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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-15 · 15 (15.4.1898) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
15 (15.4.1898)
Date
1898-04-15
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 15 Vri Vloch's WochrnlchrNL Seite 299 Sowie der Strauch am Horeb stets brannte und nicht verbrannte, so kann man ruhig die Prager Judenstadt mit ihm vergleichen, welche trotz der vielen, vielen brennenden Ereignisse stets wieder aus dem Schutte erwuchs und nicht vernichtet werden konnte. Zwar ist dem heutigen Juden gestattet, frei und ungehindert sich in Prag zu bewegen und Wohnung zu nehmen, kein Ghettothor, keine beengende Ghettomauer umschließt ihu, — und doch weiß ihn der Plünderer und Mordbrenner selbst im belebtesten Stadttheile zu finden, und hier — ungehindert der Sicherheitsbehörde — sein Muthchen an ihm zu kühlen. Wahrlich die Prager Josefstadt bildet ein höchst dankbares Thema, sowohl für den Historiker, als auch für den Dichter und Prosaisten. Allein der nioderne und bequeme Zeitgeist fordert seine Opfer und eines dieser ist die altehrwürdige Judenstadt in Prag. Langsam, aber stetig schwindet Stück für Stück dieses Stadttheiles, nur wenig Gebäude entgehen ausnahnrsweise dem Spaten —,als die Altneusynagoge, der alte Friedhof, die Meiselshnagoge und mehrere; die Stätten aber, wo der hohe Rabbi Löw, ein Meisel Mordechai, Rappaport, Landau u. v. A. lebten und wirkten, verschwinden und an Stelle dieser Gebäude werden sich bald „Zinsburgen" erheben und nur einige Angaben im Archive oder im Museum werden bemerken, daß hier einstens die Prager Judenstadt war. Spätes Glück. Erzählung von Regina Reißer. (Schluß). „Ist es möglich! Der Weiberfeind eine Sängerin! Gewiß hat ihn die sanfte Cornelie mit ihren Sirenentönen bethört! Oder Frau Bergheim war der deus ex machina! Unerhört! Absurd!" So schwirrte es durch einander, so urtheilten die jungen Damen, welche Dr. Seefeld mehr oder minder unzweideutig, ihre Bereitwilligkeit, so er nur anklopfen würde, ihrer zu begehren, sie gern öffnen würden, zu erkennen gegeben hatten; so deren Mütter, die sich in ihren Töchtern verschmäht, beleidigt, zurückgesetzt und gekränkt fühlten. Der Zorn und Haß ergoß sich weit weniger über sein Haupt, als über das der glücklichen Nebenbuhlerin, welche den Sieg davongetragen hatte. Es gab aber auch viele gute, kluge und schöne Frauen in P>, welche da sagten: „Wahrscheinlich, ja gewiß, ist Cornelie ungeachtet ihrer glänzenden Bühnenlaufbahn, das liebenswürdige, warmherzige, anspruchslose und bescheidene Mädchen geblieben, da ein Mann so edel, so hochsinnig, sie zum Weibe erwählt, ihr seinen Beruf opfert!" Sein Gesuch, ihn binnen kürzester Frist seiner Amtsthättgkeit zu entbinden, hatte bei den ernsten würdigen Vätern der Gemeinde die größte Bestürzung hervorgerufen. Die Deputation, welche ihn zu seiner Verlobung beglückwünschte, gab der allgemein empfundenen Trauer, ihn durch seine Heirat aus seinem Berufe scheiden zu sehen, in warmen Worten Ausdruck; die ernsten Männer begriffen, er habe vor einer schweren Wahl gestanden und nur der heiße Wunsch, sich endlich ein neues Lebensglück zu gestalten, habe den Ausschlag gegeben. Dr. Seefeld's verschiedene historische Schriften, welche von großer Befähigung mit Scharfsinn und reichem Wissen gepaart zeigten, hatten schon lange berechtigte Aufmerksamkeit im Cultusministerium erregt; als nun seine Verlobung gleichzeitig mit der Einreichung seines Entlassungsgesuches durch die Zeitungen bekannt wurde, erging an ihn der ehrenvolle Ruf als Professor der Geschichte an die rheinische Universität B., freudig und gern folgte er demselben bald nach den Herbstfesttagen mit Beginn des neuen Semesters. Die zahlreichen Briefblätter, welche fast täglich herüber und hinüber flogen, zauberten den Herzen des liebenden Paares, ungeachtet des weiten trennenden Raumes den köstlichsten Liebesfrühling, während draußen Herbststürme tobten, Winterfrost die Natur erstarren ließ. Die Weihnachts- und Osterferien konnte Dr. Seefeld bei seiner reizenden Braut zubringen. „Die Heinzelmännchen, meine Hörer, helfen unser Heim zu Deinem Empfange schmücken, Geliebte," schrieb er einmal, kurz vor der Hochzeit. Im wunderschönen Monat Mai, an einem sonnigen Tage, ein wolkenloser blauer Himmel wölbte sich über der guten Stadt P. stand in