Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 16 (22.4.1898)
- Date
- 1898-04-22
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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su 16 Vr. Vloch's Wochrn-ltzrM th eilzunehmen und rituelle Kost, für welche der Minjam-Berein sorgte, zu genießen, das k. u. k. Militär-Commando willfahrte diesem Ansuchen und wurde die Mannschaft bei dem Religivnslehrer Herrn Samuel Eigner, welcher den Seder in traditioneller Weise gab, gespeist. Den Wein stellten die Herren Josef Winkler, Bereinsobmann und Beirath Leopold Rosenbaum. Herr Josef Winkler hat gelegentlich der Confirmation seines Sohnes amPessach einen completen, prachtvollen silbernen Thora-Schmuck dem Vereine gespendet. E . . . . r. E. B. Brünn, 18. April. (Todesfall.) Einer unserer geachtetsten Mitbürger, der Nestor der Brünner Judenschaft und naher Verwandter des Landesrabbiners Dr. P l a c z e k, Herr Jsak L ö w Beer, ist heute morgens in seiner Villa in der Schreibwaldstraße, 88 Jahre alt, aus dem Leben geschieden. Der Verblichene aus Boskowitz in Mähren gebürtig, einer in ganz Mähren hochangesehenen Palrizierfamilie entstammend, der vor einigen Jahren krankheitshalber sich von seiner industriellen Thätigkeit zurückziehen mußte, war als G.'sellschafter der Firma Aron u. Jakob Löm Beers Söhne ein überaus thätiger Mitbegründer der heute weitverzweigten Unternehmungen dieser Firma. Emsige Thätigkeit gepaart mit unerschütterlicher Rechtlichkeit sicherten dem Verblichenen bei Lebzeiten die Achtung aller, die mit ihm in Verkehr traten und werden sein Andenken fortleben lassen. Die Wohlthätigkeit des Verstorbenen war bekannt, sein Name fehlte nie, wenn es sich uni Förderung eines gemeinnützigen Unternehmens, um Linderung von Noth handelte. An der Bahre des Dahingeschiedenen trauern die hochbetagte, gramgebeugte Witwe, Frau Lea Löw Beer, geb. B e r n a i s, eine durch hohe Geistesgaben und Wohlthätigkeitssinn ausgezeichnete Dame und die in Wien domicilirende Tochter Frau Polaczek, welche in den Fußtapfen ihres gottseligen Vaters wandelt. Möge dem Verewigten die Erde leicht sein! Holleschau, 17. April. (G e m e i n d e b i b l i o t h e k.) Die hiesige Bibliotheksverwaltung schreitet demnächst zur Drucklegung eines Kataloges, der circa 1400 Nummern enthalten dürfte. Demselben geht ein kurzer Rechenschaftsbericht und ein Spendenverzeichniß voran. Dank den eifrigen Bemühungen des Herrn Gemeinderathes Donat Z i f f e r e r in Wien, der circa 1000 Bände gespendet, und des Herrn Albert Löw in Budapest, der die jüdisch-literarische Abtheilung begründet und durch äußerst werthvolle Werke zum Ausbaue derselben beigetragen hat, ist der Bestand der Volksbibliothek, welche ihre Bücher, Bestellzettel rc. dem Publicum unentgeltlich zur Verfügung stellt, für die Dauergesichert. Troppau. (I u b i l ä u m.) Der Leiter der Zündwaaren-Fabrik von Jakob und Josef Kohn in Troppau und Krasna, Herr Eduard A b e l e s, feierte am 15. April sein 25jähriges Jubiläum als Beamter des genannten Etablissements, aus welchem Anlasse das Fabriks-Personal seinen wohlwollenden Director in herzlicher Weise beglückwünschte. Bielitz. (Aus der C u l t n s g e m e i n d e.) Im Monat Mai läuft die Fuuctionsdauer des im Jahre 1895 gewählten Cultusvorstandes ab. Die Neuwahl ist auf den 21. d. M. anberaumt und wird in der Zeit von 9 bis 1 Uhr und 2 bis 4 Uhr Nachmittags im Turnsaale des israelitischen Volksschulgebäudes in der Giselastraße stattfinden. Krakau. Zu Ehren des hier seit einigen Wochen weilenden rühmlichst bekannten hebräischen Dichters David Frischm a n n aus Warschau wurde letzten Sonntag auf Anregung des Herausgebers des „Hamagid", Herrn Samuel Fuchs ein Commers veranstaltet, an deni ein distinguirtes Publicum von den verschiedensten Schattirungen der hiesigen Judenschaft theilnahm. Der Vorsitzende, Advocat Dr. Korn Häuser, eröffitete die Versammlung mit einer schwungvollen Ansprache, in der er auf die vielfachen Verdienste des Dichters Fris ch m au hinwics. Hierauf ergriff unser vielgeliebter Prediger.Herr Dr. Osias Tho n das Wort, der zu den Freunden des gefeierten Gastes zählt und schilderte in kurzen aber klaren Umrissen die hervorragende Stellung, die F r i s ch m a n in der hebräischen Literatur seit einer Reihe von Jahren einnimmt. Bei dieser Gelegenheit beleuchtete Redner den