Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 16 (22.4.1898)
- Date
- 1898-04-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021223-3021240--07768-3032112- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr 16 Br. '»IntJf« Ltu, 313 Pretzburg. (Die Feier des 11. A p r i t.) Im neuen Tempel der Preßbnrger israelitischen Religionsgemeinde hat der Festgottesdienst als Gedenkfeier, zur Erinnerung an die Freiheitskämpfe und die freiheitliche Gesetzgebung um halb 10 Uhr zur allgemeinen Befriedigung und Erhebung stattgefunden. Nach zwei Gesängen, einem hebräischen und einem ungarischen unter geschulter Leitung des Cantors Hoffmaun, bestieg der Oberrabbiner der Gemeinde, Dr. David, bei offener Bundeslade die Kanzel und hielt eine dem Tage entsprechende, im schönsten Ungarisch gefaßte und schwungvoll vorgetragene Rede von gediegenem Inhalte und knüpfte an dieselbe ein erhebendes ungarisches Gebet für das Land, für den König und das hohe Herrscherhaus, darunter ausdrücklich für den Erzherzog Friedrich und seine Familie, sowie für die Armee, für die Regierung, für den Reichstag, für das Comitat und die Stadt und deren Militär- und bürgerliche Behörden, endlich für die Lehr- und Wohlthätigkeitsanstalten und deren Leiter und zuletzt für alle Bewohner des Landes und der Stadt und speciell für die Religiousgemeinde und deren Leiter und Vertreter. Mit dem „Szozat" schloß die wahrhaft schöne und herrliche Feier, von der die überaus zahlreichen Anwesenden, unter welchen sich viele hohe Militärs und Stadtpersöulichkeiten befanden, begeistert waren. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß das distinguirte ungarische Publicum durch die patriotische, ungarische, formvollendete Rede des Predigers höchst angenehm überrascht und dem Redner allgemein gratulirt wurde. Lemberg. (Telegramm der „Oesterreichischeu Wochenschrift".) 20. April 18 8. Bei der gestern stattgehabten Constituirung des neugewählten Cultusrathes fielen sämmtliche abgegebenen 27 Stimmen auf Samue l von Horowitz als Cultuspräsidenten. Nach zweimaliger entschiedener Ablehnung seitens desselben wurde beim dritten Wahlgauge Dr. Byk mit 17 Stimmen znm Vorsitzenden und Dr. Schaff zum Vicevorsitzenden gewählt. Lemberg. Am 9. d. M. Sabbath Chal-hamoed fand ein Gottesdienst für die jüdischen Soldaten der hiesigen Garnison im israelitischen Tempel statt. Circa 500 Mann aller Waffengattungen erschienen unter Anführung ihrer Vorgesetzten. Der Obercantor trug den Halle! und das Mussafgebet herrlich vor. Dr. Caro hielt eine ensprecheude Predigt. Die Chargen wurden zur Thora gerufen, die die Bruchot wohlklingend und correct recitirteu, ebenso den Maftir. Alle drängten sich mit einem besonderen Eifer, die heilige Thora zu küssen, womit der Beweis erbracht ist, daß diese glaubenstreuen Soldaten auch ihren erhabenen glorreichen Monarchen gemäß der Vorschrift der Thora treu und ehrlich dienen. Diese Soldaten werden während der Osterfeiertage vom hiesigen Cultusvorstande 3 Mal täglich gespeist. — Am 12. April stellte sich der Cultusvorstand dem neuernaunten Statthalter Grafen Leo Pininski vor. Ans die Ansprache des Vorstandspräses dahin lautend, daß insbesondere auch die jüdische Bevölkerung für sich die Bethätiguug der rühmlich bekannten Unparteilichkeit und Gerechtigkeit des Statthalters erbitte, antwortete der Herr Statthalter, daß er stets bestrebt sein werde, vorurtheilsfrei sachgemäß ohne sich lim Confessionsunterschiede zu kümmern jede Angelegenheit zu prüfen und zu erledigen. Czernowitz. (Filiale der israelitischen A ll i a n z.) Bei der am 10. d. M. in der israelitisch-deutschen Volksschule abgehaltenen Generalversammlung der Filiale der israelitischen Allianz zu Wien in Czernowitz trug der Cassier Herr Nathan Rappaport den Rechenschaftsbericht vor, worauf ihm von der Generalversammlung das Absolutorium ertheilt wurde. Auf Antrag des Herrn Wilhelm Badian wurde dem Ausschuß für seine Thätigkeit der Dank durch Erheben von den Sitzen ausgedrückt. Vor der vorzunehmenden Wahl der Functionäre erklärte Herr Abraham Kapralik, daß er eine auf ihn fallende Wahl nicht annehmen könne, worauf Obmann Herr Naftali Tittinger ebenfalls erklärte, daß es mit Berücksichtigung seiner auderwärtigeu Beschäftigung ihm unmöglich sei, ein Mandat anzunehmen. Mit Bedauern wurde die Resignation der genannten Functionäre zur Kenntniß genommen und ihnen für ihre langjährige ersprießliche Thätigkeit der Dank ausgedrückt. Es wurde zur Neuwahl des Vorstandes geschritten und wurden einstimmig die Herren Oberrabbiner Dr. Joses R o s e u f e l d zum Obmann, Wilhelm Badian zum Schriftführer neugewählt und Nathan