Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 17 (29.4.1898)
- Date
- 1898-04-29
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 17 Vr VUntz's MortzenfchrM Seite 835 welche Herrn v. Horowitz seitens der Gemeinde entgegengebracht wird und die er durch seine langjährige, eifrige und erfolgreiche Thätigkeit im Dienste der Gemeinde, sein conciliantes und kluges Wesen vollauf verdient. Nachdem Herr Horowitz bei seinem Entschlüsse unerschütterlich verharrte, wurde nach wiederholten Wahlgängen der Vorstand wie folgt zusammengesetzt: Vorsitzender Herr Dr. Emil Byk, Reichsrathsabgeordneter, Vorsitzender-Stellvertreter Dr. Simon Schafs, ferner die Vorsteher: SalomonBuber, Dr. HeinrichGottlieb, E m i l E d l e r von Mises, I. L a n d a u und Dr. B e r n h. G o l d m a n n, Landtagsabgeordneter. Als Ersatzmänner wurden berufen die Herren Dr. Salomon Landesberger, Dr. C z e s z e r und Apotheker B e i s e r. Das vom Herrn Dr. Byk hierauf entwickelte Programm der ernsten Aufgaben, deren Lösung dem neuen Cultusrathe obliegen, fand allgemeinen Beifall und schloß mit einem enthusiastischen Hochrufe des Cultusrathes aus Se. Majestät den Kaiser Franz Josef. Emil v. Mises. Czernowitz. Im abgelaufenen Monate haben die Wahlen in die Cultusgemeinde - Repräsentanz auf Grund des neuen Cultusgemeinde-Statutes stattgefunden. Die Wahlbewegung war eine außerordentlich lebhafte, die Agitation nahm theilweise sogar einen heftigen Charakter an, die Wahlbetheiligung selbst war sehr stark. Auch fehlte es nicht an Versuchen, in dieser für die Juden so schweren und bedrängten Zeit in die bisher so sorgsam bewahrte Einigkeit Bresche zn reißen. Ehrsüchtige Streber warfen unbedachte und aufreizende Schlagworte in die Massen, hetzten und wühlten gegen die angesehensten und wohlverdientesten Männer der bisherigen Cultusgemeinde-Vertretung. Aber der gesunde Sinn und die Intelligenz der Czernowitzer Judenschaft machte alle Verhetzungen zu Schanden, und man kann mit Zuversicht, ja mit Stolz sagen, daß in die neue Cnltusgemeinde-Repräsentanz Männer entsendet wurden, die mit einem tiefen Verständnisse für ihr Volksthum auch den guten und redlichen Willen verbinden, ihr Können und Wollen, ihre Kraft und Mühewaltung dem Wohle der Cultusgemeinde und der Bevölkerung zu widmen. Weit mehr als zwei Dritttheile der Gewählten sind „neue" Männer, die im Vereine mit den bewährten und erfahrenen „Alten" sichere Bürgschaft für das Gedeihen der Cultusgemeinde bieten. In das Präsidium wurden die bisherigen Vertreter, kais. Rath Naftali Tittinger und k. k. Hauptmann i. P. Bernhard Baltinoster entsendet. Der Cultusvorstand ist aus den folgenden Herren zusammengesetzt: den Reichsraths - Abgeordneten David Tittinger und Dr. Straucher, ferner Dr. Kohn und Dr. Funkenstein sowie H. Trichter. Unter den Gewählten ragen ferner noch hervor: Bankdirector F. Mayer, Advocat Dr. H. Kiesler, Dr. N. Wender, Lazar Roth, M. Kißlinger, Kindler und Andere. Wir können nur bedauern, daß die Herren Dr. Kiesler und Mayer, wegen ihres besonderen Eifers für jüdische Interessen und ihrer Fähigkeiten in der Gemeinde angesehen, eine Wahl in den Cultusvorstand unter Hinweis auf ihre Ueberbürdung mit anderweitigen Geschäften abgelehnt haben. Angesichts der großen Aufgaben, die des neuen Cultusrathes harren, wollen wir im Interesse dieser mit Recht angesehenen Judengemeinde sowie des Judenthums hoffen, daß die berufenen Vertreter das in sie gesetzte Vertrauen ganz und voll rechtfertigen werden. Prag. (Zwanzigster Jahresbericht der Direction des Kreuzervereins zur Unter* stützung armer israelitischer Waisenmädchen 'im Königreiche Böhmen 1897.) Das abgelaufene Jahr brachte eine überaus glückliche mit Dank und Freude zu begrüßende Wendung in den äußeren Verhältnissen unseres Vereins. Wir besitzen nunmehr ein eigenes Waisenhaus, eine sichere Heimstätte für die unserer Obsorge anvertrauten Waisenmädchen. Dies verdanken wir der schrankenlosen Liberalität unseres vielverdienten Directionsmitgliedes Herrn Moritz Hahn, welcher aus Anlaß des bevorstehenden Regierungsjubiläums Sr. Majestät dem Verein ein vollständig eingerichtetes Haus zum Zwecke der Unterbringung, Erziehung und Versorgung israelitischer Waisenmädchen widmete. Das bisher dem Herrn Moritz Hahn gehörige Haus Nr. 5 in den Königlichen Weinbergen, welches der Verein theilweise