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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-29 · 17 (29.4.1898) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
17 (29.4.1898)
Date
1898-04-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Bloch s Wochenptzrifi. Seite 329 Werksgerechtsame begonnen. Mitglieder des Consortiums sind: Die Disconto-Gesellschaft, Darmstädter Bank, Dresdener Bank, Berliner Handelsgesellschaft, Nationalbank für Deutschland, Schaffhausen'scher Bankverein, S. Bleichröder, Mendelssohn und Co. und Robert Warschauer und Co. Marinepreußen verlieren ihr Leben, das Volk zahlt die Ko sien der Besetzung und Verwaltung und der Jud macht das Geschäft. Kiaotschau wird also thatsächlich den Juden gehören, bis der Rufs' kommt und Preußen und Juden vor die Thüre setzt. Was ist hier größer: Die Einfalt oder die bewußte Unredlichkeit? Ein vom Papst Pius IX. mit der goldenen Medaille ausgezeichneter Jude dürfte unseren Herren Antisemiten doch die Erkenntniß zu Gemüthe führen, daß der höchste katholische Kirchenfürst von Juden und Judenthum ganz andere Anschauungen hat, als die Herren Gregorig, Schneider und Crie. Zur Bekräftigung dieses Vorausgesagten führen wir die beiden vom Nuntius am k. k. Hofe Aut. Fl. Luca, Erzbischof von Tarsus, gefertigten, an Herrn Jonas A b e l e s gerichteten Briefe an. An den k. k. Feldwebel A b e l e s. Seine Heiligkeit unser glorreich regierender Papst Pius IX. haben Sie für Ihre bei Entlassung der päpstlichen Soldaten geleisteten Dienste mit der goldenen Medaille 2' Dimension auszuzeichnen befunden, wovon Sie in Folge Zuschrift des hohen römischen Kriegsministeriums mit dem Bedeuten ämtlich in Kenntniß gesetzt werden, daß die betreffende Auszeichnung nebst Diplom demnächst Nachfolgen werde. Wien, den 27. September 1861. Der Apostolische Nuntius am k. k. österreichischen Hofe: Ant. Fl. Luca Erzbischof von Tarsus. An den Feldwebel Jonas A b e l e s. Hier beigeschlossen erhalten Sie das apostolische Breve nebst Medaille, welche Ihnen von Seiner Heiligkeit unserem glorreich regierenden Papste Pius IX. verliehen worden ist und worüber Ihnen bereits die ämtliche Mittheilung gemacht worden ist. Mit dem Glückwünsche zu dieser erfreulichen Sendung wird das Ersuchen um die Bestätigung des richtigen Empfanges verbunden. Wien, den 16. Jänner 1862. Der apostolische Nuntius am k. k. Hofe: Ant. Fl. Luca Erzbischof von Tarsus. Die goldene Medaille, die auf der Aversseite das Bildniß Sr. Heiligkeit des Papstes mit der Umschrift: Pius IX. Pont. Max. und auf der Reversseite im Mittelfelde die Worte: „Vene Merenti" trägt, ist im Besitze des Herrn Jonas Abeles und kann von Interessenten bei genanntem Herrn in Augenschein genommen werden. 8... Leo XIII. und der SatanSeult. Von Dr. Rieks. Berlin 1897, Verlag von Hermann Walther (Friedrich Bechly). 301 Seiten. Dies Buch gibt genaue und quellenmäßige Auskunft über den Taxil-Vaughan-Schwindel, der, wie die Leser sich erinnern werden, von Paris aus jahrelang mit angeblichen Enthüllungen über Freimaurerei getrieben wurde und damit endete, daß der Verfasser dieser gläubig aufgenommenen Schauergeschichten am 22. April 1897 vor einer Versammlung von Hunderten von Zuhörern eingestand, nichts als muthwillige Fälschungen in die Welt gesetzt zu haben.- Die angeblichen Enthüllungen und das schließliche Eingeständniß haben so viel Aufsehen hervorgerufen, daß Rieks, der Kirchenhistoriker von Fach ist, es für angezeigt gehalten hat, die einschlägigen Hauptthatsachen festzulegen. Leo Taxil, der eigentlich Gabriel Jogand heißt, machte aus seinen Angriffen auf religiöse Lehren und Einrichtungen schon als junger Mensch ein Geschäft, indem er Scandalbroschüren veröffentlichte, die großen Absatz fanden. Im Jahre 1881 wurde er Freimaurer, zerfiel aber bald mit den Brüdern und trat noch in demselben Jahre aus dem Orden wieder aus. Nachdem er einige Zeit der „Anticlericalen Liga" angehört hatte, widerrief er öffentlich seine „Jrrthümer" und spielte nun den eifrigen Ultramontanen und entschlossenen Feind der Freimaurer. Seine angeblichen Ueberzeugungen nach dieser wie nach jener Seite hin waren Borwände; er wollte nur irgendwie von sich reden machen und dabei Geld verdienen, und sein südfranzösischer Hang zum Fabuliren sollte ihm dabei gute Dienste thun. So schrieb er dann sein mehrbändiges Werk mit Enthüllungen über die Freimaurerei und schilderte diese als Teufelsanbetung. Ein besonderer Abschnitt war den „Maurerischen