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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-29 · 17 (29.4.1898) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
17 (29.4.1898)
Date
1898-04-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 326 Vr Bloch*» VochrnlchrM tlu 17 welche mit Stimmenmehrheit gewählt werden, und beschäftigt sich mit allen Gemeinde-Angelegenheiten. Das Schlachthaus und das Hospital gehört zu ihrem Ressort; sie überwacht den hebräischen Unterricht, unterhandelt mit den Dresch-Unternehmern, und die Vorschüsse an die Colonisten erfolgten durch ihre Vermittlung. In Mosesville haben die Colonisten zwei Vertreter in der Verwaltung. Außerdem bilden einige Kolonisten das „Comite der öffentlichen Arbeiten", welches von der Regierung der Provinz anerkannt ist. In den Colonien von Entre- Rios, welche die jüngsten sind, ist das System der Selbstverwaltung noch nicht eingeführt, aber weim der Stand derselben ein gesicherterer ist, wird man zur Anwendung dieses Systems schreiten, welches den Vortheil hat, den Colonisten das Bewußtsein ihrer Freiheit und Verantwortlichkeit zu geben. 11* Palästina. Die Thätigkeit unserer Gesellschaft in Palästina ist von der jenigen wesentlich verschieden, welche sie in der Republik Argentinien ausübt. In Consequenz der vorher gefaßten Beschlüsse hat der Verwaltungsrath entschieden, dort nur denjenigen Colonisten Hilfe zu leisten, welche im Lande bereits ansässig sind und augenscheinlich Aussicht auf Erfolg haben; sie gewährte ihnen Vorschüsse gegen hypothekarische Sicherheit. In Judäa hat sich unsere Gesellschaft in diesem Jahre für die Colonisten von Wad cl-Chanin, Rechowoth und Gedera intereffirt. Wad el-Chanin liegt an der Gabelung der beiden Straßen, welche von Jaffa nach Hebron und Gaza führen. Unsere Gesellschaft hatte sich seit Ende des Jahres 1896 für das Schicksal dieser Colonie intereffirt und neun Familien ein Darlehen bewilligt, um ihre Schulden zu bezahlen, ihre Installation zu vervollständigen re. Diese Summe ist im Laufe des letzten Jahres nutzbar gemacht worden. Da die Weingärten der neun Familien zu ihrer Ernährung nicht ausreichten, wurden neue Weinberge gekauft. Ferner ist ein gemeinsamer Garten angelegt, ein Theil desselben zum Gemüsebau bestimmt, der andere Theil mit Apfelsinenbäumen bepflanzt worden. Die neun Familien haben die Geräthe und das Vieh, deren sie bedürfen, erhalten; ihre Häuser wurden ausgebessert und vergrößert. Außerdem hat der Verwaltungsrath ähnliche Hilfe sechs anderen Familien der Colonie bewilligt. Zur Leitung dieser landwirthschastlichen Arbeiten und zur Sicherung ihres guten Fortgangs ist ein ehemaliger Schüler von Mikweh-Jsrael in Wad el-Chanin angestellt worden. Die Colonie Rechowoth, eine halbe Stunde von Wad el- Chanin entfernt, wurde von unabhängigen Colonisten und von einer Warschauer Gesellschaft (ölenucha wenachlah) gegründet. Diese größte Colonie in Judäa umfaßt etwa 1000 Hektar, welche ungefähr zur Hälfte der genannten Gesellschaft gehören. Die Hauptcultur ist, wie in fast allen jüdischen Colonien Judäas, der Weinbau. Unsere Gesellschaft hat den unabhängigen Colonisten und Mitgliedern der Gesellschaft Menucha wenachlah hypothekarische Darlehen gewährt, und zwar an zweiundzwanzig von den unabhängigen Colonisten, um es ihnen zu ermöglichen, ihre Weinstöcke zu propfen, nsue anzulegen, Großvieh zu kaufen, Häuser zu verbeffern oder aufzubaucn. Die Mitglieder der Gesellschaft „Menucha wenachlah" werden durch das ihnen bewilligte Darlehen in den Stand gesetzt, sogar den Antheil, den sie der Gesellschaft