Zionismus, rügte in drastischer Weise seine politis chen Anhänger und hob den C u l t u r z i o n i sm u s hervor, den Zionismus, der die Pflege der jüdischen Literatur die aufrichtige Rückkehr zum Judenthum bedinge. Redacteur Samuel Fuchs feierte F r i s ch m a n als Dichter und Kritiker in einer sehr launigen und witzigen Sprache, während Seite 317 Buchhändler Aaron F a u st in meisterhafter Form denselben als Schriftsteller und unter den Juden Rußlands als Aufklärungs- Verbreiter darstellte. Bei dieser Gelegenheit zog Herr Faust gegen die Vorsteher unserer Cultusgemeinde los, die für die Verbreitung jüdischer Aufklärung keinerlei Sorge tragen wollen. Es sprachen noch die Herren: Dr. G o l z e r, Dr. G i n z i g (hebräisch), Rabbinatscandidat R o t b l u m (hebräisch), Doctor Löbel, Schönwetter, Dr. Korn Häuser, Lehrfreund, B. S p i r a, S. P e l z u. A. Die animirte Verjammlung schloß um 2 Uhr Mitternacht. S. Krakau. Der hiesige Uuiversitäts - Professor Dr. Leon Sternbach hat sich im Aufträge der Krakauer Universität nach Spanien zur Vornahme von Studien begeben. Professor Sternbach, eine Zierde der hiesigen Universität, eine Eapacität ersten Ranges, hat bereits mehrere bedeutende Studienreisen mit großem Erfolge unternommen. Banjaluka. Am 11. d. M. fand hier die Generalversammlung der ö st e r r e i ch i s ch - u n g a r i s ch e n israelitischen Cultusgemeinde statt. Für den bisherigen Vorstand der Gemeinde, Herrn A. Fische r, der seine Würde wegen Domicilwechsels niederlegte, wurde der hiesige Vertreter der Firma I. B. Schmarda, Rotter und Perschitz, Herr Adolf Mittler, e i n st i m m i g zum Vorstand gewählt. Uftrzyki, 11. April. Es dürfte Ihre geschätzten Leser interessiren, daß hier in Uftrzyki, welches die Mehrzahl Antisemiten hat, Herr Moses F r ä n k e l zum Bürgermeister gewählt wurde. Feuilleton. Sie Kinder des Ghetto'«. Auszug aus dein Vorworte. (Als Probe.) Das Ghetto, das den dunklen Hintergrund unserer Bilder darstellt, ist ein freiwillig entstandenes. Menschen, die ein paar Jahrhunderte lang in einem Ghetto gelebt haben, sind nicht im Stande es zu verlaffen, blos weil die Thore niedergerissen worden sind, ebensowenig vermögeil sie die Brandmale von ihrer Seele zu verwischen, indem sie die gelben Flecken herabreißen. Die ihnen von außen auferlegte Jsolirung erscheint zuletzt als das Gesetz ihres Wesens. Aber eine Minderheit wird unter den Verwünschungen einer fortwährend abnehmenden Mehrheit, einzelweise ins größere, freiere, fremdere Leben hinaustreten und das Ghetto wird allmälig verlassen werden, bis es zuletzt nur der Sammelplatz der Armen und Unwissenden sein wird, die sich zusammenkauern, um sich zu wärmen. Solche Menschen sind ihr eigenes Ghetto, wenn sie auswandern, tragen sie es mit sich in Länder, wo es keines gibt. So ergossen sich ins Herz des östlichen Londons aus Rußland, Polen, Deutschland, Holland, Ströme von Verbannten, Flüchtlingen, Kolonisten, von denen es nur wenigen so wohl ging, lvie denk Inden im Sprichworte, die aber alle reich an Heiterkeit, Fleiß, und Klugheit waren. Die Mehrheit trug nichts mit sich als ihre Gebetriemen und ihre Gebetfhawls, dazu eine gutmüthige Verachtung der Christen und des Chrrstenthums. Der Jude ist nämlich selten durch die Verfolgung verbittert worden. Er weiß, daß er im G o l e t h, im Exil ist, daß die Tage des Messias nicht gekommen sind und er betrachtet den Verfolger blos als das alberne Werkzeug einer allweisen Vorsehung. Diese armen Juden waren also reich an allen Tugenden, fromm und doch duldsam, stark in ihrem Vertrauen auf den Glauben, die Hoffnung und besonders die Mildthätigkeit. In den ersten Tagen des XIX. Jahrhunderts war ganz Israel verbrüdert. Selbst die Pionier-Colonien wohlhabender Saphardime, Abkömmlinge der spanischen Kryptojuden, die England via Holland erreicht hatten, modificirten den Boycott armer Aschkenasi-Einwanderer, nachdem sie eine überwältigende Mehrheit geworden waren. Es gab eine höhere Schichte englischdeutscher Juden, die Zeit gehabt hatten vorwärts zu kommen; aber alle Aschkenasistämme lebten so ziemlich wie eine glückliche Familie. Die Armen verhielten sich gegen die Reichen nicht ablehnend, sondern waren bemüht ihnen Gelegenheit zum Wohlthun zu geben. Der Schnorrer empfand beim Betteln keine falsche Scham: er wußte, daß es die Pflicht des Reichen war,