Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 17 (29.4.1898)
- Date
- 1898-04-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Ar. 17 Vr VUntz * WochrnMpeM Seite 333 unb bem Landesschulrathe Dr. Kohn Gelegenheit gegeben, dem Unterrichtsminister einzelne Beschwerden zur Kenntniß zu bringen. Der Unterrichtsminister hat die Mittheilungen des Präsidiums mit sichtlichem Interesse entgegengenommen. Wie wir ferner vernehmen, werden die erhobenen Beschwerden und die Vorschläge zu deren Abhilfe den Gegenstand besonderer Eingaben des Vorstandes bilden. Wien. (Sitzung des Vorstandes derCultusgemeinde am 21. April 1898 unter Vorsitz des PräsidentenHerrnkaiserlichenRathesHeinrich K l i u g e r. Beginn der Sitzung 6 U h r A b e n d s.) An Spenden sind eingelaufen: 1. In den am 10. April 1898 im Stadttempel eröffneten Opferstöcken waren vorhanden: für die Armenanstalt fl. 40'237„ für die Chewra-Kadischa Gulden 44-16'/». 2. Die am 17. April eröffneten Opserstöcke des Stadttempels enthielten: für die Armenanstalt fl. 24-51V,, für die Chewra-Kadischa fl. 17'97. 3. In den am 17. April eröffneten Opferstöcken des Leopoldstädter Tempels fanden sich vor: für die Armenanstalt fl. 3519, für die Chewra-Kadischa fl. 57'78'/,. Der Präsident berichtet unter Anderem, daß eine Deputation des Vereines zur Hebung der Gewerbe bei ihm vorgesprochen und die schwierigen Verhältnisse auseinandergesetzt habe, unter welchen dermalen, insbesonders die Gewerbsleute jüdischer Confession in Wien durch die Ausschließung von städtischen Lieferungen u. dgl. zu leiden haben. Der Präsident habe der Deputation im Namen des Vorstandes die bestmöglichste Unterstützung zugesagt. Die Aufbringung der Mittel für das aus Anlaß des Kaiserjubiläums im Sinne des Plenarbeschlusses vom 21. Jänner d. I. zu errichtende Versorgungshaus mit einer Kcankenabtheilung im Anbau an das Altersversorgungshaus bildete den Gegenstand längerer Berathung' und wurde die Erwartung ausgesprochen, daß die Gemeindemitglieder diesen Anlaß zur Betätigung ihres patriotischen und Humanitären Sinnes benützen werden. Es wird im Sinne des § 97 des Statutes nach dem Referate des Obmannes der Finanzsection, kaiserlichen Rathes Hirsch, beschlossen, den vom Vertreter- Collegium festgestellten Rechnungsabschluß pro 1897 zur Einsichtnahme der Gemeindemitglieder in der Cassa der Cultusgemeiude aufzulegen und die betreffenden Verlautbarungen in der „Wiener-Zeitung" zu veranlassen. Ueber Antrag der 3. Section werden nach dem Referate des Herrn Bauraths Theodor Ritter v. Goldschmidt nachfolgende Stiftungen verliehen: die Clara Krasnopolsky'sche Stiftung für Arme; die Josef und Cäcilie Adler-Stiftung für Miethbeiträge und die Rosa Adler-Alschech'sche Stiftung für Arme. Im Sinne des Berichtes desselben Referenten wird die vom Curatorium der Ignaz und Rosalie Wölfischen Stiftung vorgenommene Verleihung der Stiftungszinsen genehmigt. Der Antrag wegen Verleihung von Restbeträgen aus der Dr. Adolf Sacks'schen Stiftung für Herzkranke wird an die 3. Section behufs Ergänzung zurückgeleitet. Ueber den von Herrn Dr. Maximilian Steiner namens der 3. Section gestellten Antrag, eine gemischte Commission, bestehend aus Mitgliedern der 3. Section und einzelnen Angehörigen der Gemeinde, damit zu betrauen, übermehrere von der in der Cultusgemeiude stattgehabten Armen- Enquste übereinstimmend als dringlich bezeichnete Einführungen auf dem Gebiete der Armenpflege präcise Anträge zu stellen, wird beschlossen, eine solche Commission ehethunlichst einzuberufen. Die Wahl der aus den Gemeindemitgliedern zu berufenden Experten wird dem Bertretercollegium Vorbehalten. Dem Operateur Frauenarzt Dr. Karl Fleischmann wird für seine hingebende Thätigkeit im Spitale der Cultusgemeinde der Dank votirt und demselben der Titel eines gynäkologischen Operateurs des Spitals der Cultusgemeinde verliehen. Schluß der Sitzung 9 Uhr Abends. ÄZien. (Allgemeiner österreichisch-israelitischer Bund.) Wie berichtet wird, hat am 24. April d. I. eine Borberathung der Proponenten des behördlich genehmigten „Allgemeinen österreichisch-israelitischen Bundes" in dem Sitzungssaale der hiesigen Cultusgemeinde stattgefunden, an welcher auch mehrere Reichsrathsabgeordnete und Vertreter auswärtiger Cultusgemeinden theilgenommen haben. Es wurden die Modalitäten der Constituirung des genannten Bundes besprochen, und nachdem bereits mehrere Eintrittsanmeldungen Vorlagen, wurde seitens der Proponenten die Aufnahme von Cultusge- . meinten