Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-22 · 16 (22.4.1898) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
16 (22.4.1898)
Date
1898-04-22
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021223-3021240--07771-3032115
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 316 Dr. Blrrit'* VochrnkchrM Nr. 16 Die Menge drängt sich an seinen Wagen heran und überschüttet diesen unter den Rufen: Es lebe Drumont! Es lebe Regio! Freiheit! Nieder mit den Juden! mit Fahnen und Blumen; und schwenkt Hü:e und Taschentücher. Auf der ganzen Fahrt durch die überfüllten Straßen bis zur „Villa Antjuive" und „Billa Drumont" und trotz des schlechten Wetters dieselben begeisterten Kundgebungen! Korsische Delegationen überreichen goldene Palmen. Man wirft eine dreifarbige Fahne in den Wagen Drumonts, der sie ergreift und unter ungeheueren Jubel hochhält. Auch die paar Worte7 die er an die Menge richtet, werden bejubelt, obwohl man sie bei dem ungeheueren Lärm sicher nicht verstanden hat. In der „Villa Drumont" wird dem Pariser- Gast ein Ehrenchampaguer geboten. Während dessen fährt die Menge mit ihren Kundgebungen fort und fortwährend treffen Abordnungen mit Palmen und Kränzen ein. Auf diesen prangen u. A. die Aufschriften: „Die antisemitischen Damen der Tangerstraße", „die antisemitischen Damen der Aurualestraße Herrn Drumont", „die Antisemiten der Mnlhauserstraße" dem Herrn Eduard Drumont, dem Retter Algeriens, „die Antisemiten von Büne Herrn Drumont", „die muselmännischen Wähler Algiers", „die antisemitische Bevölkerung von Coustantine u. s. w. Die Stadt ist Abends glänzend erleuchtet, kurzum, dem Führer der französischen Antisemiten sind Huldigungen bereitet worden, wie sie sonst nur gekrönten Häuptern zutheil werden. Unter solchen Umständen bleibt es nur zu verwundern, daß keine größeren Exceffe bisher vorgekommen sind, umsomehr, als die Stimmung auf allen Seiten äußerst gereizt ist. Sehr begreiflich ist aber, daß die Geschäfte unter solchen Exceffen leiden müssen und daß insbesondere die Juden nur mit äußerster Vorsicht an geschäftliche Unternehmungen Herangehen. Schon macht sich die Geschäftsstockung auch in Frankreich fühlbar und die Fabrikanten von Rheims versenden an die Pariser Zeitung ein Circular worin sie bittere Klage über die laue Haltung der französischen Regierung führen, die es mit ansehe, wie ihnen ein großes Absatzgebiet durch straflose Pöbelexcesse ruinirt werde. Diese Klage wird gewiß nicht vereinzelt bleiben, sondern eine große Anzahl ähnlicher im Gefolge haben. London. Am 3. April fand die Aprilversammlung der Auglv Jewish Affociation statt, die seit längerer Zeit zum erstenmale ein financiell günstigeres Bild bot. Der Schatzmeister konnte diesmal mittheilen, daß die Baronin Hirsch 4000 Mark und Rothschild 2000 Mark der Gesellschaft zum Geschenk gemacht hätten. Die Anglo Jewish Association hatstch an die Regierung gewendet, um für die Bene Israel, welche ein neues Gesetz in Indien von dem Avancement zum Officier ebenso wie alle anderen indischen Eingeborenen ausschließt, eine Ausnahme von diesem Gesetz zu erwirken; doch hat sich die englische Regierung hiefür incompetent erklärt und an die indischen Behörden verwiesen. Der Fond für die Hilfeleistung in Marokko hat die Höhe von 6500 Mark erreicht, wovon circa 2500 aus Deutschland kamen. Bewilligt wurden für die Bagdader Mädchenschule 650 Mark, für die Talmud Thora in Damascus 650 Mark, für diejenige in Halfa 400 Mark, endlich noch 300 Mark für den Schulbau in Rustschuk. 500 Mark sind an die Gemeinde in Tripolis zum Ankauf von Mazzes für die Armen dieser Gemeinde gesandt worden. Alle Berichte über die Schulen im Orient lauten sehr günstig und weisen eine stetig steigende Zahl an Schülern respective Schülerinnen aus. So sind die Schüler der Abendclassen in Damascus von 120 auf 180, in Bagdad in der Mädchenschule die Schülerinnen von 66 auf 90 gestiegen rc. In Damascus und Haifa sind auch in dem Handfertigkeitsunterricht einige neue Zweige hinzugefügt worden. In der letzten Versammlung des Verwaltungsrathes der United Synagoge ist es zu peinlichen Scenen gekommen. Bei der Wahl zum zweiten Schatzmeister der Beerdiguilgscommission fiel der vom Vorstand protegirte Candidat S. G. Marks gegen einen anderen Arthur E. Franklin durch. Darauf legte der gesammte Vorstand seine Ehrenämter nieder und die Versammlung mußte vertagt