Rappaport zum Cassier wiedergewählt. Der Obmann Herr Di'. Rosenfeld übernahm den Vorsitz und dankte der Versammlung im Namen der Functionäre für. das geschenkt« Vertrauen. Sodann wurde die Sitzung geschloffen. Prag, 15. April. Wie alljährlich waren in der abgelaufenen Festwoche die Gotteshäuser gut besucht, wozu theilweise die zahlreichen in diesen abgehalteuen Predigten beigetragen haben mögen. Als der meistbeschäftigte Redner muß Oberrabbiuer Dr. Ehrenfeld angeführt werden, der schon an dem den Festtagen vorangehenden Sabbathe in altherkömmlicher Weise in der Altueusynagoge die Sabbath-Hagadol Derascha abhielt, deren integrirender Theil eine halachische Abhandlung bildet, für welche sich in unserer altehrwürdigen Gemeinde noch immer Verständniß findet. Au den Festtagen sprach der Oberrabbiner in drei Synagogen, der Großeuhof-, der Neu- und der Kleinsyuagoge. Besonders ergreifend war die Rede in der Neusynagoge, welche die letzte war, welche in dieser abgehalteu wurde. In Folge des vom Staate bewilligten Assanirungsplaue mußte das Synagogegebäude von der Stadtgemeiude augekaust werden, die es demoliren läßt. Das Gotteshaus war gedrängt voll von Andächtigen, welche gekommen waren, dieser wehmüthigen Feier auzuwohuen. Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld brachte in gelungenster Weise die Gefühle zum Ausdruck, welche die Herzen aller Anwesenden bewegten und werden diese seine Worte wohl unvergeßlich bleiben. Znm Schluffe sprach er die sichere Erwartung aus, der rührige Vorstand werde dafür Sorge tragen, daß dieser Synagogeuverband, wenn auch in einem anderen Raume fortbesteheu werde. Vorläufig wurde ein provisorisches Locale gemiethet. Zur selben Stunde als der Oberrabbiner in der Neusynagoge die letzte gottesdienstliche Feier dieses Gotteshauses abhielt sprach der neue Prediger der Tempelgemeinde Dr. Fischer, bisher Rabbiner in Raab; derselbe ein hochbegabter Redner erntete ungetheilten Beifall. — In der Meiselsyuagoge sprach an den Festtagen Rabbiner und Feldprediger Dr. Koch, in der Zigeunersynagoge, der dort seit einigen Monaten augestellte Dr. Deuts ch, welche Beide ihr Auditorium durch gehaltvolle Vortrüge zu fesseln wußten. Damboritz. 18. April 1898. In unserer Marktgemeinde, wohnen seit undenklichen Zeiten drei Confeffioueu, Katholiken, Protestanten und Juden in schönster Harmonie nebeneinander. Ein Beweis derselben ist. daß in der Gemeindevertretung seit jeher vier Juden sitzen. Diese Harmonie wurde auch immer von den Seelsorgern aller Confessionen gefördert. Dieser schöne, fast paradiesische Zustand ist nun jetzt auf dem Punkte, zu Ende zu gehen. Vor etwa zwei Jahren wurde ein Pfarr-Admiuistrator hieher versetzt, welcher nach seinen eigenen Anssprüchen ein wüthender „Judenhasser" ist. Seit seinem Hiersein bat er fortwährend gegen die Juden agitirt, und besonders die jüdischen Kaufleute auf's Korn genommen. Auf eine besonders tactlose Weise trat nun sein Judenhaß während der letzten katholischen Osterfeiertage auf. Es besteht nämlich seit 11 Jahren hier eine freiwillige Feuerwehr, welche auch einen Juden zu ihrem Mitglieds hat und seit vorigem Jahre ein Veterauenverein, zu welchem drei Juden gehören. Seit Bestand der Feuerwehr rüctte nun das jüdische Mitglied bei corporativeu Betheiliguugen dieses Vereines, bei kirchlichen Festen, sowie auch bei den Geburts¬ und Namensfesteu Ihrer Majestäten aus und nie hat der hochwürdige Herr Pfarrer daran Anstoß genommen. Auch an den vergangenen Osterfeiertagen rückten die beiden Vereine zur Kirchenparade aus, mit ihnen die jüdischen Mitglieder. In der Kirche setzte sich der jüdische Feuerwehrmann bescheiden in die letzte Bank, während die jüdischen Veteranen bei ihrem Corps blieben. Plötzlich trat der Psarr-Administrator auf den Ersteren zu und fragte: „Sie finb kein Katholik?" „Nein!" erwiderte dieser: „ich bin Jude!" Darauf der Herr Administrator: „So ersuche ich Sie, die Kirche zu verlassen!" „Weshalb?" eutgegnete der so apostrophirte. „Weil ich Sie hier nicht lassen kann!" erwiderte der hochwürdige Herr. Während dieses Zwiegespräches spielte sich auf der anderen Seite der Kirche eine ähnliche Scene ab. Dort trat nämlich der Commaudaut der Veteranen aus die jüdischen Mitglieder zu und ersuchte sie im Namen des Herrn Psarr-Administrators, die Kirche zu verlassen, da der hochwürdige Herr sie unter keiner Bedingung hier dulde. Dieser Vorgang erregte natürlich die Aufmerksamkeit sämmtlicher Kircheubesucher und unter förmlichen „Spießruthen" mußten die Juden die Kirche verlassen. — Wir aber fragen; Seit wann ist es Andersgläubigen verboten, eine katholische Kirche zu besuchen?