Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 17 (29.4.1898)
- Date
- 1898-04-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 17 Vr Vwch's WochrnschrM Seite 335 (Paris), Albert L. C o h e n, I. G. L o u s a d a und Claude M o n t e f i o r e (London), Rechtsanwalt I. P l o t k e- Frankfurt a. M., Dr. Edmund L a ch m a n n-Berlin und Franz Philipp son - Brüssel, anwesend. Als Vertreter des Directoriums nahm Herr Dr. Sonnenfel d-Paris an den Berathungen Theil Der Bericht über dieThätigkeit der Gesellschaft während des Jahres 1897 widmet zunächst dem Andenken des verdienstvollen Herrn S. H. Goldschmidt Worte pietätvoller Dankbarkeit und fährt dann folgendermaßen fort: l. Argentinische Colonien. Unsere Gesellschaft war im Orient, in Nordamerika, in Rußland, in Kanada thätig; aber sie hat auch die Kolonisation in der Republik Argentinien fortgesetzt, wo sie jetzt seit sechs Jahren arbeitet. Sicherlich sind noch nicht alle Schwierigkeiten überwunden; wir können nicht behaupten, daß die Bevölkerung, welche sich in Argentinien angesiedclt hat, zur Stunde bereits alle die Eigenschaften der alten ackerbautreibenden Nationen erlangt bat. Ihre Erziehung ist noch nicht vollendet. Aber wir sind glücklich, feststellen zu können, daß ein großer Fortschritt sich bemerkbar macht. Die letzte Ernte war befriedigend. Sie erbalten später das Tableau der in diesem Jahre ausgefiihrten Arbeiten, dieselben sind von großer Bedeutung. Die Kolonisten scheinen jetzt auf dem Boden, auf welchem sie arbeiten, festen Fuß gefaßt zu haben; wir erhalten keine Gesuche um Rückbeförderung mehr, die Söhne und die Schwiegersöhne der Ansiedler, welche bis jetzt mit ihren Eltern und ihren Schwiegerelten gearbeitet haben, ivollen wie selbstständige Arbeiter eingerichtet werden. Wir schaffen für sie neue Gruppen. Es gibt dort sogar Ansiedler, welche zu ihrem Schaden ihre Eltern aus Rußland abholen wollen; wenn diese in Argentinien ankommen, fühlen sie sich nicht isolirt, sondern unterstützen sich gegenseitig, und diese Auswanderer ermuthigen nur. Die argentinische Regierung selbst hat die Dienste anerkannt, welche unsere Kolonisten in den Provinzen, wo sie sich niedergelassen, geleistet haben; die amtlichen Berichte der Jnspcctorcn bestätigen, daß sie wilde Landstriche in gesegnete Flächen umgewandelt und daß ihr Fleiß Gegenden, welche bis dahin Wüsten waren, einen unleugbaren Wohlstand gegeben hat. Folgende Tabelle gibt die Gesammtsnmme der Bevölkerung unserer Kolonien am 31. December 1837: Kolonien Männer grauen Knaben Tächter Zusammen Mosesville 176 182 291 252 881 Mauricio 189 193 353 244 979 Klara-San Antonio 41 41 74 Ho 221 Baron de Hirsch 28 30 37 37 132 Rachel 26 26 56 34 142 Kirjath-Arbah 24 29 50 51 154 Karmel 41 47 65 51 204 Maisons Jsolees 77 79 116 93 365 Eben Charoschah 18 17 28 27 90 Jda 14 13 32 32 91 Miguel 22 21 43 38 124 Rosh Pinah 15 17 23 16 71 Atchiras ol 53 70 49 223 Perlisa 43 33 101 71 238 Las Moscas 28 28 45 33 135 Barreros 39 38 70 54 20, Belez 84 35 116 115 400 Feinberg 55 64 120 83 322 Baron de Günzburg 142 144 294 216 796 Sonnenfeld 84 83 130 100 397 Basavilbaso 77 81 149 149 456 Primero de Mayo 75 77 124 117 393 Gesammtsnmme 1339 1381 2387 1908 7015 Diese 7015 Einwohner vertheilen sich auf 1364 Familien, von denen mehrere unter einem einzigen Oberhaupt vereinigt sind. Wie diese Aufstellung beweist, ist die Kolonie San Antonio, welche ehemals eine getrennte Verwaltung hatte, mit der Kolonie Clara vereinigt worden. Die Direction von Buenos-Ayres war der Ansicht, daß diese Kolonie nicht bedeutend genug ist, um die Kosten einer getrennten Verwaltung zu tragen, und hat sie mit den anderen Gruppen von Entre-Rios vereinigt. Die genauen Ziffern über die Ernteerträgnisse sind uns noch nicht zugegangen; aber wir wissen bereits, daß die Kolonisten von Entre-Rios und von Mosesville in diesem Jahre ihren vollen Lebensunterhalt verdienen und der Hilfe der Gesellschaft entrathen können. Im Allgemeinen können wir mittheilen, daß der Ertrag pro Hektar in Entre-Rios 9 bis 10, in Mosesville 4 bis 51/* und nur in Mauricio 3 bis 4 Centner betragen hat. Folgende Aufstellung gibt die Zahl der Hektare an, welche in diesem Jahre in den verschiedenen Colonien besäet worden sind: Futter^ Co.'onien Weizen Flachs Gerste Roggen kiee Mais Mauricio 5.817 21 13 2713 Mosesville 5.604 2042 60-5 481-5 Klara Colonien Weizen Futter- Flachs Gerste Reigen tlee i Baron de Günzburg 1446-5 1596 5 Feinberg 747 1004 Belez 689-5 862 Miguel 267-5 366*5 