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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-22 · 16 (22.4.1898) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
16 (22.4.1898)
Date
1898-04-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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ytr. 16 Vr. BUntz » JPoöirafdirtTt Stile 311 Nein, wahrlich! Wir können es nicht, wir wollen es nicht. Das Rechtsbewußtsein der Menschheit hat dies auch gefühlt und versucht sich zu beschwichtigen, indem sie die Menschheit der .Frau den Vorrang eingeräumt hat auf conventionellem Gebiete. Was wir in seiner besten Bedeutung mit dem Worte „Galanterie" bezeichnen, das soll ein Entgeld sein für das genommene Rechte ^Aber damit konnte und durfte die Frau sich nicht zufrieden geben und was Einzelne im Laufe der Jahrtausende versucht und geleistet, das erstrebt jetzt die Gesammtheit der. FraueuJ Sie wollen nicht von heute auf morgen die völlige Gleichberechtigung mit der Männerwelt, sie streben nur nach der Möglichkeit, der Welt erst Proben geben zu dürfen, von ihrem Können und von dem Ernst ihres Wollens. Hluf dem Gebiet der freiesten Geistesarbeit — in der Kunst — haben sie schon Glänzendes geleistet, doch sie wollen auch bei der alltäglichen Arbeit des öffentlichen Lebens mit thätig sein. | ' Freilich wird eine Uebergangszeit das Weibliche mehr als zweckmäßig betonen, aber die Praxis des Lebens und die stets in Bewegung bleibenden Mühlsteine der thätigen Zeit, werden diesen Beigeschmack abwetzen und die harmonische Vereinigung männlicher Stärke und weiblicher Hingabe wird Schöpfungen des menschlichen Geistes hervorbringen, welche die Menschheit mit Staunen und Stolz erfüllen werden und nur bedauern lassen, nicht schon längst den Damm abgetragen zu haben, den das Meer der Borurtheile mit Gewalt angefchlemmt und der verhindert hat, daß ein so gewaltiger Strom von Arbeitsfreudigkeit und Arbeitskraft sich ergießen konnte in das unendliche Meer her menschlichen Geistesarbeit^ Correspondenzen. Wien. (Sitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde am 17. April 1898 unter Vorsitz des Präsidenten Herrn kaiserlichen Rathes Klinge r. An Spenden sind eingelaufen: Vom israel. Kreuzerverein in Prag für ein Waisenmädchen 24 fl. 90 kr.; von der Tischgesellschaft „Humor" für die Anschaffung von Osterbrod 25 fl.; von Herrn Moritz N. Oppenheim zur Bertheilung an Arme des XVI. Bezirkes 100 fl.; von der Chewra-Kadischa für den XVI. und XVH. Bezirk zur Barbetheilung und zum Ankauf von Osterbrod 150 fl.; von Herrn Moritz Edlen von Kuffner zu dem gleichen Zweck 168 fl. 25 kr.; von Herrn kaiserl. Rath Wilhelm Pollak zur Betheilung an Arme der Bezirke XU—XV Osterwein im Werthe von 340 fl.; desgleichen von Herrn Moritz Weiß, Chef der Firma Gabr. Duschinsky, für denselben Zweck Osterwein im Werthe von 53 fl. 20 kr.; Anonyme Spende unter Chiffre C. H. für Arme 10 fl.; Ergebniß einer Sammlung zur Unterstützung Armer in den Bezirken XII—XV mit Osterbrod 18 fl.; Herr Eduard Sacks, I., Franz Josefs-Quai, spendete anläßlich seines 80. Geburtstages bei dem Aufrufe zur Thora, für das israelitische Altersversorgungshaus 2500 fl. Den Spendern wird der Dank votirt. Der Vorsitzende kais. Rath Klinger berichtet zunächst, daß das Präsidium in einer am 15. April d. I. stattgehabten Audienz sich dem neu ins Amt getretenen Ministerpräsidenten Sr. Excellenz Grafen Thun vorgestellt und hiebei Anlaß genommen habe, die humanitären und culturellen Interessen, sowie dem Schutze der Glaubensgenossen gewidmeten Bestrebungen des Vorstandes des Näheren darzulegen, wobei der Präsident nicht unterließ, unter Hinweis darauf, daß die österreichischen Israeliten unentwegt treu zum Kaiser und zum Vaterlande stehen, die äußerst schwierigen Verhältnisse und die Bedrückungen, unter welchen dieselben, insbesondere in Wien dermalen leben, zu betonen. Der Ministerpräsident habe in seiner Antwort auf den von ihm geleisteten Diensteid hingewiesen, welcher, wie er sich ausdrückte, die Wahrung der Staatsgrundgesetze und somit auch der vollen Gleichberechtigung aller unter der Regierung Sr. Majestät lebenden Staatsbürger beinhaltet und habe hinzugefügt, er werde sicherlich den Bestrebungen des Cullusvorstandes seine wohlwollende Unterstützung entgegenbringen. Der