dem großen mit prachtvollen Blattpflanzen und duftenden Frühlingsblumen, unter denen Veilchen, die Lieblingsblume der jungen Braut, besonders hervorragten, verschwenderisch decorirten Festsaale des Bergheim'schen Hauses der Trauhimmel, eine kleine gewählte Gesellschaft harrte lautlos des Erscheinens des Brautpaares. Aus den Händen der beiden ihr so mütterlich gesinnten Frauen, welche Gottes Güte des Lieblings Glück und Zukunft an der Seite eines solchen Mannes gesichert zu wissen, nicht genug dankbar preisen konnten, empfing Professor Seefeld seine entzückende Braut. Glänzender weißer Seidenstoff umfloß Corueliens zarte Gestalt, der lustige Tüllschleier, der Kranz von Myrthen und Orangenblüthen bildeten ihren einzigen Schmuck. Mendelssohn's Hochzeitsmarsch aus dem Sommernachtstraume ertönte brausend, als das schöne Paar, er hoch und stolz aufgerichtet, sie gesenkten Blickes, den Festsaal betrat; bräutliche Zärtlichkeit, heilige Andacht erfüllten Corneliens Herz und spiegelten sich in ihren lieblichen Zügen wieder, während sein edles ernstes Antlitz die Bläffe tiefster, seelischer Erregung zeigte. Sein Amtsnachfolger vollzog die Trauung, weihete uub segnete den Herzensbund; laut und vernehmlich klang Professor Seefeld's „Ja", während Cornelie das ihre leise und schüchtern hauchte. Nach beendetem festlichem Hochzeitsmahle vertauschte die junge Frau das schimmernde bräutliche Gewand mit der zierlichsten grauen Reisetoilette. Heiße Thrünen des Glückes, des Dankes und der Wehmuth des Scheidens, Abschiedsküsse, Segenswünsche und das Dampftoß entftihrte das glückselige Paar den Freunden. Am Abende des nächsten Tages langten die Neuvermählten an ihrem Bestimmungsorte an. Eine Deputation von Studenten erwartete sie in vollem Wichse am Bahnhofe. Mit Blumen geschmückt war der Wagen, welcher das junge Paar in die kleiue Billa brachte, die in Hellem Lichte erstrahlte, mit Blumen geschmückt das Vestibüle, die Treppe; Festons und Guirlauden zogen sich um alle Thüren, welche weit geöffnet die ganze Zimmerflucht auf den ersten Blick sehen ließen; wohin Cornelie ihren Futz setzen sollte, war der Weg buchstäblich mit Blumen bestreut! „Ln ÜQ seul!" Wir Alle kennen die liebenswürdige Schöpfung eines modernen Meisters. „Endlich allein!" ruft Professor Seefeld jubelnd aus; er hält sein junges Weib stumm, aber doch so beredt an seinem Herzen. Wie lange? Wiederholt hat es an die Thür geklopft, die Glücklichen hörten es nicht; nun klopft es stärker. Verzeihe, Liebling, ich vergaß, von Hektar und Ambrosia können wir nicht leben", lacht er hell auf! „Wir sind beide hungrig und durstig, uns verlangt nach irdischer Speise und Trank! Komm Geliebte! Er nimmt ihren Arm und führt sie in das trauliche Speisezimmer. Welche Seligkeit bei diesem ersten gemeinsamen Mahle am eigenen häuslichen Herde! Sie bewundert Alles; er bedient sie zärtlich, liebevoll, sie läßt es sich gern gefallen! Das saubere Dienstmädchen hat sich auf seinen leisen Wink entfernt. „Ln ÜQ 8eu1!" Das Abendessen ist beendet; er nimmt wieder ihren Arm, sie schmiegt sich eng an ihn und er führt sie in sein Studirzimmer; lächelnd zeigt er auf die Büsten und Bilder der ernsten Männer und sagt: „Da ich bisher zumeist ausschließlich mich in Gesellschaft dieser gelehrten Herren aufhielt, muß ich ihnen auch zuerst mein süßes junges Weib vorstellen!" Die ernsten Männer scheinen in der That gütig, wohlwollend auf die holdselige Erscheinung herabzublicken. Suchend irrt Corneliens Auge in dem großen hohen Raume umher und bleibt an einem der breiten Fenster haften. „Eine Bitte, Geliebter; darf mein Nähtisch hier seinen Platz erhalten? Ich will Dich nie stören, nur Dir nahe sein dürfen, wenn Du mit diesen gelehrten Herren verkehrst", sagt sie sanft. Er küßt den süßen Mund, der so holde Worte für ihn hat, und führt sie weiter. „Hier beginnt Dein eigentliches Reich, Geliebte!" Sie betreten ein reizendes rundes Gemach; ein lautes, fteudiges „Ah" der Bewunderung entschlüpft Corueliens Lippen; die Vorhänge an Thüren und Fenstern, die Bezüge der Causeuse und kleinen Fauteuils zeigen lichtgrauen zarten Wollenstoff von Veilchenbouquets durchwirkt; so zartsinnig und liebevoll hat er sich in ihre Neigungen hineingelebt. Ein prachtvoller Blüthner'scher Flügel nimmt den günstigsten Platz in dem schönen Raume ein.

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