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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-22 · 16 (22.4.1898) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
16 (22.4.1898)
Date
1898-04-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seife 308 Dr. BUntz'» WochrnlchrM Nr 16 Ein- und Ausschreibgebühren bei ihren Meistern versehen werden, das einen Jahresaufwand von fl. 2800 erfordert. Im Uebrigen dürste sich dem Vernehmen nach der auf Initiative unserer Gemeinde demnächst unter deren Aegide abzuhaltende galizisch-jüdische Gemeindetag mit der Erwerbsfrage eingehend beschäftigen, wobei eine lebhafte Betheiligung der Gemeinden zu wünschen wäre, während wir der Vereinigung das beste Gedeihen als Prognosticon stellen. Außer der Dotirung und Erhaltung einer Vorschußcassa für jüdische Handwerker, sowie die Verschaffung billiger Credite für selbstständig werdende Meister verdient noch das im Jahre 1894 erbaute, nunmehr von 64 Waisen stequentirte Waisenhaus, das vermöge Ausstattung und dort herrschender Disciplin als ein Angebinde der Gemeinde gerechnet werden kann, das sich aber leider wegen der sich häufenden Petenten als räumlich nicht ausreichend erweist, anerkennende Beachtung. Auch an edeldenkenden Förderern des Guten, die unseren Institutionen den uneigennützigsten Dienst unter Opferbringung erweisen, mangelt es hierorts gottlob nicht. So plant ein splenditer Bürger die Erweiterung des erwähnten Waisenhauses durch Zubau eines Flügels auf eigene Kosten behufs Ermöglichung der Unterbringung weiterer 30 Waisenmädchen, für deren Erhaltung die Jntereffen aus dem der Gemeinde jüngst zugefallenen, namhaften Berger'schen Legate nützbar gemacht werden; während ein hochherziger Spender zum Neubau eines auf der Höhe der Zeit und der technischen Mittel zustehenden Hospitales schreitet, das berufen sein wird, der leidenden Menschheit große Dienste zu erweisen. Cine Frage. Von Dr. Rieß in Auspitz. - Se. Ehrwürden Herr Dr. S. Groß, Rabbiner zu Lundenbnrg, erörtert in einem ausführlichen hebräischen Schreiben die von Herrn L. Mandl gestellte Frage. Wir müssen es uns in Rücksicht auf den Raum versagen, eine vollständige Uebersetzung der, von einem sehr objectiven Denken zeugenden Ausführungen zu geben. Auszugsweise sei nur bemerkt, daß der Schreiber bei der Darstellung der Ursachen des Antisemitismus zu denselben Conclusionen gelangt, wie der Fragesteller, Herr M., selbst. Dieser meint treffend: „Ein politisch unfreies Volk kann die ihm geschenkte Freiheit nur daun für die Dauer behaupten, wenn es in sich selbst frei ist. und das waren wir leider nie.'" Diese innere Unfreiheit zeigt Dr. Groß einerseits in dem Neid erweckenden Gehaben der sogenannten Großen, id est der mit Glücksgütern gesegneten Juden, die, ihren Ursprung vergessend, anstatt, als es noch in ihrer Macht lag, dem Antisemitismus erfolgreich entgegenzutreten, denselben durch ihre Provocationen geradezu gefördert, anderseits, in dem rücksichtslosen, geschäftlichen Gebühren, dessen sich jene Elemente schuldig gemacht, denen Gott Mamon mehr gilt, als alle idealen Güter der Welt und meint schließlich: „abal aschemim anacheu al ken . . etc I. B M., Cap. XLII, 21. Zum Zwecke der Remedur des Uebels verlangt Dr. Groß von den Glaubensgenoffen: 2) Sei bsterkenntniß, Bescheidenheit, Hebung der Moral, Duldsamkeit und Kiddusch haschem. b) Einen vermehrten intensiven Religionsunterricht für die israelitische Jugend. c) Pflege der altisraelitischen Tugenden. Zusammenhalten der Glaubensgenossen und Uebnng der Wohlthätigkeit. d) Selbstbewußtsein und Vertrauen auf eine beffere Zukunft. Das Schreiben von warmer Liebe für das Judenthum ffictirt, schließt mit einem Verse des- Dichters und Philosophen Jedaja ha-penini Bedaresi, welches in seiner Beziehung auf das israelitische Volk in der Uebersetzung lautet: „Der Freuden Fülle war mir nie beschieden, Und der Gegner List raubt mir nun auch den Frieden, Ich aber harre doch voll Hoffnung auf die Zeit, In welcher Gottes Hilfe gnädig mich erstellt." Liebe oder Gerechtigkeit. Von Dr. M. L. Ster n. Im Mittelalter ist es oft