Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-22 · 16 (22.4.1898) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
16 (22.4.1898)
Date
1898-04-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021223-3021240--07767-3032111
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 312 Br. Vloch's Mochrnptzrift Nr. 16 Aber auch durch heitere Liedervorträge, Deklamationen und komische Intermezzo wird für die Unterhaltung von Alt und Jung gesorgt werden. Karten zu diesem patriotisch-wohlthätigen Fest sind zu haben bei den Damen des Comites, in den Hofmusikalienhandlungen Rose, I., Kärntnerring und Guttmann, I., Operngebäude und im Comitälocale, Hotel de Franoe, I., Schottenring. Jda F r e i b er g, Präsidentin, I., Schottenring 31; Caroline Schneider, IX., Berggaffe 17, Harry Stern, L, Gonzagagasse 12, Bicepräsidentinnen; Paula K a h a n e, I., Wallnerstraße 1 a, Schriftführerin; Sophie Hirsch, II., Czerningasse 7, Cassierin. Wie». (M ä d ch e n-U n t e r st ü tz u n g s v e r e i n.) Dieser humanitäre Verein hielt am 30. v. M. im Ceremoniensaale der israelitischen Cultusgemeinde unter dem Vorsitze seiner Präsidentin Frau Dr. Schüßler seine Generalversammlung ab, die sehr gut besucht war. Die Vorsitzende gedachte mit warmen Worten der Hingeschiedenen Präsidentin des Vereines, Frau Paula Frankl v. Hochwart, sowie der in den letzten Jahren mit Tod abgegangenen Ehrenmitglieder: Baron Moritz v. Hirsch auf Gereuth, Gustav Simon, Präses der israelitischen Cultusgemeinde, Dr. L. A. Frankl Ritter v. Hochwart und Redacteur Adolf Löwe. Den Rechenschaftsbericht erstattete die Schriftführerin Frau Anna Feinberg, den Cassabericht der Cassenverwalter, Vicedirector des Giro- und Casienvereines, Dr. Paul Hammerschlag. Wir entnehmen denselben, daß der Verein^ der .sich der werkthätigen Unterstützung der Baronin Hirsch erfteut, im abgelaufenen Jahre in seinen Schulen nahezu 200 armen Mädchen unentgeltlichen Unterricht, den Bedürftigsten unter ihnen auch Mittagstisch und Kleidung gewährte und während seiner 31jährigen Thätigkeit eine große Anzahl von Mädchen erwerbsfähig gemacht und zur Selbstständigkeit gebracht hat. Die Einnahmen beliefen sich im verflossenen Jahre auf 18.604 fl. 27 kr., die Ausgaben auf 17.304 fl. 11 kr., das Vereinsvermögen beträgt 33.100 fl. 52 kr. Die Versammlung ernannte Frau Auguste Löwenfeld, die Herren Sigmund Ritter v. Bauer, Redacteur Friedrich Schütz und Adolf Ritter v. Sonnenthal in Würdigung ihrer Verdienste um den Verein zu Ehrenmitgliedern und wählte auf Antrag des Herrn Sigmund Ritter v. Bauer den ausscheidenden Vorstand, bestehend aus den Damen Marie Schüßler, Fanny Bücher, Anna Feinberg, Jenny Baumgarten, Regine Frey, Bertha Frydmann, Camilla Kuffner, Emma Pollak, Hermine v. Sonnenthal, Mathilde Straßer und Herrn Paul Hammerschlag en bloc wieder. Wien. Der „Verein zur Förderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" veranstaltete auch heuer — wie dies seit seiner im Jahre 1840 erfolgten Gründung bisher alljährlich der Fall gewesen — in dem von der Verwaltung der Wiener Frucht- und Mehlbörse freundlichst zur Verfügung gestellten großen Saale eine solenne Sederfeier, an der über ein halbes Tausend seiner Pflegebefohlenen in Festgewändern theilnahm. Sämmtliche Vorstandsmitglieder dieses wahrhaft Humanitären Vereines betheiligten sich wie tteue und fürsorgliche Familienväter an dem Arrangement dieser schönen und herzerhebenden Feier. Der Vorstand der Wiener Cultusgemeinde war durch den Vicepräfidenten Herrn Gemeinderath Dr. Alfred Stern und Herrn Arthur Edlen von Mises vertreten, sowie auch sonstige Honoratioren an dieser Feier theilnahmen. Den Festvortrag hielt Profeffor Antscherl, der am Schluffe seiner Rede den heutigen Seder als Jubel-Seder der jungen Arbeiterschaft bezeichnet?, die schon jetzt das Jubeljahr unseres heißgeliebten Monarchen bei diesem historischen Festmahle zu feiern alle Ursache habe. Bei den Segenswünschen für Se. Majestät erhob sich die vielhunderttöpfige Versammlung und bekräftigte dieselben mit einem lauten Amen. Den gesanglichen Theil leitete meisterhaft Herr Cantor Pekarnik vom Bethause des IX. Bezirkes, und voller Begeisterung sangen die jungen Handwerker bei den Chören mit. Die Feier machte allseits den besten Eindruck. Wien. Unter dem Schlagworte „Die Socialdemokratie und das auserwählte Volk" bespricht das in Innsbruck erscheinende clericale Blatt „Neue Tiroler Stimmen" die zu Ostern in Wien abgehaltene socialdemokrattsche Frauencovferenz und führt zum angeblichen Beweise dafür, daß die Rednerinnen fast ausschließlich Jüdinnen waren, folgende Namen an: