Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 16 (22.4.1898)
- Date
- 1898-04-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 314 9t. Bwch » Ist beim der katholische Gottesdienst ein solch mystischer, geheimnißvoller. daß er die Anwesenheit Andersgläubiger nicht verträgt? Wenn nicht, was hat daun der Herr Pfarr-Adminiffcotoc gegen die Betheiligung der jüdischen Veteranen und Feuerwehrleute an der Kirchenparade auszusetzen, da seine Vorgänger sie jahrelang geduldet haben? U. A. W. G. Nachschrift der Medaction. Wir sind der Meinung, daß Juden besser thäten, des Besuches einer katholischen Kirche mit solchen Gottesdienern lieber von Vornherein sich zu enthalten. Antisemitische Demonstrationen in Karlsbad. Karlsbad, 18. April. Gestern fand hier im Curhause die Hauptversammlung des „Bundes der Deutschen" in Böhmen statt. Der Haupteingang des Curhauses war tagsüber von mit Kornblumen geschmückten jungen Leuten besetzt, welche nur mit Einladungskarten versehene Personen paffiren ließen. Mehrere Stunden hindurch blceb die Curhausthür gänzlich geschlossen. Auf den Straßen sah man zahlreiche Theilnehmer der Versammlung, mit der Kor nb l u m e geschmückt, truppweise in den Straßen promeniren. Gegen Abend kam es in der Kaiser Franz Josefsstraße vor dem Stammlocal der deutsch-nationalen Antisemiten zu einem Straße nscan dal, weil dort einem Socialisten die Verabreichung eines Glases Bier in beleidigender Form verweigert wurde. Eine Anzahl Socialisten eilten aus dem Nachbar-Restaurant herbei, und es kam vor dem Hause und im Hausflur, in welchem die Parteien heftig gegeneinander stürmten, zu einem argen Krawall. Die Polizei schritt ein, war aber machtlos. Als vom ersten Stockwerke des Gasthauses „Erzherzog Rainer" Wasser auf die Menge geschüttet wurde, requirirte die Polizei die Gendarmerie, welche, zehn Mann stark, mit aufgepflauztem Bajonett im Eilschritt unter Führung eines Wachtmeisters anrückte, um weitere Ruhestörungell zu verhindern. Diese Vorfälle erregten hier um so größeres Aufsehen, als am Tage vorher die feierliche Eröffnung der Saison stattfand. Für die jüdischen Curgäste war das eine interessante Ueberraschung. Rovigno, 16. April. (Auflösung eines christlich-socialen Stadtrathes.) In Rovigno, der einzigen Stadt Istriens, welche ein eigenes Statut besitzt, bildete die Frage der Errichtung eines neuen Friedhofes bei den letzten Gemeinderathswahlen den Gegenstand heftigen Streites in der Wählerschaft. Der Domherr Don B. M a l u s a benützte diesen Conflict. um für die christlich-sociale Partei zu agitiren. In der That gelang es ihm auch, eine aus Bauern der Umgebung zusammengestellte Majorität bei der Wahl durchzubringen. Diese Majorität beschloß, die Angelegenheit des neuen Friedhofes in einer dem Gesetze nicht entsprechenden und die Finanzen der Stadt schwer belastenden Weise zu lösen. In Folge dessen verzichteten die Mitglieder der Minorität des Stadtrathes auf ihre Mandate und machten hiedurch den Stadtrath beschlußunfähig. Die Statthalterei hat den Stadtrath aufgelöst und im Einverftändniffe mit dem istrianifchen Landesausschusse drei liberale Bürger mit der einstweiligen Besorgung der Geschäfte bis zur Vollziehung der neuen Wahl betraut. So endete die Herrschaft des ersten und wahrscheinlich auch letzten christlich-socialen Stadtrathes in Istrien. Prerau. (Der n e u e r b a u t e Tempel.) In Anwesenheit des k. k. Bezirkshauptmannes Abendroth und der Spitzen der Behörden wurde am 6. April, der einem dringenden Bedürfnisse entsprechende neuerbaute Tempel, feierlichst seiner heiligen Bestimmung übergeben. Der Cultusvorsteher Herr Dr. Seidl enthüllte mit sehr beredten Worten die zu Ehren des 50jährigen Regierungs-Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers angebrachte Gedenktafel, worauf unter Dankespsalmen die Gesetzesrollen in die Bundeslade gestellt wurden. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Jacob Tauber zündete das Ner-Tumid an und sprach ein sehr erhebendes Weihgebet. An das Kaisergebet schloß sich eine ausgezeichnete Festrede des Herrn Rabbiners an, die in gediegener Weise das Thema behandelte: „Wodurch ein jüdisches Gotteshaus seine besteWeiheerhalte". Die anwesenden Vertreter der Behörden beglückwünschten in anerkennungsvollster Weise Se. Ehrwürden Herrn Dr. Tauber zu seiner oratorischen Leistung. Mähr.