Präsident theilt weiters mit, daß, wie ihm berichtet wurde, um die seitens des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft ausgeschriebenen Stiftungen für verarmte Standesgenossen, jüdische Bewerber nur in den seltensten Fällen einschreiten, und gibt aus diesem Grunde die Anregung, die Aufmerksamkeit unterstützungswürdiger Kaufleute auf diese Thatsache zu lenken. Herr Baurath Stiaßny legt die von ihm entworfenen, seitens des Baucomites der Cultusgemeinde genehmigten Pläne betreffend die Ergänzung des Altersversorgungshauses durch ein anzubauendes Versorgungshaus mit einer Krankenabtheilung vor, welchen das Plenum nach eingehender gründlicher Debatte seine Zustimmung ertheilt. Dem Referenten wird über Antrag des Obmannes des Baucomites Herrn Dr. Alfred Stern für die mit ganz besonderer Mühewaltung verbundene diesbezügliche Thätigkeit, der Dank des Vorstandes votirt und beschlossen, sofort, um die Baubewilligung einzuschreiten. Der weitere Verlauf der Sitzung dient der Erledigung von Personalangelegenheiten. Mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit anberaumt der Präsident für die Berathung der noch auf der Tagesordnung befindlichen Gegenstände eine Plenarversammlung für Donnerstag, den 21. d. M. 6 Uhr Abends. Schluß der Sitzung halb 2 Uhr. Wien. (Zur Generalversammlung des Synagogenbauvereines für Wieden und Margarethe n.) Wir erhalten folgende Zuschrift: Gefertigter bittet um Richtigstellung der in Ihrem geschätzten Blatte vom 15. a. c. auf Seite 293 unter Spitzmarke Wien enthaltenen Notiz, worin Sie einer Version Raum geben, als hätte ich als Vorstand des Synagogenbau-Verein den geschätzten Vorstand der Wiener israelitischen Cultusgemeinde so en bagatelle von der Jahresversammlung verständigt. Zur Steuer der Wahrheit diene Ihnen, daß die Vereinsleitung nicht nur die Israelitische Cultusgemeinde als solche, sondern sämmtliche 23 Herren des Vorstandes separat zur Generalversammlung eingeladen hat und daß diese Einladungen richtig eingelangt sind, findet darin seine Bestätigung, daß der hochverehrte Herr Präsident Heinrich Klinger sich auch in einem lieben Schreiben entschuldigte, der Generalversammlung nicht anwohnen zu können, nachdem er von Wien abwesend ist. Was mein persönliches Schreiben an den Vorsitzenden der Steuercommission anbelangt, so nahm ichnurein Einladungsformular der betreffenden Generalversammlung deshalb, um darauf die Entschuldigung meines Fernbleibens an der Sitzung in der Schätzungscommission zu erhärten. Warum sich ein löblicher Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde hinter einer auf meine Unhöflichkeit basirende Ausrede seines Fernbleibens stützt, ist mir ganz undefinirbar und beweist höchstens, daß hier von Seite des Cultusvorstandes ein grober Verstoß geschah. Hochachtungsvoll Adolf Lichtblau. Nachschrift der Redaction: Offenbar muß hier irgend ein Mißverständnis obwalten, nachdem, wie man uns mittheilt, in der K a n z l e i der israelitischen Cultusgemeinde eine an den Vorstand gerichtete Einladung zur Generalversammlung des genannten Vereines thatsächlich nicht eingelaufen ist. Wien. (Kinderfest.) In den weitesten Kreisen sieht man mit großer Spannung dem 24. d. M entgegen, der ein Fest von überraschender Eigenart bringen wird: es ist dies die von einem Mädchencomitä veranstaltete, große Kindervorstellung, die zur Feier des Hochzeitstages unseres erlauchten Kaiserpaares Sonntag um halb 3 Uhr Nachmittags im großen Saale des Etablissement Ronacher stattfinden wird. Das' Reizvolle des Programmes besteht vor allen Dingen darin, daß es nur Kinder sind, Kinder aus den besten Gesellschaftskreisen, die diesmal mit der Aufgabe betraut worden sind, bei den einzelnen Nummern mitzuwirken. Die ausgezeichnete Leistung, dank welcher unsere lieben Kleinen mit Feuereifer bei der Sache sind und allen Anforderungen mit anmuthiger Sicherheit gerecht werden, sichert ein Gelingen, wie es diesem Wohlthätigkeitsfest, deffen Reinerträgniß armen und verkrüppelten Kindern zugute kommen soll, vollauf zu wünschen ist. Den Glanzpunkt der Vorstellung bildet das von Kindern aus dem Publicum dargestellte Ballet „Aus der Heimat", welches Nationaltänze rc. ' und zum Schluffe eine große Huldigungsapothese bringen wird.

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