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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-22 · 16 (22.4.1898) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
16 (22.4.1898)
Date
1898-04-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 16 Dr. Blorh's Wochrnfitzrift. Seite 309 herrschenden, nicht jüdischen Außenwelt ans Liebe wenig verwöhnt worden sind. Der alten Bibel wird es ja geradezu zun, Vorwurfe gemacht, daß sie das Auge des Einen nicht höher als das Auge des Andern anschlägt, lieblos das Leben des einen Menschen so hochwie des andern Menschen schätzt, daß sie lieblos das Recht des Fremden mit dem des Einheimischen gleichstellt, daß ihr selbst zwischen dem Götzendiener und dem Gottesdieuer vor Gericht kein Unterschied gilt. Der Jude, dem die Liebe der Kirche so hoch und so theuer zu stehen gekommen ist, gibt gerne diejenigen, die der Gerechtigkeit verfallen, preis, um deren Thron zu erhalten. Tausendjähriger Jammer, die kein Meistergriffel, eines Zola wiederzugeben vermag, Schandthaten, darob' sich die Haare sträuben, eine Oede und Trostlosigkeit, in welcher selbst Wissenschaften und Fortschritte fruchtlos für den Aufschwung der Völker blieben, Härte und Herzlosigkeit, die den Fluch der entsetzten Völker erregten, haben es den nach Athem ringenden Völkern zur unerschütterlichen Erkenntniß gebracht, daß - Staat und Kirche oder Gerechtigkeit und Liebe wobl einander fördern können, aber nie mit einander verknüpft werden dürfen. Eine Gottesgeißel wird die Liebe, sobald sie den Altar mit dem Throne vertauscht, eine elende Bettlerin die Gerechtigkeit, sobald sie am Altäre kniet. So ist im Verlaufe der Geschichte der liberale Rechtsstaat erstarkt. Man hat es nie begreifen können, daß gerade das Christcnthnm.die Religion der Liebe, in der Geschichte dem oberflächlichen Beobachter häufig sich darstellt als triefend von Blut, durchweht vom Brandgerüche verkohlter Menschenleiber. Man hat dies für eine innere Lüge, für einen Widerspruch in sich selbst halten wollen. Doch nein, es ist keine Lüge, kein Widerspruch — es ist grausame Wahrheit, schauerliche Consequenz. Was die Kirche liebte, liebte sie, und was dieser Liebe entgegen war, vernichtete sie aus Liebe zum Gegenstände ihrer Liebe. Alle Welt lachte, als ein katholischer Geistlicher die Liebe dahin definirte, daß sie bei sich selbst anfange. Doch wie anders? Ist nicht Liebe ein inneres Gefühl, ein Sehnen und Verlangen nach Befriedigung, das immer zu sich selbst zurückführt und sich selbst zum Mittelpunkte hat? Nur zur Befriedigung des eigenen Gefühles kann die Liebe sich einem Andern widmen, indem sie nämlich Herz und Geist nach eigener Form bezwingt und alles Widerstrebende aus dem Wege räumt. So beginnt noch tiefer erfaßt, die Liebe eigentlich mit der Liebe zur Macht. Das bedeuten die Machtbestrebungen der Kirche, die alle Existenzen, selbst die Natur, zu beherrschen sucht. Wenn die Liebe könnte, wie sie es wollte, würde sie sich auch der Natur und aller ihrer Kräfte bemächtigen, heilen nach ihrem Gebote, Sieg verleihen nach ihren Jntereffen, tödten, wo es ihr dienlich schiene. Da wird man einerseits versucht, die Volksmasfen für stumpfsinnig, für den dummen Kerl von Wien oder Paris zu halten. Menschen, für die es keine Logik gibt, d. h. keine Vernunft, kein Verständniß, Menschen ohne Empsindung für das, was Lüge ist, die sich mit offenen Augen foppen laffen, die in frenetischen Jubel ausbrechen, wenn der Wahrheit eine Nase gedreht wird, Völker, die sich ihre Gesetze, ihre Freiheit willig rauben lassen, die den Schmutz küssen, die Gemeinheit verehren, in die Knechtschaft, in das Unheil rennen, den Falschen trauen, von Gewissenlosen sich führen laffen, die Verläßlichen und Treuen verhöhnen, die Bewährten verstoßen. Sind es nicht dieselben Volksmassen gewesen, die die Reformation durchsetzten, der Gegenreformation Stand hielten, mit Sturm und Heroismus den liberalen Rechtsstaat eroberten. Nein, die Völker sind nicht stumpfsinnig, der schlichteste Bauer hat seinen gesunden Menschenverstand, der verkommenste Mensch noch seine Logik, nur gerecht sind die Völker noch nie gewesen und sie haben noch bis auf den heutigen Tag nicht das Grauen verloren vor dieser strengen, unbeugsamen, unbefleckten Gottheit (Gerechtigkeit) sagen wir einfach vor dem — jüdischen Gott. Die Völker sind so überaus klug, daß sie sich selbst dumm und einfältig zu stellen vermögen, um die Vortheile zu erlangen, welche ihnen die Liebe in