und Einzelpersonen beschlossen. Weiters wurde auch der Beschluß gefaßt, zunächst an sämmtliche Cultusgemeinden Cisleithaniens Aufrufe zu erlassen, und das Präsidium der Wiener Cultusgemeinde gebeten, alle vorbereitenden Schritte zu unternehmen, um möglichst bald eine neuerliche Tagung behufs Constituirung einzuberufen. Wien. (Lehrmädchen-Hort des Leopoldstädter Frauen - Wohlthätigkeits - Vereines.) Dieser Verein hat es sich bekanntlich zur Aufgabe gestellt, arme Frauen, hilflose Kranke, Wöchnerinnen und Kinder, speciell aber auch junge, der Schule entwachsene Mädchen zu unterstützen und Letzteren behilflich zu sein, damit sie einem Berufe zügeführt werden können. Bisher hatte der Verein immer circa 20 solcher Mädchen in Evidenz, welche monatliche Unterstützungen, hie und da auch Kleider und Wäsche erhielten, denen man später — wenn sie sich brav hielten — die Mittel für die Freisprechung zur Verfügung stellte und die endlich mit Arbeitsbehelfen, Nähmaschinen rc. ausgestattet wurden. Die Vereinsleitung ging hier von dem richtigen Principe aus, daß temporäre Unterstützungen auch immer nur die Noth temporär bekämpfen. Wird aber auch nur einzelnen Mitgliedern einer Familie die Möglichkeit geboten, einen Erwerb zu erlangen, dann sind doch eher die Wege geebnet, um die Noth in einer Familie dauernd zu beseitigen, wenigstens aber einzuschränken. Die vom Vereine dauernd unterstützten Mädchen wurden natürlich unter steter Controle gehalten und gerade durch diese kam man darauf, daß bei den jungen Mädchen das Erbübel in der Wohnungsfrage liegt. Die zu Tage getretenen Verhältnisse sind überaus triste und erscheint unter solchen Auspicien eine gedeihliche Arbeit sehr erschwert, ja häufig illusorisch. Von diesen Erwägungen geleitet, faßte die treffliche Präsidentin des Vereines, Frau k a i s. Rath Dr. Kohn, die Idee, ein Lehrmädchen-Hort im Rahmen der Bereinsthätigkeit zu gründen und sollte das Regierungs-Jubiläum unseres geliebten Kaisers den Anlaß hiezu bieten. In Oesterreich besteht eine derartige Institution bisher noch nicht. Mit der Idee allein ist noch nicht gedient! Der Leopoldstädter Frauenwohlthätigkeits-Verein kann mit seinen bescheidenen Mitteln nichts Großes zuwege bringen; von einem eigenen Heim ist vorerst gar nicht zu reden. Und soll jetzt nur erst der Beschluß gefaßt werden, die Idee aber erst dann zur That werden, bis es vielleicht einmal einem Philanthropen einfällt, die großen Mittel hiezu zu geben oder bis der Verein in vielen, vielen Jahren so viel erspart hat, um aus eigenen Mitteln diese Idee zu verwirklichen? Sind wir so sicher,- daß dies einmal geschieht? Unter solchen Umständen könnte vielleicht das segensreiche Werk niemals zur Ausführung kommen. Denn wir legen ja das größte Gewicht darauf, daß die sonstige Action des Vereines auch nicht im Entferntesten eine Einschränkung erfahre und daß hilfsbedürftige Familien, insbesondere Frauen und Kinder in gleicher Weise wie bisher unterstützt werden. Demnach geh^ es nicht, gewaltige Mittel zu reserviren. Wir wollen aber unter allen Umständen die Idee zur That werden lassen, jedoch nur so weit gehen, als uns dies unsere beschränkten Mittel und ferner Spenden gestatten, die uns bereits in Rücksicht auf das neue Unternehmen in sichere Aussicht gestellt wurden. Um in dieser Beziehung den Maßftab zu gewinnen, wurden die genauesten Berechnungen angestellt. Eine so wichtige Sache muß auch gründlich studirt werden, und der Beirath des Vereines, bestehend aus den Herren Alfred Kisch, kais. Rath Dr. S. Kohn, Dr. Weiß, Dr. I. Winternitz und dem Schreiber dieser Zeilen, hatte diesfalls viele Hindernisse zu beseitigen, bis die Sache für den Gesammtvor stand spruchreif war. Wir müssen auch dankbarst der für den Zweck einberufenen außerordentlichen Beiräthe gedenken. Die Rathschläge, die uns Herr Dr. Bloch und Herr Dr. Ascher bereitwilligst gegeben, waren für uns von enormen Werthe. Wir gelangten nach reiflicher Ueberlegung zu dem Resultate, vorerst natürlich klein, etwa mit einem Stande von höchstens 8 Mädchen, anzufangen. Unsere Vorschläge fanden im Gesammtvorstande begeisterte Aufnahme, und um den gesetzlichen Anforderungen zu entsprechen, war für letzten Samstag im Festsaale des Hotel Continental eine außerordentliche Generalversammlung unserer Mitglieder einberufen. Die rege Betheiligung bei diesem Festacte gab ein erfreuliches Zeichen des Interesses für die geplante Action. Unter anderen bemerkenswertben Anwesenden sahen wir: die Präsidentin