Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 17 (29.4.1898)
- Date
- 1898-04-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 17 Vr. Bloch » MochrnschrM. Sette 331 zu machen wissen, will ich hiemit die Leser Ihres geschätzten Blattes aufmerksam machen, daß dieses Heilverfahren im Talmud Joma Fol. 83 und 84 erwähnt wird. Es war also schon vor etwa 1800 Jahren den jüdischen Gelehrten wohl bekannt. Zurawno, am 18. April 1898. Osias Horowitz. Tod eines Hundertjährigen. In W a i tz e n ist der dortige Bürger David Deutsch im Alter von hundert Jahren gestorben. Der Verblichene war der erste Jude, der sich in Waitzen ansiedeln durfte, und seither wohnte er in dem nämlichen Hause. Deutsch verehlichte sich vor 66 Jahren und lebte mit seiner Gattin, die gegenwärtig 86 Jahre alt ist, bis zu seinem Lebensende in glücklichster Ehe. Er erfreute sich bis vor kurzer Zeit eines kräftigen Aussehens. Als er vor sechzehn Jahren den Professor Schulek aufsuchte, um sich einer Augenoperation zu unterziehen, redete ihm der Professor zu, mit Rücksicht auf sein hohes Alter davon abzusehen. Deutsch blieb aber hartnäckig bei seinem Willen und überstand glücklich die gefahrvolle Operation. Noch einige Tage vor seinem Tode spielte er in munterster Laune mit seiner Ehehälfte Karten. Sein Tod erfolgte ohne vorherige Erkrankung; schmerzlos schied er ins Jenseits. An der Bahre des Hundertjährigen trauern sechs Kinder, dreizehn Enkel und sechzehn Urenkel. Die Juden im englischen Heere. Willy Heß gibt in der „Jüdischen Presse" folgende interessante Daten über vie jüdischen Officiere im englischen Heere. Demnach sind 39 Juden Officiere, nämlich 1 General- Lieutenant (bei der reitenden Artillerie) C. L. d'A g u i l a r, 1 General-Major G. Salis-Schwabe, (zur Zeit in Mauritius). 1 Oberst E. W. G o l d s m i d, 3 Oberst-Lieutenants, A. F. B a r r o w, E. G. B a r r o w, B. T. M. Gumpertz, 5 Majore, E. N. H e n r i q u es, G. F. Leverson, I. I. Leverson, F. P. Lousada und F. L. N a t h a n, 10 Capitäne, 13 Lieutenants, 5 Secondelieutenants. Hiezu kommen ferner noch 2 Regimentsärzte, 1 Oberstabsarzt, 1 Stabsarzt. Diese Officiere repräsentiren alle Waffengattungen. In der Miliz: 1 Major, Levis- B a r n e d, 4 Capitäne, 4 Lieutenants, 3 Secondelieutenants, in Summa 12 Officiere statt der 9, die nach der Bevölkerungsquote auf die Juden entfallen. Unter der Yeomanry sollten 2 jüdische Officiere sein, es sind aber 7: 1 Major (H. L. W. L a w s o n), 4 Capitäne, 1 Lieutenant, 1 Secondelieutenant. Bei den Volunteers sollten 19 jüdische Officiere stehen, es sind jedoch 50, nämlich: 1 Oberst, Lord Wandsworth, 4 Oberstlieuteuauts, M. A. Blumenthal, D. de Lara Cohen, F. A. Hucas und F. Salis-Schwabe, 6 Majore, M. Emanuel, A. Harby, C. Q. Henriques, B. S. Jacobs, H. H. Montagu, H. D. Sichel. 13 Capitäne, 19 Lieutenants, 7 Secondelieutenants. sowie 1 Oberstabsarzt. Recapituliren wir, so ergibt, daß sich die Zahl der jüdischen Officiere nach der Bevölkerungsquote zu betragen hätte in Wirklichkeit beträgt in der Armee 19 39 in der Miliz 9 12 in der Yeomanry 2 7 bei den Voinuteers 19 50 49 108 Die englische Armee zählt somit mehr als doppelt so viele jüdische Officiere, als im Verhältniß Juden unter der englischen Bevölkerung wohnen, und zwar umfassen dieselben alle Grade und alle Waffengattungen. In der englischen Flotte dienen 12 jüdische Officiere, also auch eine sehr bedeutende Quote. Es sind dies: Capitän A. B a r r o w, Direktor im Schiffsamt, Lieutenant C. G. R. B r a m d o n, die Unterlieutenants A. D. B a r r o w und A. S. S u s m a n n. die Cadetten B. W. B a r r o w, I. O. B a r r o w, V. R. B r a n d o n, G. H. F r e y b e r g, H. D. Marburg, K. A. A a t e s, ferner die Capitäne H. W. B a s e w i und H. E. B l u m b e r g. Auch die Colonial- Truppen zählen jüdische Officiere, und zwar dienen: in Canada 3 Capitäne, 1 Lieutenant und 3 Unterlieutenants, am Cap der guten Hoffnung 1 Oberstlieutenant und 2 Lieutenants, auf Jamaica 1 Capitän, in Natal 1 Lieutenant,, in Neu-Süd Wales 1 Major, 1 Capitän, 1 Zahlmeister, in Neu-Seeland 1 Major, 3 Capitäne, in Queensland 1 Lieutenant, in