Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 17 (29.4.1898)
- Date
- 1898-04-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3021223-3021241--07786-3032131- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 330 Vr. VUntz» MoltzrnfltzrM Nr. 17 tiefsinnige Betrachtungen über die Handschrift des Teufels Bitru an. Es ist manchmal schade, wenn einer nicht Spaß versteht. Gleichzeitig mit dieser Publication bringen Tiroler Blätter die Mittheilung, daß dem Förderer des Taxilschwindels und Herausgebers des bekannten ultramontanen Erbauungsblattes „Pelikan", dem Priester K ü n z l e, eine besondere Anerkennung geworden. Die kirchlichen Behörden denken noch heute nicht daran, den Mann zu verleugnen.Bielmehr veröffentlichte Künzle in der neuesten Nummer seines „Pelikan" ein Schreiben des Cardinalvicars P a r o c ch i, des bekannten Freundes der Diana Vaughan und Vertrauten des Papstes, in dem es heißt: „Der Heilige Vater bestätigt.und erneuert den Segen, den er scbon letztes Jahr Ihnen und Ihrer Zeitschrift übersandte. Er ermuthigr Sie dazu, mit sicheren Lehren und Andacht und Salbung in jenen Gegenden die Andacht zum allerheiligsten Sacrament zu verbreiten; denn es ist der Mittelpunkt der katholischen Frömmigkeit. . . Empfangen Sie meine besten Glückwünsche, die ich dem Herrn für Sie und Ihre Zeitschrift darbringe. Gegeben im Vicariate Ihr Lucid. Maria, Cardinalvicar. Rom, 17. Februar; 1898." Künzle bemerkt dazu: „Unfern lieben Lesern wird es angenehm sein, auf's Neue zu erfahren, daß sowohl der Heilige Vater in Rom, als unser hochwürdigster Bischof mit uns ist." Aus dem Reiche der Frömmigkeit. Der Hausvater des Katholischen Gesellenvereins in Baden, Josef E b l e r, ein 61jähriger Mann, wurde von der Staatsanwaltschaft wegen mehrerer Sittlichkeitsverbrechen in den Anklagestand versetzt. — In M o l l n (Oberösterreich) wurde am 18. d. M. der dortige Cooperator Johann Kirchsteiger von der Gendarmerie verhaftet und dem Bezirksgericht Grünburg eingeliefert. Dieses überstellte ihn an das Kreisgericht Steyr. Grund der Verhaftung ist, daß Kirchsteiger an Schulmädchen Sittlichkeitsverbrechen beging. Biterbo. (Ein sensationeller Justizirrthum.) Vor 3 Jahren wurden von dem hiesigen Schwurgerichte Davide Pelleg r i n i, Leone Balle und Antonio B e n e d e t t i zu je zwanzigjährigem Bagno verurtheilt, weil sie angeblich den Gutsbesitzer Salvatore P e z z i ermordet hatten. Die Berurtheilten betheuerten jedoch fortwährend ihre Unschuld. Nun wurde plötzlich der Pfarrer von Bassano di Jntri, Gratiliano P e z z i, ein Sohn des ermordeten Gutsbesitzers, verhaftet, weil sich herausstellte, daß erfalscheZeugen geworben hatte, um die drei Unschuldigen ins Unglück zu stürzen. Die falschen Zeugen S i l v e st r i, Felice Cettom a i, Alsonso Giambettista und der Mönch Vincenzo C a l a b r o wurden gleichfalls in Hast genommen. D»e größte Schule der Wett soll die jüdische Schule in Whitechapel sein. Sie zählt 3500 Schulkinder und besitzt 100 Lehrer. Die Kinder recruttren sich aus den allerärmsten Mischen Familien des Ostends. Die Anstalt könnte sich nicht halten, wenn nicht Lord Rothschild ihr so reiche Zuwendungen machte. Jeder Schüler, der es wünscht, erhält Morgens ein freies Frühstück Außerdem schenkt Lord Rothschild einmal oder zweimal im Jahre jedem Kinde der Schule einen neuen Anzug. Das Religiouslehrer-Semiuar i« Lemberg. In der für die Juden Galiziens so hochwichtigen Angelegenheit der Gründung eines Seminars zur Heranbildung jüdischer Religionslehrer ist eine wichttge Entscheidung des hohen Cultusministeriums herabgelangt. Wie in diesem Blatte früher berichtet war, hatte dem hohen Landesausschuffe ein Gutachten des Lemberger Rabbiners Herrn Dr. Caro Vorgelegen, in welchem entweder die Gründung eines besonderen Seminars oder die Errichtung eines besonderen Cursus am k. k. Lehrerseminar für israelittsche Religionslehrer vorgeschlagen wurde. Auf Antrag des Landesausschusses erklärte sich der Landtag für die letztere Alternative d. h. für die Creirung einer oder zweier Professuren für jüdischen Religionsunterricht am k. k. Lehrerseminar. Das Unterrichtsministerium ist jedoch anderer Meinung und hält die Gründung eines besonderen Religionslehrer-Seminars für geeigneter. Mit Berufung auf das Gesetz, erklärt aber das Ministerium die Gründung einer solchen Anstalt als Sache der betreffenden Religionsgenoffenschast, verspricht jedoch, unter Wahrung des staatlichen Aussichtsrechtes, der zu gründenden Schule eine bis zum vierten Theile der Kosten reichende Subvention. Das Ministerium drückt die Hoffnung aus, daß sich sämmtliche größere