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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-22 · 16 (22.4.1898) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
16 (22.4.1898)
Date
1898-04-22
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 16 Vr Vlmd'« MulhenkltzrM Seite 315 bekannt als der tüchtigste Kenner dieses Gebietes und umsomehr fällt es. in's Gewicht, daß er fortwährend die großen Fortschritte zu rühmen hat, die in den letzten fünfzehn Jahren in diesen Gegenden gemacht'worden sind. Jedes Dorf weist eine Zunahme der Bevölkerung auf,, und ebenso ist die ganze Art der Bewirthschaftung erheblich rationeller als die früher übliche. Schumacher betont auf das nachdrücklichste, daß, Dank der türkischen Besatzung, das Eigenthum der Bewohner setzt vor Anfällen der räuberischen Beduinen fast vollkommen gesichert sei. Er erwähnt auch die im Jahre 1895 begonnene Ansiedlung der jüdischen Colonisten im Hauran, die dort Grundstücke im Umfange von 72.000 Dunar bebauen, und er verspricht sich sehr viel von der Wirkung des neuen Culturelementes. Berlin, 12. April. (Generalversammlung des Rabbinerverbandes.) Die Einladung zu der nächsten Generalversammlung des Rabbinerverbaudes in Deutschland ist von dem geschäftsführenden Borstand (den Herren Rabbinern Maybaum-Berlin, Horovitz-Frankfurt a. M., Werner-München, Auerbach-Halberstadt und Guttmann-Breslau) auf Mittwoch und Donnerstag, den 1. und 2. Juni d. I. ergangen. Die Berathungen finden im Saale der Repräsentanten der Berliner jüdischen Gemeinde, Oranienburgerstraße 30, statt. Auf der Tagesordnung stehen folgende Berathnngsgegenstände: 1. Bericht über die Thätigkeit des geschäftsführenden Vorstandes und über die Verbandscasse. 2. Die zionistische Bewegung. (Referenten: Horovitz-Frankfurt a. M., Vogelstein-Stettin.) 3. Die Stellung des Rabbiners in Deutschland. (Referenten: Cohn-Kattowitz, Werner-München.) 4. Gründung einer Reliktencasse. (Referenten: Guttmann- Breslau, Rahmer-Magdeburg.) 5. Obligatorischer Religionsunterricht. (Referenten: Bäck- Lissa, Prager-Cassel.) 6. Die Einführung einer Predigt am Freitag Abend. (Referenten Maybaum-Berlin, Plaut-Frankfurt a. M.) 7. Dimissoriale bei Trauungen. (Referenten: Salfeld-Mainz, Kopfstein-Beuthen.) 8. Stellung der Halacha zur Veterinärkunde. (Referenten: Auerbach-Halberstadt, Gronemann-Hannover.) 9. Wahl des Centralausschnsses. Den Theilnehmern an der Generalversammlung werden auf Verlangen und nach Maßgabe der verfügbaren Mittel Reisekosten und Diäten gewährt. Die leistungsfähigen Gemeinden tverden zu Beiträgen für diesekk Zweck eingeladen. Eine Borversammlung findet am 31. Mai, Abends 8 Uhr, in der kleinen Synagoge, Oranienburgerstraße 30, statt. Um zahlreiche Betheiligung und rechtzeitige Anmeldung bei Herrn Rabbiner Dr. Maybaum wird gebeten. Berlin, 11. April. In der am 3. d. M. stattgehabten fünften Generalversammlung des B e r e i n e s f ü r j ü d i s ch e Krankenpflegerinnen zu Berlin konnte der Vorsitzende Herr Albert Philipp Meyer, von einer gedeihlichen Weiterentwickelung des Vereines berichten. Dem Rendanten, Herrn M. Metzenberg, wurde einstimmig Decharge ertheilt und der Etatanfchlag pro 1898, welcher in Einnahme und Ausgabe mit 29.700 Mark balancirt, ohne Widerspruch genehmigt. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Herr M. Metzenberg, Herr Albert Philipp Meyer, Herr Geh. Medicinalrath Prof. Dr. Senator, Frau Dr. Frankl und Frau Stadtrath Weigert wurden einstimmig wiedergewählt, ebenso die Herren Hugo Deutsch, Hugo Heilmann und Moritz Manheimer zu Cassenrevisoreu. In der Debatte über Vereinsangelegenheiten kam es zur Sprache, daß immer noch gerade die sogenannten besseren und wohlhabenden Kreise ihre Angehörigen von dem Beruf der Krankenpflege fern halten; dies ist aufrichtig zu' bedauern, weil hierdurch dem Verein dasjenige Material an Schülerinnen entzogen wird, welches so recht geeignet wäre, dem Verein eine Ehre und Zierde zu sein und die höheren Interessen zu fördern, welche bei Begründung des Vereines für jüdische Krankenpflegerinnen beabsichtigt waren. Allmälig wird aber auch die Erkenutniß sich in immer weiteren Kreisen verbreiten, daß es für eine Frau keinen höheren und schöneren Beruf gibt als denjenigen der Krankenpflege. Die Oberin des Vereines, Fräulein Rose Blau, Anguststraße 17 (Schwesternheim), ist zu jeder Auskunft gern bereit, und sind An Meldungen schriftlich an dieselbe zu richten. Paris, 18. April. (Dreyfus als Zeuge i m P r oceß Zola.) Zola hat