werden. Philadelphia. Der hier abgehaltene Ball der vereinigten jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten hat den höchst respectablen Betrag von 75.000 Mark diesen Anstalten zugeführt. Davon erhielten der jüdische Hospitalverein 21.000 Mark, die United Hebrew Charietes 20.000 Mark, das jüdische Waisenhaus 19.000 Mark und sechs andere kleine Vereine theilten sich den Rest. Der bei diesem Ball erzielte Ueberschuß ist der größte, der je in Philadelphia durch eine derartige Veranstaltung wohlthätigen Zwecken zngeführt wurde. — Die Zahl der jüdischen Einwanderer in unserem Hafen betrug im März 177, wovon 139 männlich und 36 weiblich waren. Von den Einwanderern kamen 134 aus Rußland, 18 aus Galizien, 8 aus Polen, 5 aus Oesterreich, 5 aus Ungarn, 3 aus Deutschland, 3 aus Rumänien und einer war erst am 19. März auf der hohen See auf einem belgischen Dampfer geboren. Die Einwanderer vertheilten sich auf 13 Städte. Die Einwanderung war erheblich geringer als in den entsprechenden Monaten des vorigen und vorvorigen Jahres. Vermilchles. Wien. (Oesterreichisch-israelitischeUnion.) Samstag den 23. April 1898, Abends halb 8 Uhr, findet im Restaurant Khuner I., Schottenring 19, die XU. Generalversammlung statt. Tages ordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Rechenschaftsbericht. 3. Cassabericht. 4. Neuwahl des Vorstandes. 5. Anträge und Interpellationen. Der Vorstand. Wien. Unter ungewöhnlich großer Betheiligung der Finanz- und Knnstwelt unserer Residenz fand Dienstag den 19. April im Seitenstettentempel die Trauung des Frl. Clara v. T a u s s i g, Tochter des General-Directors der Boden-Creditanstalt, mit Herrn Arnold Bela v. H a t v a n y statt. In dem prachtvoll mit tropischen Gewächsen und orientalischen Teppichen decorirten Gotteshause hatten sich kurz vor 12 Uhr die Festgäste versammelt, unter welchen wir die Herren: Graf Starhemberg, Baron v. Bccezny, Baron Albert v. Rothschild, Baron Springer, D. v. Guttmann, Ober-Regisseur Sonnenthal, Direktor Bauer, Alfred Grünfeld, Julius Bauer rc. bemerkten. Der feierliche Act der Trauung wurde in stimmungsvollster Weise durch O b e rcantor Singer eingeleitet, worauf Oberrabbiner D r. G ü d e m a n n den Trauungsact vornahm. Wien-Hernals. Herr Solomon R o s n e r, Vorstandsmitglied des löbl. Cultusvorstandes in Wien, feiert am 10. Mai mit seiner Frau Amalia, geb. Adler, das Fest der silbernen Hochzeit. Wien-Währing. (Verlobung.) Frl. Regina Weiß, Tochter des städtischen Lehrers und Religionslehrers Herrn Simon Weiß, hat sich mit Herrn Marcus Rosenfeld verlobt. Wien. Der Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Sigmund Zins, unseren Lesern als einer der Gründer und vieljährigen Vorsteher des Vereines „Oesterreichisch-israelitischen Union" in bester Erinnerung, hat seine Kanzlei im VIII. Bezirk, Lerchenfelderstraße 14 eröffnet, und zwar in Gemeinschaft nrit dem Hof- und Gerichtsadvocaten Carl Keipper, k. k. Landesgerichtsrath i. R. Wien. (P r e d i g e r M a n n h e i m e r - V e r e i m) Am 17. October d. I. gelangen die Zinsen des Prediger Mannheimer-Vereines zur Vertheilung. Anspruch auf eine Unterstützung haben Rabbiner, Prediger und Lehrer in Oesterreich-Ungarn, welche dienstunfähig geworden sind, öder deren Witwen und Waisen. Nachzuweisen ist: daß die Rabbiner und Prediger ihr Amt durch wenigstens 10 Jahre an einer Gemeinde von mindestens 50 Gemeindemitgliedern in würdiger zufriedenstellender Weise versehen haben, daß die Lehrer an einer autorisirten, gesetzlich anerkannten und concessionirten Schule das Lehramt verdienstlich ausgeübt haben, ferners Würdigkeit und Dienstunfähigkeit. Beamte großer, notorisch reicher Gemeinden sind ausgeschlossen. Ungestempelte Gesuche sind längstens bis 30. Juni d. I. an den Vorstand des Prediger Mannheimer-Vereines in Wien, I., Börsegasse 9 zu senden. Auf nicht gehörig belegte Gesuche wird keine Rücksicht genommen. Groß - Enzersdorf. (M i l i t ä r v e r p f l e g u n g am . P e s s a ch.) So wie alljährlich, hat auch in diesem Jahre der Minjam-Berein in Groß-Enzersdorf an das k. u. k. Militär- Stations-Commando das Ansuchen gestellt, die der israelitischen Confession angehörende Mannschaft der hiesigen Garnison über die ersten zwei Peffach-Tage zu dem Zwecke vom Dienste zu befreien, damit es derselben möglich sei, an dem Gottesdienste

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.