Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 17 (29.4.1898)
- Date
- 1898-04-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 324 Vr. Bloch » Wochrnschryl. Nr. 17 genoffen beigetragen. Es mehren sich die Zeichen, daß dieselben nicht mehr in dumpfer und stummer Resignation jede Kränkung und Rechtsverkürzung ertragen, sondern freudig und hoffnungsvoll mitthun wollen in jenem „Kampf ums Recht", den wir als unsere wichtigste Aufgabe betrachten und auf den wir nie verzichten wollen, wohl eingedenk der alten Wahrheit, daß nur dasjenige endgiltig verloren ist, was man freiwillig aufgibt! Auf unseren Bericht, bezüglich der Vorgänge in dem verflossenen Vereinsjahre, übergehend, gestatten wir uns vorerst, derjenigen Mitglieder zu gedenken, die uns durch den Tod entriffen wurden. Es sind dies die Herren: Salamon Frankl, Friedrich Goldscheider, David I a i t e l e s, Adolf K o h n, Ignaz Kornfeld, Eduard K u l k e, M. Pollitzer, Gustav Simon, Michael Sonnenschein und Leopold W u l k a n. Wir bitten Sie, sich zum Zeichen der Trauer von Ihren Sitzen zu erheben. Die im Landtage, Gemeinde- und Stadtrathe eingebrachten, gegen die staatsgrundgesetzlich gewährleisteten Rechte der jüdischen Staatsbürger gerichteten Anträge und Interpellationen veranlaßten uns am 22. Mai 1897 im großen Saale der Handels- und Gewerbekammer eine öffentliche Vereinsversammlung einzuberufen, um in derselben feierlichen Protest gegen die Haltung dieser Körperschaften unserer Confession gegenüber zu erheben. In dieser Versammlung, zu welcher an alle Mitglieder der israelitischen Cultusgemeinde Einladungen ergangen sind, theilten sich die Herren Landtags-Abgeordneter Dr. Julius Ofner, Gemeinderath Dr. Alfred Stern und unser Bice- Präsident Sigmund M a y e r in die Referate. In dem abgelaufenen Vereinsjahre hielten wir weitere sieben Bereinsversammlungen ab, in welchen folgende Herren Vorträge hielten: Am 13. November 1897: Herr Oberrabbiner Dr. Moriz G übemann : „Ueber die inneren Ursachen der Blüthe und des Verfalls in der Geschichte der Juden." Am 22. December 1897: Herr Professor Dr. Graubart über: „Das.Königthum in Israel". Am 22. Jänner 1898: Herr Landtags-Abgeordneter Regierungsrath Profeffor Friedrich Kick über: „Die gegenwärtige polnische Situation". Am 12. Februar 1898: Herr Universitäts-Docent Dr. S. Ehrmann über: „Die culturhistorische Bedeutung der Juden als Aerzte". Am 5. März 1898: Herr Gemeinderath Baurath Wilhelm S t i a ß n y über: „Wienerisches. Jüdisches". Am 26. März 1898: Herr Rabbiner Dr. Adolf S ch m i e d l. über: „Das Jahr 1848 im Lichte der Culturgeschichte." Am 9. April 1898: Herr Reichsraths.Abgeordneter Dr. Ferdinand Kronawetter über: „Adolf Fischhof und die Berfaffungskämpfe der Gegenwart". Wir sagen den Herren Vortragenden für ihre Bereitwilligkeit, mit welcher sie unserer Einladung gefolgt sind, und für das Interesse, das dieselben unseren Bestrebungen zutheil werden ließen, an dieser Stelle nochmals besten Dank. Auch ist es uns eine Herzenspflicht, allen jenen Persönlichkeiten, welche unsere Abwehrthätigkeit in selbstloser Weise durch Rath und That unterstützt baben, namentlich den Herren Abgeordneten Hofrath Kareis, Dr. Emil Byk, Regierungsrath Kick, Dr. Ferdinand Kronawetter, ferner den Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Oscar Hein, Dr. Max O r nstein, Dr. Wilhelm Pappenheim, Dr. Wilhelm Schneeberger und Dr. Wllhelm Zucker, ferner den Herren Prof. Dr. Josef Rosenblatt und Jacob Bober in Krakau,. David M a s ch l e r in Lemberg und Dr. Friedrich D u s ch e n e s in Prag den innigsten Dank auszusprechen. Es gereicht uns ferner zu besonderer Genugthuung, an dieser Stelle constatiren zu können, daß unsere Abwehr-Action auch die werkthätige Förderung und Unterstützung solcher Kreise gefunden hat, die bis nun unserem Vereine ferne geblieben waren. Der „Kalender für Israeliten" erschien in der sechsten Auflage und gereicht es uns zum Vergnügen, die Wahrnehmung; gemacht zu haben, daß sich derselbe nicht nur in vielen hiesigen : Familien eingebürgert hat, sondern daß derselbe sich in der ganzen Provinz lebhafter Sympathien erfreut. Zu unserem lebhaftesten Bedauern ist Herr Commercialrath