Schwestern" gewidmet und erzählte von unerhörten Greueln. Andere Abenteurer, wie der Prager Canonicus Rohling und der Tiroler Priester Künzle, die ebenfalls vom Scandal und Unsinn leben wollten, verbanden sich mit Taxil und sandten nun unter seiner Leitung die haarsträubendsten Geschichten auf den Büchermarkt. Als Mitarbeiterin nannten die Herren auch eine Miß Vaughan, die gar nicht existirte, unter deren Namen aber wiederum furchtbare Offenbarungen über „weibliche Freimaurerei" erschienen; galt doch die Dame als ehemalige, aber für die Kirche zurückgewonnene „Freimaurerin". Man wärmte die derbsten Teufelsgeschichten des Mittelalters wieder auf; die halb vergessenen Märchen vom Teufelscult der Templer, die Thaten der Hexen und Zauberer, die im römischen Brevier erzählten Wunder der Heiligen wurden herangezogen; man erzählte von den Päpsten und Gegenpäpsten der Freimaurer, von ihrer Hierarchie, die freilich nüt der der Jesuiten eine verdächtige Aehnlichkeit hatte, man legte sreimaurerische Fluchformeln vor, die den päpstlichen Flüchen über deutsche Kaiser genau nachgebildet waren, man beschrieb die von den Engländern besuchten Teufelskirchen in Gibraltar und Singapore u. s. w. Diese Geschichten erhielten eine Fassung und Darstellung, als hätte der weiland Freiherr v. Münchhausen oder der Amerikaner Barnnm, der Vater des Humbugs, die Redaction besorgt. Einer der Genossen Taxil's erzählte später: „Die Katholiken verschlangen das Ganze ohne jede Schwierigkeit. Die Einfalt dieser Leute ist so groß, daß, wenn ich ihnen heute sagte, ich hätte sie nur zum besten gehalten, sie sich weigern würden, mir dies zu glauben. Sie würden vielmehr in der Ueberzeugung verharren, daß alle meine Erfindungen nur die lautere Wahrheit enthalten. Ich kannte meine Pappenheimer. Manchmal, wenn ich eine unglaubhafte Geschichte aufs Tapet brachte, wie z. B. die Geschichte von der Schlange, die mit ihrem Schwänze Prophezeiungen auf den Rücken der Sophie Wälder schrieb, oder die Geschichte des Teufels, der, um einen Freimaurer zu heiraten, sich in eine junge Dame verwandelte und am Abende als Krokodil Clavier spielte — sagten mir meine Mitarbeiter, denen vor Lachen die Thränen in den Augen standen: Theuerster, Sie gehen zu weit! Sie verderben uns den ganzen Spaß! Ich antwortete ihnen: Bah! Lassen Sie mich nur gewähren! Das wird schon gehen. Und es ging in der That." Die Bücher wurden in Hunderttausenden von Exemplaren verkauft und in mehrere fremde Sprachen übersetzt, auch ins Deutsche. Die Ulttamontanen aller Länder priesen die Enthüllungen und variirten das Thema: Da habt Jhr's! Das haben wir ja immer gesagt, daß die Freimaurer Teufelsanbeter sind! Nun haben wir die neuesten und besten Beweise dafür. Die Wiener Antisemiten von Lueger und Liechtenstein bis herab zu den kleinsten Scribenten zählten zu den Gläubigen Taxil's. Der Papst empfing Taxil in Audienz und sandte an Miß Vaughan brieflich seinen Segen. Die Berliner „Germania" feierte im December 1885 diese Miß als eine „edle, sich über das Durchschnittsmaß erhebende und von Gott erleuchtete Jungfrau". Das Tollste an der ganzen Sache ist, daß Taxil und seine Genossen, die im Wesentlichen nur mit kirchlich approbirten Anschauungen arbeiteten, die grimmigste Satyre gegen das ultramontane Kirchenthum lieferten, die jemals geschrieben worden ist, daß aber die Getroffenen selbst, von den Spitzen des Laticans bis zum jüngsten Hetzcaplan hin, die Satyre zunächst nicht verstanden. Wenn die Pariser Spaßvögel unter dem Namen der Miß Vaughan ein facsimilirtes Document veröffentlichten, in welchem eine Dame als Urgroßmutter des Antichrist proclamirt wurde und welches vom Teufel Bitru und von dem italienischen, den Ultramontanen verhaßten Staatsmann Francesco Crispi „eigenhändig" unterzeichnet war, so schrieb man der Miß vom Vatican aus ermunternde Briefe, z. B. unter dem 11. Juli 1896: „Fräulein! Ich beeile mich, Ihnen den schuldigen Dank für die Zusendung Ihres letzten Bandes über Crispi auszudrücken. Fahren Sie fort, Fräulein, fahren Sie fort zu schreiben und die gottlose Secte zu entlarven . . Ihr sehr ergebener Monsignore Vincenzo Sardi." Ja, am 27. Mai 1896 schrieb der päpstliche Generalseeretär an die Miß: „Monsignore B. Sardi, welcher einer der Privatsecretäre des Heiligen Vaters ist, hat mich auf Befehl Seiner Heiligkeit selber beauftragt, an Sie zu schreiben." In ultramontanen Zeitungsredacttonen stellte man

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