Gemeinden Galiziens an diesem Werke mit Subventionen betheiligen werden, und da sowohl von Seite des Landes, als auch von Seiten der Stadt Lemberg Beiträge bestimmt zu erwarten sind, dürfte die Realisirung des Planes in absehbarer Zeit zu erhoffen sein. Das hohe Ministerium geht aber in seinem Wohlwollen noch weiter und hat sich bereit erklärt, den jüdischen Religionsunterricht im gesetzlichen Ausmaß an dem hiesigen k. k. Lehrerseminar schon jetzt für alle jüdischen Zöglinge als obligat zu erklären und für diesen Unterricht eine Lehrkraft zu systemisiren, der zur Ausfüllung des gesetzlich vorgeschriebenen Stundenmaßes auch der Religionsunterricht an einer der hiesigen Mittelschulen überwiesen werden soll. Auf diese Weise soll dem höheren Unterrichte an dem Religionslehrer - Seminar vorgearbeitet werden. Soweit die von dem hohen Laudesschulrathe dem Vorstande der Lemberger Cultusgemeinde intimirte Entscheidung des hohen Unterrichtsministeriums, die nicht verfehlen kann, bei den Juden Galiziens lebhafte Befriedigung und lobende Anerkennung hervorzurufen. Dem neugewählten Vorstande aber ist hiermit eine Aufgabe erwachsen, die der abtretende mit Hingebung und Eifer bis zu diesem Stadium gebracht hat und deren Ausführung zu den ruhmvollsten und segensreichsten Erfolgen seiner Arbeit gehören würde. Auch der Vorstand der Krakauer Cultusgemeinde hat bereits früher namhafte Bewilligungen für diesen so hohen und bedeutungsvollen Zweck ausgesprochen und wir zweifeln keinen Augenblick, daß das Beispiel dieser führenden Gemeinden im Lande lebhafte und begeisterte Nachahmung finden wird. Daß sich auch Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Caro mit seinem reichen Wissen und seiner erprobten pädagogischen Erfahrung in den Dienst dieses heiligen Werkes stellen wird, ist selbstverständlich, doch hoffen wir ihm mit der Erwartung nicht nahezutreten, daß er zur Ausarbeitung der vorzulegenden Pläne den Rath und die Beihilfe auch anderer erfahrener Schulmänner und Theologen in Anspruch nehmen wird. Eine so bedeutungsvolle Arbeit im Jubiläumsjahre unseres erhabenen Monarchen kann nur unter höchst dessen Wahlspruch „Viribus unitis" gedeihlich vollendet werden. A q u i l a. Die Behandlung der Hurrdswuth bei den indischen IKingeboenen. Daß außereuropäische Völker in einzelnen Fällen in ihrer Heilkunde den größten Errungenschaften unserer Wissenschaft voran sind, beweist wieder einmal ein im Pariser „Cosmos" abgedruckter Brief eines französischen Missionärs aus der indischen Provinz Chota-Nagpura in Bengalen. Darin heißt es: „Bor drei Monaten kam ich nach Barambai und wohnte in dem Hause eines reichen Mannes, den ich vor einiger Zeit getauft hatte. Hier geschah es, daß eine wüthende Hündin sechs oder sieben Menschen biß, darunter zwei meiner Träger, und ihnen tiefe Wunden beibrachte. Ich ordnete sofort an, daß Eisenstücke weißglühend gemacht werden sollten, um die Wunden auszubrennen. Aber die Eingeborenen sahen sich groß an und lachten: „Ach, Sahib, das hat gar nichts zu bedeuten, wir haben ein vorzügliches Mittel dagegen, Sie werden es gleich sehen." Die Hündin kam von Neuem angelaufen. Einer der Leute ergriff einen Stock und schlug sie zu Boden. Ein Anderer öffnete ihr schnell den Leib, nahm die noch zuckende Leber des Thieres heraus, schnitt sie in kleine Stücke und gab sie den Gebissenen, die sie in ihrem völlig rohen Zustande herunterschlangen. „Sie sind jetzt ganz außer Gefahr", sagte man mir. Da ich mich noch immer ungläubig zeigte und auf meinem Heilverfahren mittelst des glühenden Eisens bestand, brachten sie einen Mann zu mir, der am Schenkel große Narben ttug. Er war vor fünf Jahren von einem tollen Hunde gebissen worden, hatte auch ein Stück der rohen Leber des Thieres genoffen und keine Folgen seiner Verletzung erfahren. Jetzt sind vier Monate seitdem vergangen, die Wunden jener Gebiffenen sind geheilt, und das Befinden aller dieser Leute ist nach wie vor ausgezeichnet gewesen. Was hat man von diesem Heilmittel zu halten? Und was sagen die Schüler von Pasteur dazu? Die indischen I Eingeborenen behaupten sogar, daß dieses Mittel einen bereits | von der Tollwuth Ergriffenen unfehlbar zu heilen vermag." Ein britischer Gelehrter Namens Fraser hat vor einigen Monaten, wie berichtet, die Entdeckung gemacht, daß die Galle des Thieres und des Menschen auf Gifte zerstörend einwirke. Die Eingebornen in Indien, sowie die in Afrika, haben diesen neuesten Satz europäischer Wissenschaft längst in die Praxis übersetzt. Um aber nicht irrthümlich glauben zu lassen, daß die Indier die Einzigen sind, welche von diesem'Heilmittel Gebrauch