Glas, Teller, Brand, Beutlmaier, Habersack, Trotzmüller, Schlesinger, Sonnenschein, Popp, Schittenhelm, Klaubau f. Die „Stimmen" fragen weiter: „Wo etwa diese Namen herstammen? Ein befferer Kenner von Schreibnamen dürfte in der großen Rednerinnenliste — und sie ist selbstverständlich sehr groß — noch manchen finden, der nicht ganz geruchlos ist." Nun, wir werden dem ehrenwerthen Blatte die Frage beantworten. Diese Namen sind zumeist echt germanischen Ursprunges und ihre Träger, resp, Trägerinnen allemanischen und bajuvarischen Stammes. Wenn die „Tiroler Stimmen" nicht bewußte jesuitische Bosheit treiben, dann sind sie ganz miserable Kenner nicht nur von deutschen Schreibnamen, sondern ihr Wissen über deutsche Culturgeschichte überhaupt, steht in einem sehr üblen Gerüche. Budapest. Dem ältesten FriedhofUngarns ist man in diesen Tagen auf die Spur gekommen. Dieser an historischen Erinnerungen überaus reiche Friedhof ist in Ofen in den Jahren 1278 bis 1280 angelegt worden und wurde mehrere Jahrhunderte lang benutzt. Schon vor einiger Zeit wurden in Ofen bei Fundamentirungsarbeiten Grabsteintrümmer mit hebräischen Inschriften aus dem XIII. und XIV. Jahrhundert gefunden, aber man glaubte allgemein, daß dieselben von anderswoher verschleppt worden wären. Jetzt ist aber in der Attilagaffe in Ofen, in einer Tiefe von 4 Metern unter dem Niveau der Straße, ein Grabstein zu Tage getreten, der aufrecht noch in voller Erhaltung auf dem Grabe stand, das er einst Gezeichnete. Der 76 Centimeter hohe und 28 Centimeter breite Stein, der in seinem oberen Theile etwas verwittert ist, weil er den atmosphärischen Einflüssen mehr ausgesetzt war, enthält auf seinem unteren Theile eine noch tadellos lesbare hebräische Inschrift, die unter Anderem den Todestag einer Frau genau angibt. Auch das Grab selbst ist in seinen Umrissen noch deutlich erkennbar. Dieser interessante Fund setzt cs nun außer Zweifel, daß in der That unter der Attilagasse der Stadt Ofen sich der älteste jüdische Friedhof Ungarns befunden hat. Für die Erhaltung der bemerkenswerthen Funde ist gesorgt; sie sind dem Nationalmuseum einverleibt worden. Der 11. April in der Ofner israelitischen Cultusgemeinde. Seit einem halben Jahrhundert war der 11. April ein Freuden- und Festtag für die Israeliten Ungarns und wird dies gewiß für alle kommenden Zeiten noch im erhöhten Maße sein. An dem ewig denkwürdigen 11. April des Jahres 1848 zuckten am politischen Himmel die ersten Strahlen einer vielverheißenden Morgenröthe. Die schmachvolle und menschenunwürdige Situation der ungarischen Juden nahte ihrem Ende und der ungarische Jude wurde — Bürger. Vaterlands- und rechtlos, ohne Möglichkeit sich einer ehrlichen, bürgerlichen Existenz zu widmen, jeglicher Willkür preisgegeben, von allen Aemtern und Würden ausgeschlossen, ohne jegliche Rechte, dabei zahlreiche drückende Pflichten, das war unsere Lage, als der erlösende Tag anbrach und die Juden auf gesetzlichem Wege ihre bürgerlichen Rechte und die Gleichstellung mit den Bürgern anderer Confessionen erlangten. Der elfte April, welcher auch den Bauern die Emancipation aus ihrer Halbsclaverei brachte, wurde für immerwährende Zeiten als Nationalfest declarirt, und heute feiern wir im Vollbesitze unserer bürgerlichen und politischen Rechte die 50jährige Wiederkehr dieses Jubeltages. In allen Tempeln Ungarns wurden aus diesem Anlasse feierliche Gottesdienste abgehalten, und in besonders solenner Weise geschah dies im Gotteshause der Ofner israelittschen Cultusgemeinde in Budapest und zahlreiche christliche Notabilitäten und Vertreter der politischen Behörde erschienen hiebei als Gäste. Wir bemerkten den emer. Obergespan v. R e t h e y, den Bezirksvorsteher Herrn K ü h n e l, Stadtrichter Hampel, die Notare K a l l a y und I o z s a, den Jnspector der königl. ungarischen Staatsbahnen v. S z a l a y, Bezirksausschuß S z a b o, Hauptmann F r o h m a n n, die Vertreter unserer Gemeinde und deren verdienstvoller Präses Dr. S z a b o l c s i. Mit einem weihevoll vorgetragenen „Ma towu" begann der Festgottesdienst, und als die letzten Klänge dieses herrlichen Gesanges verhallten, betrat unser hochverehrter Herr Rabbiner Dr. Raphael Goldberg die Kanzel und schilderte in einer schönen, formvollendeten und mit vieler Verve vorgetragenen Predigt die große Bedeutung des heutigen Tages und schloß seine wirkungsvolle Rede mit einem Gebete vor der geöffneten Bundeslade für König und Vaterland. Zum Schluffe stimmte der Chor die Hymne „Szozat" an, und dessen musterhafter Gesang schien unsere Gäste recht angenehm zu überraschen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.