der Versailler Staatsanwaltschaft mehrere neue Zeugen namhaft gemacht, deren Vorladung er verlangt, darunter den Exhauptmann Dreyfus. Im Vvrladungsgesuch heißt es: „Alfred Dreyfus, Gefangener auf der Teufelsinsel." Die Anwälte Zola's sind überzeugt, daß in juristischer Hinsicht dieses Begehren absolut einwandfrei ist. Sie sind selbstverständlich bereit, alle Transportkosten zu bezahlen, und wollen die Vertagung des Processes fordern, falls geltend gemacht würde, daß Dreyfus bis zum 23. Mai unmöglich in Frankreich eintreffen könne. Sollte die Justizbehörde die Vorladung mit der Begründung ablehnen, daß der Gesundheitsz u st a n d Dreyfus' eine solche.Reise nicht gestatte, so würden die Vertheidiger die Entsendung eines besonderen Gerichtsarztes verlangen. Wenn die Justizbehörde sich weigern sollte, Dreyfus eine Zeugenvorladung überhaupt zukommen zu lassen, so würden die Vertheidiger gleich zu Beginn der Verhandlung entsprechende Schlußauträge einbringen und auf Grund der Weigerung sich die Nnllitatsbeschwerde Vorbehalten. Die Zahl der vorgeladenen Zeugen beträgt bisher 134. Die Generalstabspartei fühlt täglich deutlicher, daß die Vertheidiger Zola's diesmal alles aufbieten werden, um vor aller Welt Licht in die Dreyfns-Sache zu bringen und die vollkommene Schuldlosigkeit des Exhanptmannes und die im Processe von 1894 begangene Ungesetzlichkeit zu beweisen. Wie aus einem vom „Jntransigeant" veröffentlichten Interview mit einem Mitgliede des Esterhazy-Kriegsgerichts hervorgeht, ist denn auch der Generalstab zum Aeußersten entschloffen. Der betreffende Officier erklärte, daß Alle, welche zur Berurtheilung Dreyfus beigetragen haben, nunmehr um jeden Preis der Angelegenheit ein Ende machen wollen. Die nöthigen Zeugen und erforderlichen Beweisstücke würden zur Hand sein. Die Bombe sei seit langem bereit und würde, wenn erforderlich, auf's erste Signal im Versailler Proceffe platzen. „Desto schlimmer, wenn's Splitter gibt!" Die letztere Bemerkung scheint eine Anspielung auf den famosen, von der französischen Regierung selbst als apokryph erklärten Brief Kaiser W i l h e l m's zu sein. Eine Gruppe junger Schriftsteller fordert in der „Aurore" den Präsidenten der Republik, welcher zuverlässig wisse, daß Dreyfus ein unverdientes Martyrium erleide, auf, der Wahrheit zum Siege zu verhelfen und öffentlich jene Erklärungen zu erneuern, welche er sehr ehrenwerthen P e r s oue u gegenüber gemacht habe, deren Zeugniß nöthigensalls angeruseu werden soll. Paris, 19. April. Die Justizbehörde hat den Blättern zufolge abgelehnt, den früheren Hauptmann Dreyfns als Zeugen vorzuladen. Das S i e c l e kündigt gegenüber dem Versuch der Esterhazy-Blätter, die E n t h ü l l u n g e n C a s e l l a als unwahr hinzustelleu, an, daß es demnächst eine D e p e s ch e des O b e r st e n P a n i z z a r d i an C a f e l l a publiciren werde. Paris. Der französische Ministerrath beschloß infolge der Interpellation wegen der Judentum ulte in Algier, die nachdrückliche Bekämpfung des Antisemitismus und die strengste Ahndung weiterer Ausschreitungen anzukündigeu. Also doch! — Der jüdische Artillerie-Oberstlieutenant Francfort wurde auf der Fahrt in einem Eisenbahnabtheil von einem Mitreisenden Namens Coquerel beleidigt. Bei der Ankunft in L'Orient forderte Francfort Coqnerel und verwundete seinen Beleidiger im Degenzweikampf an der rechten Schulter. Algier. Selten ist wohl ein gekröntes Haupt mit so vielen Ehren empfangen worden, als man hier Drumont erwiesen hat und noch erweist, einfach weil er die Juden zu vernichten verspricht. Obwohl die hiesigen Antisemiten keineswegs alle einig sind, es vielmehr neben den Clericalen auch viel radical-socialistische Antisemiten gibt, und diese heftige Gegner von Drumont sind, so sind doch die Manifestationen für den Letzter» äußerst glänzend ausgefallen. Mehr als 50.000 Menschen hatten sich zum Empfange des Pariser Judenfreffers ani Hafen eiugefunden und begleiteten ihn im Triunlphzug nach der Villa Antijuive in der er Wohnung nahm. Eine sehr bedeutende Truppenmacht war aufgeboten um die Ruhe zu sichern, zu der außer der Garnison von Algier noch Truppentheile aus dem Innern der Provinz zugezogen waren. Blut ist schon geflossen, und es ist zu befürchten, daß noch mehr Blut fließen wird. Drumont wurde zuerst von seinen nächsten Freunden, von Louis Regis, dem Bruder des Verhafteten, von Lafötte, Martin R^jonn rc. mit Palmen, Grillammen und Sträußern begrüßt

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