in Miethe hatte, ist bereits grundbücherlich in das Eigenthum der Kaiser Franz Josef-Jubiläumsstiftung Waisenheim für Mädchen übergegangen, wird von dem Stifter für den Stiftungszweck vollständig hergestellt und am 2. December 1898 unserem Vereine in feierlicher Weise als Kaiser Franz Josef-Waisenheim für Mädchen zur Verwaltung übergeben werden. Hiedurch wird es ermöglicht werden, die bisher festgesetzte Anzahl von 15 Waisenmädchen, welche der Verein zur Versorgung und Erziehung übernahm, aus 25 zu erhöhen. Dem Kaiser Franz Josef-Jubiläumssond Waisenheim für Mädchen, welcher aus Anlaß des 40jährigen Regierungsjubiläums Seiner Majestät des Kaisers mit fl. 12.000 dotirt wurde, wird nunmehr ein großer Theil des disponiblen Vereins Vermögens überwiesen und durch den Zinsenertrag dieses Vermögens die Erhaltung des Waisenheims gesichert. Auf diese Art wird das Schwergewicht unserer Thätigkeit immer mehr und mehr in die Erhaltung, Leitung und Verwaltung des Mädchenwaisenhauses in Königliche Weinberge, Puchmayergaffe Nr. 5 alt, 12 neu, verlegt werden. Die rationelle allen Erfordernissen moderner Hygiene und Pädagogik entsprechende Einrichtung dieser Anstalt findet seitens der zahlreichen Freunde, die persönlich kommen, um sich von dem Gedeihen unserer Pfleglinge Ueberzeugung zu schaffen, rückhaltlose Anerkennung. Wir begrüßten dort im Lause des Jahres wiederholt die „Schützdamen" des Vereins, welche mit diesem Ehrenamte die Aufgabe übernommen haben, ihr eigenes sowie das Interesse ihres Verwandten- und Freundeskreises unserem Waisenheim zuzuwenden. Die Erziehung der Waisenmädchen steht unter der Leitung einer erprobten Erzieherin, während ein ebenso umsichtiges wie erfahrenes und aufopferungsvolles Damen- und Herrencomitä alle äußeren und inneren Agenden der Verwaltung in eifrigster Obsorge hält. Unser langjähriger vielverdienter Obmann, Herr Sigmund Mauthner, hat in Folge seiner Uebersiedlung nach Wien seine Functionen niedergelegt, und wurde der bisherige Cassier Herr Sigmund Haurowitz an seiner Stelle zum Obmann gewählt. Herr Sigmund Mauthner wurde zum Ehrenpräsidenten des Vereins ernannt. Die finanziellen Verhältnisse des Vereins sind wohlgeordnete. Gesammt-Einnahmen des Jahres 1897 fl. 26.208*22, Gesammt-Ausgaben des Jahres 1897 fl. 11.541 88. V ermögensstand: Der gegenwärtige Vermögensstand unseres Vereins weist aus: An Obligationen (Nominale) fl. 166.400, an Baargeld und Sparkasse-Einlagen fl. 17.974*73, zusammen (Nominale) fl. 184.374°72. Gegenüber dem Vermögensstande des Vorjahres per fl. 169.541*34 ergibt sich somit ein Bermögenszuwachs von fl. 14.833*39. Dieses überaus befriedigende Resultat 20jähriger Thätigkeit erweist die gerechten Sympathien und die werkthätige Unterstützung. welche unserem Verein allseitig entgegengebracht werden. Dankbar verpflichtet bleiben wir Sr. Ehrwürden dem Rabbiner der israelitischen Cultusgemeinde in Königliche Weinberge für die Ertheilung des Religionsunterrichtes in der Anstalt, dem Consiliarius Proseffor Dr. Epstein, dem unermüdlichen Anstaltsarzte Herrn Dr. Alois Pollak, sowie den Specialärzten Herren Med. Dr. Bunzl-Federn und M.-U.-Dr. Sigmund Tänzer für die unentgeltliche ärztliche Behandlung unserer Pfleglinge. Wir danken schließlich der löblichen Direction der Böhmischen Sparkasse für die uns überwiesene Subvention, der verehrlichen Cultusgemeinderepräsentanz in Prag, den ehrwürdigen Rabbinern, Cultusvorständen und Lehrern für ihr uns allzeit bewiesenes freundliches Entgegenkommen. Antisemitische Cxeesse in Karlsbad. Die „Karlsbader Zeitung" meldet: „Straßenexceß. Ein arger Exceß hat sich vergangenen Sonntag in der Kaiser Franz Joses-Straße ereignet. Dort kam es kurz nach 6 Uhr Abends vor dem Gasthause »Erzherzog Rainer", das bekanntlich als Antisemitenkneipe gilt, zu einem Krawall. Es wurde hin und her geschimpft, mit Stöcken in der Lust herumgefuchtelt und ein solcher Lärm geschlagen, daß sich eine Menge Neugieriger einfand, um der Entwicklung der Dinge zu folgen. Nachdem der Krawall etwa eine halbe Stunde gewährt hat, kam auch ein Polizeimann angerückt, und kaum war er da, da wurde auch schon aus dem ersten Stocke des Gasthauses »Erzherzog Rainer" Wasser herabgeschüttet, das zufällig auch den Polizeimann traf. Kurz darauf kam um die Ecke der Schützenstraße ein zweiter Polizeimann angerückt. Als er die