-K omau, den 18. April. Am 11. d. M. entschlummerte der Ehrenbürger Herr Josef Deutsch, sanft wie er gelebt, im Alter von 82 Jahren. Die Sache des Wohlthuns das ideale Ziel der Wohlthätigkeit hat Josef Deutsch im Leben' zu fördern gesucht, dieses Ziel zu den seinigen gemacht. Zedvkoh V>mfeenf«fettn Nr. 16 war seine Triebfeder, Zedokvh der Zweck seines Lebens und seiner Thätigkeit in der Gemeinde. Sein Wirken, so bescheiden er auch damitgethan, war nie auf perfönlicheZwecke gerichtet. Und so war der Verstorbene nicht nur eine anspruchslose, sondern mehr noch eine harmonische Natur, streng gegen sich, gerecht gegen Andere. Mit Recht wurde denn auch die Reinheit seines Charakters neben Rabbiner Dr. Weschler auch von Dr. Funk aus Boskowitz gepriesen und er als ein Mann gezeichnet, der zu den „hervorragenden Erscheinungen in unserer Gemeinde gehört hat." Sein Leben und Wandel wird den Nahen und Fernen stets ein leuchtendes Vorbild edler Menschlichkeit bleiben. Falkenau a. d. <§»er. Die hiesige israelitische Cultusgemeinde hat durch den Tod ihres allgemein geachteten Seelsorgers und Rabbiners Sr. Ehrwürden Herrn Jonas K o h n einen schweren unersetzlichen Verlust erlitten; derselbe wurde nach schwerem langwierigenl Leiden im Alter von 62 Jahren, nach einem 36jährigen rastlosen, aufopfernden und der Menschheit gewidmeten segensreichen Wirken in ein besseres Jenseits abberufen. Das Leichenbegängniß, welches am 7. d. M. stattfaiib und an welchem sich ein nach vielen Hunderten von trauernden Freunden und Bekannten aus Nah und Fern, ohne Unterschied des Glaubens betheiligten, gestaltete sich zu einem imposanten Leichenzuge und gab den beredtesten Beweis von der allgemeinen Beliebtheit und von der besonderen Hochachtung, welcher sich der Verblichene in allen Schichten der Gesammtbevölkerung erfreute. Unter Vorantritt der israelitischen Schuljugend und der ehemaligen Schüler und Schülerinnen des Verewigten, wurde die Leiche nach dem neuerbauten Tempel überführt, von Mitgliedern der Chewra-Kadischa in das Vestibül getragen, woselbst der hier allgemein verehrte Lehrer und Cantor Herr Lischmann Kurzweil nach Verrichtung der üblichen Gebete dem Dahingeschiedenen einen aus tiefsten Herzen kommenden innigen Nachruf widmete, bei welchem nicht ein Auge trocken blieb. Hierauf bewegte sich der Conduct unter Begleitung eines nicht zu übersehenden Zuges, in welchem die Spitzen der Behörden der Stadt, der Gesammt-Lehrerschaft der hiesigen Volks- und Bürgerschulen, sowie viele Houorationeu vertreten waren, nach dem hiesigen Friedhof und wurde die Leiche von den ältesten Cultusmitgliedern daselbst zu Grabe getragen. Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Bär aus Königsberg, die Herren Dr. I. K o h n, Advocat aus Elbogen, Fabrikant K. Pollak, Chewra-Vorsteher und Großhändler Jgn. K o h n von hier, feierten in formvollendeter Weise die wirklichen, unvergänglichen Verdienste, die schlichte, nur von wahrer Humanität durchwehte einfache Lebensweise des Verstorbenen, sowie dessen stille Mildthätigkeit für alle Nothleidende, bei welchen Rede» ein nicht enden wollendes Schluchzen alle Anwesenden ergriff. Das Andenken des leider zu früh Dahingegangeuen theuren Rabbiners, der sich auch durch das Zustandekommen des hiesigen Tempelbaues unsterbliche Verdienste erworben, wird in Aller Herzen ewig uachleben. Möge ihm die Erde leicht sein. Berlin. Die wichtigste Tyatsache, die wir aus dieser Festwoche zu verzeichnen haben, hat allerdings gar keinen festlichen Charakter, ist vielmehr ein trauriges Zeuguiß dafür, „wie wir's denn zuletzt so herrlich weit gebracht" am Ende des Jahrhunderts. Es ist die Thatsache der Zurückweisung jüdischer Mädchen von verschiedenen privaten höheren Töchterschulen in Berlin, namentlich im Westen. Einzelne dieser Lehranstalten lehnen überhaupt die Aufnahme von Jüdinnen ab, andere lassen lediglich einen gewissen Percentsatz jüdischer Mädchen zu und sind bemüht, diesen ängstlich einzuhalten. In einer Privat-Töchterschule soll die Vorsteherin den sich zur Aufnahme metdenderl Mädchen jüdischen Glaubens die Frage vorgelegt haben: „Sind Sie denn immer noch Jüdin?" Große Erregung verursacht ferner die Mittheilung, daß neuerdings auch in einer königlichen Töchterschule beziehungsweise dem an sie angeschlossenen Lehrerinnen-Seminar keine Jüdinnen mehr ausgenommen werde» sollen. Einzelne der von der Zurückweisung betroffenen Eltern haben sich beschwerdeführend an die städtische Schulverwaltung gewandt. Eine allgemeine Versammlung der im Westen wohnenden Juden wird demnächst über die weiteren Maßnahmen in dieser Frage zu berathen haben. Berlin. In der neuesten Nummer der „Zeitschrift des deutschen Palästinavereines" veröffentlicht Dr. G. Schumacher einen sehr interessanten Artikel über einzelne Provinzen des transjordanischeu Palästina, speciell über den südlichen Theil des Hanran, den der Verfasser 1896 und 1897 im Aufträge der deutschen Palästinagesellschaft vermessen hat. Der Verfasser ist