Aussicht stellt. Das Volk erkennt sofort den großartigen Vortheil: die Liebe, welche wir mit der Gerechtigkeit vertauschen, ist für uns die Majorität. Die Minoritäten schließen wir aus, sie werden zu Heloten, wir ihre Bezwinger und Beherrscher. Es ist etwas überaus Wohliges, Verlockendes, durch eine ganz einfache Anschauung, durch ein einfaches Bekenntniß etwas Bevorzugtes, Vornehmeres, Besseres gegenüber den Verhöhnten, Verspotteten und Ausgestoßenen zu sein. Dazu alle Vortheile der Religion, welche diese den Gläubigen verleiht, frei von den Gewissensscrupeln religionsfeindlicher Wahrheitsforschung, gotteslästerlicher Moralfanatiker und ungläubiger Gerechtigkeitsritter. Die Ungerechtigkeit, die auf Andere gemünzt ist und die man selbst nicht zu fürchten hat, schreckt nicht. Ja, wenn die Volksmassen geistig schon so weit entwickelt wären, um auch die Lehren der Geschichte zu verstehen, dann freilich würden sich dieselben Fehler in der Geschichte nicht so oft wiederholen. Nun wollte man wissen, daß sich Madame Drey fus, die Jüdin, in ihrer Noth an den Papst gewendet habe, daß er ihr mit seinem Einflüsse beistehe, das Recht ihres unschuldigen Mannes zu fördern. Der Zug wäre gar fein gewesen und gar nicht so übel, als es Vielen geschienen haben mag. Ter Papst oder Zola! Es war Zola beschieden geblieben, liebevoll für Wahrheit und Gerechtigkeit einzustehen. Dieses Bittgesuch an den Papst klingt fürwahr wie ein tiefdringender Glockenschlag an der Weltennhr, kündet, wie viel es an der Zeit geschlagen hat. Wie der Geist in der Sage auf dem Throne Salamous, sitzt nun wieder die Liebe auf dem Throne der Gerechtigkeit. Diese Liebe wendet sich einmal an die Gläubigen und ruft die Könige nach Canossa, ein andermal ruft sie die Könige gegen die Völker an und verspricht ihnen Festigkeit der Throne. Neuestens sendet sie ihre liebevollen Sendboten, die Antisemiten und Jesuiten, aus. Die Einen an die Gläubigen, die Andern an die Staatslenker. Sie verspricht Zertrümmerung des Dreibundes, Revanche, Herstellung der Ordnung, Ueberwindung des Socialismus. Sie hat zunächst die schrecklichen Wirren in Oesterreich und die unheimlichen Zustände in Frankreich zum Erfolge; gerne hätte sie es auch noch in Ungarn so gesehen. Die politische Kirche erscheint wie ein Spieler ohne Geld, der sich mit geldstrotzenden Leuten zum Spieltische setzt. Zu verspielen hat er nichts, er kann nur den reichen Leuten das Geld abgewinnen. Frankreich verliert seinen Ruhm, seinen Stolz, vielleicht den nächsten Sieg, Oesterreich seine Ruhe, Deutschland seine Sicherheit, die Staatengebilde kommen ins Schwanken — genau so, wie es schon so oft gewesen ist. Zuletzt kommt das große Bedürfniß nach Gerechtigkeit, und der besitzlose Spieler, der sich auf Kosten der Andern bereichern wollte, wird hinausaeworfen, verflucht, beschimpft. Die Geaenresorm war glänzend, das Endresultat erbärmlich. Sie endete mit der französischen Revolution, mit der Aufklärung, mit Voltaire, Renan,, mit dem liberalen Rechtsstaate — den Einsatz hatte die Religion zu bezahlen. Gott weiß, womit der so glänzend verlaufende Antisemitismus und Jesuitismus redivivus noch enden wird. Gibt es nicht fromme, einflußreiche Katholiken, die der Kirche um der zu schützenden Religion willen bei Zeiten die Rockschöße abzuschütteln ratben möchten? Frauenrman;ipatwn und das biblische Weib.;Von E» P. S t e i n. Die Verbindung des Begriffes „Frauenemanzipation" mit den biblischen Frauen wird Manchem für nicht gut möglich, Beziehungen der oft als Spottkind einer hypermodernen Zeitströmung bezeichneten Bewegung zu den Frauen der Urzeit Manchem paradox erscheinen; und doch, wenn wir die Berechtigung der Frauenemancipation historisch untersuchen wollen, können wir nicht umhin, auf die Bibel zurückzugreifen. Die Bibel ist kein Product der Neuzeit, nicht die literarische Frucht irgend eines Zeitgeschmackes, wir betrachten sie als Chronik der ältesten Menschengeschlechter. ^Jede Erscheinung muß irgendwo ihren logischen Grund haben, und wenn Jemand das Bestreben zeigt, sich zu emaneipiren, wenn Jemanden die Sehnsucht nach Freiheit erMt, so muß er sich abhängig fühlen. Nun, wieso ist die Frau abhängig? Ist dieser Zustand der Abhängigkeit ein natürlicher, ein ursprünglicher oder aber ein ihr aufgedrungener? In der Schöpfungsgeschichte — heißt es — sagt die Gottheit: „Ich will ihm, Odom, dem Staubgeborenen, machen »eiser knegdau« (1*1333 *172?).

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