zu ihm kommen. Darauf ging der Kellnerbursche weg, kam aber bald wieder mit dem gleichen Ersuchen und erhielt die gleiche Antwort. Er kehrte sodann zum dritten und vierten Male wieder, machte die Sache ungemein dringend, und sagte, es sei ein Geschäftsfreund Namens Fischer aus Falkenau, der Herrn Mühlstein ersuchen lasse, in das Gasthaus hinüber zu kommen. Herr Mühlstein folgte endlich dieser Aufforderung und ging in das bezeichnet Local. Als er eintrat, entfernten sich der Wirth und der Kellner aus der Gasthausstube und in einer Ecke derselben saßen 5 junge Leute, welche alsbald auf Herrn Mühlstein eindrangen und ihn durchprügelten. Herr Emil Mühlstein, der über große Körperkrast verficht, wehrte sich gegen die Uebermacht, und zwar sehr erfolgreich, so daß die Angreifer schlecht dabei wegkamen. Der große Lärm, den dieser Ueberfall verursachte, drang bis auf die Sttaße, wo sich alsbald viele Leute ansammelten. Der Bruder des Herrn Emil Mühlstein, Herr Leo Mühlstein, seit Jahren schon leidend, hörte von dem Lärm und, besorgt um seinen Bruder, eilte er gleichfalls in das Local, um seinen Bruder aus den Händen der rohen Burschen zu befreien, wurde aber von diesen gleichfalls mit Schlägen empfangen, bis ein Polizeimann erschien, durch besten Einschreiten die Ruhe hergestellt wurde. Der Vorfall hat in der ganzen Stadt, wegen der hinterlistigen Art, mit der diese Burschen Herrn Mühlstein in die Falle gelockt haben, peinliches Aufsehen hervorgerufen. Die Herren Mühlstein haben sofort die Strafanzeige in Eger erstattet. Holleschau, 19. April. Der Vorstand des Chewra-Kadischa- Vereins für Krankenpflege, Krankenunterstützung und Leichenbestattung sendet uns folgenden Bericht: Der vor drei Jahren an unserem Verein angeschlossene Frauenverein, bestehend aus 2 Ehrenmitgliedern und 165 zahlenden Mitgliedern, hielt am 17. d. M. seine Generalversammlung mit einem Rechenschaftsbericht und Neuwahl ab. Der Rechenschaftsbericht enthielt für Krankenunterstützung die Summa fl. 504‘80 und für Nachtwachen wurden fl. 61'40 verausgabt. Die Einnahmen beliefen sich auf fl. 355*20 Mitgliederbeiträge und fl. 155*02 Spenden. Dies wurde durch das humane Wirken und persönliche Bestreben der Frau Präsidentin, Johanna Beer, möglich, an deren Seite wackere Frauen im Vorstande mitgewirkt, und zwar Frau Rosa Teich, Fanny Blum, Anna Hufferl und Anna Broll. Die Frau Präsidentin bekam zu ihrem Titel das Prädicat Ehren hinzugefügt und wurde nebst den anderen Damen nach Verdienst einstimmig wiedergewählt. Dies musterhafte Vorgehen, war für die Chewra ein Ansporn und diese folgte dem guten Beispiele, denn ihr Rechenschaftsbericht, der bei der am 10. d. M. abgehaltenen Versammlung vorgelegt wurde, enthielt für Krankenunterstützungen den Betrag von fl. 322, für Nachtwachen fl. 84*90, wiewohl 183 Nachtwachen von den 130 Mitgliedern persönlich geleistet wurden und das Inventar der Krankenrequisiten im Werthe von fl. 86*08 vermehrt wurde. Die Einnahmen wiesen fl. 147 Mitgliedsbeiträge und fl. 223'97 Spenden aus. Das Vermögen per fl. 3100 wurde durch eine Leopold Wolf-Budapest-Stiftung von fl. 200 und einer Lotti Rosenblatt-Stiftung aus Wien, die fl. 7 jährlich abwirft, vermehrt. Auch beschloß die Generalversammlung der Chewra, anläßlich des Regierungsjubiläums einen Fond für Reconvalescente zu gründen und spendeten die Herren Karl Beer 200 Kronen, Heinrich Beer und Adolf Fried je 100 Kronen und Herr Abraham Grätzer 50 Kronen. Allen Spendern, Gönnern und Förderern sagen wir den besten Dank. Pisek. Um jedem Mißverständnisse vorzubeugen, sehe ich mich, in Bezug auf meinen jüngsten Artikel „Mannheimer am Grabe der Märzgefallenen" veranlaßt, zu bemerken, daß wie Mannheimer als der Restaurator der Synagoge und Begründer der deutschen Kanzelrede in den israelitischen Gotteshäusern in Oesterreich, ebenso wurde der große Gesangsmeister Sulzer als der 'Schöpfer des israelitischen Choralgesanges bettachtet und verehrt. Salomon Sulzer, der einer sehr frommen, achtbaren Familie entstammte, hatte am 30. März 1804 in Hohenems in Vorarlberg das Licht der Welt erblickt. Schon 1817 wurde er in seiner Vaterstadt zum Cantor gewählt, mit der Bedingung, sich noch drei Jahre für dieses Amt vorzubereiten. Erst 1820 trat er dieses Amt an