schulden, zurückzuerstattcn. Die Colonie Gedera (Katra) liegt zwei Stunden von Wad el-Chanin und umfaßt ungefähr fünfzehn Familien. Sie wurde von dem Comite der „Chowewe Zion" zu Odessa gegründet, und die Colonisten sind junge Leute, welche von den russischen Universitäten ausgewiesen wurden. Sie haben vornehmlich Weinberge angelegt. Auf einem kleinen Theile der Fläche bauen sie auch Gerste und Weizen. Unsere Gesellschaft hat ihnen ein Darlehen bewilligt, um ein Wasserreservoir mit Pumpwerk und eine Mühle einzurichten. In S a m a r i a hat sich unsere Gesellschaft für die Colonie CH cdere intereffirt. Dieselbe liegt in der fruchtbaren Saron-Ebene, hat einen Umfang von circa 2700 Hektar und gehört drei russischen Gesellschaften (Kowno, Riga und Wilna) und einigen Privatpersonen. Die meisten der Eigenthümer sind Russen, welche sich noch nicht in Palästina niedergelassen haben. Das größte Hinderniß in der Entwicklung dieser Colonie ist ihr ungesundes Klima. Sie hat nämlich große Sümpfe, welche gefährliche Miasmen erzeugen. Nach dem wir die Sicherheit erworben hatten, daß durch deren Austrocknung der Gesundheftszustand der Colonie sich verbessern wird, hat unsere Gesellschaft Hypotheken-Darlehen an fünfunddreißig Familien gewährt, um sie in den Stand zu setzen, Häuser und Ställe zu bauen, oder diejenigen zu vergrößern, die sie bereits besitzen, Großvieh, Futter» Aussaat, Ackergeräthe zu kaufen. Die Colonie MischmarHaj a r d e n liegt in Galrläa und umfaßt circa 200 Hektar. Schon im Jahre 1896 intereffirte sich unsere Gesellschaft für diese Colonie und gewähtte dreizehn Colonisten-Familien, welche sich dort angesiedelt haben, Vorschüsse. Während des Rechnungsjahres 1897 hat unsere Gesellschaft einen neuen Vorschuß bewilligt, um zwölf fernere Familien iu der Colonie anzusiedeln. Wie man sieht, hat sich die Thätigkeit unserer Gesellschaft in Palästina stark entwickelt. Sie hat dem Director von Mikweh-Jsrael, Herrn N i e g o, dessen Mitwirkung ihr sehr vortheilhast ist, einen Vertreter, Herrn H a y m, zugesellt, welcher die Verwendung der bewilligten Geldmittel zu überwachen und uns über die Ausführung der Arbeiten auf dem Laufenden zu erhalten hat. IU. Cypern. Die Gesellschaft hat dem Verein „Ahawas=Zion", welcher 40 russische Familien umfaßt,- Hilfe gewährt. Dieser Verein hat Terrains auf der Insel Cypern erworben. Der Verwaltungsrath hat Herrn Walther S. Cohn beauftragt, an Ort und Stelle die Angelegenheit zu prüfen. Derselbe hat seine Mission mit großer Hingebung erledigt, und nach Kenntnißnahme von seinem schriftlichen Bericht und von seinen prattischen Vorschlägen hat der Verwaltungsrath der Gesellschaft „Ahawas Zion" ein Darlehen gewährt, welches sie in die Lage setzen wird, ihr Eigenthum, die Farm „Margo", in Besitz zu nehmen und mit der Arbeit zu beginnen. IV. Nordamerika. Der Verwaltungsrath hat der jüdischen Handwerkerschule (Tratte School) in New-Jork eine Jahresunterstützung bewilligt, damit sie eine größere Zahl von Schülern aufnehmen kann. Dieses Institut gibt den Einwandererkindern durch die Unterweisung im Handwerk die Möglichkeit, außerhalb New-Uork, wo die Anhäufung der Einwanderer das Leben so sehr erschwert, existiren zu können. Von demselben Gedanken geleitet, bewilligte der Verwaltungsrath einen ersten Credit, um 100 Arbeiterfamilien in den Industriestädten des Innern anzusiedeln. Einzel-Pächter. Die Aufmerksamkeit wurde auch auf eine Gruppe von Bauern gelenkt, die in Farmen, welche sie in den Staaten von Neu-England erworben haben, angesiedelt sind. Die Zahl dieser Farmenbesitzer ist ca. 500. Jeder