Ignaz Zucker knapp vor Jahresschluß in Folge eingetretener Gesundheitsstörung aus unserem Vorstande geschieden; derselbe hat jedoch hiebei selbst den Wunsch ausgesprochen, unserem Vorstande auch fernerhin als Beirath zur Seite stehen zu dürfen. Wir freuen uns, Herrn Commercialrath Zucker, welcher nie bei einer Sitzung fehlte und für alle Vorgänge im Vereine das größte Interesse hatte, unserem Vereine, wenn auch unter einem anderen Titel, erhalten zu wissen. Als Beiräthe fungirten im abgelaufenen Vereinsjahre die Herren: Dr. I. S. Bloch, Docent Dr. S. E h r m a n n, Gemeinderath Theod. Ritter v. G o l d s ch m i d t, Docent Dr. Josef G r ü n f e l d, S. H e i t, Ignaz Kantor und Landesschulrath Dr. Gustav K o h n und seit Kurzem auch Herr Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Sigmund Zins, einer der Gründer unseres Vereines. Geehrte Versammlung! Wenn Sie die'Vorgänge der letzten Zeit verfolgt haben, so werden Sie die Wahrnehmung machen, daß die antisemitische Bewegung ihren stürmischen Siegeslauf bereits wesentlich verlangsamt hat. Weder bei den jüngsten Gemeinderathswahlen, noch bei den Wahlen in die Steuer-Schätzungs-Commissionen haben unsere Gegner neue Erfolge zu erringen vermocht, ja es ist vielmehr bei beiden Anlässen die Sache des Fortschrittes, wenn auch nur um Geringes, gestärkt worden. Wir sind weit davon entfernt, an diese Thatsachen übertriebene Erwartungen zu knüpfen. Die Lage ist noch immer ernst genug, aber sie ist nicht mehr hoffnungslos. Ziehen wir noch die Vorgänge in unserem Parlamente in Betracht, so dürfen wir bei dem daselbst herrschenden Chaos mit Zuversicht die Erwartung hegen, daß mit der vollständigen Lahmlegung aller Kräfte durch das excessiv gewordene Princip des Nationalitätenhasses endlich auch das unheilvolle Princip des Racenhasses sä absurduiu geführt werden muß. Wir haben uns wohl gehütet, in diese Ereignisse activ einzugreifen, wir haben aber dieselben mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und glauben, ohne optimistisch zu sein, an dieser Stelle die Hoffnung aussprechen zu dürfen, daß die Segnungen derjenigen Bewegung, die uns im Jahre 1848 die lang ersehnte Freiheit brachte, in nicht allzuferner Zeit uns wieder von jenen Mauern befreien werden, mit welchen man für uns Juden in Oesterreich ein neues sociales Ghetto schaffen wollte. Umso mehr ist es die Pflicht aller unserer Glaubensgenossen, in der Vertheidigung aller verfassungsmäßigen Rechte treu und unermüdlich auszuharren,. die „ Oesterreichisch-Jsraeliiische Union" in ihren Bestrebungen mit aller Kraft zu unterstützen und für die Ziele unseres Vereines eifrige Propaganda zu machen. So wollen wir denn, wie jene Gilde aus alter Ghettozeit, als „Harrer auf den Morgen" mit neuem Muthe, mit ungeschwächter Arbeitslust auch in dem neuen Vereinsjahre unserer Aufgabe gerecht werden. Der Rechenschaftsbericht wurde von der Versammlung stellenweise stürmisch acclamirt und zum Schluffe mit dem vom Vorstandsmitgliede Herrn B. Kanitz verlesenen Cassaberichte genehmigend zur Kenntniß genommen. Bei der hierauf erfolgten Wahl wurde der bisherige Präsident kaiserlicher Rath Wilhelm A n n i n g e r per Acclamation einstimmig wiedergewählt. In den Vorstand wurden mittelst Stimmzettel die Herren Dr. S. Elias, Jacob Jaiteles, B. Kanitz, Dr. Jacob K o h n, Sigmund Mayer, Dr. Philipp Meitner, Adolf Rosen bäum und Dr. Marcus Spitzer wieder- und Herr Dr. Sigmund Zins neuentsendet. Nachdem Herr Schick im Namen der Mitglieder dem Vereinsvorstande für sein verdienstvolles Wirken den Dank votirte und Herr L i e b e r m a n n in warmen Worten der Thätigkeit des Secretärs Joses Fuchs gedachte, schloß der Vorsitzende in vorgerückter Stunde die Versammlung. Die Irwish Colonisstion Association. Paris, 19. April. Die jüdische Eolonisationsgesellschaft übermittelt der Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift" aus Anlaß der in Brüssel abgehaltenen Generalversammlung den interessanten Jahresbericht. Bei der Generalversammlung waren, nach einem Berichte der „Jüdischen Presse" sämmtliche Mitglieder des Verwaltungsrathes, die Herren Narcisie Leven, Großrabbiner Zadoc Kahn und Prof. Salom. R e i n a ch