und 1825 wurde er nach Wien als Obercantor berufen, wo er im Vereine mit Mannheimer den Gottesdienst regelte uud bedeutend modificirte. Mannheimer war trotz seiner reformatorischen Bestrebungen conservativ und perhorrescirte entschieden jede auf den Umsturz des alten Judenthums zielende Reformation. Obwohl es damals unter der Wiener Judenschaft eine starke Partei gab — Zu der auch der erste Gemeindevertreter, Mannheimer's Protector, M. L. Biedermann gehörte — die einen Gottesdienst mit Orgel und deutschen Liedern nach Muster des Hamburger Tempels einzuführen beabsichtigte, mußte sie sich doch den diesbezüglichen Anordnungen Mannheimer's, der um keinen Preis eine Spaltung in der Judenheit Hervorrufen wollte, fügen. Mannheimer's Streben war ausschließlich dahin gerichtet, einen geregelten, den Anforderungen der Religion, wie dem Geschmacke der Zeit entsprechenden Gottesdienst, einzuführen« Er entfernte blos die alten, während der langen Jahrhunderte des finsteren Mittelalters eingeschlichenen Mißbräuche aus dem Gotteshause, während er die hebräische Sprache, dieses kräftige Band, das die Glaubensgenossen auf dem Continent umschlingt, beibehielt. Sowohl die ausgezeichneten, bewundernswerthen Choralgesänge Snlzer's, als auch die meisterhaften Kanzelreden Mannheimer's wirkten felbst auf die streng conservativen Juden, die oft den Wiener Tempel zu besuchen pflegten, erbauend und erhebend. Schon in den Vierziger-Jahren, wurde in sehr vielen Gemeinden Mährens, Böhmens und Ungarns der „geregelte Gottesdienst" nach dem Muster des Wiener Tempels eingeführt. In den letzten drei Decennien jedoch ging mau in sehr vielen Gemeinden einen Schritt weiter und führte ad majorem Dei gloriam nach dem Muster des Hamburger Tempels auch Orgel und gemischten Chor ein. Ob jedoch diese radicalen Reformen zur Kräftigung des Judenthums, zur Hebung des religiösen Lebens und zur Besiegung des kalten, ftosttgen, alles Heilige und Religiöse zerstörenden Jndifferentismus wesentlich beigetragen haben, ist noch sehr fraglich. So viel ist gewiß, daß gerade in jenen prachtvollen Tempeln, in welchen die Orgeln functiontten und Damen sich produciren, den Tempelvorstehern das Amt des „Auftusens" zur Thora die größte Verlegenheit bereitet, weil viele Mitglieder aus lauter Gottesfurcht es nicht wagen, das Gotteshaus zu besuchen. Fr. Vrzibram. Am 13. d. M. fand die feierliche Installation des von der hiesigen Cultusgemeinde neugewählten Rabbiners ° Herrn phil. Dr. Carl Kohn aus Königgrätz statt. Der Tempel war zu diesem Behufe mit Blumen geschmückt und herrlich beleuchtet. Der vollzählige Gemeindevorstand holte den neugewählten Seelsorger vor der Andacht aus feiner Wohnung ab und geleitete ihn unter Orgelpräludium auf seinen Sitz. Der Tempel war dichtgefüllt und hielt der Redner unter spannender Aufmerksamkeit der zahlreichen Zuhörer seine Antrittspredigt, in welcher er den Rabbiner der Gegenwart als Friedensstifter in den mannigfachsten Lebensverhältniffen schilderte. Die Ausführungen des Predigers übten einen allgemein mächtigen Eindruck aus. Als Vertreter der Regierung wohnte dem feierlichen Acte der k. k. Commiffär Herr Schindelar bei. Sarajewo. Die „Bosnische Post" schreibt unter dem Schlagworte: „Bonder spanisch-israelitischen Cultusgemeinde. Die spanisch-israelitische Cultusgemeinde in Sarajewo geht, wie es den erfreulichen Anschein hat, einem bedeutsamen culturellen Fortschritt entgegen. Durch eine lange Reihe von Jahren stand der allgemein geachtete Gemeinderath Salamon eff. Salom an der Spitze dieser religiösen Corporation. Unter seiner zielbewußten Leitung consolidirte sich die Gemeinde in ihrem Innern, er legte den Grund für den weiteren Fortschritt. Nach seinem vor zwei Jahren erfolgten Rückttitte trat ein weniger befriedigendes. Intermezzo ein, bis sich die Gemeindemitglieder dahin einigten, den angesehenen Notablen Gemeinderach Daniel Moise Salom an die Spitze der Geschäfte zu berufen. Dieser setzt die von S a l am o n eff. begonnene Thätigkeit eifrig fort. Sein Hauptaugenmerk wendet er humanitären und culturellen Schöpfungen zu, namentlich ist er bestrebt, das Bildungsniveau der Heranwachsenden Jugend zu heben. In der letzten Zeit hat Herv Salom einen sehr rühmenswerthen Schritt gethan, indem er