bearbeitet seine Farm und 50 Percent derselben vermögen vom Ackerbau und vom Verkauf der Milch re. zu leben. Der Verwaltungsrath hat ihnen Gelddarlehen gewährt, um sie von der allzugroßen Schuldenlast zu befreien und sie in den Stand zu setzen, ihre Ländereien zu bezahlen und zu erweitern. Andere Gruppen von Auswanderern haben in Nordamerika jüdische Colonien „Alliance, Karmel und Rosenhayn", die Colonie Woodbine in New-Jersey und die Colnie „Hirsch" in Canada gegründet. Die Colonien Alliance, Karmelund Rosenhayn umfassen ca. 300 Familien, die nahezu zur Hälfte vom Ackerbau leben, während die übrigen in den Fabriken, welche dort errichtet wurden, beschäftigt sind. Unter den Ackerbauern leben nur sehr wenige ausschließlich von der Bodenbearbeitung; die Meisten sind, da das Land nicht ausreicht, um sie zu ernähren, gezwungen, gleichfalls in den Fabriken zu arbeiten. Aber diese Bevölkerung flößt durch den Eifer und die Ausdauer, von denen sie bisher Beweise gegeben, Interesse ein. Sie haben furchtbare Prüfungen erduldet und mit wahrhaftem Muthe ertragen. Sie haben das Terrain, welches sie erworben, in guten Stand gesetzt; der Verwaltungsrath hat ihnen Vorschüsse bewilligt. Die Colonie Woodbine ist das Werk des Comites des „Baron de Hirsch-Fonds" in New- Iork. Auch dort bieten die Bodenerträgnisse keine ausreichenden Existenzmittel, und die Colonisten haben zu der landwirthschaftlicheu eine industrielle Thätigkeit hinzugefügt. Sie finden in einer daselbst errichteten Fabrik eine Arbeitsergänzung, derer sie bedürfen. Der Verwaltungsrath hat für dieses Etablissement Vorschüsse bewilligt. Woodbine besitzt auch eine Ackerbauschule, welche von dem „Baron de Hirsch-Fond" errichtet wurde. Ter Verwaltungsrath hat für dieselbe einen Credit gewährt, welcher ihre Erweiterung, die Aufführung neuer Bauten und die Vermehrung der Schülerzahl ermöglicht. In der Thätigkeit, welche unsere Gesellschaft in New-Iork, in New-England und New-Jersey entfaltet hat, wurde sie von dem Comite des genannteu Fonds sehr vortheilhast unterstützt; seine Mitwirkung war uns überaus werthvoll. Colonie Hirsch. Bereits in unserem vorjährigen Berichte haben wir den günstigen Stand dieser Colonie hervorgehoben. Die Ansiedler setzen ihre Arbeiten mit großem Eifer und Feuer fort, und Alles läßt hoffen, daß diese Colonie sich schnell entwickeln wird. Um zu dieser Entwicklung beizutragen, hat die Gesellschaft einen Credit für verschiedene Einrichtungen bewilligt und einen ihrer Angestellten zum Studium der Colomsatiousbedingungen in Canada dorthin entsendet. Ebenso haben wir uns um den Unterricht der Kinder gekümmert und zur Errichtung von zwei Schulen und zum Unterhalt des erforderlichen Personals Subventionen gewährt. V. Thätigkeit in Rußland. Auf Einladung der russischen Regierung hat die Gesellschaft einen Beitrag zur Begründung einer Ackerbauschule im Gouvernement Cherson, welche vorwiegend für die Söhne der jüdischen Colonisten bestimmt ist, geleistet. Ferner hat sie an der Vergrößerung der Handwerkerschule „Trud" und der Ackerbauschule in Odessa mitgewirkt. Die Handwerkerschulen in der Slißka- und der Prziebeg-Straße und die Mädchen-Handwerkerschule zu Warschau, die Knaben- und Mädchen-Handwerkerschule zu Minsk und die gleichen Anstalten in Dwinsk und Wilna haben Subventionen empfangen oder zugesichert erhalten, um ihre Lehrräume zu erweitern, ihr Material zu verbessern und ihre Schülerzahl zu vermehren. Unsere Thätigkeit in Rußland wird von unserem St. Petersburger Central-ConntS nachdrücklich unterstützt.

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