Süd-Australien 2 Majore, in Victoria 1 Oberstlieutenant, 1 Major, 4 Capitäne, 3 Lieutenants, in West-Australien 1 Lieutenant, in Indien in der Eingeborenen-Truppe 1 Major, 2 Capitäne, 1 Lieutenant, außerdem eine große Anzahl, welche aus den Reihen der Bene Jsrail hervorgegangen sind. Kielec. Ueber die Heldenthat eines Israeliten berichtet die „Lodz. Ztg." aus Ssnchednjew Folgendes: Als Gesprächsthema dient hier der Jude Sende! Mühlstein, der, sein eigenes Leben riskirend, die elfiährige Tochter eines Gendarmerie-Unterofficiers der Station Ssuchednjew, Anastasia Schuljajew, vor dem Ertrinken in einem Teiche rettete. Das junge Mädchen war auf dem Wege von der Station Ssuchednjew nach dem Dorfe gleichen Namens, auf dem auf dieser Strecke liegenden Teiche durchs Eis gebrochen und dem Ertrinken nahe, da der Teich an dieser Stelle eine Tiefe von mehr als zwei Arschin hatte. Von den am Ufer des Teiches versammelten Personen eilte nur allein der genannte Israelit der Ertrinkenden zu Hilfe; er durchbrach das Eis, tauchte ins Wasser und brachte das kaum noch Lebenszeichen aufweisende Mädchen in Sicherheit, welches unter ärztlichem Beistand erst nach langen Bemühungen wieder zum Bewußtsein gebracht wurde. Da diese edle Handlungsweise des erwähnten Israeliten von zahlreichen Zeugen bestätigt wird, so hat die zuständige Behörde um die Verleihung der Rettungsmedaille für Sendel Mühlstein ersucht. Ein jüdischer Soldat. In den Briefen, welche der deutsche Prinz Emil von Sayn-Wittgen st ein- Berleburg während des türkisch-russischen Feldzuges 1877 bis 1878, den er mit Erlaubnis A l e x a n d e r's!I. im russischen Hauptquartier mitmachen durfte, an seine Gemahlin gerichtet hat, findet sich folgende Episode aus der Belagerung Plewna's: „Endlich beginnt die Belagerungsarbeit. Tod leben übernimmt die Leitung, die Garde trifft ein. Es ist aber auch die höchste Zeit. Der Zar ist mit seinen Kräften fast zu Ende, die Spitäler überfüllt. Der Zar, ein Bild menschlichen Mitgefühls, hat drei Verwundete am Wege aufgelesen: wir haben den einen auf dem Bocke, die beiden anderen auf den Wagentritten untergebracht, indem wir sie sich an unsere Beine lehnen ließen. Der auf meiner Seite war ein polnischer Jude, ein junger und hübscher Bursche, der wohl nie geträumt hatte, einmal mit dem Kaiser zu fahren. Der Kaiser hat unseren drei Begleitern das Georgsb:euz gegeben, um sie an ihre Fahrt mit ihm zu erinnern." Diese Decoration ist die höchste militärische Auszeichnung in Rußland und wird nur für besondere militärische Bravour verliehen. Aufruf. Der Verein ^AhawathZion" in Tarnow hat sich die Aufgabe gestellt, eine größere Anzahl aus Galizien stammender jüdischer Familien dem Ackerbau zuzuführen und ihnen eine auf ausreichendem Bodenbesitz gegründete ^istenz int Lande der Väter zu verschaffen. / Zu diesem Behufe hat der Verein einen größeren Grundcomplex (gegen 10.008 Douans) in Galiläa, unweit des Meronsees, in der Mitte zwischen drei bereits blühenden jüdischen Ansiedlungen von Baron Edmond de Rothschild käuflich erworben und ist eben im Begriffe, mit der Bewirt hschaftung des Bodens und Jnstallirung derer st en Ansiedler zubeginnen, welche Arbeiten einen größeren Aufwand an Capital erfordern werden. Da die Bestrebungen des Vereines nicht für die galizische allein, sondern für die gesammte Judenschaft von hoher Bedeutung sind, indem sie den Beweis erbringen wollen, daß die Regenerirung des jüdischen Volkes überall durchführbar ist und daß auch die galizischen Juden physische Arbeit nicht scheuen, wenn sie ihnen geboten wird, da andererseits das angestrebte Werk auch an sich als ein im reinsten Sinne wohlthätiges bezeichnet werden kann, so wendet sich der Verein an alle Volksgenossen mit der dringenden Bitte, ihm in seinem Werke beizustehen". Jede Gabe ist imgegebenen Augenblick angesichts der dem Vereine bevorstehenden bedeutenden Auslagen doppelt willkommen. Geldsendungen find gefälligst zu richten an die Redactron des Blatttes oder direct an den Verein „Ahawath Zion" in Tarnow. Für den Verein „A h a w a t h Zion" Dr. A. Salz Sigmund Bromberg I dz. Vicepräses. dz. Secretar.