Baron de Hirsch 347-5 309-5 Jda 204-5 209 Karmel 585 593 Kirjath Arbah 372-5 358 Eben Haroschah 275 290 Einzel-Ansiedelungen 872-5 1056 Perlisa 386 5 441 Sonnenfeld 998 975*5 Rosch Pinah 813-5 217 Rachel 441 423 Moscas 187 285 Barreros 253 350 Atschiras 282 414 Basalvibaso 1166-5 858-5 Primero de Mayo 843 642 San Antonio 732 514 Jnsgesammt 22.731-5 13.806-5 21 73-5 4815 2713 Die Kolonisten haben also in diesem Jahre einen Flächenraum von 39827 Hektaren besäet. Fügt man zu diesen Ziffern 721 Hektare alte, 132 durch die Verwaltung von Mosesville neu angelegte Hektare Kleeacker und 174 Hektare, die mit den Gärten und den Obstpflanzungen besetzt sind, hinzu, so ergibt sich, daß insgesammt 40.854 Hektare bebaut sind, nämlich in Entre-Rios 23.075, in Mauricio 8564, in Mosesville 9215. Das Schulwesen beschäftigt uns sehr lebhaft, und unsere Direction in Buenos-Ayres macht alle möglichen Anstrengungen, um den Kindern unserer Kolonisten einen genügenden Elementarunterricht zu vermitteln. Herr S a b a h leitet mit unvermindertem Eifer und mit derselben.Hingabe die Schule von Clara, welche während des vierten Quartals des Jahres 1897 von 100 Schülern besucht wurde. Herr B e n s ch i m o l hat die beiden Schulen der Kolonie Mauricio reorganisirt, an deren Kursen nahezu 200 Schüler während des vierten Quartals 1897 theilnahmen. Die Schule. von Mosesville ist noch nicht vollständig organisirt. Es fehlt ein dirigirender Lehrer, und die Erziehung der Schüler ist hier fast ausschließlich einem Lehrer des Hebräischen anvertrant. Dieselbe zählt ungefähr 50 Schüler. Endlich ist durch die Mühewaltung des Herrn S a b a h eine neue Schule in Feinberg eröffnet worden, wo der jetzt aus dem Dienst unserer Gesellschaft geschiedene Herr A l b u l a unterrichtet hat. Unsere Schulen leiden Mangel an Lehrern. Die Alliance israelite Universelle hatte die Güte, in diesem Jahre einen jungen Lehrer, Herrn Gerson L e v Y, uns zur Verfügung zu stellen, welcher in Argentinien angekommen ist und seitens unserer Direction in Buenos - Ayres jedenfalls die Schule in Mosesville anvertraut erhalten wird. Wir hoffen, daß am Ende laufenden Jahres die Alliance in der Lage sein wird, zwei oder drei Lehrer in unsere Colonien zu entsenden. Die Centralverwaltung in Paris beschäftigt sich ihrerseits damit, einige Lehrer für Argentinien auszubilden. Schließlich hat die Direction von Buenos-Ayres dem Verwaltungsrath kürzlich einen Plan vorgelegt, der darin besteht, zwei oder drei Colonistenkinder, die eine besondere Befähigung für das Studium zeigen, eine Normalschnle des Landes besuchen zu lassen, die dann nach zwei bis drei Jahren in ihre Kolonien znrückkehren sollen, um in den Schulen zu unterrichten. Wir beeilen uns, das Lehrpersonal in unseren Kolonien möglichst schnell zu vervollständigen; die Ansiedler wünschen in der That, daß ihre Kinder Elementarunterricht erhalten, verlangen von der Direction zu Buenos-Ayres neue Schulen, und, sobald wir können, werden wir dieselben eröffnen. Der Gesundheitszustand in unseren Colonien ist beftiedigend. In Mosesville kamen ziemlich zahlreiche Fälle von typhösem Fieber vor, doch hat die Krankheit einen gutartigen Charakter bewahrt. Der Arzt der Kolonie, Herr Kessel, hat nach den Ursachen der Epidemie geforscht. Einige Analysen haben ihm gezeigt, daß dieselben in der schechten Beschaffenheit des Wassers zu suchen sei. Sogleich wurden von der Direction zu Buenos-Ayres Maßnahmen ergriffen, Filter wurden in die Kolonie gesandt und Anstalten getroffen, neue Brunnen zu graben, um den Kolonisten gesundes und reines Wasser liefern zu können. Augenblicklich ist kein Fall von Typhus in Mosesville zu verzeichnen. Der Hospitaldienst der Kolonien von Entre- Rios ist unter Leitung des- Herrn Dr. I a r ch o neugeregelt worden. Die durchreisenden Kranken, die dorthin kommen, müssen die Medicamente bezahlen. Uebrigens ist soeben in den Colonien eine Apotheke errichtet worden, wodurch die sehr namhaften Kosten des Hospitals merklich vermindert werden. In Mauricio steht die Commission der Kolonisten in Verhandlungen mit Herrn Dr. Lebensohn, deni Sohn eines Kolonisten aus Mauricio, damit er sich unter ihnen niederläßt. Der Sanitätsdienst dieser Kolonie wird somit zuverlässiger gestaltet werden. Das System der Selbstverwaltung der Colonien, welches in Mauricio seit einigen Jahren eingeführt ist, besteht daselbst fort. Die letzten Wahlen haben die Zusammensetzung der Commission durchgreifend umgestaltet. Sie umfaßt fünf Mitglieder, —i