vorgekommen, daß Juden bei dem Papste gegen christliche Feinde Schutz suchten und auch fanden. Ganze Gemeinden oder auch Landschaften pflegten Abordnungen, geführt von einem Rabbiner, zum Statthalter Christi nach Rom zu senden, durch dessen Barmherzigkeit und Liebe Gefahr und Unheil von der Judenheit abgewendet werdelt sollte. Der Papst wurde nicht selten gegen die Kirche angerufen, und so manches Mal fanden die Vertriebenen der Kirche ihrer Heimat Schutz und Aufnahme bei dem milden Scepter auf dem Stuhle Petri. In der Theorie hatten sich's die Juden freilich dreimal des Tages einschärfen mögen: Der einig einzige Gott gelte Dir niehr als dein Leben, dein Gut, als jede deiner Herzensneigungen; in der Noth jedoch machten sie es wie ihr Aeltervater Jacob mit seinen drei Hilfsmitteln Gott, Klugheit und Widerstand! So sehr auch auf Gott zu vertrauen sein mag, scheint es doch angezeigt, auch den mächtigen Feind versöhnlich zu stimmen. Es muthet gar eigenthümlich an. wie diese Juden in ihrer unüberwindlichen Scheu vor der Taufe und der Kirche sich demüthig an den Stufen des päpstlichen Thrones niederwerfen, von dem Oberhaupte dieser Kirche Schutz erflehen mit dem unzweideutigen Bedeuten, daß an ein Unterwerfen nicht zu denken sei. Und dennoch war ein solcher Schritt wohl geeignet, einen vom Christenthum beseelten Papst milde zu stimmen. Ist es ja doch die höchste Achtung einer Religion seitens Andersgläubiger, wenn diese, sich auf die Grundsätze der ihnen fremden Religion berufen und vertrauen, daß die Gläubigen auch davon beseelt sein werden. Hiedurch wird fürwahr die Wahrheit beiweitem mehr als durch treulosen Uebertritt anerkannt. In unserem Jahrhundert der liberalen Aera nun sind wenig Bittgesuche der Juden an das Oberhaupt der Kirche zu verzeichnen, wie es neulich seitens Madame Dreyfus geschehen sein soll. Der Liberalismus, man mag über ihn denken, wie immer, ist seinem Grundwesen nach nichts anderes als G erechtigkeit! Gerechtigkeit ist eine allgemein und mächtig schützende Gottheit, die ihre Freunde nicht allsobald im Stiche läßt, ihre Feinde lieblos vernichtet und die Liebe als Princip eifersüchtig 'abwehrt. Es ist nur eine natürliche und unabwendbare Folge des Liberalismus gewesen, daß die Kirche kaum mehr einen Einfluß auf den liberalen Staat haben konnte. Der Staat als Inbegriff der Gerechtigkeit, schätzt die äußere Ordnung und das erzwungene Zusammenleben der Menschen, die Liebe ist eigenwillig, dem Zwange widerstrebend. Die Liebe ist der volle Gegensatz der Rechtsordnung, sie ist Parteiisch,' ja noch mehr, sie ist allzu enge mit dem Haffe verbunden. Wie Kälte und Wärme nur Gradunterschiede bezeichnen, so verhält es sich mit Haß und Liebe. Da ist ja die Liebe zur Nation so enge mit dem Nationalitätenhaß, die Liebe zur Religion mit dem Religionshaß verbunden. Verbannt ist aber darum die Liebe vom Rechtsstaate doch nicht, sie wird nur von ihm beschränkt und ans das individuelle Leben der Menschen, auf deren Verhältniß zu Gott begrenzt. Insofern wird der liberale Staat auch durch die Liebe gefördert; denn unter Menschen, die sich untereinander und die Gott lieben, erscheint gewiß die Aufgabe der waltenden Gerechtigkeit bedeutend vereinfacht, da wird auch dieses Walten umso leichter begriffen und anerkannt. Läßt aber der Rechtsstaat nur um Haaresbreite die Liebe die ihr gesetzten Schranken überschreiten, die Rechtssphäre beeinflußen, so ist er auch schon abgesetzt. Gott ist die Liebe! Ganz richtig; er ist eben allumfassend, er liebt Alles und Alle, so ist seine Liebe zugleich Gerechtigkeit! Bon Gott mögen wir immerhin das Bibelwort gelten lassen, „Dein Thron ruht auf Liebe und Gerechtigkeit"; vom Regieren und Herrschen des Menschen jedoch gilt ausschließlich der Satz: „Gerechtigkeit ist das Fundament der Staaten!" Die Gerechtigkeit ohne Liebe, für so Viele ein angstvoller Gedanke, wird von den Juden wie eine Erlösung, wie der rechte Messias empfunden. Doch wie anders? Die Inden sind eben durch ihre Religion zur Gerechtigkeit erzogen, während sie andererseits von der

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